Artikel von „Nia!“ 86

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  • Es dämmert gerade, als das Weib sich in den Fellen regt und der Schmerz heftig durch ihren Knöchel zuckt. Kurzzeitig wirkt es, als betäube er ihr gesamtes Bein. Leise murrend dreht sie sich auf den Rücken, wischt sich den Schweiß von der Stirn und schnauft nach oben zur Hüttendecke. „Dreck…,“ brummt sie leise und rau aus. Tapsige Schritte erregen direkt darauf ihre Aufmerksamkeit und sie sieht an den Rand des Lagers. Dort steht ihr Sohn, sieht sie mit verschlafenen Augen an und gähnt herzlich. „Ma.. uuuuahrg!“ Jonne schmatzt und klettert ins Lager. Über seinen tief schlafenden Pa hinweg, schlüpft er zu seiner Ma unter die Felle und schmiegt sich an. „Was machst du denn schon auf den Beinen mein Fratz?“ Sie streicht ihm mit den Fingerkuppen sacht von der Stirn zur Nasenspitze. Immer wieder. Das gefällt ihm. Das hat die Ma schon gemacht, als er noch ganz klein war. Direkt drückt er sich noch etwas mehr an den warmen Körper seiner Ma und schnauft schwer seufzend durch. „Is war wach…[Weiterlesen]
  • Es ist ein schöner Morgen, als meine Schwester und ich mit vollen Bäuchen aus der Hütte gehen. Ma hatte uns süße Brötchen gebacken. Ich esse meine am Liebsten mit Honig. Ich liebe Honig! Und Würste. Sóla isst ihre Brötchen immer ohne alles. Aber mit Milch. Sie mag keinen Honig, glaube ich. Aber das ist gut, denn dann bleibt mehr für mich!

    Die Sonne tanzt durch die Bäume und man hört die Tiere im Wald. „Sóla, is hab ein Wildswein gehört!“ Natürlich muss ich es ihr gleich erzählen. Sóla ist noch klein, die muss doch erst alles kennenlernen. Sie guckt sich um. „Wo?“ Ich zucke mit den Schultern und zeige in den Wald. „Komm, wir gucken!“ Dann gehen wir los. Ich halte die Hand meiner Schwester. Das muss so sein, ich muss sie ja beschützen. Außerdem kenne ich mich im Wald total gut aus! Wie lange wir laufen? Keine Ahnung. Machen ja meine Füße von ganz alleine. Aber wir wollen das Wildschwein finden. Es grunzt und sucht mit seinem Rüssel in der Erde. Sowas hab ich schon gesehen.

    Vor lauter… [Weiterlesen]
  • 1330 n.E.

    Hedda war immer eine ausgeglichene Norn gewesen. Sie lachte viel, sah immer alles mit übermäßigem Optimismus und fand grundsätzlich mindestens eine Sache, die ihr an ihrem Gegenüber gefiel. Die Marktweibanwärterin war freundlich, offenherzig und stets gut gelaunt. Das Lächeln wurde auf den Lippen getragen, wie Andere ihre Hautbilder auf der Haut trugen. Ohne Scham und ohne Einschränkungen.
    Ja, Hedda war immer eine ausgeglichene Norn.

    Bis heute.

    Hallvard lag auf dem Boden im Schnee, der um seinen Körper herum aufgewühlt war und das Erdreich kam hervor. Seine Nase blutete und er sah verwirrt auf das Blut in seiner Hand. Als könnte er nicht fassen, dass er soeben eine abgeräumt bekommen hatte. Den Kopf schüttelnd hob er seinen Blick an und rappelte sich langsam wieder auf die Füße.

    Hedda schrie und tobte gegen den Griff dreier Norn in Wolfsrudelkluft an. Sie warf sich immer wieder hin und her, um dem Griff endlich zu entkommen und stieß Flüche aus, die man ihr niemals… [Weiterlesen]
  • 1315 n.E.

    Sie saß auf ihren Knien und starrte auf ihre Hände hinab. Sie zitterten. Ihr Gesicht brannte unter rinnenden Tränen. Sie tropften auf ihren Busen. Tief sog sie Luft ein, hob den Blick der den des Schamanen traf. Er saß ihr gegenüber, sah sie mit schweigendem Ernst an.

    Ihre Stimme, sonst so kräftig und von Fröhlichkeit durchdrungen, war brüchig und leise. „Niemals?“ Die Finger zogen sich über den Stoff der Hose höher, bis sie auf dem Bauch lagen. Er nickte. „Niemals.“ Sie schluchzte auf.

    Eine weitere Stimme ertönte. Wie von sehr weit entfernt. „Wie meinst du das, Schamane?“ Die beiden Männer sahen sich an. „Sie wird niemals ein Kind austragen. Nicht von dir. Nicht von Anderen.“ Damit stand der Schamane auf. Er neigte das Haupt und verließ die Stätte.

    Das Paar blieb zurück. Sie schluchzte. Er ballte die Fäuste. Lange schwiegen sie sich an.

    Als er sich nach einer Ewigkeit in den Stand drückte, sah er nicht zu ihr hinab. „Du wirst einen finden.“ Auf eine Antwort wartete er… [Weiterlesen]
  • Das kleine Mädchen saß an der Hüttentüre und drückte die kleinen, schmalen Hände dagegen. Die wilden roten Löckchen hüpften noch auf ihrem Schopf, vom letzten Ruck der durch den kleinen Körper gegangen war, als sie fast schon wütend gegen die Türe gepatscht hatte. Sóla gab immer mal wieder einen Laut von sich, der dem von Wolfswelpen gar nicht mal so unähnlich war. Wieder patschte sie mit der flachen Hand gegen die Tür und ließ für diesen Augenblick sogar ihre Puppe Ooh außer Acht. „Ma… Ba!“ Abermals heulte das Mädchen auf und drückte gegen die Tür, als ob sie davon aufgehen würde. Doch es geschah nicht.
    Eine hochgewachsene Jungnorn setzte sich an ihre Seite, gähnte herzhaft und strich ihr die Locken aus der Stirn. „Jonne und ich vermissen sie auch, Sóla. Aber sie sind ziemlich weit weg… da kannst du noch nich hin.“ Die dunklen Finger tasteten nach der Holzpuppe und diese wurde der Kurzen hingestreckt. „Komm, wir schlafen noch ein bisschen und später besuchen wir Vaf, ja?“ Erneut… [Weiterlesen]
  • Es war ein nebliger Morgen und die Luft zog unangenehm kalt in die Hütte hinein, bis der schwere Vorhang zurück an seinen Platz fiel und sie draußen hielt. Sóla sah ihrem Pa nach, der soeben draußen verschwunden war um zum Markt zu gehen. Mit der Holzpuppe wedelte sie ihm nach, wie immer wenn er sie nicht mitnahm. „Ba.“, erklärte das kleine Mädchen dabei, schaute dann aber zurück in die Hütte und suchte nach ihrem Bruder. Dieser stand bei der Ma, die gerade den Tisch abräumte und griff noch eins der süßen Brötchen vom Frühstück ab. Kauend schaute Jonne zu seiner Schwester. Dann zum Vorhang. Er kaute seinen Bissen langsam und gemächlich, als würde ihm das beim Denken helfen. „Ma! Is geh‘ mit Sóla drauß‘n spiel‘n!“ Es war keine Frage. Es war eine Aussage und das Mädchen klatschte freudig in die Hände. Die Ma schaute auf. Ihr Blick wanderte zum Jungen, der schon losmarschierte um Gugel, Mütze und Handschuhe seiner Schwester zu holen. Dann schweifte ihr Blick weiter zu dem Mädchen und… [Weiterlesen]
  • Das Holz erzitterte, als das gefüllte Fass über die Planken der Rutsche rollte und an Geschwindigkeit gewann. Die gesamte Konstruktion, die die Brauerei auf dem Gletscher mit dem gefrorenen See verband, vibrierte und bebte, bis das Fass das Ende der Rutsche erreichte und seinen Freiflug begann. In schlingernder Stille wirbelte es durch die Luft, setzte nach Kurzem seinen Sinkflug an, wo es bereits von drei sich rangelnden und schubsenden Norn erwartet wurde. Tatze, ein gewaltiger Hüne, war es der dem Weib an seiner Seite einen solchen Stoß gab, dass sie auf das Eis fiel. Mit einem lauten Grunzen nahm er das tingelnde Fass einhändig an, griff aber direkt mit der zweiten Hand nach, um es auch ja nicht zu verlieren. Seinen Gegner, welcher vier Köpfe kleiner war als er, ignorierte er einfach und rempelte ihn unsanft aus dem Weg. Tatze war nicht schnell, doch einen Schlag dieses großen und breiten Norn steckte niemand so einfach weg.
    Sie spielten bereits eine geraume Zeit, denn… [Weiterlesen]
  • „Du muff‘ mit unf umtfieh‘n, daf haft du verfprochen!“ Flehend und am Arm der hochgewachsenen Kriegerin ziehend schaute die Jungnorn hinauf und schob die Unterlippe ein Stück vor. Große, braune Augen blinzelten feucht, worauf die Unterlippe begann zu zittern. Gut gespielt zog sie die Nase hoch, schniefte und es wurde mit einem schmunzelnden Brummen von der blonden Norn abgetan. Sie strubbelte dem Mädchen den Haarschopf und zerzauste die Zopfpracht. „Eeeh! Meine Tföpfe!“ „‘ch komm mit. Kann doch meine Iida nich‘ allein lass‘n, aye?“ Das Mädchen riss die Arme in die Luft und tänzelte um die Norn herum, von der nahenden Tränenflut keine Spur mehr.


    Einem halben Inferno gleich schlugen die Flammen gen Himmel und leckten am trockenen Holz, das sie nach und nach auffraßen. Der rechte vordere Teil der Hütte war eingestürzt und auch das Dach hing schief hinunter, dort wo einer der Stützbalken gebrochen war. Immer wieder knackten die Balken und es krachte noch mehr in die Hütte hinein,… [Weiterlesen]
  • Leise knisterten die Feuer, die in dem Castrum in den Feuerschalen brannten und durch die Magie, mit denen sie behaftet waren, waren die Feuer im Stande, jede unnatürliche Regung in einem Bombardement aus Flammen aufgehen zu lassen. Der Geruch von Schwefel lag in der Luft, brannte in den Augen und der Nase, sodass man damit kämpfen musste, nicht zu speien. Dicke Wolken hingen am Himmel und die untergehende Sonne tauchte ihn dort in ein kräftiges Orange gemischt mit einem tiefen Rot, wo sie zwischen den Wolken hindurch brach. Die Schatten wurden länger und dunkler, während der Sonnenuntergang die Tiefen des Castrums zwischen den Felsen zusammen mit den flackernden Flammen in den Schalen in unheilvolles Lichtspiel tauchte.
    Ein riesiger Charr stand am hinteren Rand des Lagers und hatte die Pranken auf einem schwarzen, felsartigen Tisch gestemmt. Seine Kleidung war eine Mischung aus Platte und Leder, gehalten in Orange und Rottönen und an seinem Gürtel hingen je zwei gewaltige… [Weiterlesen]