Artikel 2.105

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  • Neu

    Angst


    Angst die mich quält.
    Angst,
    vorm mutig sein.
    Angst,
    vorm ansprüchig sein.
    Der Schmerz
    pfählt.


    Angst die mich stoppt.
    Angst,
    vorm aufstehen.
    Angst,
    vorm weiter gehen.
    Der Schmerz
    pocht.


    Angst die mich lähmt.
    Angst
    ich zu sein.
    Angst
    falsch zu sein.
    Der Schmerz
    grämt.


    Angst die mich beschämt.
    Angst,
    vor meiner Liebe.
    Angst,
    vor keiner Liebe.
    Der Schmerz
    zähmt. [Weiterlesen]
  • Neu

    Pläne


    Ihre Hände fuhren über die ausgebreiteten Grundstückspläne, strichen die feinen Linien entlang, während sie versuchte auszumachen, wo sie die Küche hingebaut hätte. Das Wohnzimmer, das Esszimmer... Der Finger stoppte an der Außenlinie, huschte hinüber zur Darstellung des Stalles, zur Scheune.
    Ruckartig riss die Weißhaarige sich los und wich einen Schritt zurück. Sie musste damit aufhören Plänen hinterher zu weinen, die sowieso gescheitert wären. Ein Zeitvertreib. Mehr war es nicht gewesen. Ein Zeitvertreib so wie alles in letzter Zeit lediglich ein Zeitvertreib war.

    Nur eine Sache nicht. Nur die Magie war kein Zeitvertreib. Die Magie war... alles.
    Diese Pläne waren nicht nötig. Nicht mehr.

    Du weißt, dass dem so ist. Du willst es noch nicht zur Gänze wahrhaben, aber du musst wirklich aufhören, dir Illusionen zu machen. Es ist nicht gut. Für dich, für niemanden. Illusionen sorgen am Ende nur für Schmerz und du weißt, was alle über die Realität sagen.

    Man wird am Ende immer
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  • Neu

    Ein Funke fliegt hinauf gen schwarzen Himmel
    Erleuchtet nur von kaltem Licht
    Hastig die zarten, roten Flügel flimmern
    doch die Sterne leuchten gleichgültig

    Ein Streben und ein Kampf in ihr
    der Kopf ganz wirr verdreht vom Drang
    Am Boden dort herrscht nur die Gier
    und entschlossen sie sich zum Himmel schwang

    Weit entfernt und dann zum Greifen nah
    Ein Kuss der ohne Nähe kam
    Der Funke wankt und schwebt doch voran
    denn er zahlte nicht für das was war

    Die Kälte kratzt und beißt und kreischt
    gibt den Funken doch nicht her
    der Sieg so nah, die Kälte weicht
    der Himmel fängt sie, doch das Herz bleibt schwer


    Ein wenig Zeit und viel Geduld
    die Flügel sirren, flimmern, streben
    und mit viel Kraft und wenig Schuld
    beginnt der Funke dann zu leben
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  • Die kleinen Härchen in ihrem Nacken richteten sich auf wie bei einer Katze. Fast so, als hätten sie dort weiche Lippen berührt oder eine sanfte Hand sie unerwartet im Vorbeigehen gestreichelt.
    Wie angewurzelt blieb sie stehen. Zentimeter für Zentimeter eroberte Gänsehaut den Rest ihres Körpers und Röte ihr Gesicht. Sie wusste, dass dort niemand war. Trotzdem blickte sie über ihre Schulter hinter sich.
    Rosali Mahne empfand kein Gefallen an diesem Gefühl, und sie versuchte es durch ein leichtes Schütteln ihres Leibes loszuwerden.
    Es war ein unbehagliches, beklemmendes Gefühl das in ihr aufstieg. Ein gefühlt immer größer werdender Kloß in ihrem Hals setzte dem Ganzen die Krone auf.
    Auch ihr ständiger Begleiter, ein schwarzer krytanischer Labrador namens Bruno, blieb stehen. „Pass auf“, befahl sie ihm leise.
    Und das tat er. Der Hund spitzte die Ohren und hielt seine Nase in den Wind, der leise durch die dunklen Straßen von Götterfels fauchte, begleitet von einem leichten… [Weiterlesen]
  • Spiel der Könige

    Farlif musste keinen knorrigen Finger rühren, als die Körper der Untoten in ihren Kühlkisten zum Frachtschiff getragen wurden. Der orrianische Strand war gesäumt mit kleinen Booten, die das mächtige Schiff mit dem Ziel Löwenstein beluden. Früher hätte er selbst mit angepackt, aber bald würde er im Status eines Magisters sein, wieso nicht schon mal an die Macht der Delegation gewöhnen?
    Sein gelb fluoreszierender Blick folgte dem liegenden Körper des über zwei Meter hohen Kriegers. Er mochte ihn besonders, er war sicher ein Soldat mit hohem Rang gewesen, ein Held. Zu schade, dass man ihm die Schulterpanzer abmontiert hatte, aber das war der Preis gewesen, ihn überhaupt für die Sammlung zu bekommen. Ansonsten war der Kadaver sehr gut erhalten, ein Musterbeispiel dafür, wie Drachenmagie die Lebenden verformen konnte. Hoffentlich interessierte man sich im Hain auch so sehr für seine Ausstellung wie er selbst.
    „Farlif! Komm' mal ganz schnell her!!“, rief eine Stimme… [Weiterlesen]



  • "Steht da... Da steht... Da steht Lynni, Avram." Die junge Frau stand im Meridian und starrte ungläubig auf den Bestellschein. "Da steht... Warum zeigst du mir sowas?"
    Avram brummte und hielt dafür nichtmal inne weiter irgendwelche Kräuter in seinem Mörser zu Pulver zu verarbeiten.
    "Lynni... und das Schlimme daran ist, sie meint das ernst!"
    Brummen.
    "Eh, wenn du jemals Lynni zu mir sagst..."
    Das ewig gleichförmige Geräusch des mahlenden Mörsers verstummte einen Augenblick, als der elonische Teekoch ihr einen kurzen Schulterblick zuwarf. Immerhin, diesmal brummte er nicht.
    "Na warte..." sprach die Iorga wieder, diesmal aber zu sich selbst, riss sich einen Zettel aus ihrem Rechnungsblock und schrieb auf die Rückseite:


    Didi!
    Ja, ist diese Zeit nicht aufregend?
    Du bekommst deine Waren, wenn ich meine
    Marzipantorte habe.
    Lynn!

    Dann unterstrich sie das Ausrufezeichen. Zweimal.
    Von Schabernack getrieben faltete sie das Papier und drückte es vor dem Meridian einem der Wachsöldner in[Weiterlesen]
  • Der Stuhl war ihr zu groß. Nicht nur von seiner protzigen Machart her, sondern auch das Gewicht seiner Bedeutung. Einst hatte Leon auf diesem Platz gesessen. Adrian nach ihm und später Helena. Heute saß sie hier. Nicht weil sie einen Posten für sich beanspruchte, sondern weil sie die Abgeschiedenheit des Raumes zu schätzen gelernt hatte.
    Das Büro im iorgaschen Anwesen war trotz Abwesenheit der großen, schillernden Persönlichkeiten noch immer ein Ort der Respekt abverlangte, ganz so als füllten jene, die eigentlich hier her gehörten, ihn weiterhin mit ihrer Präsenz. Das Wirken anderer hatte ihn zu einem Ort der Macht geformt und für Lynn haftete den Wänden, dem Mobiliar und dem Boden noch immer der Geschmack von Blut und Gewalt an. Manches Mal, wenn sie hier saß merkte sie auf und konnte nicht anders, als sich widerwillig der Ungeheuerlichkeit der Situation bewusst zu werden. Sie schmeckte Spott auf ihrer Zunge und lauschte Gelächter, das nur sie hörte. Der Stuhl war ihr zu groß.
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  • Der letzte Engel

    „Bleib' hier Engelchen, ich mach's kurz!“, höhnte die dunkle Gestalt und warf bald einen Schatten über das geflügelte, uralte Geschöpf.
    Es wälzte sich im nassen Sand, eines Flügels beraubt, geprügelt, kroch durch das seichte Wasser, mit hilflosem Gesten nach dem Strand greifend.
    Die dunklen, dreckigen Invasorenstiefel stampften durch den Schlick.
    Die Invasoren hatten all seine Untertanen gepfählt, hatten ihnen das Land weggenommen, stetig aber unaufhaltsam.
    Der Stiefel drückte auf den Nacken. Mit dem letzten Flügel wollte er nach dem Feind schlagen, doch grobe Hände packten ihn in der Bewegung und rüttelten, rissen ihn brutal aus. Ein letztes Mal bäumte der Engel sich auf, dann setzte der Henker die Axt an, holte aus...
    Aus seinen Augenhöhlen würden Blumen wachsen.
    Der Kopf, der aus seinem Rücken ragte, wurde abgetrennt. Einen Augenblick später verlor er auch den zweiten Kopf.

    Sie rammte die Axt in den Schlick, trat den Leichnam der geflügelten Bestie grob in… [Weiterlesen]
  • Bela

    Gervais' Taschenuhr lag im Pott. Der Vater hatte sie ihm zum Studienabschluss geschenkt und jetzt lag sie dort, auf einem Berg aus Münzen, Zigaretten und Tickets für die Krawall Karkas. Sein Blatt war nicht schlecht, ein Vierling. Doch das Risiko blieb hoch. Durch den Rauch hindurch sah er Bela ins Gesicht, dem letzten Mann am Tisch. Wobei Mann sehr schmeichelhaft war, Bela war vierzehn Jahre alt und doch spielte Gervais so selbstverständlich mit ihm Poker wie Mühle oder Halma. Die beiden anderen, die mitgespielt hatten, waren bei den hohen Einsätzen ausgestiegen, jetzt entschied es sich zwischen Gervais und Bela. Beide hatten etwas zu verlieren, für die Tickets war Bela's ganzes Taschengeld der letzten Monate drauf gegangen.

    "Was machst du mit der Uhr, wenn du gewinnst?", fragte Gervais.

    "Ich verkaufe sie. Sie bringt sicher achtundsechzig Silber, wenn ich es geschickt anstelle siebzig."

    "Du bist gut in Kalkulation."

    "Was machst du mit den Tickets?"

    "Ich gehe hin."

    "Du
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  • „Als wäre ich ein Spukgespenst,“ sagte sie. Die Lippen kräuselten sich zum verschmitzten Kommentar, ehe sie die Hand vor ein Lächeln mit zwei Zahnlücken hob und leise lachte. Das Kaminfeuer knisterte wie einst im gruseligen Kuriositätenkabinett in der großen Hauptstadt der Menschen und gleich dieser war das Holz aufgeschichtet und brannte im eifrigen Feuer um das Dunkel zu erhellen, das sich von hinten an die beiden Sessel schlich. Goldene Ornamente mit hunderten, kleinsten Falken im stilisiertem Geäst rahmten roten Brokat mit floralem Muster. In ihrem Augenwinkel schwappte der Branntwein im bauchigen Glas zwischen den schmucklosen Fingergliedern einer Männerhand, während die junge Frau in die Flammen sah und sprach, „aber du bist nicht nur wegen mir zu einem Priester gegangen, nicht wahr?“ Sie selbst trank nie Branntwein, wenn sie die Wahl hatte und diese fiel ihr fast immer in den Schoß. Heute jedoch, da tat sie ihm den Gefallen. Die Reflexionen des lebendigen
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