Der durstige Teufel

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  • (Eine Aufzeichnung des ehrenwerten Kailis Lerandine, selbst ernannter adeliger und Gelehrter)

    Einst saß Ich an einem kalten Wintersabend in triefnasserKleidung innerhalb einer kleinen Taverne, deren Kundschaft berüchtigtdafür war nicht zu den geselligsten zu gehören. Ein plötzlicherSturm hatte Schnee und Regen vermischt und ist über die ahnungslosenBewohner eines kleinen Dorfes, irgendwo in Tyria versteckt,hergefallen. Viele retteten sich vor dem Unwetter, in dem sie sich zuihren Häusern sputeten, oder sich bei befreundeten Nachbarn inSicherheit bhringen konnten ... nicht aber Ich. Nein. Ich war einFremder und ich bezweifelte, das man mir Einlass gewähren würde. Zumeinem Glück aber war die Taverne, in der Ich jetzt sitze, nicht allzu weit entfernt gewesen und so eilte ich zu deren Türe und tratein, nachdem Ich die Tür aufgerissen hatte. Der kalte Wind und etwasSchnee zogen nach, sollten aber der Hitze, die mir entgegen schlug,schnell weichen. Ein kurzer prüfender Blick verriet mir bereits dasdies gewiss kein Ort sei, der auf Hygenie achtete. Was mir dank denverschiedensten Düften nur noch mehr versichert wurde. Aber Ichwollte mich nicht beschweren und umdrehen, um wieder in die Kältehinaus zu maschieren, also seufzte ich und begab mich zu den Tresen.Unterwegs spürte ich förmlich, wie Blicke mich durchbohrten und mirfolgten, mich abschätzten. Zurecht. Immerhin war Ich keingewöhnlicher Pöbel, Ich war ein Gelehrter, in feinen Kleiderngekleidet, und auf der Suche nach jedem ach so kleinsten Geheimnis.Und das Dörfchen sollte einst haben, das mich zu einem der reichstenGelehrten in Götterfels erheben dürfte. Dazu galt es aber erstmaldieses Geheimnis zu finden und zu ergründen. Als Ich dannvorsichtigen Schrittes den Tresen erreicht hatte und mich auf einenHocker niederließ, dessen Stabilität zu wünschen übrig ließ,begrüßte Ich den übergewichtigen Wirt, dessen Gruß nicht mehr alsein Grunzen war. Auf die Frage hin was ich denn zu trinken habenwollte, versuchte ich mit einem freundlichen "Ich verzichte,danke" ihn abzuwimmeln, aber er beharrte darauf, das jeder inseiner Taverne etwas zu trinken hatte. Ja, auch so feine, undemntschuldigt meine Wortwahl, "Pisser" wie Ich es einersei. Also bestellte ich mir ein Wasser. Ja, ein Wasser, in einer soheruntergekommenen Spelunke wie dieser. Hoffentlich ohneSpeichelzugabe des netten Herren. Wie dem auch sei, Ich kramte inmeiner Hängetasche nach meinem Notizbuch und einem Stift, da Ichgerne meine Beobachtungen notiere... und eventuell Warnungen anandere, diese Taverne nicht zu besuchen, wenn einem etwas an dereigenen Gesundheit liegt. Und Ich schrieb. Viele Wörter, die michdie Umgebung vergessen ließen. Vollkommen meiner Arbeit hingegebenbemerkte ich also auch nicht, das sich jemand neben mich gesetzthatte. Erst als ich durch einem plötzlichen Donnern aufschreckte,hörte ich ein rauchiges Lachen neben mir und mein Kopf drehte sichzu dem Geräuschursprung hin. Da saß eine Frau, in einem dickenKapuzenmantel gekleidet, neben mir, die wahrscheinlich versuchtecharmant zu lächeln. Was ihr dank dem fehlenden Zähnen nichtgelang. Obwohl die wohl auch nicht einen großen Unterschied gemachthätten, da sie gewiss so dunkel verfärbt wären wie der Rest. Siebeugte sich zu mir rüber und begrüßte mich mit einem schlichten"Ey", gefolgt von einem Kopfnicken. Ich nickte zurück undwollte mich wieder meiner Schrift weidmen, als sie mir einfach dasBlatt Papier unter der Nase wegriss, zerknüllte und zu einer Kugelgeformt in die nächst beste Ecke des Raumes war. Wieder beugte siesich mir zu und meine Augen erhaschten einen ersten Blick auf das,was ihr Mantel zunächst verbarg. Sie bekam den Blick offensichtlichmit, denn wieder grinste sie und fragte mich dann, ob mir der Anblickgefiel. Ich verneinte schroff und verglich sie mit einem Yakhaufen,der attraktiver wäre. Das war vielleicht nicht die beste Idee, dennsie rollte mit den Augen und nannte mich einen Idioten, der nichtwissen würde, was er verpasst, wenn ich versuchen würde, sieabblitzen zu lassen. Ein paar Wortgefechte später war ich sie dennauch endlich los. Aber da mein Blatt Papier nun zu nichts mehr zugebrauchen war, wollte ich aufstehen und gehen. Aber ein Paarkräftiger Hände drückten mich wieder auf den Hocker zurück. Woich zuerst dachte, es wäre die Frau gewesen... was mir vielleichtsogar lieber gewesen wäre ... stellte sich als ein Mann mitlängeren, verschmutzten roten Haar heraus, dessen Stoppeln deutlichan der blassen Haut zu erkennen waren.

    " Hierbleiben." befahl er mir und setzte sich nebenmich, wo gerade noch die Frau saß.


    Der Wirt, der die ganze Zeit über wie vom Erdboden verschluckt war, kam mit einem leicht geschäumten Glas Wasser wieder und stellte es mir vor die Nase. Dann nahm er die Bestellung meines Nachbarn auf.

    " Rum." bestellte er. "Für mich und meinem neuem Freund." fügte er an und deutete dabei auf mich.


    Ich wollte das Getränk abweisen, aber das Rothaar bestand darauf, das ich entweder den Rum, oder das Glas mit dem Speichelwasser trinke. Dabei legte er mir eine Hand auf die Schulter, um mir zu verdeutlichen, das er mich nicht gehen lassen würde. Mir blieb also keine Wahl. Aber überraschender Weise verblieb mein ungewollter Nachbar für eine ganze Weile lang still. Jedenfalls solange bis der Rum vor unserer Nase gestellt wurde und der Wirt hastig wieder den Tresen verließ und sich zu flüchten schien.


    Der Fremde nahm einen Schluck und tippte mit dem linken Zeigefinger auf der Tresenoberfläche.
    " Papier raus und aufschreiben. 'ch hab 'ne Geschichte für dich."


    Ich war überrascht. Der wollte mir eine Geschichte erzählen? Ich blickte ihn an und versuchte etwas aus seiner Mimik herauszulesen. Vergeblich, da das rote Haar das leicht gebeugte Haupt verdeckte. Also seufzte Ich aus und nahm ein weitere Blatt Papier heraus. Was soll's. Es kann nicht schaden, etwas von diesem Mann nieder zu schreiben, und eventuell würde Ich sogar Informationen über dieses mysteriöse Geheimnis von ihm erhalten.


    Der Mann nahm einen weiteren Schluck von dem Rum, bevor er anfing zu sprechen.
    " Es handelt sich um eine Taverne, genau wie diese hier. Heruntergekommen und dreckig, versteckt im tiefem Westen Tyrias. Oder doch im Osten? Is' ja nicht wichtig. Jedenfalls nannte man die Taverne 'Der durstige Teufel'. Dort betranken sich die Männer und Frauen, die eh nichts mehr zu verlieren hatten. Ich selbst genoss dort die wiederlichsten Getränke und hörte Gerüchte über einen wandelnden Toten, der jeden Abend, um Punkt Mitternacht, in die Taverne trat und eine arme Seele zu einem Duell forderte."


    Der Mann nahm einen weiteren Schluck von seinem Rum, Ich hatte meinen bisher noch nicht angerührt. Und würde es auch nicht.

    " An jenem Abend sollte ich der Pechvogel sein." Fuhr der Mann fort und Ich rollte mit den Augen. Sicher. Er hat mit einen Untoten was getrunken.

    " Die Tavernentür wurde unter einem Quietschen langsam aufgeschoben und schwere Stiefel traten ein. Sofort wurde ängstlich geflüstert und Blicke abgewandt. Wie Kinder, die denken, wenn sie etwas nicht sehen, dann ist es auch nicht da. Aber die Gestalt war da und sie war echt. Das Fleisch hing ihr von den Knochen und Hautfetzen klammerten sich förmlich an ihnen. Die schweren Schritte führten die Gestalt direkt zu mir und ich hörte wie einige erleichtert ausatmeten, als die Gestalt sich neben mich stellte. Ein fäuliger Gestank ließ mich die Nase kräuseln und die Luft anhalten, dann blickte ich den Untoten an und weitete meine Augen. Aus tiefen, schwarzen Höhlen starrte es mich an und bestellte für sich und mich etwas zu trinken."


    Der Mann legte eine weitere Trinkpause ein und Ich schrieb fleißig mit. Unglaubwürdig war die Geschichte ja, aber mit der ein oder anderen Änderung könnte Ich daraus eine glaubwürdigere Geschichte machen können. Vielleicht sogar eine erfolgreiche.


    " Wie du wollte ich ablehnen, aber der Untote zeigte mit einer Pistole auf mich und stellte mich vor die Wahl. Entweder Ich trinke was er bestellt, oder Ich

    stelle mich ihm im Kampf. Das wollte Ich mir nicht gefallen lassen. Ich lasse mich von niemanden in so'ne Scheiße reiten, sagte Ich ihm. Such' dir 'nen anderen Blöden, aber verzieh'* dich. Aber wollte der Untote hören? Nein! 'türlich nicht! Er lachte mich mit seiner dreckigen Stimme aus und schob mir das Getränk zu. Ich hätte keine Wahl, mit ausnahme von der, vor der er mich bereits gestellt hatte."

    Der Mann gestikulierte wild mit seinen Händen zu seiner Geschichte und warf dabei fast sein Rum um, was, als er bemerkte, mit einem fluchen in einem Schluck leerte.

    " Ich fragte ihn, ob er wüsste, mit wem er sich anlegt, und zu meiner Überraschung lachte der Untote nicht mehr und nickte langsam. Also fragte ich ihn, wieso er mich denn zu einem Duell forderte, wenn er schon wüsste, das er verlieren wird. Was der wiederrum mit einem: "Seid euch eurem Sieges nicht zu sicher." beantwortete. Und da platzte mir der Kragen. Ein überheblicher Untoter? Überhaupt, ein untoter Trinker? Was auch immer der für ein Spiel spielte, und für blöd er mich hielt, Ich würde ihm eine Lektion erteilen. Also sagte ich: " Dann lasst uns was trinken, umso schneller wir den Mist hinter uns haben, umso schneller kannst du zu deiner Mutter zurück ins Grab steigen." Meine Beleidigung hatte keinen Effekt auf ihn. Er setzte nur sein Glas an und leerte es in einem Zug. Ich tat ihm gleich. Und es wurden neue Runden bestellt. Immer und immer wieder. Stundenlang sollte es so weiter gehen. Bis der Untote vornüber kippte und der Sieger klar war. Ich natürlich. Was aber merkwürdig war, war das der Untote sich in Asche wandelte und durch einen plötzlichen Luftzug aus der Taverne geweht wurde."

    Ich hatte bereits aufgehört zu schreiben. So ein Unfug. " Und weiter?" bohrte Ich nach, was mir einen ungläubigen Blick des Rothaars einbrachte.

    " Wie, und weiter? Das war's.", kam es harsch von ihm wieder.

    " Eine wirklich kurze Geschichte. Dürfte Ich denn den Grund erfahren, warum ihr mir diese erzählt habt, werter Herr?" wollte Ich wissen, was mir einen weiteren ungläubigen Blick einbrachte.

    " 'ch dachte du bist einer von den schlauen!"

    " Das bin ich gewiss, aber das heißt nicht, das Ich weiß, was in eurem Kopf vorgeht."

    " 's soll eine Warnung sein!"

    " Eine Warnung?"

    " An diejenigen, die dein Gekrakel lesen werden. Das sie mit 'nem starken Magen herkommen sollen, wenn sie sich trauen, sich mit mir anzulegen!"

    " Ich verstehe nicht. Wieso sollte sich...-" Aber da verstand Ich dann doch. Den Sinn seiner Geschichte. Er hat mir erzählt, was an diesem Abend noch geschehen wird. Was mir noch geschehen wird. Ich blickte den Mann neben mir an, der den Kopf inzwischen zu mir gedreht hatte und mich mit aus tiefschwarzen Augenhöhlen anstarrte. Der Lauf einer Pistole war auf mich gerichtet und mein Herz fing an zu rasen.


    " Werter Herr, Ihr könnt doch nicht..-" fing Ich an, aber er schnitt mich ab und fuchtelte mit seiner Pistole herum.

    " Jeder hier weiß wie ihm geschieht, wenn er die Taverne betritt. Dein Pech, wenn du zu blöd zum wissen bist."

    Es folgten noch mehrere Wortgefechte, ehe der Mann erzürnte und mir einen Faustschlag in die Magengrube verpasste. Als Ich nach Luft schnappte, hatte er bereits eine weitere Runde Rum bestellt, und mir gesagt, wenn ich in dem Tempo weitermache, dann verliere Ich. Ich wollte wegrennen, aber Ich fürchtete, das er mir eine Kugel in mein Schädel jagen würde. Also.... trank ich die beiden Rum und zwang mich ihn zu schlucken, wider aller Willen. Und so ging es weiter. Bis, wie aus einem Wunder, das Rothaar vornüber kippte und wie ein sabberndes Kind auf dem Tresen lag. Ich hatte... vielleicht drei Rum, aber der... der Mann hatte sich immer und immer mehr bestellt. Wie konnte ihm nicht aufgefallen sein, das ich nur drei Getränke zu mir nahm? Jedenfalls packte ich schnell meine Sachen und verließ den Schankraum eiligen Schrittes, hinaus in den Schneesturm und ließ die Taverne hinter mir.

    Irgendwann erfuhr ich allerdings noch den Namen jener Taverne. Sie hieß "Der durstige Teufel" und war nicht nur bekannt für seine zwiellichtigen Gestalten, nein, es soll tatsächlich ein Untoter ein tödliches Trinkspiel angefangen haben, das sich unter den Gästen verbreitet hatte und zu einer Tradition in der Taverne wurde. Irgendwie glaubte Ich dem noch immer nicht so ganz, aber...-

    (der Rest des Satzes wurde durchgestrichen und mit einer schlechten Handschrift ersetzt)

    .... Ich machte mia so sär in di Hoze, das Ich nicht mär ßraibn konteh. Dahs ände.

Kommentare 2

  • Ovy -

    Der letzte Satz wirft Fragen auf! xD

    Westernstimmung irgendwie, die Kneipe sieht in meinem Kopf bisschen nach Hateful8 aus. Ist die Story von diesem Ghoultownlied inspiriert?

    • Elexiel Cinere -

      Leider muss ich sagen, das das Ghoultown Lied einen größeren Einfluss auf mich hatte, als ich zuerst gedacht habe, als ich die Geschichte geschrieben habe. Auch wenn ich hoffe, daß ich nicht nur eine schlechte Kopie geschrieben habe. Ansonsten muss ich mir etwas anderes einfallen lassen, weil ich definitiv eine Western basierte Story schreiben möchte ^^