Artikel 2.056

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    Rot. Es war seit jeher die vorherrschende Farbe in seinem Leben gewesen. Das kräftige Zinnober der Blätter, die sich über seinem Kopf in einer Böe wiegten, leuchtete gegen das Gelb und Braun und die letzten Reste eines olivgetönten, kargen Grüns, welche die übrige Landschaft beherrschten. Das gleichmäßige Rauschen des Windes besaß etwas Beruhigendes.
    Die Luft war geschwängert vom Geruch feuchter Erde. Von dem Aroma der Moose und Pilze und dem herben Duft des faulenden Laubs auf seinem torfigen Untergrund. Er kannte diese Mischung, hatte sie viele Jahre lang in seine Lungen gesogen, auch wenn sie ihm heute bisweilen so unendlich fern erschien. Das welke Gras zu seinen Füßen sehnte sich nach dem Sommer, doch wo er sich niedergelassen hatte, herrschte immerwährender Herbst. Die Geister widersetzten sich den Gesetzen des Lebens, und die Natur sich denen ihrer eigenen Jahreszeiten. So hielt man es hier in Ascalon mit Regeln und Vorgaben. Alles eher Richtwerte, die niemand so genau… [Weiterlesen]
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    „Käpt‘n…? Sie is‘ wieder da.“ Die Tür schob sich nach einem vorsichtigen Klopfen langsam auf und der Kopf einer hellgrauen Asura schob sich hindurch. Große, strahlend weiße Irden suchten nach der Gestalt des Kapitäns. Dieser stand über den Tisch gebeugt und brütete über einer Ansammlung an Karten, Schriftrollen und Logbüchern. Er strich sich über den dunklen Bart, dessen Schwarz hier und da bereits von grauen Haaren unterbrochen wurde. „Wir können se‘ auch wieder vom Pier spülen!“ Man hörte das hämische Grinsen deutlich in der piepsigen Stimme. Der breite, von Furchen und Narben übersähte Norn sah nun doch auf. Oder eher hinab. Er brummte tief. „Hartnäckig‘s Ding…,“ Einige Augenblicke vergingen, in denen die Asura die Hoffnung wägte, abermals ein lästiges Blag von den Docks spülen zu dürfen. Oder mindestens den Anblick zu genießen. Der Kapitän aber griff nach seinem Hut und schob sich mit schweren Schritten durch den Raum. Als er an der Asura vorbei durch die Türe schritt,[Weiterlesen]
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    Es war fast romantisch, wie die Sonnenstrahlen langsam über den hohen Bergkamm hinter der Feste krochen, deren tristes Gestein von weichen Nebelschlieren eingefangen war, ähnlich einer schüchternen Maid, die ihre Blöße bedecken wollte.
    Der Wind trug das zwitschern der wachen Morgenvögel mit sich und das erste, bunte Laub von den Bäumen, als Vorbote des greifbaren Herbstes.
    Ja, es lag Romantik in der Luft...

    "NOCH ZWEI RUNDEN IORGA!" Gellte Barions Ruf über den Übungsplatz und brachte Veruca fast ins stolpern. Mittlerweile hatten die müden Augenlider sich höher gekämpft, nachdem Drair sie völlig verpennt zum ersten Morgenappell geschliffen hatte, nach einer viel zu kurzen Nacht.
    Der erste Tag als 'richtige' Wachsame hatte begonnen und schon jetzt hatte sie das Bedürfnis, irgendjemanden den Steinmeißel in die Eingeweide zu rammen.
    Vorzugsweise Adwindele, die in ihrer hoheitlichen Überheblichkeit da stand, verpackt in der Rüstung der Recken und aufs Schild gestützt, während sie ihre… [Weiterlesen]
  • Gedämpft vom Regen und dem Donnergrollen in hohen, bedrohlich dunklen Wolkenbergen klapperten ihre Absätze über die Wege und Straßen durch das östliche Marktviertel. Immer wieder einen Namen rufend und letztlich verborgen hinter dem Fädenvorhang fallenden Wassers konnte sie ihn ausmachen. Ihre Schritte wurden rascher, sie stolperte einmal und verhinderte gerade noch mit Körperspannung den Sturz auf die Knie. „Erwin.“ neben dem Jungen, der sich eingekauert unter einem Vordach hatte, fiel sie auf die Knie und legte ihm den mitgebrachten viel zu großen Umhang über die Schultern „Ich habe dich überall gesucht. Komm, komm gehen wir Heim.“ sie wusste, es war nicht sein Heim. Sie wusste er wollte nicht dauerhaft dort sein, kam aber doch immer wieder in die Apotheke und immer wenn er wieder ging, zerriss es der jungen Frau ein wenig das Herz. Jetzt aber war er sofort bereit mit ihr zu gehen, so liefen sie so rasch es das Unwetter zuließ zurück zum Heim von Kay.

    Dort angekommen bekam Erwin
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  • Die Scheibe klirrte, als ein umherwirbelnder Holzeimer durch eine Sturmböe gegen den Fensterladen geschleudert wurde und diesen in seinem Rahmen erzittern ließ. Ghabriel hob seine grünen Augen von der kleinen Kiste, die vor ihm auf dem Esstisch stand, und warf einen prüfenden Blick hinaus, doch es sah nicht so aus, als müsse er vor die Tür und ein weiteres Brett befestigen, um ihre Habe zu sichern. Seine Vorkehrungen schienen bisher ausreichend, um die größten Schäden abzuwenden, die das Unwetter über sie hätte bringen können. Das gleichmäßige Heulen des Windes und der beständig prasselnde Regen sorgten gemeinsam mit dem Krachen der Blitze und dem Donnergrollen über ihren Köpfen für eine Geräuschkulisse, die auch ohne Blanches Beschäftigungstherapie bereits dem Lärmpegel einer gut besetzten Festhalle glich.
    Die Frau hockte keine drei Meter von Ghabriel entfernt auf dem Sofa und versuchte, die Lautstärke des Holoprojektors hochzuregeln, den sie sich unlängst von einem Techniker in… [Weiterlesen]


  • Kreidebleich war der Körper der zwischen den roten Seidenlaken aufgebettet lag. Sein Atem sogar noch etwas flacher als bei der Ankunft in ihrem Haus. Marlene saß an ihrer Frisierkommode und kämmte sich das nasse Haar. „War es denn wirklich notwendig?“ Sacht schob Mister Vitel die angelehnte Tür weiter auf. „Es hat ihm Schmerzen erspart.“ sprach sie ihrem Spiegelbild zu, hob aber zeitgleich den Blick um die Worte an den alten Diener zu richten. „Das hätte er auch so durchgestanden.“ „Dann habe ich den Nachbarn eben Schmerzensschreie aus meinem Anwesen erspart. Sie denken ohnehin ich wäre wunderlich.“ „Das seid Ihr auch Komtess.“ Langsam ließ sie die Bürste auf die dunkle Kommode sinken und hob die beiden müden Mundwinkel. „Habt ihr die Tagesblätter gelesen? – Ein Sturm zieht auf Mister Vitel. Solltet Ihr Euch nicht eher darum kümmern? Fenster haben wir zu genüge die Ihr absichern solltet.“ Der alte Diener seufzte und schüttelte den Kopf. Er
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  • Er war knorriger geworden.
    Das dies überhaupt möglich war, hätte er selbst nicht für möglich gehalten.
    Aber der Tod um ihn herum hatte daran wohl Anteil. Wobei es wohl eher der Untod war.
    Der Boden war über und über mit den Resten des Lebens bedeckt.
    Es war schon längst nicht mehr festzustellen aus welchen Dekaden die ganzen Knochen stammten.
    Immerhin war sicher das die, an denen noch Fleisch hing, ein geringeres Zeitalter vorzuweisen hatten.
    An den süßlichen Geruch des verfaulten Fleisches hatte sich die Truppe längst gewöhnt.
    Es gab wohl keinen von den Mitreisenden der immer noch mit Übelkeit zu kämpfen hatte.
    Orr stumpfte ab. Orr machte hart. Orr machte knorrig.
    Jegliches Blattwerk auf seinem Kopf war verschwunden, hatte sich dem in einander schlingendem Holzwerk Platz gemacht.
    Es passte einfach besser. In Orr blühte wenig, bis fast nichts. Aber darum waren sie ja hier.
    Um eine Aufgabe weiter zu führen, die für ihr Volk so große Bedeutung hatte.
    Zinderhang war so weit ins… [Weiterlesen]
  • Diese Kurzgeschichte gehört zu dem Vorgänger: Nacht der Flammen
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    Die Wüste holt sich zurück, was ihr gehört.
    Die schwarzen Mauerreste und der große Innenhof der ehemaligen Raptorzucht waren halb von Sanddünen verschluckt und wenn man nicht wüsste, wo welches Gebäude war, würde man wahrscheinlich interessenlos an diesem trostlosen,verlassenen Fleck in der Wüste vorbeiziehen.
    Doch Kasha hielt ganz ohne Befehl einige Meter entfernt auf der Düne an, hinter der sich die Reste des Hofes befanden. Naveen lies die Zügel los und den Blick schweifen. Es war später Nachmittag und somit noch recht warm. Die Hitze flimmerte über den Mauerresten vor ihm.
    „Sind wir da?“ ertönte dann eine ruhige Stimme hinter dem jungen Elonier und er spürte, wie Fahir sich im Sattel etwas zur Seite neigte, als könnte dieser dadurch besser sehen. Doch Fahir war blind.
    Seine Frage stellte der ältere Mann aus Istan wohl
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  • Erster Akt.

    „Oh, nun sei doch nicht so.“ Alejandro seufzte, auch wenn es das amüsierte Schmunzeln nicht aus dem perfekten Schnitt seiner Miene vertreiben konnte. Das nahm der Beschwichtigung irgendwie jeden guten Willen, auch wenn das Bedauern echt war. Der Fürst saß vor dem Brunnen, hatte ein Glas Rotwein in der Hand und wärmte die freie Brust neben der Knopfleiste des offenen Hemdes in der Abendsonne. Im Gegensatz zu Gale hatte er jedoch nicht auf dem steinernen Absatz Platz genommen, der das Wasserspiel säumte, sondern thronte auf einem Stuhl aus dem Kaminsaal. Roter samt, für die wohlgeborene Kehrseite.

    „Nein, ich wusste, dass du mich auf den Arm nimmst, als ich es aussprach,“ entgegnete Gale. Die hochgewachsene Anführerin der Rosengarde murrte in sich hinein, zog die Brauen aneinander und umklammerte ihren Wein um den weiten Glasbauch mit allen zehn Fingern.. Mit zusammengezogenen Brauen kannten sie ziemlich alle Wachgardisten. Mit Schmollmund allerdings nicht. Ihr… [Weiterlesen]




  • Die Sonne schien schon in die Fenster des Büros als er erwachte. Ein zucken ging durch die Lider und die Augen öffneten sich langsam, wollten den Blick nur langsam freigeben. Ein Gefühl von Spannung entstand. Wie ein hundertjähriger fühlte er sich. Die Glieder ein bisschen steif. Er schien erwacht zu sein wie er eingeschlafen war, und sich die ganze Nacht nicht wirklich bewegt zu haben. Das leere Glas vor ihm am Tisch, war umgefallen und an einen Beutel gerollt welchen er mitgebracht hatte. Der Versuch einer Bewegung ließ einen Blitz durch seinen Leib zucken. Am Arm war es besonders schlimm. Erinnerung umspülte ihn zeigte ihm die Bilder der Treppe.


    Beim nach unten hasten hatte er seinen Fuß zu weit vorn aufgesetzt, der daraufhin nach unten klappte, und ihn der Schwerkraft und seinem Schwung überließ. Mit hartem Schritt setzte er auf der nächsten Stufe auf den Zehen auf und geriet ins straucheln. Darauf war er mit dem Oberkörper nach vorne gekippt und hatte sich mit der Hand[Weiterlesen]