Nia’s Schreibwerkstatt 33

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  • „Denke immer daran: Alles kommt im richtigen Moment zu dir. Sei also geduldig.“
    Eifrig nickt der Junge und als die hochgewachsene Frau eine kleine, dunkle Holzscheibe mit Schnitzerei zum Vorschein bringt, da hellt sich das Gesicht des Kindes noch mehr auf. Sie nickt.
    „Nimm sie. Jetzt gehört sie dir. Damit erinnerst du dich immer an meine Worte und weißt, wie sehr ich dich liebe.“



    Er hatte den Schal bis über die Nase gezogen und der aufmerksame Blick ruhte auf der Norn, die sich unterhalb seines Versteckes im Wäldchen herumtrieb. Erst vor Kurzem hatte er sie gefunden, wo er ihr doch bereits seit einigen Tagen immer mal wieder folgte. Sie war beinahe so leise wie er. Der Wind rauschte in kurzen Böen durch die Bäume und Sträucher, irgendwo schrie eine Eule und hinter sich konnte er bekannte Schritte im Schnee hören. Das Pfeifen der Nase verriet ihm, dass einer seiner Brüder sich näherte. An seiner Seite blieb er stehen. Pfriiiii – Pfriiii. Der Jäger schaute nicht auf, grüßte nur mit… [Weiterlesen]
  • 2 - Dolyakruh

    „Sei nich‘ so albern.“ Iida schnaufte und sah dem Kolkraben dabei zu, wie er vor ihr auf dem erdigen Boden hin und her hüpfte. Er klackerte mit dem Schnabel, wie immer wenn er gerade nur Schalk im Kopf hatte.
    Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Jaja, Erinner‘ mich daran dir Käfer zu sammeln. Faule Schwarzfeder.“ Eine Pause entstand, in welcher die Jungnorn den Verband um ihren blutenden Oberarm wickelte. Der Rabe flatterte kurz auf und sprang dann wieder hin und her. „… danke, Rök.“
    Er klackerte.
    Sie verdrehte die Augen, knotete den Verband umständlich fest.
    „Raaaak!“, tönte der Rabe.
    „Jetz‘ übertreib mal nich‘! Immerhin hab ich die auch ganz schön verdroschen!“ Trotzig schob Iida die Unterlippe vor, sah zum Tier. Rökkvi legte den Kopf in den Nacken und das Klickern, das er erzeugte, klang schier wie schadenfrohes Lachen.
    „Du hättest ihnen auch früher auf den Kopf scheißen können.“ Die Jungnorn murrte und stopfte den Rest des Verbandszeuges zurück in den
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  • Ruhig lag die Straße vor ihr, im sonst so geschwätzigen Städtchen. Langsam hob sie eine Hand, drehte die Fläche nach oben und fing eine der Flocken von denen sich bereits vereinzelt welche auf ihr nieder gelassen hatten. Tief war der Atemzug, den die noch junge Norn tat. Die Nase wurde in die Höhe gereckt. Es war kälter hier, als bei ihrem letzten Besuch. Er war schon lange, lange her gewesen.
    Damals.
    Iida grinste zahnlückig.
    Damals, da war sie oft mit Inaee zur Kaninchenjagd gegangen. Sie hatte den Dolyakulf und seine Elena besucht, war ausgebüxt. Mit dem Legendensänger war gefeilscht worden und der Bäckerin hatte sie ganz brav das Dachbeet nicht völlig platt getrampelt. Lücke hatte den Zahn gefunden – Iidas Zahn und mit Nastrai war sie in den Ecken der Hütte rumgekrabbelt, um nach Spinnen zu suchen. Die ersten Schritte zur großen Legende war sie gegangen. Sie knutschte zum aller ersten Mal mit Varg. Mit ihrem Varg. Ihrer besten Freundin war sie über den Weg gelaufen. Und
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  • Sie schob sich durch das Unterholz, während sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlor. Majestätisch stolzierte das schwarzgefiederte Tier durch den Wald. Bei jedem großen Schritt wippte der Kopf am langen Hals ein wenig. Die Federn glänzten. Sie wurden geschüttelt damit die wenigen Schneeflocken, die durch die Baumkronen drangen, zu Boden fielen.
    Langsam und zielsicher setzte sie einen Fuß vor den Anderen, bewegte sich grazil zwischen den Bäumen und Sträuchern hindurch. Sie berührten ihren Körper nicht einmal ansatzweise, was ihr dabei aber nicht seltsam vorkam. Kurz nur wanderte ihr Blick an ihr selbst hinab, um den Fuß neben einem Ast in den Schnee zu setzen und nicht darauf. Sie stockte.
    Wann hatte sie ihre Stiefel ausgezogen?
    Blinzelnd hob sie den Blick wieder an, um das Ziel ihrer Jagd nicht doch noch aus den Augen zu verlieren. Dabei griffelte sie nach der Rabenfigurine, die sie schon so lange auf der Jagd begleitete. Abermals ein Stocken.
    Wann hatte sie vergessen ihren Gürtel[Weiterlesen]
  • Sie standen im Kreis und die hellen Stimmen schnatterten aufgeregt durcheinander. Zwischen ihren Beinen lag ein Sammelsurium an Stöcken: Lange, kurze, dicke Äste und dünne Ästchen. Welche, an denen noch ein paar Blätter hingen und welche, von denen schon ein Teil der Rinde abgepopelt war.
    Ein Junge mit schwarzen struppigen Haaren und Dreck im Gesicht verschränkte die Arme. „Die darf mitspiel‘n!“ Ein Anderer, der raspelkurzes blondes Haar hatte, schüttelte vehement den Kopf. „Ne!“, herrschte er den Dunkelhaarigen an. „Die is‘ zu klein! Un‘ zu langsam. Un‘ außerdem haben wir nich so viele Schwerter!“ Er deutete auf den Haufen von Stöcken.
    „Sóla kann meins hab‘n!“, erwiederte Jonne rasch und der Blonde der auf den Namen Jannis hörte schnaubte. Er schaute zwischen den Beiden Geschwistern hin und her, schüttelte wieder den Kopf. „DIE IS‘ ZU LANGSAM!“, schrie er und stampfte mit dem Fuß auf. Er schrie trotzig, wie er es immer machte wenn etwas nicht nach seinem Willen lief. Die anderen… [Weiterlesen]
  • „Käpt‘n…? Sie is‘ wieder da.“ Die Tür schob sich nach einem vorsichtigen Klopfen langsam auf und der Kopf einer hellgrauen Asura schob sich hindurch. Große, strahlend weiße Irden suchten nach der Gestalt des Kapitäns. Dieser stand über den Tisch gebeugt und brütete über einer Ansammlung an Karten, Schriftrollen und Logbüchern. Er strich sich über den dunklen Bart, dessen Schwarz hier und da bereits von grauen Haaren unterbrochen wurde. „Wir können se‘ auch wieder vom Pier spülen!“ Man hörte das hämische Grinsen deutlich in der piepsigen Stimme. Der breite, von Furchen und Narben übersähte Norn sah nun doch auf. Oder eher hinab. Er brummte tief. „Hartnäckig‘s Ding…,“ Einige Augenblicke vergingen, in denen die Asura die Hoffnung wägte, abermals ein lästiges Blag von den Docks spülen zu dürfen. Oder mindestens den Anblick zu genießen. Der Kapitän aber griff nach seinem Hut und schob sich mit schweren Schritten durch den Raum. Als er an der Asura vorbei durch die Türe schritt,[Weiterlesen]



  • „Wer soll mich besingen, in den Todesschlaf mich schleudern, wenn ich den Pfad des Todes geh‘ und der Weg ist kalt, so kalt.
    Ich habe die Lieder gesucht, ich habe die Lieder gesungen, als der tiefste Brunnen mir die Tropfen gab, von Todesvaters Versprechen.
    Ich weiß alles, Rabe, wo du deine Augen versteckst.“


    Schweigend war sie den Weg zurück gegangen. Vertieft in eigene Gedanken, aus denen sie doch immer wieder gerissen wurde. Riesenbezwingerin. Es klang hervorragend.
    Die Schlacht war gewonnen, der Preis jedoch hoch gewesen. Viele Brüder und Schwestern waren gefallen und in die Nebel gegangen. Und der Stein, den sie nur durch Zufall gefunden hatte, er wog gefühlt unendlich schwer unter den Lagen des Wolltuches.
    Der Plan war gänzlich aufgegangen und es war ein einziger Triumph, dass die Horde an Drachenbrut so ahnungslos und naiv den Pfad entlang gewandert war. Tork hatte nicht zu wenig versprochen und ein paar Mal musste sie darüber grinsen, was sein Können aus der Brücke… [Weiterlesen]
  • Mit zusammen gezogenen Brauen grinste der kränklich bleiche Norn auf und sprach seine Forderung mit sichtlicher Freude. „Ich wähle den Kampf.“ Schwerfällig stemmte er sich auf beide Beine und griff fester nach seiner Axt, die bereits Blut geleckt hatte an diesem Tag. Die Rothaarige machte noch einen zügigen Ruck nach vorne, um die seltsame Kugel einzusammeln und in einem Tuch zu verbergen. Für dieses Stück war später noch genügend Zeit. Sie knüpfte das Bündel an ihren Gürtel.
    Drei lange Schritte setzte sie durch den Schnee, als der verdorbene Kämpfer mit gezogener Axt auf ihren Bundkerl zuschlurfte. Im Augenwinkel sah sie, dass ihre Rudelschwester ebenfalls die Hand an den Köcher legte und einen Pfeil zog. Sie tat es Arya gleich. Sie waren bereit, doch hatte Monennia für sich selbst beschlossen vorerst zu warten. Björn Halgorson hatte ein Opfer gebracht. Was er aber mit dem Blick in die Zukunft gemeint hatte, darauf konnte sie sich jetzt gerade noch keinen Reim machen.
    Schwer hing die… [Weiterlesen]
  • Es dämmert gerade, als das Weib sich in den Fellen regt und der Schmerz heftig durch ihren Knöchel zuckt. Kurzzeitig wirkt es, als betäube er ihr gesamtes Bein. Leise murrend dreht sie sich auf den Rücken, wischt sich den Schweiß von der Stirn und schnauft nach oben zur Hüttendecke. „Dreck…,“ brummt sie leise und rau aus. Tapsige Schritte erregen direkt darauf ihre Aufmerksamkeit und sie sieht an den Rand des Lagers. Dort steht ihr Sohn, sieht sie mit verschlafenen Augen an und gähnt herzlich. „Ma.. uuuuahrg!“ Jonne schmatzt und klettert ins Lager. Über seinen tief schlafenden Pa hinweg, schlüpft er zu seiner Ma unter die Felle und schmiegt sich an. „Was machst du denn schon auf den Beinen mein Fratz?“ Sie streicht ihm mit den Fingerkuppen sacht von der Stirn zur Nasenspitze. Immer wieder. Das gefällt ihm. Das hat die Ma schon gemacht, als er noch ganz klein war. Direkt drückt er sich noch etwas mehr an den warmen Körper seiner Ma und schnauft schwer seufzend durch. „Is war wach…[Weiterlesen]
  • Es ist ein schöner Morgen, als meine Schwester und ich mit vollen Bäuchen aus der Hütte gehen. Ma hatte uns süße Brötchen gebacken. Ich esse meine am Liebsten mit Honig. Ich liebe Honig! Und Würste. Sóla isst ihre Brötchen immer ohne alles. Aber mit Milch. Sie mag keinen Honig, glaube ich. Aber das ist gut, denn dann bleibt mehr für mich!

    Die Sonne tanzt durch die Bäume und man hört die Tiere im Wald. „Sóla, is hab ein Wildswein gehört!“ Natürlich muss ich es ihr gleich erzählen. Sóla ist noch klein, die muss doch erst alles kennenlernen. Sie guckt sich um. „Wo?“ Ich zucke mit den Schultern und zeige in den Wald. „Komm, wir gucken!“ Dann gehen wir los. Ich halte die Hand meiner Schwester. Das muss so sein, ich muss sie ja beschützen. Außerdem kenne ich mich im Wald total gut aus! Wie lange wir laufen? Keine Ahnung. Machen ja meine Füße von ganz alleine. Aber wir wollen das Wildschwein finden. Es grunzt und sucht mit seinem Rüssel in der Erde. Sowas hab ich schon gesehen.

    Vor lauter… [Weiterlesen]