Artikel 2.002

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    Diese vertrauten, hölzernen Wände kamen Fraja nur sehr gelegen. Nicht nur weil auch sie ausnahmsweise Ruhe nach einer harten Wanderung brauchte, sondern weil es schon wieder viel zu lange her war, als sie der Halle des Raben beiwohnte. Die Erleichterung war ihr ins Gesicht geschrieben. Aber nicht lange sah sie sich um. Sie hatte Gefährten bei sich, die auf die Hilfe der Halle angewiesen waren. Schnell führte sie ihre Begleiter zum rechten Flügel. Einige Felle waren auf hölzernen Bettgestellen bereit gelegt. Jeder von ihnen erhielt sein eigenes. Jeder von ihnen hatte die Ruhe nötig. Geborgen unter den schützenden Schwingen des Raben, sollte ein jeder seinen ruhigen Traum finden. Nur für die Schamanin war noch nicht an Ruhe zu denken. Es galt noch über eine geschundene Seele zu blicken. Jene des Asuras, dessen Körper von seinem eigenen Anzug fast zerfressen wurde. In den Händen der Norn wirkt es fast schon als trage sie ein schlafendes Kind in ihren Armen. Langsam legte… [Weiterlesen]
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    1315 n.E.

    Sie saß auf ihren Knien und starrte auf ihre Hände hinab. Sie zitterten. Ihr Gesicht brannte unter rinnenden Tränen. Sie tropften auf ihren Busen. Tief sog sie Luft ein, hob den Blick der den des Schamanen traf. Er saß ihr gegenüber, sah sie mit schweigendem Ernst an.

    Ihre Stimme, sonst so kräftig und von Fröhlichkeit durchdrungen, war brüchig und leise. „Niemals?“ Die Finger zogen sich über den Stoff der Hose höher, bis sie auf dem Bauch lagen. Er nickte. „Niemals.“ Sie schluchzte auf.

    Eine weitere Stimme ertönte. Wie von sehr weit entfernt. „Wie meinst du das, Schamane?“ Die beiden Männer sahen sich an. „Sie wird niemals ein Kind austragen. Nicht von dir. Nicht von Anderen.“ Damit stand der Schamane auf. Er neigte das Haupt und verließ die Stätte.

    Das Paar blieb zurück. Sie schluchzte. Er ballte die Fäuste. Lange schwiegen sie sich an.

    Als er sich nach einer Ewigkeit in den Stand drückte, sah er nicht zu ihr hinab. „Du wirst einen finden.“ Auf eine Antwort wartete er… [Weiterlesen]
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    Leben, oder Leben lassen?

    Ein logisch denkender Geist, hätte das Leben gewählt, hätte es bejaht, befürwortet.
    Doch sie hätte sich anders entschieden, ohne großes zögern. Ein Leben konnte grausam sein. Ein Leben konnte Gefangenschaft und Ketten bedeuten, doch das Leben, leben zu lassen, bedeutete soviel mehr, nahm man sich die Zeit, darüber zu sinnieren.
    Es ratschte leise, als das kühle Metall seine Arbeit tat und ein Teil von ihr zu Boden fiel.

    Geld oder Gesundheit?

    Sie hätte das Geld gewählt, sehr lange Zeit. Nicht aus Raffgier, nicht weil sie es schätzte; Aber das eigene Wohl, besaß noch weniger Wert. Ihre Herrin wusste warum und obwohl sie glaubte, Lyssa würde es nicht gut heißen, redete sie sich ein, dass sie es doch verstand und vielleicht, nur vielleicht auch Nachsicht zeigte.
    Geld war einfach gestrickt. Geld war nützlich. Geld betrog dich nicht, Geld wollte nicht gepflegt werden und Geld tat nicht weh, wenn es langsam schwand.
    Geld, war der einfachere Weg.

    Vergänglichkeit,[Weiterlesen]
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    Es war ein kleines Zimmer auf einem kleinen Hof und es war nicht einmal ganz das ihre. Denn sie teilte es mit dem einen, mit dem sie ihr Leben teilte vom Funken Dwaynas im Leib der Mutter bis zur Geburt und die ersten Jahre ihres Lebens. Mittlerweile ist die Zahl ihres Lebens bereits zweistellig und es gingen und kamen die Jahre ohne eine große Änderung zu bringen. Beide gingen zur Dorfschule, beide halfen auf dem Hof. Der eine ein Träumer, die andere redlich und arbeitswillig für die Eltern, immer mit dem Hauch von Überhang, weil sie glaubte eine Last zu mildern, die ihre Geburt aufgegeben hatte. Doch heute, heute sollte die Arbeit ruhen und seit Tagen, nein, Wochen freute sie sich bereits auf diesen einen Tag in der Woche.
    Im nahen Neu-Lehmwald war Dorffest zu Ehren der Lyssa, ein buntes Fest mit Musik und Tanz. Robin hatte schon seit einer Weile seinen Geleit erwählt unter den hübschen Mädchen, die er allesamt mit Worten betören konnte und die doch ein wenig, nur ein wenig
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    Er rutschte kein Stück, wusste er doch wie unangenehm ihr seine Nähe gemeinhin war, und genoss genau das. Ein klein wenig rückte sie tatsächlich zur Seite und tat so als läge es an dem engen Korsett, welches ihr nicht erlaubte sich gemütlich neben ihm auf den Schemel zu setzen. Seine hellen Töne schrillten mit Vehemenz gegen ihr dunkles schönes Spiel an, wurden aber leiser als ihre musikalische Gabe auf ihn zu wirken begann. Er schätzte diese Art dunkler Musik, war immer weniger bestrebt, es zu zerstören. Viel mehr lauschte er nun und schließlich presste er keine Taste mehr nieder. Ihr Blick senkte sich auf die Tasten und sie gab ihm die Möglichkeit die ersten vorzugeben. Irgendwann schloss sie ihre Augen und übernahm das Elfenbein auch auf seiner Seite des Klaviers. Leicht wiegte sich der Lockenkopf, sogar die schlanke Statur der jungen Komtess, zu den Klängen des melodisch düsteren Stücks. Sie störte sich nicht mehr daran, dass er neben ihr saß und jede Faser
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    Menschenhaar II

    Die alte Trauerweide ragte wie ein Schattenriss aus der Frostlandschaft des morgendlichen Totenackers. Der Himmel war weiß und die Grabsteine Wengenholms erhoben sich scharfkantig vor dieser Leere. Mitten drin stand Aedan Berlînghan in seinem Kutschermantel, homogen eingefügt in die Silhouetten aus Gestein. Nur der Wind hauchte Leben in die Stoffschläge. Dann kehrte er sich ab und ging zurück zum Eisentor. In dem Gewirr aus kahlen Weidenzweigen aber schlackerte eine geflochtene Strähne Menschenhaar.
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  • Das beständige Rauschen der Wellen war schon lange nichts mehr, was den Hüter wirklich störte.
    Als leises Hintergrundgeräusch war es in den Alltag eingeflossen und begleitete ihn bei jedem seiner Schritte auf dem Frachter. Doch so wie das Rauschen des Meeres in den Ohren so war auch das flaue Gefühl im Magen zu einem beständigen Begleiter geworden. Dem Meer so ausgeliefert zu sein, wollte ihm einfach nicht behagen.
    Es waren inzwischen nun fast zwei Wochen vergangen, als man mit der zusammengestellten Truppe und einigen Abteilern das Schiff bestiegen hatte. Es war pures Glück für ihn nicht auf dem kleinen Mannschaftskahn mitsegeln zu müssen, sondern auf dem Frachter einen Platz gefunden zu haben.
    Alleine schon aus dem Grund, dass das Meer das große Schiff nicht so sehr zum Schwanken brachte, wie die kleine Nussschale welche den ganzen Weg über hinter und mal neben dem Frachter hersegelte.

    Die ersten Tage auf See waren unerträglich gewesen. Die Nähe zu den Brüdern und deren Gefühl… [Weiterlesen]