Orr (Teil I )

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  • Das beständige Rauschen der Wellen war schon lange nichts mehr, was den Hüter wirklich störte.
    Als leises Hintergrundgeräusch war es in den Alltag eingeflossen und begleitete ihn bei jedem seiner Schritte auf dem Frachter. Doch so wie das Rauschen des Meeres in den Ohren so war auch das flaue Gefühl im Magen zu einem beständigen Begleiter geworden. Dem Meer so ausgeliefert zu sein, wollte ihm einfach nicht behagen.
    Es waren inzwischen nun fast zwei Wochen vergangen, als man mit der zusammengestellten Truppe und einigen Abteilern das Schiff bestiegen hatte. Es war pures Glück für ihn nicht auf dem kleinen Mannschaftskahn mitsegeln zu müssen, sondern auf dem Frachter einen Platz gefunden zu haben.
    Alleine schon aus dem Grund, dass das Meer das große Schiff nicht so sehr zum Schwanken brachte, wie die kleine Nussschale welche den ganzen Weg über hinter und mal neben dem Frachter hersegelte.

    Die ersten Tage auf See waren unerträglich gewesen. Die Nähe zu den Brüdern und deren Gefühl der Sicherheit halfen dabei um nicht vor Angst im Frachtraum verkrochen die Überfahrt in Dunkelheit mit dem vertrauten Geruch von Pflanzen um sich herum über sich ergehen zu lassen.
    Es gab nicht viel in Tyria was dem Zinderhüter wirkliches Unbehagen bescherte. Die letzten Jahre seines Lebens waren voll von Abenteuern gewesen. Ob sie beruflicher Natur waren, ihn forderten und weiter in seinem Bestreben als Hüter bestärkten, oder eben persönliche Aufgaben, die ihn an seine eigenen Grenzen brachten, indem er Vertrauen schenkte, vielleicht sogar etwas wie Liebe empfand für ein paar Monate die ihm mehr Verwirrung gebracht hatten, als wirklich Klarheit und ihm sogar fast sein Ziel vergessen ließen... nichts hatte ihm so viel Angst bereitet, wie die Schwärze des Meeres, welches mit unmessbarer Tiefe unter dem Frachter lag. Viele Dinge waren passiert, welche Mutter so für ihn sicherlich nicht geplant, gar voraus gesehen hatte und all das ihn hierher gefüht.
    Nach Orr. Vielleicht war die Reise nach Orr auch so etwas wie die Flucht vor den eigenen Fehlern, welche ihm im Hain und vor allem im Caledon-Wald klar entgegen standen. Harter Boden stärkt die Wurzeln und am Boden der Heimat hatte er sich schon so oft wiedergefunden, dass es Zeit wurde über neue Hügel zu steigen.

    Glyzavo stand am vorderen Teil des Frachters und reckte die Nase in den Wind. Über die Tage hinweg hatte er mehr und mehr Vertrauen in das Schiff gefasst und die Angst darüber zu sinken und elendig im Meer zu ertrinken, gar als Futter für Wale zu enden, war fast verschwunden.
    Die Lider geschlossen genoss er das leichte Schwanken unter seinen Füßen und das surrende Geräusch des Pflanzenstabes auf dem Rücken. Noch immer erhaschte er irritierte Blick, wenn er den Namen seiner Waffe aussprach, oder sich für ihre Pflege viel Zeit nahm. Die Verbindung zu diesen Gewächs, ebenso die Nähe zu seinem Bogengewächs war einfach untrennbar... immerhin trugen Beide ein Teil von ihm in sich. Die Sonnenstrahlen, welche sich durch die dichte Wolkendecke kämpften wärmten sein Gesicht und ließen ihn sogar fast den aufkommenden modrigen Geruch in der Luft vergessen.
    „Wir sind fast da“, ertönte die Stimme des Bruders neben sich, welcher sogleich die Blicke der nachtschwarzen Augen auf sich zog. Belinir war an seine Seite getreten und richtete den Blick nach vorne, wo sich bereits am Horizont die feine, steinerne Linie Orrs abbildete. Das Land war karg und noch immer voll Untot und Seuche. Es wurde Zeit Trahearnes Eid einen Schritt weiter an seine Erfüllung zu bringen.
    „Hättest du gedacht, dass wir nochmal zusammen kämpfen werden?“
    In Belinirs Stimme lag ein Hauch Vorfreude, auf die bevorstehenden Kämpfe auf verdorrter Erde. Glyzavo bedachte den Bruder mit einem wachsamen Blick und erkannte in ihm nicht nur den alten Kampfgefährten, welcher im Kessex bereits unter seiner Führung ein treuer und überaus nützlicher Kämpfer gewesen war, sondern auch die Ähnlichkeit zu seinem Zwilling. Das Farnhaar des dunklen Bruders war sorgsam, aber streng nach hinten geflochten und gab den angespannten Gesichtszügen einen wachsamen Touch, welcher Glyzavo lächeln ließ.
    „Irgendwie ja. Ich bin froh deine Fähigkeiten dabei zu haben. Deine Magie wird sicherlich gut mit Ayus harmonieren“, entgegnete der Hüter und löste nun doch mal den Blick von seinem Bruder.

    Erinnerungen wurden wach an den Kampf in den Kessex-Hügeln, als die Mordrem Fort Salma angriffen und man erste Bündnisse mit den Menschen geschmiedet hatte. Damals war der rote Hetzpriester treibende Kraft und Antrieb der Menschen im Kampf gegen die Mordrem gewesen und still, in der eigenen Brust, hatte Glyzavo etwas wie Bewunderung für diesen starken Willen empfunden. Auch wenn sie unterschiedlichen Glaubensrichtungen folgten und der Rote immer mit Skepsis und später auch mit Hass gegen das Volk der Sylvari agierte war Dronon ein wahrer Anführer gewesen. Die Tage in den Hügeln hatten Verluste mit sich gebracht, aber auch neue Freundschaften hielt bis heute Bestand.

    „Was wird uns erwarten?“ Belinirs Stimme trug eine Ernsthaftigkeit in sich, welche Zavo gefiel. Generell mochte er sich mit Geschwistern umgeben, welche nicht mehr die naiven Züge der Schösslinge in sich trugen und mit denen er über die verworrenen Wege der Welt sprechen konnte. Er genoss die Dialoge auf Augenhöhe und die philosophischen Momente am Abend in denen man seine Ansichten in Frage stellte – bis er in den Augen seines Gegenübers lesen konnte, dass dieser am Ende doch seine Ansichten teilte. Shamendere hätte ihn nun eine selbstgefällige Borke genannt, welche nur durch seinen Glauben an Ventaris Lehren und die ungebrochen Liebe zur Mutter so sturr über Dinge sprechen konnte, die sogar seinem Hauptmann in Zinderhang ein Kopfschütteln entlockte.
    „Der Untod, Bruder. Kämpfe und die Aussicht darauf etwas Leben in ein gepeinigtes Land zu bringen. Also du kümmerst dich um das Leben und ich mich darum, dass dir nichts in deinen knorrigen Hintern beißt.“
    Belinir schnaubte amüsiert aus, als der Frachter an Fahrtwind abnahm und das einst so rumreiche Land der Menschen zum Greifen nah vor einem lag.

    ~Neid sieht nur das Blumenbeet, nie den ersten Spatenstich und die folgende Arbeit~


Kommentare 2

  • Ovy -

    Südlicht ist auch einfach überbewertet!

    Ihr fahrt jetzt doch hin? Warum sagt mir das keiner? x.x

    • Luc / Zavo -

      Klar sind wir gefahren :)
      Das gemeine RL lässt nur manche Planungen ein wenig schwieriger werden.

      Vielleicht stolpern wir ja dennoch übereinander ;)

      Und Südlicht! Wer brauch schon die Südlichtbucht!!!