Der Testflug

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  • OOC-Info/Hintergrund

    Diese Geschichte ist Teil einer mehrteiligen Serie die als Vorbereitung und Einleitung für einen kommenden Plot der Wachsamen und des Paktes dient und Hintergrundinformationen liefern soll.

    Teil 1: Götterdämmerung
    Teil 2: Albtraum eines Genies


    Wir liegen jetzt schon viel zu lange in diesem Konglomerat aus unterschiedlichsten Völkern, Gesinnungen und Lebenseinstellungen vor Anker. Die Stadt geht mir auf die Nerven. Dennoch war ich nicht untätig und habe die mir zur Verfügung stehende Zeit genutzt. Die Götterdämmerung ist besser ausgerüstet als ich es jemals hätte planen können. Der ewigen Alchemie sei dank heben wir heute endlich ab. Offiziell soll es ein Testflug mit dem Fort der Dreifaltigkeit als Ziel sein. Doch ich habe andere Pläne. Wir werden unsere Mission beginnen. Meine Mission.“
    - Logbuch Technischer Leiter Zapp, 31. Tag Phönix, 1331 NE

    Der Techniker befand sich wie so oft in seinem Quartier und hatte gerade den Eintrag in sein Datenpad eingetippt, als die herrschende Stille jäh unterbrochen wurde. Die Sprechanlage knackte und die bassige, rauchige Stimme des Captains hallte durch den Lautsprecher.„Captain Pulverklinge an alle: Wir heben in 15 Minuten ab. Alle Mann auf Position! Cheftechniker Zapp – auf die Brücke!“ Das war wohl sein Stichwort, denn er legte das Gerät auf den Schreibtisch, erhob sich aus dem Sessel und ging zur Tür. Für den besonderen Anlass verzichtete er sogar auf den Labor-Kittel und schlüpfte stattdessen in einen feinen, robusten Ledermantel den er sich in der Zwischenzeit zugelegt hatte. Danach trat er hinaus auf den Gang. Ein paar Schritte nach rechts, und er kam an einer der unzähligen Teleporter-Stationen an, die die Wege auf dem Schiff drastisch verkürzen sollten. Sie hatten auch diese inzwischen in Betrieb genommen. Er betrat die Apparatur, schnarrte „Brücke!“ und in einem kurzen, magischen Aufflackern wurde er zu der entsprechenden Gegenstelle transportiert.

    Er trat wieder hinaus, wandte sich nach rechts – und ein paar Schritte später stand er auf der Brücke. Captain Ramok Pulverklinge, ein Charr der alten Schule und ehemaliger Legionär der Eisenlegion, stand am Steuerrad und sah über die Schulter, als Zapp reinkam. „Cheftechniker, da seid ihr ja endlich.“ Er winkte ihn mit der Pranke heran. Andere Mitglieder der Crew hatten ebenfalls ihre Stationen links und rechts vom Captian besetzt. Der dümmliche Menschen-Steuermann, mit dem Zapp schon das eine oder andere Mal aneinander geraten war, saß vor seiner Konsole und starrte Löcher in die Luft. Links von ihm hockte eine Sylvari die verträumt auf ihre Bildschirme sah. Sie war die Kommunikations-Offizierin, die im Ernstfall den Kontakt mit anderen Schiffen der Flotte hielt oder heute eben mit dem Löwensteiner Hangar. Sie war es auch, die schon vor zwei, drei Stunden die Sperrung des kompletten Luftraumes über der Stadt veranlasst hatte. So langsam bildete sich eine Warteschlange. Unzählige kleinere Luftschiffe warteten darauf, dass sie endlich weg waren. Auf der anderen Seite gab es noch zwei Konsolen, die von zwei Asura besetzt wurden. Maschinen- und Antriebsüberwachung. Eine Spiegelung dessen, was sie im Maschinenraum hatten. Dennoch blieb die technische Kontrolle weiterhin dort, für den heutigen Testflug hatte er seine Domäne Quippa überlassen, die eingeweiht war. Im Gegensatz zu den Leuten, mit denen sich Zapp jetzt abgeben musste. Schließlich gesellte sich der Cheftechniker nach seinem kurzen Überblick neben den Captain ans Steuerrad, welches ebenfalls von kleinen Holoschirmen links und rechts davon eingerahmt wurde.

    Wir liegen gut in der Zeit. 10 Minuten bis zum Abflug.“begrüßte Pulverklinge Zapp, der daraufhin nur nickte. „Auch wenn ich.. immer noch Bedenken hab‘ ob es so ne gute Idee is‘, den Ley-Antrieb so nahe an der Stadt anzuschmeißen.“ Zapp seufzte. „Ich bin die Berechnungen mehrere Male durchgegangen. Es besteht kein Grund zur Sorge. Aber wenn es euch beruhigt, können wir den Sicherheitsabstand auch auf 6000 statt 5000 Meter erhöhen. Der normale Antrieb ist schnell genug, das sollte kaum ins Gewicht fallen.“ Der Captain bestätigte mit einem Nicken.
    Von draußen hörte man dumpf, wie die Arbeiter am Boden von ihren Vorgesetzten Befehle erhielten. Anker lösen, Taue lichten. Die Truppen an Deck, die die Götterdämmerung rund herum bewachten, zogen sich langsam nach drinnen zurück. Der Captain warf einen Blick auf seine Taschenuhr, die er in der Pranke hielt. 5 Minuten noch bis zum geplanten Abflug. „Maschinenkontrolle - Hauptantrieb starten und Systeme hochfahren!“ -„Aye, aye, Captain.“ Der Asura an einer der Konsolen drückte Knöpfe. Ein paar Decks unter ihnen bekam Quippa wohl die entsprechenden Anweisungen auf ihren Schirmen mitgeteilt. Es dauerte nicht lang – dann ging ein Ruck durch das Schiff. Ein tiefes, grollendes Geräusch erfüllte den Rumpf, als die Turbinen langsam anliefen, dann an Fahrt aufnahmen und das Brummen und Rauschen nach wenigen Sekunden in ein hochfrequentes Surren überging. Die Schilde, die die Zugänge zum Deck abriegelten, wurden aktiviert. Die Antriebsschaufeln fingen an, sich langsam zu drehen. Eine Minute bis zum geplanten Start – es wurde hektisch draußen. Die Bodencrew war wohl immer noch dabei, das Schiff aus seiner Ruheposition zu lösen. Zehn, neun, acht, sieben… Zapp zählte innerlich die Sekunden runter – dann meldete sich die Kommunikations-Offizierin: „Bodentruppen melden: Leinen los, Captain.“ Pulverklinge hob eine Lefze, legte die Taschenuhr weg und umgriff dann mit beiden Pranken das Steuerrad. „Dann wollen wir mal!“ Beherzt zog der Charr an einem Hebel neben dem Steuer – worauf der Antrieb erst so richtig aufheulte. Er gab Gas, und das Schiff stieg damit langsam hinter dem Aerodrom nach oben. Vögel flogen in alle Richtungen davon bei dem Krach, Bewohner der Stadt sahen auf. Sie schwebten hinter der Abflughalle.Gleich danach zog der Captain den nächsten Hebel und das riesige Schiff setzte sich schwerfällig in Bewegung. Noch konnten sie nicht auf volle Reisegeschwindigkeit gehen, war man ja noch mitten in der Stadt. Er flog nach links vom Aerodrom weg, drehte dann eine kleine Runde über die Stadt, hinaus in die Löwensteiner Bucht. „Jetzt sieh‘ sich einer die ganzen kleinen Schrottkisten an, die nur auf uns warten..“ Zapp betrachtete einen der Holoschirme, auf dem optische Sensoren Bilder der Umgebung darstellten, während Pulverklinge grinsend direkt über das Steuer hinweg nach vorn hinaussehen und unzählige andere Luftschiffe erblicken konnte, die warten mussten, bis sie weg waren. Ein alter Kahn, der offensichtlich dem Konsortium gehörte und direkt am Leuchtturm geparkt hatte, sauste gerade unter ihnen vorbei. „Und die da hatten‘s wohl besonders eilig..“ Captain Pulverklinge schüttelte den Kopf, gab dann schließlich vollen Schub und dirigierte das Schiff die letzten Meter aus der Bucht hinaus, raus aufs offene Meer.

    Die nächsten Minuten kamen Zapp vor wie Stunden, während sie Löwenstein langsam hinter sich ließen und der Leuchtturm in der Ferne immer kleiner wurde. Schließlich hatten sie den für den Test veranschlagten Sicherheitsabstand erreicht. „6500 Meter bis zur Bucht, Tendenz steigend. Cheftechniker, das is‘ ab jetzt eure Vorstellung. Vermasselt es nicht.“ Pulverklinge grinste Zapp an, der immer noch still und ruhig neben ihm stand. Auf die Worte des Captains hin schnarrte der nur. „Ewige Alchemie, stellt ihr schon wieder meine absolute, unausweichliche Brillianz in Frage, Captain? Der Test wird ein voller Erfolg. Das verspreche ich euch.“ Es klang wie eine Drohung – und genau das sollte es in Zapps Vorstellung auch. Der Charr am Steuer schnaubte nur. „Sorgt einfach dafür, dass uns euer Leyliniendings nicht um die Ohren fliegt und wir in einem Stück am Fort ankommen. Danke.“ - „Es heißt A.L.L.S.A. Captain. Der arkane leyenergie-getriebene Langstrecken-Sprung-Antrieb. Merkt euch das.“ Dabei beließ es Zapp dann und gesellte sich dann zu den beiden Asura-Hilfstechnikern an den Konsolen rechts vom Steuer. Ein Fingerzeig zu einem Knopf, der für die Sprechanlage da war. Er wollte eine Verbindung in den Maschinenraum. Der zuständige Bediener nickte, und drückte dann den Knopf. Es knackte kurz im Lautsprecher.
    Cheftechniker Zapp an Maschinenraum. Wir beginnen nun mit dem Test. Wie ist der Status der Systeme?“ Einen kurzen Moment später antwortete Quippa: „Assistentin Quippa für Cheftechniker Zapp hier. Ley-Kern und Sprung-Gitter-Matrix befinden sich in Bereitschaft. Warte auf Befehl zur manuellen Antriebsumschaltung.“ Zapp nickte zufrieden. „Gut. Erbitte permanente Durchsage der Betriebsparameter während Lade- und Sprungphase. Manuelle Umschaltung… jetzt!“ - „Bestätigt!“ gab die Assistentin noch durch.
    Dann folgten wieder ewige Sekunden für den Cheftechniker, ehe abermals ein kurzer, starker Ruck durch das Schiff ging. Sie hörten, wie die Schaufelräder des Hauptantriebs und die dazugehörigen Getriebe langsam ausliefen, während die Dampfturbinen weiterhin auf voller Leistung arbeiteten. Dazu meldete sich die Assistentin wieder.„Hauptantrieb… entkoppelt. Generator-Primärladung… in Ley-Kern umgeleitet. Sekundärsysteme… deaktiviert.“ Beim letzten Punkt gingen auf der Brücke einige der Holo-Schirme aus. Kommunikation, Navigation, die externen Bildsensoren und sogar die Steuerung für die Laser-Geschütze. Das alles waren Systeme, die Zapp als unwichtig für einen Sprung erachtet hatte und sie lieber deaktiviert sah, um dem experimentellen Antrieb so viel Energie zur Verfügung zu stellen, wie nur möglich. Langsam verlor das Schiff auch an Schwung, während sie immer noch mit den Vorbereitungen beschäftigt waren. „Ley-Kern läd auf.. Ladung bei 25%. Initiiere Abstimmsequenz.“
    Allmählich ging ein Summen und Surren durch das Schiff. Es war keine feste Frequenz, eher eine Mischung aus vielen verschiedenen Frequenzen. Den empfindlichen Ohren des Captains machte das zu schaffen. „Verflammt.. sagt mir bitte nicht, das euer Antrieb immer so einen Krach machen muss!“ Zapp seufzte. „Ewige Alchemie, es gehört dazu Captain. Ich werde das noch optimieren, aber für den allerersten Sprung werdet ihr das doch wohl ertragen.“Langsam wurde aus den ganzen Geräuschen ein kleines Beben. Irgendetwas zerrte an der Götterdämmerung, während sie immer noch mit dem restlichen Schwung des normalen Antriebs durch die Luft rauschte. „Kernladung bei 55%… Zeit bis zur Energieschwelle – 30 Sekunden.. Oh.. da fällt mir ein.. ich.. wo habe ich denn..“ Zapp hob eine Braue. „Was ist los, Assistentin? Sollen wir abbrechen?“ - „Äh? Was? Nein! Ewige Alchemie, nein! Ich suche nur.. ach da ist es ja!“ Zapp und Captain Pulverklinge warfen sich beide fragende Blicke zu – ehe plötzlich Musik aus der Sprechanlage dröhnte. Laute, asurische Musik. Quippa.. sang offensichtlich sogar mit. Zumindest hörte es sich so an. Der Captain musste lachen. War immerhin besser als das ganze Gefiepe, dass der Antrieb verursachte. Zapp knurrte genervt, bellte dann ins Mikrofon. „Ewige Alchemie, Quippa! Was soll das?!“ - „Schon gut! Schon gut! Ich dachte nur, etwas Musik würde die Stimmung auflockern!“ -„Die.. Stimmung auflockern?! Herrje… überlasst das Denken in Zukunft besser mir und SCHALTET DIESEN KRACH AB!“ Die Musik verstummte. Nur ein leises Seufzen war zu hören. Quippa wusste, dass der Cheftechniker nun sauer war. Der bebte auch tatsächlich einen Moment, tat es dann aber ab. „Status?“kam als nächstes sachlich-nüchtern von ihm. „Kern bei 80% - Sprungschwelle in 20 Sekunden… „ Angespanntes Warten. Das Rütteln und Ruckeln im Schiff wurde immer stärker. Der Captain klammerte sich am Steuerrad fest. Hoffte das es niemand bemerkte. Zapp hielt sich an der Konsole vor ihm fest. Die Sylvari und der Mensch auf der anderen Seite warfen sich skeptische Blicke zu. „90%… Sprung in 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 ...100%! Festhalten, Leute!“
    Als die Assistentin heruntergezählt und die vollständige Ladung des Ley-Kerns verkündete, wurde die Brücke plötzlich in gleißend helles Licht getaucht. Vor ihnen tat sich ein magischer Riss auf. Eine Spalte öffnete sich, in einer Leylinie, die wohl direkt vor ihnen lag. Ein starker Ruck erfasste das Schiff. Es wurde angezogen, in den magischen Spalt hineingezogen. „Woooo verflammt!“ gab der Captain von sich, als es ihm die Füße wegzog und er nur noch am Steuerrad hing. Die Sylvari an der Kommunikation rutschte von ihrem Stuhl und landete unsanft auf dem Hintern. Zapp hielt sich an der Konsole fest. Kurz waren sie blind. Und dann.. befanden sie sich in einem magischen Strudel. Regenbogenfarben schimmerte es um das Schiff herum. Es fühlte sich an, als würden sie stehen. Oder sich so schnell bewegen, dass sie es gar nicht mehr feststellen konnten.„Leylinien-Transit aktiv! Kernfeld ist stabil! Zapp, es klappt! Ewige Alchemie, es klappt!“ Quippa hingegen war wohl einfach nur begeistert davon.

    Mehrere Minuten rauschte das Schiff einfach nur durch den magischen Strom. Ohne eine Ahnung, wo er sie hinbringen würde. Ohne eine Möglichkeit einzugreifen. Zapp lies es einfach geschehen. Schließlich wandte er sich wieder an die Sprechanlage. „Gut, das reicht. Sprung beenden. Ich wiederhole: Sprung beenden.“ So langwierig wie die Vorbereitungen waren, so schnell war der ganze Spuk wieder vorbei. Ein Zischen und Krachen – und sie fielen wieder aus dem Strudel heraus. Um sie herum – Meer. Nichts als Wasser. Kein Land mehr in Sicht. Rumpelnd sprang der Hauptantrieb wieder an. Die deaktivierten Konsolen erwachten wieder zum Leben. Captain Pulverklinge sah sich um. „Verflammt, Zapp! Das ist weder Orr, noch das Fort! Wo bei Baelfeuers verbrannten Eiern sind wir?!“ Zapp – blieb ruhig. Er lächelte sogar. Das Lächeln eines verrückten Genies. „Oh, das werde ich feststellen. Bald. Aber ich werde eine Weile brauchen. Am Besten… halten wir einfach die Position. Ihr findet mich im Maschinenraum, Captain.“ Mit den Worten lies der Cheftechniker den Captain einfach stehen, der ihm noch einen Fluch hinterher rief. Sein Plan war aufgegangen. Jetzt… konnte es wirklich losgehen.

Kommentare 6

  • Ovy -

    Was hört Quippa, minimalistischen Synthwave oder so? :p

    Das Teil erinnert mich noch immer an die Fantasie eines größenwahnsinnigen Diktators/Zehnjährigen/Star Wars-Schreibers, verdammt riesig und voller Waffen, aber vor allem ressourcenverschwendendes, aus der Zeit gefallenes Propagandaprodukt mit wenig taktischem Mehrwert. Mal sehen wohin das große Ego des kleinen Genies sie geführt hat.
    :{D

    • daspete -

      Du, ganz ehrlich - so ein bisschen in die Richtung sollte es auch gehen ^^

  • Mahorka -

    Wenn eine Geschichte mich dazu bringt, mir einen der Charaktere daraus zu bauen- vor allem einen Asura, die ich bisher gemieden habe- muss irgendwas richtig sein. *Love Quippa* <3

  • Nia! -

    Die Gespräche zwischen den beiden Asura sind klasse. Die Funkdisziplin wurde zumindest am Anfang gewahrt (immer diese Aufregung!!) und die Geschichte macht Lust auf Weitere dieser Art.
    Weitermachen!