Artikel von „Heather Quinn“ 16

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  • Langsam und sorgfältig wischte Miss Rosa den Boden im Kaminzimmer. Der gekachelte Boden war nur von wenigen Teppichläufern bedeckt gewesen, die sie zuvor hinausgeräumt hatte. So strich sie nun mit dem Wischmopp Kachelreihe für Kachelreihe, wrung den Mopp am Eimer aus, schob den Eimer eine Reihe weiter und begann erneut. Eine schöne, eintönige Arbeit, bei der sie einmal komplett abschalten konnte...

    ... würde ihr Wischmopp nicht fast von den Füßen ihrer Herrin gestoppt werden, die offenbar den Raum betreten hatte, als sie den Eimer mit dem Seifenwasser geholt hatte. Verdutzt blickte sie zu Emilie auf, die, Hände in die Hüften gestemmt, vor dem Kamin stand und etwas betrachtete, das sie wohl gerade eben auf dem Sims abgestellt hatte. Rosa folgte dem Blick nach einem kurzen "Verzeihung" das weniger aufrichtig als mehr automatisch ihren Lippen entwich.
    Dort stand ein hübscher, glänzender Pokal.



    "Hübsch, nicht wahr? Und das wo ich erst vor ein paar Tagen angefangen habe, diese ganze… [Weiterlesen]
  • Miss Rosa zog ihre Strickjacke enger um sich als sie die Post hereinholte und der frische Herbstwind tanzende Blätter über die Straße schickte.
    Ein paar Werbezettel fanden bereits an der Tür den Weg in den Papierkorb, ehe sie die wichtige Post zu ihrer Herrin hinauftrug.

    Sie trat ins Zimmer, die Absender der Briefe durchgehend, während Emilie vor dem Ankleidespiegel stand und ihr Werk betrachtete.
    "Ein Schreiben von der ministerialen Hausverwaltung, ein Brief von der Löwensteiner Bank und... oh, ein Schreiben von Lady Averon Ducard." las Rosa die Absender vor, während sie durchs Zimmer schritt.

    "Sehr gut, leg sie auf meinen Schreibtisch." kommentierte Emilie, nicht vom Spiegel wegsehend.

    "Befasst Ihr Euch nun doch mit dem Rurik-Palas, Milady?" fragte Rosa, als sie den Brief von Lady Averon Ducard auf dem Schreibtisch ablegte und einige Papiere, die der Herbstwind wohl durch die Gegend getragen hatte, zu ordnen begann.

    "Ach, Sheryna's Worte haben mir gezeigt dass der Palas ohne… [Weiterlesen]
  • Das Herbstwetter hatte Einzug gehalten in Götterfels, die hohen Gebäude der Stadt ragten über den diesigen Nebel empor der sich in den unteren Ebenen durch die feuchte Luft und den kalten Boden gebildet hatte, der durch die warmen Strahlen der Herbstsonne nun aufgewärmt wurde. Es vermittelte jenen, die in der oberen Ebene wohnten, den Eindruck man lebe über den Wolken.
    "Einer der Gründe dass diese Stadt so heißt wie sie heißt", dachte Miss Rosa leise vor sich hin, während sie die Fenster des LaBlanche-Hauses putzte. Während Eileen unterwegs war ein paar Besorgungen zu machen und die Hausherrin mit Papierkram beschäftigt war, hatte die leicht korpulente Haushälterin endlich Gelegenheit für einen gründlichen Hausputz. Leise summend polierte sie gerade die Fensterscheibe des Küchenfensters, als ein unverhofftes Geräusch sie erschrocken zusammenfahren lies.

    Es war ein Lachen.
    Laut, glockenhell und... irgendwie unwirklich. Und es kam aus dem Arbeitszimmer von Herrin LaBlanche. Verstört… [Weiterlesen]
  • Noblesse Obligé - Menschlichkeit

    Gekonnt balancierte Sebastian das Tablett auf den Händen, als er vor Emilies Zimmertür stand. Er klopfte leis, eher er sich noch einmal vergewisserte, dass alles so war wie es sein sollte: Der Tee war frisch aufgebrüht und dampfte noch, mit Blütenhonig gesüßt, ein paar Bisquits lagen auf dem Unterteller. Daneben stand die kleine Schale Mousse au Chocolat, luftig-fluffig und aus dunkler Schokolade zubereitet, mit einem gehäuften Sahnehäubchen und einer Cocktailkirsche. Der Silberlöffel lag daneben bereit. Als das leise "Herein" ertönte konnte Sebastian bereits heraushören, dass dieses Tablett äußerst nötig war. Er öffnete die Tür und trat herein.

    Emilie saß auf ihrem Bett, in leicht zusammengesunkener Haltung und tupfte sich das Gesicht mit einem Taschentuch in der linken Hand, während die rechte Hand durch das Fell Aylas kraulte. Die junge Beagle-Dame hatte es sich auf den Seidenlaken gemütlich gemacht und den Kopf trostvoll auf Emilies… [Weiterlesen]
  • Noblesse Obligé - Maskeradebruch

    Sebastian hatte gerade den Frühstückstisch abgeräumt und gesäubert und damit die letzten Spuren des nächtlichen Gastes entfernt, als Emilie schlurfend aus ihrem Zimmer kam. Das Haar war noch immer völlig zerzaust und sie trug nicht viel mehr als lax übergeworfene Unterwäsche, ihren Morgenmantel und Hausschuhe als sie sich in der Küche in den Stuhl sinken ließ. Ihre Stirn küsste sogleich die Tischkante und sie murmelte mit rauer Stimme nur ein Wort:
    "Kaffee."
    Sebastian hob resigniert eine Augenbraue.
    "Milady, Ihr wisst ich mische mich normalerweise nicht in Eure nächtlichen Umtriebe ein, aber ich fürchte dieser war sehr unüberlegt. Und - mit Verlaub - sehr laut. Die Nachbarn haben Euch auf jeden Fall gehört, ich kann Euch nur raten..."
    Grollend hob Emilie den Kopf und unterbrach Sebastian damit.
    "Sebastian, hör mir jetzt genau zu, das ist jetzt äußerst wichtig und ich werde mich nicht wiederholen: ", raunte sie ihm zu.

    "Kaffee."

    Ihre Stimme war… [Weiterlesen]
  • Milodia hatte erst nicht verstanden, warum die Bäckerin, bei der die Kinder immer das alte Brot fürs Waisenhaus abholten, ausgerechnet bei ihr eine Ausnahme machte und ihr auch immer frisches Brot und ein paar Leckereien mitgab. Sie hatte befürchtet, es wäre weil sie stumm ist, und das gefiel ihr nicht. Sie wollte nicht anders behandelt werden. Doch mit der Zeit machte sich ein Verdacht bei ihr breit, denn die Bäckerin hatte ebenso langes, wallendes, kastanienbraunes Haar wie sie und solange Milodia sich in der Backstube aufhielt, hatte die Bäckerin ihre Augen immer nur auf ihr.

    Als die Bäckerei schließlich zumachte und die Angestellten sich nach einer neuen Stelle umschauen mussten, hatte sie sie noch einmal getroffen und der Verdacht sollte sich bestätigen.
    Die Bäckerin schloss Milodia in die Arme und gab ihr so viel Gebäck mit, wie sie nur konnte. Milodia war sich sicher, dass diese Frau ihre leibliche Mutter war.
    Sie fühlte keinen Hass für sie, Milodia war generell die Art… [Weiterlesen]
  • "Nein, das klingt nicht gut."
    Emilie zerknüllte den Zettel und warf ihn zu den anderen. Dann nahm sie einen neuen und begann wieder damit, Buchstaben zu sortieren.
    "EMILIE LABLANCHE" schrieb sie nieder, bevor sie wieder begann, die Buchstaben umzudrehen. Anagramme zu bilden.

    "Versuch doch mal, dich weniger hübsch zu machen. Schau, wie die Leute dann reagieren."
    Diese Worte, die Leaja beim Rurik-Palas zu ihr gesagt hatte, hatten Emilie nicht losgelassen. Vielleicht war es das, was Sebastian gemeint hatte, als er sagte sie solle versuchen "weniger zu strahlen"?
    Doch sie konnte sich nicht durch Schminke und Mesmer-Illusionen einfach so weniger hübsch erscheinen lassen. Die Leute wussten bereits wie sie aussah, wer sie war. Sie davon zu überzeugen dass sie anders aussah würde schwierig werden, und sie konnte sich niemals sicher sein, dass die Leute ehrlich mit ihr umgingen.
    Nein sie musste zu einer komplett anderen Person werden.
    Eine Tarnung. Eine Schein-Identität. Und dazu brauchte… [Weiterlesen]
  • Noblesse Obligé

    Nacht der Masken

    Spät am Abend ging Sebastian die Treppe hinab. Nicht weil er musste, nein, er hatte etwas in der Küche gehört. Vermutlich war es nur Ayla, die Hündin von Herrin Emilie, doch er wäre ein schlechter Butler gewesen, hätte er sich nur auf Vermutungen gestützt. Bewaffnet mit einem Kerzenleuchter, dessen 3 Kerzen hell genug brannten um einen Raum zu erhellen, betrat er die Küche. Dort bei der Anrichte, dort war etwas, ein Schatten. Er hob den Leuchter an um besser zu sehen.
    Nichts. Nur die Küchenzeile und ein sauberer, gewischter Fußboden.
    Er hob die Brauen und wollte umdrehen, als er erneut ein Geräusch vernahm. Ein leises Schluchzen. Gefolgt von etwas das wie ein aufmunterndes Bellen klang. Er drehte sich wieder um und leuchtete den Bereich erneut aus. Da war etwas, ein Flimmern in der Luft. Er seufzte leicht und senkte den Leuchter wieder etwas.

    "Milady, ich würde es sehr begrüßen, wenn Ihr Eure Illusionen nicht auf mich anwenden würdet." sprach… [Weiterlesen]
  • "Bitte, schaut Euch nur um." sagte Priesterin Evanna lächelnd zu dem jungen Ehepaar das hereintrat. Wieder ein Paar das ein Kind suchte und vielleicht eines ihrer Schützlinge adoptieren mochte.
    "Meine Frau und ich haben schon lange versucht ein Kind zu bekommen." sagte der Mann, der sich als Zyran Lavelle vorstellte. Seine Frau Mira lächelte indes und fügte an: "Aber es will einfach nicht klappen... wir wünschen uns aber sehnlichst ein Kind, am liebsten ein Mädchen... und da dachten wir... schauen wir doch mal ob wir hier nicht eine finden, die ein neues Zuhause braucht."
    "Darüber würde sich jedes unserer Kinder freuen... Marcus! Nicht auf dem Gang herumrennen!" die Priesterin rief dem Lausbuben hinterher. "Entschuldigt mich bitte... Schaut Euch doch schon einmal in Ruhe um, die Mädchen sind im Obergeschoss untergebracht. Ich bin gleich wieder bei Euch."
    Damit verabschiedete sich Evanna kurz und lief dem Rotzbengel hinterher. Mira lächelte begeistert und wurde von ihrem Mann ins… [Weiterlesen]
  • "Es ist ein Mädchen!"

    Die Hebamme hob das Kind hoch. Suzanne lächelte verzückt als sie nach der schweren Geburt erschöpft auf das Kind blickte. Für den Moment, als sie die großen, braunen Augen in dem kleinen Gesicht sah, waren die 9 Monate Tortur, die Sorgen um Geld und Heim und all die anderen Probleme die bis zu jenem Tag in ihrem Kopf herumspukten, vergessen.
    Der Vater des Kindes war schon lange fort, er hatte Suzanne, die junge hübsch Bäckerin die sein Herz mit ihren Augen und ihrem Zitronenkuchen erobert hatte, an dem Tag sitzen lassen als sie die drei magischen Worte gesagt hatte. "Ich bin schwanger."
    Erst hatte sie ihn verflucht. Dann sich selbst für ihre Dummheit. Sie war noch so jung, war sie überhaupt bereit für ein Kind? Wie sollte sie es von ihrem Bäckerinnengehalt, das gerade einmal für sie selbst reichte, ernähren? Vor allem da sie wohl kaum gleichzeitig in der Bäckerei arbeiten und ein Kind großziehen konnte. Doch das alles war in dem Moment nicht wichtig,… [Weiterlesen]