Artikel 1.934

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    Suppenkasper


    „Iss deine Brühe.“
    „Nein.“
    „Iss die Brühe, es wird dir gut tun.“
    „Nein!“
    „Alexander Beaufort, du isst jetzt diese Brühe, sonst setzt es was!“
    Der Angesprochene zog sich die Decke über den Kopf und rollte sich darunter zusammen, als hegte er die Hoffnung, wie es kleine Kinder manchmal tun, dass man verschwand, wenn man selbst auch nichts sah. Es war eine vergebliche Hoffnung. Hände griffen nach seinem Schutzkokon und entrissen ihn ihm. Er fror nicht, doch der plötzliche Temperaturwechsel brachte das Zittern zurück, das ihn vorher schon heimgesucht hatte.
    „Oh, sieh dich nur an.“, sagte seine Peinigerin mit Mitleid in der Stimme. „Du musst erbärmlich frieren...“
    „Das würde ich nicht, hättest du mir nicht die Decke weggenommen.“, klagte er mit kindlicher Ungnade und richtete sich notgedrungen auf. Immerhin konnte er sich in frisch aufgeschüttelte Kissen lehnen, doch die Freude darüber war nur von kurzer Dauer, denn ihm wurde die Suppenschale mit solcher Vehemenz
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    Es war ein nebliger Morgen und die Luft zog unangenehm kalt in die Hütte hinein, bis der schwere Vorhang zurück an seinen Platz fiel und sie draußen hielt. Sóla sah ihrem Pa nach, der soeben draußen verschwunden war um zum Markt zu gehen. Mit der Holzpuppe wedelte sie ihm nach, wie immer wenn er sie nicht mitnahm. „Ba.“, erklärte das kleine Mädchen dabei, schaute dann aber zurück in die Hütte und suchte nach ihrem Bruder. Dieser stand bei der Ma, die gerade den Tisch abräumte und griff noch eins der süßen Brötchen vom Frühstück ab. Kauend schaute Jonne zu seiner Schwester. Dann zum Vorhang. Er kaute seinen Bissen langsam und gemächlich, als würde ihm das beim Denken helfen. „Ma! Is geh‘ mit Sóla drauß‘n spiel‘n!“ Es war keine Frage. Es war eine Aussage und das Mädchen klatschte freudig in die Hände. Die Ma schaute auf. Ihr Blick wanderte zum Jungen, der schon losmarschierte um Gugel, Mütze und Handschuhe seiner Schwester zu holen. Dann schweifte ihr Blick weiter zu dem Mädchen und… [Weiterlesen]
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    Es war der Gestank, der ihn weckte. Etwas Dumpfes, Fauliges, das stechend in seine Geruchskanäle drang. Sein eigener Atem?
    Mit einem Stöhnen rollte Ghabriel den Kopf zu seiner Schulterpartie, und er spürte die Mühe, die es ihm bereitete, den Rest seines Körpers folgen zu lassen, der wie eingemauert an dem Untergrund zu haften schien, auf dem er lag. Nur mit enormer Anstrengung konnte der Mann ihn davon überzeugen, seinen eigenen Befehlen zu gehorchen und die Gliedmaßen herumzudrehen, bis er stabil auf seiner rechten Seite ruhte.
    Eine bittere, zähe Flüssigkeit rann über seine Lippen und an diesen entlang sein Kinn herab. Speichel, der seit einer gefühlten Ewigkeit in seinem Mundraum verblieben sein musste, denn sein Rachen war so trocken, dass Ghabriels Zunge an seinem Gaumen festklebte, als er diesen zu befeuchten versuchte. Er hob seine Lider, doch um ihn herum herrschte eine beinahe vollkommene Dunkelheit.
    Seine Augen rollten in ihren Höhlen zurück. Ghabriel kämpfte den… [Weiterlesen]
  • Die Luft in den engen Korridoren des vaabischen Walls drückte schwer auf ihre Lungen. Mit aller Kraft schob sie einen der Zentaurenknochen, die vorher zur Anbringung von Laternen die Wände zierten, zwischen die Griffe des Tors, ehe sie erschöpft vor diesem auf die Knie ging.

    “Das wird die Erweckten nicht ewig abhalten können, Vater. Wir müssen zu den Fremdlingen zurück, sie finden hier nie wieder alleine heraus.“ Calliope sah sich in dem kleinen Raum um, offensichtlich war er ein Verbindungsstück zwischen mehren Gangabschnitten des Walls gewesen. Chioke, ein älterer Sonnenspeer in weißer Rüstung, stand an eine der Wände gelehnt und hielt sich mit schmerzerfülltem Gesicht die Hüfte. “Vater, dich hat eine der Mondsicheln erwischt.“ „Ich weiß. Geh und finde die Fremdlinge, ich bleibe zurück und versuch den Weg nach Vaabi zu sichern.“ Calliope schüttelte das Haupt und riss den Ärmel ihres Hemdes in zwei, das dreckige Stück Stoff ihrem Vater darreichend. “Ich kann dich nicht[Weiterlesen]


  • Leise tropfte der Regen an die Scheiben der Redaktion des Frack&Rocks. Mühseelig und mit zitternder Hand schob die kleine, canthanische Frau die Türe auf und sah sich mit Tränen gefüllten Augen um. Ihre Schritte halten durch den Saal, ehe sie schließlich am Schreibtisch ihrer ermordeten Freundin und Chefredakteurin stehen blieb und mit den Fingerspitzen über die Tischplatte strich. Nach und nach traten weitere Personen in die Redaktionsräume, alle hatten sie ihre Wintertagsvorbereitungen liegen lassen, als der Mord an ihrer Freundin die Runde in der Stadt machte. Das gewaltsame Ableben von Alejandra Sanchez hatte ihre Freunde und Kollegen fest im Griff und keiner von ihren merkte, wie das Türglöckchen erneut klingelte und die letzte, fehlende Person der Redaktion eintrat.

    Ihre hohen Absätze hallten auf dem Holzboden, während der hellgrüne Mantel sich sanft um ihren Körper legte. Knapp strich sie sich eine der roten Locken aus dem Gesicht und zupfte an ihrem grünen Haarband,… [Weiterlesen]
  • "Verstehst du? Ich meine, niemand will irgendwas mit ihm zu tun haben. Autsch! Pass doch auf." Sie war zusammengezuckt und starrte Alesha jetzt vorwurfsvoll entgegen, dessen Bemühungen die zähe Salbe auf ihrer Schulter zu verteilen ihrer Meinung nach nicht behutsam genug waren. Doch wandte sie sich gleich darauf wieder dem eigentlichen Thema zu. "Eigentlich gehen ihm irgendwie alle aus dem Weg. Der ist doch nicht blöd. Das merkt der doch." Der Iorga lächelte über ihre ehrliche Verständnislosigkeit und hatte die Stimme selbst zu einem entspannten Brummen gesenkt. "Warum verbringst du dann nicht einen schönen Nachmittag mit ihm?" schlug er gleichmütig und mit mildem Spott vor, als spräche er von Stunden voll Wärme und Harmonie, seine Finger abermals in den Tiegel mit dem scharf riechenden Tierfett tauchend. Sie kräuselte die Nase. "Er guckt mich an, als wäre ich ein giftiges Insekt." gab sie missmutig zu und erntete dafür ein amüsiertes Schnauben. "Ich meine, er ist doch
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  • Familienidylle und Tintenkleckse




    40. Koloss 1326
    „Ich muss mich auf dich verlassen können.“
    „Das kannst du.“
    „Es geht um die Zukunft meiner Tochter, Charles.“
    „Es geht um die Zukunft der Familie.“
    Die Cousins sahen sich einen Moment lang in die Augen, bevor der Baron den Blick senkte.
    „Ich habe auch Söhne, Mylison.“
    „Dimitri und Ilon. Ich weiß. Ich weiß nur zu gut. Aber sie ist mein Mädchen. Meine Tochter, Charles. Sie ist das Einzige, dass ich der Welt hinterlassen werde. Sie ist eine Tares.“
    „Ich weiß. Aber ich kann nicht versprechen, ihr beizustehen, wenn ich mich doch um meine eigene Familie kümmern muss. Es geht nicht darum, dass ich deine Tochter nicht unterstützen will. Sie ist eine Tares, die letzte in deiner Linie. Eine Typische Tares, wie ich sagen muss. Von der Haarspitze bis zu den Zehen.“
    Der Ältere hielt inne und schüttelte leicht den Kopf.
    „Sei es drum. Ich werde ihre Position stärken. Die Linie Kliffhang stellt das Familienoberhaupt und das wird sie[Weiterlesen]
  • Von schwindender Dankbarkeit


    Blut, braun und getrocknet unter seinen stets kurz gehaltenen Nägeln. Es war eine lästige Arbeit, es mit der feinen Bürste darunter hervor zu schrubben, doch er tat es gründlich, bevor er sich vollständig entkleidete und den Schweiß der Arbeit vom Körper wusch. Den Schweiß und die vielen unterschiedlichen Gerüche, ein jeder für sich schon wahrlich atemberaubend, aber zusammen eine regelrechte olfaktorische Explosion. Nicht im guten Sinne.
    Das kleine, stickige Büro kam ihm in den Sinn. Der Mann konnte es nur dort mit sich selbst aushalten, wenn er seinen Geruchssinn schon vor Jahren verloren hatte.
    Alexander nahm nachdenklich die neutrale Seife auf.
    Wie hatte er das überlebt? Oder anders. Wie hatte er das so lange überleben können? Medizinisch war es nicht zu erklären und von Magie verstand er nichts. Er hatte ihn einen alten, törichten Narren genannt. Würde er irgendwann dafür bezahlen? Alexander nahm es an. In der Situation war er als Arzt
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  • Es war dunkel im Zimmer und viel zu spät in der Nacht um wach zu liegen, doch die rythmischen, langsamen Atemzüge Alexejs genügten nicht um Lynn langsam in den Schlaf zu wiegen. Auf dem Rücken lag sie, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, und starrte an die Zimmerdecke, die in der Dunkelheit nicht mehr war als eine graue Fläche, die in unbestimmter, aber nicht allzuweiter Ferne über ihr schwebte. Sie bot wenig Ablenkung für Lynn's Gedanken, doch selbst, wenn dort dergleichen zu finden gewesen wäre, kaum etwas hätte es vermocht, sie von dem fortzuziehen, was sie gerade soviel mehr beschäftigte.
    Lynn hielt sich selbst eigentlich nicht für naiv. Sie tat es nicht, weil sie von Grund auf ein mistrauischer Mensch war, der Verrat und Egoismus zu den natürlichen Charaktereigenschaften absolut Aller erzählte. Sie hielt sich auch deswegen nicht für naiv, weil sie zumeißt, genau genommen ungesund oft, Situationen, Begebenheiten, Beziehungen, sogar Personen aus einer distanzierten und wenig
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