Artikel 2.047

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Neu

    Was für ein erbärmlich bescheuerter Abend. Zu diesem Schluss kam ich, als ich nun frisch gebadet auf dem Wannenrand saß. Das heiße Wasser hätte ihn abwaschen sollen, aber die Stille im Haus war nicht in der Lage meine Gedanken zu übertönen. Das tat sie schon lange nichtmehr. Und auch jetzt war mir bewusst, dass das nicht gesund sein konnte. Trotzdem war ich hier.
    Ich war hier und betrachtete die Frau, die mir gegenüber saß. Sie war mir so vertraut. Und dennoch wusste ich mit unzweifelhafter Gewissheit, dass sie nicht zu mir gehörte. Sie war jemand Anderes. Zum ersten Mal fiel mir heute auf, wie müde sie aussah. Ja, irgendwie ausgezehrt. Ihr Blick war stumpf und die Gesichtszüge zeichneten sich deutlicher ab als jemals zuvor. Klar, Schnee hinterließ nunmal seine Spuren. Ich wusste das. Sie wusste das auch.Und trotzdem sah ich ihr dabei zu, wie sie nach dem Mariani-Glas auf dem Wannenrand griff und es leerte. Es musste Mariani sein. Zwar war sie es, die ihn trank, aber ich
    [Weiterlesen]
  • Neu

    „Sie hat einem Jungen die Nase gebrochen.“ sagte Geonna erneut und man hörte das Seufzen in der Stimme und wie sich die schon etwas ältere Frau in den Stuhl fallen lies. Tabitha saß auf der Treppe ins obere Stockwerk und hatte den Kopf an die Holzstäbe gelehnt. Natürlich hatte er sie verraten. War gleich zu seinem Vater gelaufen, der zum Abendbrot wutentbrannt an der Türe geklopft hatte. Geonna hatte sie hoch geschickt während Lothario an der Türe stand und seinen Nachbarn von der Insel daran hinderte hinein zu kommen und Tabitha an den Ohren hinaus zu zerren um ihr eine ordentliche tracht Prügel zu verpassen, wie es sich für freche Gören gehörte. „Sie ist noch ein Kind.“ hörte Tabitha die Stimme Lotharions, der auf seine Frau mit seinem unglaublich ruhigem Gemüt einzureden versuchte. „Sie hat ihre Kraft unterschätzt.“ „Das ist alles seine Schuld! Jedes Mal, wenn er sie besucht bringt er ihr Flausen bei.“ schimpfte Geonna wieder und Wasser wurde in ein Glas gefüllt und auf den Tisch… [Weiterlesen]
  • „Du bist ein Lügnerin.“ schmettert sie mir mitten und unverhofft ins Gesicht. Und ich konnte nicht anders als dieses mal die Wahrheit zu sagen. Es hört ja keiner außer sie. “Ja da stimme ich dir zu.“ Und schon ex ich den nächsten Rum herunter. Den so war das Spiel. Jeder von uns trifft eine Aussage über den anderen und wenn es wahr ist wird ein Becher Rum getrunken. Während der Rum meine Kehle hinunter läuft denke ich darüber nach ob diese Aussage jetzt so schlimm ist und beschließe recht schnell das dies nicht so ist. Frech lächle ich sie an ehe ich weiter spreche „Ich lüge wann immer mir danach ist, meistens wenn ich ein Vorteil davon habe oder aber auch aus Langeweile und Spaß. Außerdem bin ich gut darin.“ Diese Aussage muss ich erst mal auf sie wirken lassen damit hat sie definitiv nicht gerechnet. Der Überraschungseffekt liegt eindeutig bei mir. Sprachlos starrt sie mich an. Fast so als müsse ich die Stille nun brechen weil sie es nicht kann oder weil sie versehentlich in… [Weiterlesen]
  • Die Kornblumen waren das Schönste, was er je gesehen hatte. Dazu war natürlich zu sagen, dass seine Erinnerung zwischen der Ankunft hier, wo oder was auch immer hier war, nicht mehr vorhanden war, aber dass er aus der Hilflosigkeit direkt in ein so weiches Bett voller Schönheit gestürzt war, was ihn gefangen hatte, sorgte dafür, dass er sich lachend auf den Rücken rollte, den Arm und die teils tauben Beine ausgebreitet. Sie rochen herrlich, so wie frische, warme Bettwäsche, in die man nach heißer Dusche schlüpfen konnte, sie waren weich und leicht wie Seide auf der Haut, und mit einem Schlag hatte er beinahe alles vergessen, was gerade noch an seinen Füßen geklebt hatte. Die Sonne, die scheinen musste, kitzelte an seiner Nase, und er erwischte sich dabei, wie er die Augen schließen und bleiben wollte.
    Bis zu genau dem Moment, in dem sich eine eiskalte Klaue sowohl um sein Herz als auch in seinen Nacken legte, und er aufsprang, als hätte der Boden selbst mit spitzscharfen Zähnen nach… [Weiterlesen]
  • Der Geruch in seiner Nase war eine seltsame Mischung aus beißender Schärfe und betäubender Milde, als hätte ihm jemand oft genutztes Nasenspray mit Pfeffer garniert. Es half nicht, die Nase wiederholt zu rümpfen und zu schniefen, es half nicht, dass er sich alle zwei Sekunden mit dem Handrücken daran entlang wischte, in der Hoffnung, er könne den Geruch und seine Auswirkungen auf die Wahrnehmung hinfort wischen. Nichts davon half, und eigentlich verwunderte es ihn nicht.
    Mittlerweile stand er für mindestens das Äquivalent einer Stunde an Ort und Stelle, ohne einen Schritt gesetzt zu haben. Eine Stunde zu stehen, ohne, dass Zeit in irgendeiner Form existent war, war dabei das größte Kunststück an der Sache; Dass er sich nicht bewegt hatte, war dem Boden des Raumes geschuldet, in dem er sich befand. Hinter ihm hätte eine Tür sein sollen, durch die er herein gekommen war, dessen war er sich so sicher, wie man sich in Träumen eben sicher war, dass Dinge vorhanden waren. Direkt vor… [Weiterlesen]
  • Er ging schweren Schrittes aus dem Raum und begann die steinernen Kellerstufen hinaufzusteigen. Er schritt leise voran, wie man es in der Nacht unwillkürlich tat. Es war nicht Nacht, die Sonne stand noch immer am Firmament und wärmte die Welt mit ihrem hellen Schein. Devins Welt erreichte die Wärme heute nicht. Wie lange er unten war, konnte er nicht mit Gewissheit sagen. Die anderen Männer ließ er zurück, selbst Erlaucht hatte man den Rücken gekehrt. Sein Blick folgte der Beschaffenheit des Bodens, jede Emotion in dem jungen Männergesicht abwesend, glich er einem fahlen Abbild seiner selbst. Die rechte Wange zeigte ein rosiges Mal, welches von einer beherzten Ohrfeige stammte. In seine eigene Gedankenwelt versunken, wanderte er durch das Anwesen der Varathor. Er blieb unbehelligt, denn man sah ihm an, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Seit einigen Tagen konnte Devin nichts mehr verbergen. Seine Seele wurde verwundet und nichts wollte sie heilen lassen. Immer mehr… [Weiterlesen]
  • In dem Moment, als er die Augen aufschlug, hörte das Rauschen auf.
    Das Rauschen, von dem er nicht gewusst hatte, dass es da gewesen war. Ein weißes Rauschen, das nicht durch seine Lautstärke penetrant bis hin zu schmerzhaft gewesen war, sondern durch den Druck, den es auf das Trommelfell ausgeübt hatte. Ein so monotones Geräusch, dass es zu einem permanenten Begleiter im Hintergrund geworden war, der nicht mal mehr wahr genommen wurde. Nur seine Abwesenheit, die nun ihrerseits einen ganz eigenen Druck auf das Trommelfell ausübte - nur in entgegen gesetzter Richtung - war präsenter denn je. Einen Moment lang glaubte er, dass sein Kopf jeden Moment zerplatzen müsste, als hätte man ihn in ein vollständiges Vakuum gesperrt, um wissenschaftlich genau zu beobachten, was dieses Vakuum mit einem menschlichen Schädel anrichtete, aber auch dieses Gefühl war nach einem kurzen Moment vorbei und wurde von etwas Warmem, etwas Vertrautem ersetzt, was mit Worten schwer zu beschreiben war.… [Weiterlesen]
  • Ein fernes Donnergrollen, untermalt von klackernden Hufeisen auf der gepflasterten Straße holte den Schlafenden aus seinem unruhigen Traum. Die rechte Hand glitt vom Bauch hinab, stricht über das feine Laken aus gebleichter Baumwolle und fand doch nur Leere. Es stellte für ihn keinen ungewöhnlichen Umstand dar, so verwunderte es den Verstand nicht, was das Unterbewusstsein nicht wahrhaben wollte. Nur langsam, noch immer schlaftrunken richtete sich Devin auf, schob die Beine über den Rand des Bettes und stellte die nackten Füße auf. Als er sich erhob, den Raum bis hin zum Fenster durchschritt, rutschte der nächtlich getragene Stoff des weißen Hemdes von selbst zu recht. Nur das Mondlicht erhellte den Raum, wurde von heller Haut und noch hellerer Kleidung reflektiert. Wieder erklang das Donnergrollen, dieses Mal wesentlich lauter. Die blassblauen Augen des Butlers erfassten bereits die Droschke, welche über die von Laternen beschienene Gasse polterte und erst vor dem Anwesen… [Weiterlesen]
  • Einen wunderschönen guten Morgen,du!
    Dich sehen,
    riechen,
    schmecken,
    hören,
    fühlen,
    hätte ich nicht erwartet.
    Nicht heute,
    nicht in Zukunft.
    Ich dachte
    ich bin
    nie wieder
    bei dir,
    hier.
    Gesehnt hab ich mich
    nach dir,
    zu dir,
    nach dem Guten,
    deiner Lebendigkeit,
    deiner Leidenschaft
    und deiner Kraft.
    So unerwartet
    wie ich dich verlassen musste
    so unerwartet
    stehe ich nun wieder hier,
    vor dir.
    Das ich dich vermisst habe
    ist keine Untertreibung,
    auch das Schlechte,
    deinen Gestank,
    deine Rauheit
    und deinen Zorn.
    Es ist verrückt
    wie glücklich,
    wie unglücklich
    wir uns beide gemacht haben,
    mit Absicht
    und ohne.
    Doch nun ist alles anders,
    ich bin anders.
    Besser,
    ein wenig älter,
    doch ganz bestimmt reifer.
    Wobei ich Letzteres nur dir zeige.
    Alle anderen
    sollen glauben ich sei die Selbe,
    vielleicht sogar wilder,
    frecher.
    Du wirst die Wahrheit,
    sehen,
    hören,
    riechen,
    schmecken
    fühlen,
    mich.
    Zu dir bin ich echt.
    Der Rest soll mich unterschätzen,
    belächeln,
    für verrückt halten.
    Ganz so wie damals.
    [Weiterlesen]
  • Der junge Mann lag im opiumschweren Dämmerzustand, ein Bein angewinkelt, als sei er ‚Der Gehängte’ unter den Wahrsagerkarten und lediglich mit einer sommerlichen Decke verhüllt auf dem luxuriösen Bett eines Zimmer im Haupthaus der Varathor’s. Im Grunde gehörte er in das Dienstbotenhaus, welches hinter dem Anwesen lag, doch über Devin wurde anders entschieden. Er durfte hier sein. Man hatte ihm etwas eingeflößt, in den Zustand zwischen Traum und Realität verfrachtet. Die schlanken Glieder fühlten sich butterweich an, wollten nicht von ihm beherrscht werden. So hielt man ihn außer Stande sich zu wehren. Als die Matratze von einem Knie des hohen Herrn belastet wurde und man ihm einen groben Griff an die Kehle legte, erschrak er, allerdings durchlief kein Zucken die betäubte Gestalt. „Verratet mich nicht!“, verlangte sein Peiniger, bevor dieser sich erhob und das Zimmer durchschritt. Es war ein eindringlicher, mahnender Befehl, dem er sich nicht entziehen konnte.… [Weiterlesen]