Artikel von „Nia!“ 82

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  • Das kleine Mädchen saß an der Hüttentüre und drückte die kleinen, schmalen Hände dagegen. Die wilden roten Löckchen hüpften noch auf ihrem Schopf, vom letzten Ruck der durch den kleinen Körper gegangen war, als sie fast schon wütend gegen die Türe gepatscht hatte. Sóla gab immer mal wieder einen Laut von sich, der dem von Wolfswelpen gar nicht mal so unähnlich war. Wieder patschte sie mit der flachen Hand gegen die Tür und ließ für diesen Augenblick sogar ihre Puppe Ooh außer Acht. „Ma… Ba!“ Abermals heulte das Mädchen auf und drückte gegen die Tür, als ob sie davon aufgehen würde. Doch es geschah nicht.
    Eine hochgewachsene Jungnorn setzte sich an ihre Seite, gähnte herzhaft und strich ihr die Locken aus der Stirn. „Jonne und ich vermissen sie auch, Sóla. Aber sie sind ziemlich weit weg… da kannst du noch nich hin.“ Die dunklen Finger tasteten nach der Holzpuppe und diese wurde der Kurzen hingestreckt. „Komm, wir schlafen noch ein bisschen und später besuchen wir Vaf, ja?“ Erneut… [Weiterlesen]
  • Es war ein nebliger Morgen und die Luft zog unangenehm kalt in die Hütte hinein, bis der schwere Vorhang zurück an seinen Platz fiel und sie draußen hielt. Sóla sah ihrem Pa nach, der soeben draußen verschwunden war um zum Markt zu gehen. Mit der Holzpuppe wedelte sie ihm nach, wie immer wenn er sie nicht mitnahm. „Ba.“, erklärte das kleine Mädchen dabei, schaute dann aber zurück in die Hütte und suchte nach ihrem Bruder. Dieser stand bei der Ma, die gerade den Tisch abräumte und griff noch eins der süßen Brötchen vom Frühstück ab. Kauend schaute Jonne zu seiner Schwester. Dann zum Vorhang. Er kaute seinen Bissen langsam und gemächlich, als würde ihm das beim Denken helfen. „Ma! Is geh‘ mit Sóla drauß‘n spiel‘n!“ Es war keine Frage. Es war eine Aussage und das Mädchen klatschte freudig in die Hände. Die Ma schaute auf. Ihr Blick wanderte zum Jungen, der schon losmarschierte um Gugel, Mütze und Handschuhe seiner Schwester zu holen. Dann schweifte ihr Blick weiter zu dem Mädchen und… [Weiterlesen]
  • Das Holz erzitterte, als das gefüllte Fass über die Planken der Rutsche rollte und an Geschwindigkeit gewann. Die gesamte Konstruktion, die die Brauerei auf dem Gletscher mit dem gefrorenen See verband, vibrierte und bebte, bis das Fass das Ende der Rutsche erreichte und seinen Freiflug begann. In schlingernder Stille wirbelte es durch die Luft, setzte nach Kurzem seinen Sinkflug an, wo es bereits von drei sich rangelnden und schubsenden Norn erwartet wurde. Tatze, ein gewaltiger Hüne, war es der dem Weib an seiner Seite einen solchen Stoß gab, dass sie auf das Eis fiel. Mit einem lauten Grunzen nahm er das tingelnde Fass einhändig an, griff aber direkt mit der zweiten Hand nach, um es auch ja nicht zu verlieren. Seinen Gegner, welcher vier Köpfe kleiner war als er, ignorierte er einfach und rempelte ihn unsanft aus dem Weg. Tatze war nicht schnell, doch einen Schlag dieses großen und breiten Norn steckte niemand so einfach weg.
    Sie spielten bereits eine geraume Zeit, denn… [Weiterlesen]
  • „Du muff‘ mit unf umtfieh‘n, daf haft du verfprochen!“ Flehend und am Arm der hochgewachsenen Kriegerin ziehend schaute die Jungnorn hinauf und schob die Unterlippe ein Stück vor. Große, braune Augen blinzelten feucht, worauf die Unterlippe begann zu zittern. Gut gespielt zog sie die Nase hoch, schniefte und es wurde mit einem schmunzelnden Brummen von der blonden Norn abgetan. Sie strubbelte dem Mädchen den Haarschopf und zerzauste die Zopfpracht. „Eeeh! Meine Tföpfe!“ „‘ch komm mit. Kann doch meine Iida nich‘ allein lass‘n, aye?“ Das Mädchen riss die Arme in die Luft und tänzelte um die Norn herum, von der nahenden Tränenflut keine Spur mehr.


    Einem halben Inferno gleich schlugen die Flammen gen Himmel und leckten am trockenen Holz, das sie nach und nach auffraßen. Der rechte vordere Teil der Hütte war eingestürzt und auch das Dach hing schief hinunter, dort wo einer der Stützbalken gebrochen war. Immer wieder knackten die Balken und es krachte noch mehr in die Hütte hinein,… [Weiterlesen]
  • Leise knisterten die Feuer, die in dem Castrum in den Feuerschalen brannten und durch die Magie, mit denen sie behaftet waren, waren die Feuer im Stande, jede unnatürliche Regung in einem Bombardement aus Flammen aufgehen zu lassen. Der Geruch von Schwefel lag in der Luft, brannte in den Augen und der Nase, sodass man damit kämpfen musste, nicht zu speien. Dicke Wolken hingen am Himmel und die untergehende Sonne tauchte ihn dort in ein kräftiges Orange gemischt mit einem tiefen Rot, wo sie zwischen den Wolken hindurch brach. Die Schatten wurden länger und dunkler, während der Sonnenuntergang die Tiefen des Castrums zwischen den Felsen zusammen mit den flackernden Flammen in den Schalen in unheilvolles Lichtspiel tauchte.
    Ein riesiger Charr stand am hinteren Rand des Lagers und hatte die Pranken auf einem schwarzen, felsartigen Tisch gestemmt. Seine Kleidung war eine Mischung aus Platte und Leder, gehalten in Orange und Rottönen und an seinem Gürtel hingen je zwei gewaltige… [Weiterlesen]
  • Dicke Regentropfen ergossen sich über die Hügel und das saftige Gras, welches hier wuchs. Auf dem Boden und dem entfernten See prasselten sie wie die Schritte von tausenden kleiner Männer, die im Gleichschritt herum rannten und von den entfernten gewaltigen Bäumen, an denen kräftige Lianen und andere Schlingpflanzen wucherten, sah man nur noch graue Schemen. Es regnete, als würde im Himmel jemand sitzen, der Eimer um Eimer ausgoss. „Pa! Nis aufhören!“ Der kleine Junge zog die Rotznase nach oben und drückte sich näher an seine Ma. Das kohlrabenschwarze Haar stand buschig und verschwitzt zu allen Seiten ab, was den Jungen jedoch nicht störte. Seine Aufmerksamkeit galt seinem Pa, der neben dem kleinen Feuer saß und hinter dessen Bart sich ein breites, zufriedenes Schmunzeln abzeichnete. Die kleine Familie saß gut geschützt unter einem gewaltigen Felsvorsprung im Trockenen.
    „Nein, ich höre nicht auf. Ich muss ja noch dazukommen, wie es hier so nass wurde,“ sprach der Pa und sah für einen… [Weiterlesen]
  • Eisenhut, Baldrian und Hopfen brachte der Bär mit zum Schrein des Wolfes, als er am frühen Abend zurückkehrte. Er hatte den Splitter des verdorbenen Eises weiter gegeben, sodass dieser nie wieder Schaden an Unschuldigen anrichten konnte. Und doch war das Gesicht des Dunklen von Sorge durchzogen. So stand er nun vor dem Totem eines Geistes, welcher nicht sein Leitgeist war und sah auf die Schlafstelle, die mit Fellen ausgekleidet worden war. Um sie herum standen viele Kerzen, die ihren feurigen Schein in die Dämmerung strahlten und ihr flackerndes Licht auf die junge Norn warfen, die auf der Schlafstätte lag. Das schneeweiße Haar hing ihr halb ins Gesicht, worauf er es mit einer zärtlichen Geste hinter ihre Ohren strich. So begegneten sich ihre Blicke für einen Moment lang, ehe der Schamane des Wolfes ihr einen Becher reichte.
    Seit der Splitter aus ihrem Körper entfernt war, hatte sie zwar an Kraft gewonnen, doch würde sie dennoch vergehen wie eine Blume die man einfach pflückte.… [Weiterlesen]
  • Mit großen Augen schaute der kleine Norn mit dem kohlrabenschwarzen Haar auf das faltige Gesicht in dem Bündel, das in den Armen seiner Ma lag. Er rümpfte die Nase, sah dann hinauf in das Gesicht seiner Ma. „Maah… das is‘ nis‘ so groß.“ Mit dem leisen Lachen, das seine Ma lachte, sah er zurück auf das Neugeborene und zog eine Grimasse. Das da war nicht schön. Das war doch keine Schwester! Das war… eine Rosine. Oder eine Aprikose. Oder seine Finger, wenn er zu lange im Zuber gesessen hatte! Aber eine Schwester?! Niemals! Es hatte nicht mal Augen!


    „Jonne, das ist deine Schwester und ja, sie ist noch klein. Sie muss noch wachsen.“ Halblaut sprach Ma zu ihm und strich ihm mit den Fingern über den Schopf. Wieder brummelte Jonne und zog eine Schnute. Er hatte sich die Schwester oder den Bruder anders vorgestellt. Seine anderen Schwestern waren immerhin auch schon groß und sahen nicht so aus wie Rosinen! Leise schnaubend ließ er sich auf den Hintern fallen und nahm sich eins der süßen
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  • (Plotauftakt)

    Die Nacht ist tiefschwarz und draußen, außerhalb des Zufluchtsfelsens tobt der Schnee gemeinsam mit einem scharfen, unbändigen Wind. Die Naturgeister fordern die Norn in dieser Nacht heraus und stellen sie auf eine Probe.
    Drinnen in dem einfachen Zelt flackert die Flamme der Öllampe unter dem Glas nervös hin und her. Sie beleuchtet das Innere des Zeltes nur spärlich und wirft doch abstruse Schatten an die Zeltwand, die wild umher tanzen und sich winden. In diesem Dämmerlicht sitzt der schwarze Norn mit den weißen Hautbildern auf einem, mit Fell bespannten, Hocker und hat das Kinn auf seine gefalteten Finger gebettet. Die Stirn liegt in tiefen Falten und der Blick aus dem verbliebenen dunkelbraunen Auge ruht gebannt auf der Flamme. Regungslos sitzt er da, nur die langsamen und tiefen Atemzüge heben und senken den Oberkörper stetig. Die Schatten, die die Flamme auf sein Gesicht wirft verleihen der ohnehin beeindruckenden Gestalt noch mehr Größe und Tiefe. Nach… [Weiterlesen]