Artikel von „Nia!“ 88

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen




  • „Wer soll mich besingen, in den Todesschlaf mich schleudern, wenn ich den Pfad des Todes geh‘ und der Weg ist kalt, so kalt.
    Ich habe die Lieder gesucht, ich habe die Lieder gesungen, als der tiefste Brunnen mir die Tropfen gab, von Todesvaters Versprechen.
    Ich weiß alles, Rabe, wo du deine Augen versteckst.“


    Schweigend war sie den Weg zurück gegangen. Vertieft in eigene Gedanken, aus denen sie doch immer wieder gerissen wurde. Riesenbezwingerin. Es klang hervorragend.
    Die Schlacht war gewonnen, der Preis jedoch hoch gewesen. Viele Brüder und Schwestern waren gefallen und in die Nebel gegangen. Und der Stein, den sie nur durch Zufall gefunden hatte, er wog gefühlt unendlich schwer unter den Lagen des Wolltuches.
    Der Plan war gänzlich aufgegangen und es war ein einziger Triumph, dass die Horde an Drachenbrut so ahnungslos und naiv den Pfad entlang gewandert war. Tork hatte nicht zu wenig versprochen und ein paar Mal musste sie darüber grinsen, was sein Können aus der Brücke… [Weiterlesen]
  • Mit zusammen gezogenen Brauen grinste der kränklich bleiche Norn auf und sprach seine Forderung mit sichtlicher Freude. „Ich wähle den Kampf.“ Schwerfällig stemmte er sich auf beide Beine und griff fester nach seiner Axt, die bereits Blut geleckt hatte an diesem Tag. Die Rothaarige machte noch einen zügigen Ruck nach vorne, um die seltsame Kugel einzusammeln und in einem Tuch zu verbergen. Für dieses Stück war später noch genügend Zeit. Sie knüpfte das Bündel an ihren Gürtel.
    Drei lange Schritte setzte sie durch den Schnee, als der verdorbene Kämpfer mit gezogener Axt auf ihren Bundkerl zuschlurfte. Im Augenwinkel sah sie, dass ihre Rudelschwester ebenfalls die Hand an den Köcher legte und einen Pfeil zog. Sie tat es Arya gleich. Sie waren bereit, doch hatte Monennia für sich selbst beschlossen vorerst zu warten. Björn Halgorson hatte ein Opfer gebracht. Was er aber mit dem Blick in die Zukunft gemeint hatte, darauf konnte sie sich jetzt gerade noch keinen Reim machen.
    Schwer hing die… [Weiterlesen]
  • Es dämmert gerade, als das Weib sich in den Fellen regt und der Schmerz heftig durch ihren Knöchel zuckt. Kurzzeitig wirkt es, als betäube er ihr gesamtes Bein. Leise murrend dreht sie sich auf den Rücken, wischt sich den Schweiß von der Stirn und schnauft nach oben zur Hüttendecke. „Dreck…,“ brummt sie leise und rau aus. Tapsige Schritte erregen direkt darauf ihre Aufmerksamkeit und sie sieht an den Rand des Lagers. Dort steht ihr Sohn, sieht sie mit verschlafenen Augen an und gähnt herzlich. „Ma.. uuuuahrg!“ Jonne schmatzt und klettert ins Lager. Über seinen tief schlafenden Pa hinweg, schlüpft er zu seiner Ma unter die Felle und schmiegt sich an. „Was machst du denn schon auf den Beinen mein Fratz?“ Sie streicht ihm mit den Fingerkuppen sacht von der Stirn zur Nasenspitze. Immer wieder. Das gefällt ihm. Das hat die Ma schon gemacht, als er noch ganz klein war. Direkt drückt er sich noch etwas mehr an den warmen Körper seiner Ma und schnauft schwer seufzend durch. „Is war wach…[Weiterlesen]
  • Es ist ein schöner Morgen, als meine Schwester und ich mit vollen Bäuchen aus der Hütte gehen. Ma hatte uns süße Brötchen gebacken. Ich esse meine am Liebsten mit Honig. Ich liebe Honig! Und Würste. Sóla isst ihre Brötchen immer ohne alles. Aber mit Milch. Sie mag keinen Honig, glaube ich. Aber das ist gut, denn dann bleibt mehr für mich!

    Die Sonne tanzt durch die Bäume und man hört die Tiere im Wald. „Sóla, is hab ein Wildswein gehört!“ Natürlich muss ich es ihr gleich erzählen. Sóla ist noch klein, die muss doch erst alles kennenlernen. Sie guckt sich um. „Wo?“ Ich zucke mit den Schultern und zeige in den Wald. „Komm, wir gucken!“ Dann gehen wir los. Ich halte die Hand meiner Schwester. Das muss so sein, ich muss sie ja beschützen. Außerdem kenne ich mich im Wald total gut aus! Wie lange wir laufen? Keine Ahnung. Machen ja meine Füße von ganz alleine. Aber wir wollen das Wildschwein finden. Es grunzt und sucht mit seinem Rüssel in der Erde. Sowas hab ich schon gesehen.

    Vor lauter… [Weiterlesen]
  • 1330 n.E.

    Hedda war immer eine ausgeglichene Norn gewesen. Sie lachte viel, sah immer alles mit übermäßigem Optimismus und fand grundsätzlich mindestens eine Sache, die ihr an ihrem Gegenüber gefiel. Die Marktweibanwärterin war freundlich, offenherzig und stets gut gelaunt. Das Lächeln wurde auf den Lippen getragen, wie Andere ihre Hautbilder auf der Haut trugen. Ohne Scham und ohne Einschränkungen.
    Ja, Hedda war immer eine ausgeglichene Norn.

    Bis heute.

    Hallvard lag auf dem Boden im Schnee, der um seinen Körper herum aufgewühlt war und das Erdreich kam hervor. Seine Nase blutete und er sah verwirrt auf das Blut in seiner Hand. Als könnte er nicht fassen, dass er soeben eine abgeräumt bekommen hatte. Den Kopf schüttelnd hob er seinen Blick an und rappelte sich langsam wieder auf die Füße.

    Hedda schrie und tobte gegen den Griff dreier Norn in Wolfsrudelkluft an. Sie warf sich immer wieder hin und her, um dem Griff endlich zu entkommen und stieß Flüche aus, die man ihr niemals… [Weiterlesen]
  • 1315 n.E.

    Sie saß auf ihren Knien und starrte auf ihre Hände hinab. Sie zitterten. Ihr Gesicht brannte unter rinnenden Tränen. Sie tropften auf ihren Busen. Tief sog sie Luft ein, hob den Blick der den des Schamanen traf. Er saß ihr gegenüber, sah sie mit schweigendem Ernst an.

    Ihre Stimme, sonst so kräftig und von Fröhlichkeit durchdrungen, war brüchig und leise. „Niemals?“ Die Finger zogen sich über den Stoff der Hose höher, bis sie auf dem Bauch lagen. Er nickte. „Niemals.“ Sie schluchzte auf.

    Eine weitere Stimme ertönte. Wie von sehr weit entfernt. „Wie meinst du das, Schamane?“ Die beiden Männer sahen sich an. „Sie wird niemals ein Kind austragen. Nicht von dir. Nicht von Anderen.“ Damit stand der Schamane auf. Er neigte das Haupt und verließ die Stätte.

    Das Paar blieb zurück. Sie schluchzte. Er ballte die Fäuste. Lange schwiegen sie sich an.

    Als er sich nach einer Ewigkeit in den Stand drückte, sah er nicht zu ihr hinab. „Du wirst einen finden.“ Auf eine Antwort wartete er… [Weiterlesen]
  • Das kleine Mädchen saß an der Hüttentüre und drückte die kleinen, schmalen Hände dagegen. Die wilden roten Löckchen hüpften noch auf ihrem Schopf, vom letzten Ruck der durch den kleinen Körper gegangen war, als sie fast schon wütend gegen die Türe gepatscht hatte. Sóla gab immer mal wieder einen Laut von sich, der dem von Wolfswelpen gar nicht mal so unähnlich war. Wieder patschte sie mit der flachen Hand gegen die Tür und ließ für diesen Augenblick sogar ihre Puppe Ooh außer Acht. „Ma… Ba!“ Abermals heulte das Mädchen auf und drückte gegen die Tür, als ob sie davon aufgehen würde. Doch es geschah nicht.
    Eine hochgewachsene Jungnorn setzte sich an ihre Seite, gähnte herzhaft und strich ihr die Locken aus der Stirn. „Jonne und ich vermissen sie auch, Sóla. Aber sie sind ziemlich weit weg… da kannst du noch nich hin.“ Die dunklen Finger tasteten nach der Holzpuppe und diese wurde der Kurzen hingestreckt. „Komm, wir schlafen noch ein bisschen und später besuchen wir Vaf, ja?“ Erneut… [Weiterlesen]
  • Es war ein nebliger Morgen und die Luft zog unangenehm kalt in die Hütte hinein, bis der schwere Vorhang zurück an seinen Platz fiel und sie draußen hielt. Sóla sah ihrem Pa nach, der soeben draußen verschwunden war um zum Markt zu gehen. Mit der Holzpuppe wedelte sie ihm nach, wie immer wenn er sie nicht mitnahm. „Ba.“, erklärte das kleine Mädchen dabei, schaute dann aber zurück in die Hütte und suchte nach ihrem Bruder. Dieser stand bei der Ma, die gerade den Tisch abräumte und griff noch eins der süßen Brötchen vom Frühstück ab. Kauend schaute Jonne zu seiner Schwester. Dann zum Vorhang. Er kaute seinen Bissen langsam und gemächlich, als würde ihm das beim Denken helfen. „Ma! Is geh‘ mit Sóla drauß‘n spiel‘n!“ Es war keine Frage. Es war eine Aussage und das Mädchen klatschte freudig in die Hände. Die Ma schaute auf. Ihr Blick wanderte zum Jungen, der schon losmarschierte um Gugel, Mütze und Handschuhe seiner Schwester zu holen. Dann schweifte ihr Blick weiter zu dem Mädchen und… [Weiterlesen]
  • Das Holz erzitterte, als das gefüllte Fass über die Planken der Rutsche rollte und an Geschwindigkeit gewann. Die gesamte Konstruktion, die die Brauerei auf dem Gletscher mit dem gefrorenen See verband, vibrierte und bebte, bis das Fass das Ende der Rutsche erreichte und seinen Freiflug begann. In schlingernder Stille wirbelte es durch die Luft, setzte nach Kurzem seinen Sinkflug an, wo es bereits von drei sich rangelnden und schubsenden Norn erwartet wurde. Tatze, ein gewaltiger Hüne, war es der dem Weib an seiner Seite einen solchen Stoß gab, dass sie auf das Eis fiel. Mit einem lauten Grunzen nahm er das tingelnde Fass einhändig an, griff aber direkt mit der zweiten Hand nach, um es auch ja nicht zu verlieren. Seinen Gegner, welcher vier Köpfe kleiner war als er, ignorierte er einfach und rempelte ihn unsanft aus dem Weg. Tatze war nicht schnell, doch einen Schlag dieses großen und breiten Norn steckte niemand so einfach weg.
    Sie spielten bereits eine geraume Zeit, denn… [Weiterlesen]