Kliff

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    detaillierte Gewalt gegen Personen, psychische Gewalt



    Die Geschichte

    Lucius stieg von seinem Pferd, keine hundert Schritt von dem Gehöft, das ihm genannt worden war. Hinter ihm saßen seine Begleiterrinnen, Oster und Lenna, ebenfalls von ihren Rappen ab und betrachteten gemeinsam mit ihm die Ansammlung von Gebäuden, die sich inmitten von wogenden Haferfeldern erhob. Seine Begleiterinnen und er waren in Nacht und Nebelaktionen spezialisiert und nur schwerlich zu erschüttern. Genau die Eigenschaften benötigten sie für diese Aufgabe, die sie Jagd auf einem alten Freund machen ließ.
    Die nächtliche, warme Luft war erfüllt von dem Geruch nach nasser Erde, nach reifendem Getreide und Rauch, der aus dem Kamin des Hofes stieg. Kein Licht brannte und erweckte den Schein das die Bewohner schliefen. Der Rauch bildete sich höchstwahrscheinlich aus sterbenden Holzscheiten, die man ausbrennen ließ. Der sanfte Wind spielte mit den Rispen, bog die Halme und erschuf Muster in den Feldern. Lucius gefiel der Anblick. Es scheint so als würde der Wind gefallen daran finden unaufhörliche Muster zu formen. Er betrachtete das Windspiel noch für einen Augenblick lang und schenkte dem Hof dann wieder seine volle Aufmerksamkeit. Er fasste die langen schwarzen Haare zusammen und band sie zu einem Knäul am Hinterkopf. Mit einer Nadel fixierte er den Schopf.
    Das war das Zeichen für seine beiden Begleiterinnen. Lautlos schlichen sie geduckt an ihm vorbei zu den Feldern und versteckten sich zwischen dem Getreide. Langsam rückten sie vor. Sie kannten ihre Aufgabe. Im Schutze der Nacht Zugang zu dem Hof beschaffen und jedes Hindernis das sich zwischen der kleinen Gruppe und ihrem Ziel stellen konnte neutralisieren.
    Der Wind schlug um und zerrte sanft an dem nachtschwarzen Kapuzenumhang, unter dem die ebenso dunkle verstärkte Lederrüstung und Kurzschwerter lediglich zu erahnen waren. Lucius löste den Umhang von seinen Schultern und befestigte ihn an dem Sattel seines Pferdes, dann trabte er auf die Eingangstür des Hofes zu. Das letzte Mal als sie ihre Pflicht taten mussten sie sehr genau darauf achten, dass niemand erfuhr, was geschah. Kein Laut durfte erklingen, kein Beweis durfte gefunden werden, das gemordet wurde und unter allen Umständen durfte niemals bekannt werden, was der Grund für den tödlichen Besuch dieser drei Attentäter war. So lautete die Maßgabe. Aber hier war es anders. Es würden keine unangenehme Fragen für ihren Auftraggeber aufkommen, wenn eine einfache Bauernfamilie tot aufgefunden wurde. Dafür waren sie nicht wichtig genug. Die Abgeschiedenheit gibt uns einen großen Vorteil. Lucius zog seine Kurzschwerter, deren beiden Seiten scharf geschliffen waren. Die Parierstangenbogen sich ungewöhnlich weit hoch und verliefen eine Handbreit parallel zur Klinge. Es ist schon lange her, das wir keine Rücksicht auf die Umgebung nehmen mussten.
    Er erreichte die Tür. Oster und Lenna waren bereits in dem Hof eingebrochen und verrichteten ihr blutiges Werk. Dem war er sich sicher. Lucius atmete tief ein und horchte auf sein Herz. Nachdem zehn Herzschläge vergangen waren, öffnete Lucius langsam die Tür einen Spalt breit um in den dunklen Flur linsen zu können. Er öffnete die Tür etwas mehr, so das er mit dem Körper sich an ihr vorbeizwängen konnte, ohne das sie sich weiter öffnen und verräterisch quietschen würde. Etwas lag vor ihm auf dem Boden, und er erkannte die Umrisse eines Körpers. Tot. Lucius schlich auf den Körper zu und bestätigte seinen Gedanken beim prüfen der Pulsader des Körpers. Männlich. Stellte er fest, als er mit der Hand den behaarten Arm des Toten versehentlich berührte. Der Blick heftete sich aber auf dem Brustbereich. Das Oberhemd wurde zerschnitten und in die Brust ein blutiger Pfeil geritzt der, nach vorne zeigte. Zusätzlich zu dem Pfeil wurde der linke Arm so positioniert, das er in Pfeilrichtung mit dem leicht gekrümmten Zeigefinger zeigte. Lucius presste die Zähne aufeinander. Sein Ziel wollte es ihm leicht machen. Er nimmt uns nicht ernst. Die Zeichen deuteten auf eine Tür die einladend einen Spalt weit geöffnet war. Lucius ließ von dem toten Körper ab und ging auf die Tür zu. Vorsichtig öffnete er die Tür. Sein Herzschlag hatte sich beschleunigt, denn was ihm bevorstand würde keine schöne Sache werden. Er spürte das Blut in seinen Adern pulsieren und ihm wurde ungewöhnlich warm. Beruhige dich! Mahnte er sich selbst. Aber das war leichter gesagt als getan. Denn vor ihm sah er sein Ziel seelenruhig mittig im Raum, in einer leicht nach vorne gebeugten Sitzhaltung auf einem Stuhl sitzen. Vor dem Mann, zwei Schritte entfernt, stand ein weiterer Stuhl, der wahrscheinlich für Lucius gedacht war. Lucius trat in den Raum ein und musterte sein Ziel vorsichtig, während er hinter dem zweiten Stuhl stehend die Klinge an seinem linken Arm anhob und die Spitze auf den Mann vor ihm richtete. “Kliff....“, sprach er den Namen des Mannes so herablassend aus wie möglich.
    Kliff's Kopf war unter einem Helm, der einem Totenkopf nachempfunden war, verborgen und regte sich nicht, als er angesprochen wurde. Über einem gräulichem Hemdtrug er eine dunkelgraue Panzerweste, die mit vier Schnallen befestigt wurde. An deren rechten Schulter war ein schwarzes Tuch befestig, das den rechten Arm komplett einhüllte. Weitere schwarze Tücher waren an seiner Hüfte befestigt und teilten sich zu den Seiten auf, da er ja saß, und zeigte die dunkelgraue verstärkte Lederhose und Stiefel. Über den Stiefeln waren Beinschienen befestigt. Der freie linke Arm zeigte das Tattoo, das in geschwungenen schwarzen Linien von der Schulter bis zu dem Lederhandschuh ging und unter der Armrüstung verschwand. In den Händen hielt Kliff zwei Langdolche und neben dem Stuhl lehnte ein Schwert.
    Lucius starrte den Mann mit Verachtung an. Und auf seiner Zunge wartete die Frage, die er sich schon seit Jahren stellte, darauf gestellt zu werden. “Warum...?“ Kliff würde wissen was gemeint ist. Immerhin war er es, der sie alle verraten und bestohlen hat. “Wir waren wie Brüder.. Eine Familie!“ Lucius presste die Lippen aufeinander und ermahnte sich selbst den Mund zu halten. Er war nicht hier um eine Rechtfertigung von Kliff zu bekommen. Aber er wurde zornig. Kliff zeigte keine Reaktion auf die gesprochenen Worte. Lucius hob den rechten Arm an. Dann wird es eben so enden. Als er die rechte Klinge auf den sitzenden Mann niedersuasen lassen wollte, wurde er von einem Schrei abgelenkt, der in einer Explosion unterging. Die Explosion erschütterte den gesammten Raum und ließ den unbenutzten Stuhl zu Boden kippen. Die Bodendielen vibirierten und Staub riselte von der Decke herab. Lucius' Blick richtete sich nach oben, als er einen weiteren Schrei hörte. Nein! Und es war in diesem Moment, wo Kliff sich regte. Langsam erhob er sich und stellte sich aufrecht in voller Größe hin. Beinahe zwei Meter war er groß und blickte auf Lucius herab. Dieser wich erschrocken zurück, als er dies aus dem Blickwinkel bemerkte. Nein!! Lucius wurde klar, das er jegliche Chance verspielt hatte. Jetzt musste er sich mit Können im Kampf beweisen.
    Kliff's Fuß hakte sich unter dem umgefallenen Stuhl und riss diesen in die Höhe und schleuderte den so auf Lucius' Brustkorb, der den Angriff mit gekreutzen Armen abwehrte und den Stuhl wieder zu Boden fallenh ließ. Kliff wich dem folgenden Stich des Kurzschwertes aus und hieb mit dem Dolch zu. Er traf perfekt. Das Handgelenk des rechten Armes wurde zerschnitten und das Blut spritzte ihm auf den Helm. Lucius knurrte erzürnt und nahm den Arm zurück, ließ aber das Kurzschwert fallen. Mit dem noch gesunden linken Arm hieb er auf den Hüftbereich des Mannes ein und traf diesen auch. Aber zu seiner Verwunderung schaffte es seine Klinge nicht sich durch das Leder zu schneiden. Kliff nutzte die Möglichkeit aus und versengte seine beiden Dolche in den linken Arm, woraufhin Lucius schmerzhaft aufschrie und die zweite Klinge zu Boden fallen ließ. Kliff zog die Dolche wieder aus dem Arm und mit einem kräftigen Tritt gegen den Brustkorb von Lucius wurde dieser mit dem Rücken gegen die Wand gestoßen. Kliff befestigte seine Dolche in dem Gürtel der Lederhose und griff nach dem Haar von Lucius. Ein kräftiger Ruck ließ diesen vorwärts auf den Boden fallen und wenige Sekunden später spürte er einen stechenden Schmerz in seinen Beinen. Kliff hat die Dolche durch die Kniekehlen von Lucius gestochen und mit jeweils zwei kräftigen Tritten auf die Griffe die Kniescheiben zersplittert. Lucius schrie vor Schmerz. Kliff ließ die Dolche in den Beinen stecken, als er sich abwandte und sich wieder auf den Stuhl setzte. Lucius konnte den Blick des Maskenmannes deutlich auf sich spüren, und er wusste, das sich Belustigung in den Augen des Mannes finden würde, würde man sie denn sehen.
    “Lucius.“, nannte Kliff ihn mit seiner tiefen, kalten Stimme bei Namen. Wie früher jagte sie ihm einen Schauer über den Rücken. Aber mehr sprach er nicht. Er beugte den Oberkörper wieder etwas vor und legte die Arme auf seine Oberschenkel ab. Kliff nahm das Schwert, was dank der von der Explosion verursachten Explosion auf den Boden gefallen ist, mit der rechten auf und zog es aus der schützenden Hülle. Das Schwert legte er sich quer über die Beine, den Griff dabei stets mit der rechten halten. Die Hülle ließ er auf den Boden fallen. Lucius richtete den Blick auf das Schwert. Seine Augen weiteten sich und er spürte neben den Schmerzen Furcht. Er hat uns erwartet und wir sind wie hungernde Tiere in seine Falle getappt! Oster und Lenna wurden höchstwahrscheinlich von der Explosion erwischt und getötet, da er keine Schreie mehr von ihnen vernehmen konnte. Oder ihre Schreie gingen in dem lauten Knistern vom nachgebenden brennenden Holz unter. Brennendes Holz? Erst jetzt bemerkte Lucius den Rauch, der sich in dem Raum breit machte, und die Flammen, die sich durch die Decke gefressen haben und den Raum erhellten und mit ihrer Hitze füllten. Der Blick richtete sich wieder auf Kliff, der inzwischen wieder aufgestanden ist und sich neben Lucius gestellt hat. Er blickte auf ihn herab, und hob das Schwert mit beiden Armen in die Luft an. Lucius presste die Augenlider fest zusammen. Und ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf. Wie töricht ich doch war anzunehmen, das er mit dem Alter einrostet. Und das letzte, was er hörte, war wie die Klinge die Luft zerschnitt.






    Schrecken und Faszination mischten sich bei dem Anblick des brennenden Gehöfts, das der Jäger vor sich sah. Er war gerade auf dem Rückweg von seiner Jagd, welche die Götter haben mager ausfallen lassen, konnte er doch nur zwei Kaninchen erjagen. Er wusste, das seine Frau ihn dafür wieder zu Grunde brüllen wird, aber was soll er machen? Mehr als sich auf die Lauer legen und hoffen, das mal etwas vor seine Pfeile springen würde, konnte er auch nicht. Aber als er bei seinem Bauernfreund vorbeischauen wollte und ihn um etwas Fleisch bitten wollte, sah er, wie das Gehöft in Flammen stand. Und nachdem er mit dem staunen fertig war, ließ er seinen Bogen, den Pfeilköcher und die beiden Kaninchen fallen und eilte zu dem Hof. Was ihm allerdings komisch vorkam war, das auf dem Rückweg drei herrenlose Pferde ihn beinahe überrant haben. Aber verfolgte den Gedanken nicht weiter. Er wollte seinen Freund retten, als Held darstehen und seine ewige Dankbarkeit für sich gewinnen. Und einen ewigen Vorrat an Essen. Wenn die Ställe mit ihren Tieren überleben würden, die sich trotz der Flammen ungewöhnlich ruhig verhielten. Der Jäger stoppte aber in seiner Bewegung. Vereinzelnt fielen brennende Holzstücke auf den Boden und warfen Funken auf. Aber das war es nicht was ihn stoppen ließ. Die brennende Eingangstür wurde aufgestoßen, oder eher eingetreten und aus ihr schritt eine große Gestalt, blutübersät, dessen merkwürdige Kleidung an einigen Stellen Feuer gefangen hatte. In der linken hielt die Person einen blutigen, schwarzen Sack und in der rechten ein Schwert, an dem das Blut bereits verdampfte. Der Jäger wich zurück, als die Person mit dem Totenkopfhelm ihn anstarrte und schnelle Schritte auf ihn zumachte. Der Jäger drehte sich um und rannte davon. Aber er war zu langsam und spürte wie sich die erhitzte Klinge durch seinen Brustkorb bohrte. Der Tottenkopfmann zog das Schwert, nachdem der Jäger mit dem Bauch vorwärts auf den Boden gefallen war, wieder aus dem Fleisch heraus und schritt an dem Jäger vorbei. Der blickte mit Tränen zu dem Mann hoch, der ihm den Blick dadurch verwehrte, indem er die brennenden Tücher von sich löste und achtlos wegwarf. Zwei der Tücher landeten so auf dem Jäger und verdeckten ihm so die Sicht. Er hörte noch die schweren Stiefel des Mannes davonstampfen, ehe sich seine Augenlider für den ewigen Schlaf schließten.

Kommentare 1

  • Ovy -

    Das ist ganz schön eskaliert!

    Totenkopfhelmleute sind ja eh grundsympathisch, besonders wenn sie mit Amateurkillerblut übersät aus brennenden Häusern kommen. Poor Jäger tho.