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    Das canthanische Näschen rieb sich mit jedem Schritt im wärmenden Schal. Schwungvoll war der Gang und bestrebt. Ferner jeder eingefahrenen Vorstellung funkelte Freude hinter fallenden Flocken in bezaubernden Mandelaugen. Novizinnen unter Grenth müssen eben doch nicht alle Lebensgeister hinter sich lassen, um dem Prinzen, dem Herrn über das Eis, den Tod und die Dunkelheit dienen zu können. Sayo fror schon im Herbst und das bis zum Sommer. Über ein Jahr war es nun her, dass die junge Frau mit damals zwanzig Jahren nach Götterfels kam und ein Leben in Wanderschaft an der Seite von Priesterin Aima aufgab, nachdem diese ihres gänzlich hinter sich ließ. Ein Jahr, in dem sich die Welt für eine heranwachsende Novizin auf den Kopf stellte, als die Trauer verblasste, weil die weiseste, nun verstorbene Frau der Welt Sayo aufgab Dankbarkeit vor Verzweiflung zu stellen. Die Erinnerungen an das gemeinsame Sein, so lehrte Aima, wiegen unendlich mehr als die Stunden der
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    Männerarme halten die junge Frau, während sich Flocken auf ihren warmen Mantel legen und dort zu durchsichtigen Gespinsten aus tauendem Eiskristall auf krauser Wolle werden. Andere haben weniger Glück und fallen tiefer, vorbei an des Mannes Stiefeln in das Rinnsal aus flüssigem, totem Schnee. Die Winternacht verliert die Schwärze in Schlieren zwischen morgengrauem Himmel über den Zinnen und Giebeln der großen Menschenstadt. Der Laternenschein lädt alle Lichter lang in eine kleine, kreisrund erleuchtete Welt in warmen Farben. In einer erzählt ein leerer Becher auf einem Sims neben erfrorenen Stiefmütterchen vom vergangenem Wintertagsmarkt. In der nächsten späht man durch Rauchglas in das Innere einer Taverne auf Schatten letzter Gäste zu klirrendem Glasgezwitscher. Die Stiefelschläge des Schattens, der durch diese Welten wandert hallen hinter den Schläfen der fast ohnmächtigen jungen Frau wie Paukenschläge wider und lullen ihre Gedanken ein, bis der Schlaf die Wacht
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    Das Fleisch war noch warm. Als seine Zähne die Dichte des Fells durchdrangen, die struppige Textur des wärmenden Haars an seinem Gaumen, spürte er, wie Blut in seine Mundhöhle zu laufen begann. Die charakteristische, eisenhaltige Schwere seines Geschmacks flutete Ghabriels Zunge und seinen Gaumen, bis die Flüssigkeit schließlich seinen weit aufgerissenen Rachen hinabrann und er einmal kräftig schluckte. Das Zucken zwischen seinen Kieferknochen ließ ihn fester zubeißen. Er wusste, es waren nur noch reflexartige Muskelkontraktionen, doch allein die Möglichkeit, seine Beute könne zu fliehen versuchen, sprach Instinkte an, die sich vor jeden bewussten Gedanken setzten. Er handelte einfach. Und war es nicht genau das, was er wollte?
    Ghabriel trug das Kaninchen zu seinem Unterschlupf. Niemand wartete dort auf ihn. Am Eingang empfing ihn der gewohnte Geruch vertrockneter Gräser, von nasser Erde und verrottendem Wurzelwerk, den er rasch hinter sich ließ, als er in den engen Gang tauchte und[Weiterlesen]
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    Mir war nur schwindelig und ich kann es nicht begreifen. Ich sitze in weichen Kissenbergen, bedeckt von der schönsten Decke, die ein Bett für sich behaupten kann und sehe in die Weite. Was soll ich sagen? Wie soll ich es sagen?

    Mir war nur schwindelig und jetzt ist alles anders, wird alles anders sein. Ich stehe an einer Klippe und es braucht nur einen Windhauch aufkeimender Abneigung um mich über diese zu treiben und in die Tiefen des Vergessens zu stürzen.

    Mir war nur schwindelig und jetzt soll ich Verantwortung für ein Leben tragen? Ein Leben, welches nicht einem geregelten Plan entsprechend entstand? Wie soll ich damit zurecht kommen? Wie soll ich, die selbst noch kaum erwachsen ist, damit leben?

    Mir war nur schwindelig und ich kann ihm nicht in die Augen sehen. Wird dort Freude sich spiegeln, wird dort Abneigung keimen. Kann er mich noch in den Arm nehmen, oder werden mir diese gänzlich verwehrt sein ab dem Augenblick der Klarheit.

    Ich habe große Angst...

    ...aber mir war
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    Ihre behandschuhten Finger strichen sanft über die Stelle des Grabes, an der bis vor kurzem noch sein Name klar und deutlich angebracht war. Addison seufzte leise und schüttelte das Haupt, als sie leise Schritte hinter sich vernahm. Eingehüllt in einem dicken, braunen Mantel und mit einem grünen Schal um den Hals blieb der ältere Herr hinter ihr stehen und lächelte matt auf. “Addison.“ hallte seine Stimme über den Platz, während er einen Schritt auf sie zuging. “Ich dachte du ziehst es vor so weit wie möglich von mir fort zu sein?“

    Ihre Knie versagten und mit einer Hand am Stein stützte sich die Fürstin ab. Die kalte Luft schnürte ihr den Hals zu, als der Hall seiner Schritte bis zu ihrem Ohr vorgedrungen war. Sie war schon lange nicht mehr Herrin ihres eigenen Körpers gewesen und jeden Schlag den sie in den letzten Jahren wegsteckte forderte nun seinen Tribut an ihr. “Du weißt, dass es kompliziert ist. Ich habe mit meiner Schwester gesprochen.“ „Und.. rät sie dir noch immer[Weiterlesen]

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