Artikel von „Tashi“ 15

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  • Ein spitzer, schmerzvoller Schrei lies ihn hochschrecken.
    Es war warm in seinem Zimmer. Ungewöhnlich warm.
    Zitternd stand Naveen ruckartig auf, der Atem keuchend, die Hände sofort schweißnass. Erneut erklang ein Schrei, dann ein heftiges Rumpeln, das die Wände seines kleinen Zimmers erzittern lies.
    So schnell wie in dieser Nacht hatte er sich wahrscheinlich noch nie seine Hose und ein einfaches Leinenhemd übergeworfen, während er zur Tür rannte. Als er sie öffnete, schlug ihm eine Hitzewelle entgegen. Dicker Rauch vernebelte seine Sicht und kroch sofort in seine Lunge, was einen Hustenreiz auslöste. Unterhalb der Treppe sah er das unverkennbare Farbenspiel von einem nahen Feuer an der Wand. Hätte nicht eine erneute Erschütterung ihn aus seinen Gedanken gerissen, wäre der junge Elonier wohl starr vor Angst noch viel länger hustend so in seinem Türrahmen stehen geblieben.
    Er sagte kein Wort. Schrie nicht. Rief niemanden. Und doch durchzuckte nur ein panischer Gedanke seinen[Weiterlesen]
  • Die Pranke zitterte.
    Die Hyäne lachte.
    Die Stimme flüsterte.

    Legionärin Lautschuss schnaubte und kniff für ein paar Sekunden die Augen zu. Vertrieb das Lachen und das Flüstern.
    -…schwach, bist du. Elendig. Höre, wie sie über dich lachen-
    Sie unterzeichnete das Pergament, wischte einen salzigen Fleck mit einer langsamen, müden Bewegung der rechten Pfote weg und kniff erneut die goldbraunen Augen zu. Die Charr hielt für ein paar Sekunden die Luft an, ohne es zu bemerken.

    Die Hyäne lachte.

    Sorgfältig öffnete das Weibchen ihr ledernes, altes Notizbuch und legte das frische Pergament ganz hinten zwischen Rückendeckel und letzter Seite. Schnell klappte sie die vorderen Seiten voller Skizzen, Entwürfen und Gedankeneinträgen darauf und schloss das Buch schließlich, indem sie ihre ganze rechte Pfote auf den vorderen Buchdeckel drückte. Als würde sie es so versiegeln, lehnte die Charr sich etwas vor, um mehr Druck auf ihre Pfote und den rissigen Einband zu geben.

    Die Hyäne lachte.
    Der[Weiterlesen]
  • ((Was man noch so in uralten Unterlagen findet. Ist zur damaligen Zeit entstanden, zu der ich ein paar Geschichten über meine Norn Axuma verfasst hatte.))


    Leis‘ kommst du auf deinen Schwingen
    Weiß wie Schnee und Frost
    Nachts o‘ Nachts hört man dich singen
    spendest uns‘rer Seelen Trost





    Dein scharfer Blick sei mir gegeben
    Mein Schatten bei der Jagd, der sollst du sein

    Begleite mich, bis ins nächste Leben
    Bis in die Nebel wo wir finden unser Glück allein





    Deiner Lehren Wahrheit
    Werden wir vergessen nie
    Eule, fliege in Freiheit
    Bringe Schutz und Harmonie




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  • Jenko konnte nicht sagen, ob er je so eine Hitze in sich gefühlt hatte. Regelrecht ekelerregende Hitze. Der Magen zog sich zusammen. Ihm war schlecht und er wollte nur, dass es aufhörte. Er spürte noch die harte Erde gegen seine Knie und Prankenflächen. Neben ihm bemerkte er Soldaten.
    Es wurden Befehle gebrüllt, doch er verstand sie nicht. Es drangen keine Klänge an seine Ohren.
    Er war alleine mit seiner Wut, die ihn zu beherrschen schien. Zorn, der sich entladen wollte. Sich entladen musste. Und das tat er, gegen den Charr, der ihm als erstes gegenüber trat. Jenko spürte Anspannung in seinen Muskeln. Sie funktionierten, obwohl er geschwächt war. Seine Beine sprangen, obwohl sie kurz zuvor noch eingeknickt waren. Jenko fühlte, wie er etwas mit seinen verbliebenen Klauen zerriss. Haut. Horn. Augen. Etwas warmes floss zwischen seinen Fingern und die Gestalt in roter Rüstung vor ihm sank nieder. Nur um den Blick auf das nächste Opfer freizugeben.
    Jenko sah nichts, außer Schemen,
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  • Ohrenbetäubend drang das Trampeln von gepanzerten Füßen und das Knurren aus vielen Kehlen in die Höhle.
    „Sie sind gleich da! Aufstellung halten und sofortiger Angriff, wenn sie durch den Eingang kommen!“
    Erklang die Stimme eines Flammen-Vorgesetzen. Jenko blieb in seiner Position, versuchte die Anzahl der anwesenden Flammler zu schätzen, etwas von ihrer Taktik mitzubekommen. Sein Atem rauschte vor Anspannung in seinen Ohren. Über Bauch und Seite spannten sich die verbrannten Hautstellen über seinem Leib bei jedem heftigen Atemzug.
    Es erschien ein Charr vor seiner Zelle. Einen den er nur zu gut kannte. Sofort gaben Jenkos Beine nach, als er seelenruhig die Zelle aufschloss, das Tor beiseite stieß. Jenko verachtete seinen eigenen Körper und Verstand dafür, dass er direkt so einknickte. Er hörte, wie das Rauschen in seinen Ohren von einem Wimmern übertönt wurde. Aus seiner eigenen Kehle.
    Der Charr, der nun einen Schritt auf ihn zukam hatte nur einen schwer wirkenden Rock an, der
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  • Legionär Goldhenker sagte immer, dass man sein „verflammtes Maul zu halten hat, wenn man in Gefangenschaft gerät“. Man solle sich solchen dummen Fanatikern, solch Speichelleckern eines toten „Gottes“ nicht beugen.
    Jenko dachte oft über die Worte nach. Und wie dumm sein eigener Legionär war, zu glauben, dass man dies dauerhaft durchhalten könne.
    Nichts sagen. Sein Maul halten. Früher oder später knickt selbst der stärkste Verstand, der trainierteste Körper ein. Sein Legionär war nun ohnehin tot und Jenko fragte sich, wie weit er selbst schon eingeknickt war.
    Ketten klirrten leise, als er seine rechte Pfote hob, um sich Ruß und Staub von der Stirn zu wischen.
    Diese Hitze machte ihn verrückt…


    Er zuckte zusammen, als er ein Geräusch vernahm, welches er lange nicht gehört hatte. Ein Kriegshorn? Das konnte nicht sein. Seit einem halben Jahr hatte hier noch niemand angegriffen.
    Doch es erklang wieder. Er hörte Stimmen vor seiner Zelle. Waffengeklirre. Rufe.
    Sollte es wirklich
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  • Er sank seicht in den kühlen Schnee, als er abgelegt wurde.
    Nebel bildete sich unstet vor seinem Gesicht. Löste sich binnen Sekunden auf, nur um sich im Rhythmus seines angestrengten Atems neu zu bilden.
    Diaval kniete sich neben ihn, zog den Mantel des Älteren fester vor dessen Brust zusammen, richtete den Fellkragen, so dass er würdevoll den Nacken etwas strecken konnte, während der Rücken sich im Schnee bettete.
    Ein röchelndes Husten durchbrach die Stille der eiskalten Nacht irgendwo in den Zittergipfeln.
    Sie sahen sich an, ein paar Sekunden.
    „Ich möchte… dass du weiter gehst. Ohne mich. So weit, wie es sein muss. Wie Rabe dich leitet.“
    Der jüngere Norn legte sanft die Hand auf die Brust des vor ihn liegenden Älteren.
    „Ich weiß.“ Hauchte er leise. „Und wenn ich zurück bin… trage ich deine Legende mit. Werde sie erzählen. Jeden Tag.“
    Der Ältere verzog das bärtige Gesicht zu einer Grimasse, als Schmerz kein warmes Lächeln zu lies.
    Seine gräulichen Augen richteten sich gen
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  • Rickon war schon wütend, als er ihn kommen sah. Dabei hatte er sich noch nicht mal vorgestellt.
    Doch anhand seiner Fellfarbe und Miene wusste er sofort, wer er war.
    Er blieb vor Rickons Lager neben dem Baum stehen, verschränkte die Arme. Der Fremde trug nur seine Hose und Stiefel. Scheinbar musste er den Rest ablegen um keine Waffen oder ähnliches mitzunehmen.
    „Sieg, Soldat.“ Lies er mit einem Brummen vernehmen. Immerhin klang seine Stimme nicht so abartig schnarrend. Rickon erhob sich, stellte sich gerade hin und trat einen Schritt aus seinem Lager heraus.
    „Mit den Schatten. Wer bist du? Was willst du?“ Er wusste sehr wohl, wer er war. Warum er hier war. Schließlich hatte sein Legionär ihn vorgewarnt. Doch er hielt es für klug, erstmal den Ahnungslosen zu spielen.
    „Caranthir Himmelsschlund. Soldat der Blut Legion. Dein Legionär hat erlaubt, dass ich mit dir reden darf. In einer bestimmten Sache.“
    Rickons Blick huschte kurz auf die Mauer vor Nolan. Er sah, wie Van Schattenspäher
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  • [Manchmal träume ich, dass meine Narbe brennt.
    Dann kratze ich mich im Schlaf und gebe wahrscheinlich brummende Geräusche von mir. Ich merke das daran, dass Skavira mich dann wachrüttelt. Ich drehe mich dann auf die andere Seite und versuche weiter zu schlafen. Das gelingt nicht immer.
    Manchmal geht der Traum weiter. Oder er ändert sich ab. Oft laufe ich dann irgendwo durch die Ebenen. Erkenne Orte wieder, an denen ich früher war. An denen ich mit Rakan oder Mhero den Blut-Trupp beobachtet habe. Oder ich sitze an dem Ort fest, an dem ich gefangen genommen wurde. Dann ist dort eine unsichtbare Wand, die mich nicht aus der Nische bei den Felsen raus lässt. Ich fühle mich dann meistens ganz klein und schwach…so, wie ich früher war. In den Palisaden.
    Von ihm selbst träume ich selten. Er hat meist eine andere Gestalt. Mal ist er Urak, der mich mit glühenden Augen in die Knie zwingt. Er war auch schon einmal Seneca, wie er mir die Pistole vors Gesicht hielt… oder mich in die Ruinen
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  • Cyra war müde.
    Sie knetete den Griff ihrer Axt und presste angespannt ihre Kiefer aufeinander. Sie starrte den Rücken des vor ihr stehenden Charr eine Weile an und schnaubte dann, als ihre Gedanken abzudriften drohten. Sie versuchte sich zu erinnern, wie lange sie hier schon standen. Fragte sich, wie lange sie noch die Mordrem abwehren müssen. Wie hoch die Stapel der Mordremkadaver an ihrer Seite noch werden würden.
    Ein Kriegshorn erscholl und der raue Ton dröhnte in Cyras Kopf. Selbst als das Horn verstummt war, brummte es weiter in dem Schädel der Blutsoldatin. Ihre Pranken zitterten. Irgendwas stimmte nicht.
    Es folgte ein unheimliches Geheul und der Boden erzitterte unter dem Heranstürmen unzähliger Mordremhunde. Cyra seufzte und kniff die Augen kurz zu. Ihr Herz pochte wild und lies ihren eigenen Puls in ihren Ohren hämmern, wie ein unveränderter schneller Rhythmus. Sie stand hier seit Stunden und wehrte die Mordrem ab, wie es der Befehl des Zenturio war. Dessen Kriegsschar
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