Von Stärke und Schwäche am Morgen

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Noch hat kein Hahn gekräht, die Sonne ist noch nicht am Horizont angekommen um diesen zu überwinden und ich liege lächelnd im Bett. Meine Hände schützen meinen Leib als könne ihm hier in diesen Federn ein Leid geschehen und doch weiß ich, dem ist nicht so. Neben mir geht gleichmäßiger, ruhiger Atem. Ich drehe mich auf meine Seite, ein Bein ausgestreckt, eines angezogen und besehe die schlafende Miene eines Mannes, der die Schluchten tiefsten Unglücks und die Höhen tiefsten Glücks mit gleichbleibendem Lächeln hervorbringen kann. Aber jetzt ruht er da, friedlich und entspannt, wie nur der Schlaf mit Gewissheit um das eigene Sein einem aufgeben kann. Und ich? Ich bin wach und lächle, meine Finger strecken sich nach einer seiner Locken, ganz zart und im weichen Hauch lege ich sie zurecht, weil sie sich auf seine Stirn verloren hat und das Glück in diesen Sekunden ist grenzenlos.

    Noch hat die Uhr im Haus nicht geschlagen um den Morgen anzukündigen, noch sind die Schritte der Bediensteten so leise, wie jene von Mäuschen. Noch stört niemand dieses Idyll, welchem ich mir gerade zwischen Wachsein und Schlaf bewusst werde. Abermals streichen meine Finger über den flachen Bauch, der keine Wölbung und noch keine Rührung aufgibt, aber mit der eigenen Gewissheit des wachsenden Lebens darin. Die Laken und Kissen sind gerade meine Welt und ich fühle mich geborgen in ihnen, neben ihm, der alles für unser Wohlbefinden fordert von jenen, die ihm dienen. Ja, selbst gar seiner Freude Ausdruck verlieh im Augenblick dessen, der mir heiß und kalt vor Angst werden ließ zuvor. Es ist perfekt, ich fühle mich stark und stark genug alles auf dieser Welt zu ertragen, stark genug um jeden Schaden von meinem Kind abhalten zu können und stark genug diesen Mann neben mir zu lieben, ganz gleich wie viel Schmerz er mir aufzulegen weiß.

    Es schlägt die Uhr, es kräht der Hand und die ersten Strahlen der Sonne suchen ihren Weg durch die Spalte der Vorhänge. Noch sehe ich zu ihm, lächle und freue mich, doch im nächsten Wimpernschlag der Zeit spüre ich das Aufbegehren in mir. Langsam setze ich mich auf und rasch, wankend sind meine Schritte hinaus aus dem Raum auf den Flur. Dort steht sie bereits, wie jeden Morgen, die Canthanerin in Farben des Hauses, in den Händen eine tiefe Schüssel, über dem Arm ein feuchtes Tuch. Mit der freien Hand umfängt sie mein Haar, damit es vorgebeugt nicht in jenem landet, was mir in diesem Augenblick im Schwall entkommt. Meine Knie zittern, mein Magen rebelliert, eine Hand an der Schlüssel, eine auf meinem Bauch. Ich fühle mich unheimlich schwach, aber ich bin froh, es einmal wieder aus dem Raum geschafft zu haben um eben jenen Schlafenden nicht zu stören. Langsam geh ich auf die Knie, man hat mir schon eine kleine Fußbank für diese bereitgestellt. Ich atme schwer und bemühe mich meinen Leib wieder unter Kontrolle zu bekommen. Jeden Morgen wankt meine Seligkeit ins Elend.

    Welch ein Glück, Mutter zu werden...

Kommentare 6

  • Samuel -

    Es ist immer wieder wundervoll kleine Einblicke in die Zeit, in der die Charaktere ohne einen leben müssen auf diese unterhaltsame und emotionale Art und Weise präsentiert zu bekommen. Dankeschön. <3

  • Ovy -

    <3

    Und ich dachte bis zur Hauscanthanerin, es wäre doch Carey. :p

    • Diadrah -

      Wer sagt denn, dass Samuel und Carey keine Canthanerin haben, mh?

    • Ovy -

      Meine Gefühl, denn wozu brauchen die zwei eine Dienerin und wer soll das bezahlen! (Spendengelder?)
      Und die Farben des Grenth-Hauses wären dann schwarz und dunkeldunkelgrau- dann wäre es Sayo. Und die hätte das bestimmt nicht für sich behalten! Aber werweiss...xD

    • Samuel -

      Und wer weiß wo Samuel die Locken... ha... ähm... ja.

  • Willow -

    Samstag morgens um 5,danke Dia. Du vertriebst mir damit ein wenig das warten auf den Feierabend.