Artikel von „Nia!“ 97

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  • Neu

    Er spürte die Kälte des vereisten Bodens an seinen Knien. Die Härte des Untergrundes drückte gegen seine Stiefel und die Hose. Schwer waren die Atemzüge der anderen Norn, die an seiner Seite auf die Knie gefallen waren und schweigend ausharrten. Vor ihnen türmte sich ein gewaltiges Totem auf. Sicher bräuchte man drei gestandene Norn, die auf den Schultern des Anderen standen um auch nur annähernd die Höhe dieses Totems zu erreichen. Der Jäger starrte auf die raue Eisfläche vor sich, die den steinernen Boden überzogen hatte.
    Kleine Wölkchen drangen aus seiner Nase, als er tief ausatmete. Sie alle waren angespannt. Doch Angst hatte keiner. Der Letzte in ihrer Reihe der ängstlich gewesen war, stützte sich vor ungefähr fünf Tagen von einer Klippe. Niemand hatte ihm nachgesehen.


    Geduldig warteten sie. Gefühlt seit Stunden. Und nichts geschah. Das Totem, das einen aus Eis geformten Drachen zeigte, starrte aus scheinbar funkelnden, aber leeren Augen auf sie hinab. Das Maul war zu einer… [Weiterlesen]
  • Leise summend sitzt sie in der Hütte und das Feuer wirft Schatten auf ihre Gestalt, die wie ein Schauspiel umher springen. Gemächlich, als könne sie nichts auf der Welt aus der Ruhe bringen, kämmt sie sich mit den gespreizten Fingern die langen, dicken Locken über die Schulter auf den Rücken und fasst diese anschließend mit beiden Händen zu einem lockeren Zopf zusammen. Im Takt wiegt ihr Kopf hin und her, während sie weiterhin die Melodie eines Liedes summt, das sonst eigentlich die Vorbereitungen auf einen Kampf ankündigt. Nun schließen sich die schlanken Finger um das Leder, welches den Messergriff umgarnt und nach so häufiger Benutzung schon speckig und beinahe eins geworden ist. Der Stahl der schlanken Klinge blitzt auf, als sie das Messer anhebt und sich das Licht des Feuers in dem blank polierten Stück spiegelt. Sie führt das Messer hinter ihren Kopf, setzt es oberhalb ihrer Hand an den locker gefassten Haarzopf an und zieht mit einem Ruck durch. Ratsch!


    Ruckartig öffnen sich
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  • Weitsicht


    Der Blick wanderte hinüber zu der Halle des Raben. Sie bildete sich ein, die beiden Schamanen dort noch zu sehen und in ihren Gedanken hörte sie die Welpe unaufhörlich schwatzen. Feuer in Flaschen, hatte Rasca den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Weib atmete tief durch. Sie war sich sicher, dass der Wildfang nicht wie befohlen zu Sigfasts Gehöft gegangen war. Doch sie wusste, dass das Wolfsrudel offene Ohren und Augen hatte. Der kleine Rotschopf würde schon nicht verloren gehen.
    Sie hatte noch etwas zu erledigen.


    Eine ganze Weile später saß sie hoch oben auf dem Wolfsfelsen. Die Finger drehten den abgegriffenen Stab vor und zurück, während sie Löcher in die Luft starrte.
    Sie hatte ihre Waffe erhoben. Mitten in den heiligen Hallen des Raben. Gegen einen Anhänger des Gefiederten. Monennia brummte kehlig. War es eine respektlose Geste, dass sie sich schützen wollte? Sie kratzte sich unschlüssig die Wange.
    Das erste Urteil war vorschnell gefällt. Doch selbst die Rabin… [Weiterlesen]
  • „Denke immer daran: Alles kommt im richtigen Moment zu dir. Sei also geduldig.“
    Eifrig nickt der Junge und als die hochgewachsene Frau eine kleine, dunkle Holzscheibe mit Schnitzerei zum Vorschein bringt, da hellt sich das Gesicht des Kindes noch mehr auf. Sie nickt.
    „Nimm sie. Jetzt gehört sie dir. Damit erinnerst du dich immer an meine Worte und weißt, wie sehr ich dich liebe.“



    Er hatte den Schal bis über die Nase gezogen und der aufmerksame Blick ruhte auf der Norn, die sich unterhalb seines Versteckes im Wäldchen herumtrieb. Erst vor Kurzem hatte er sie gefunden, wo er ihr doch bereits seit einigen Tagen immer mal wieder folgte. Sie war beinahe so leise wie er. Der Wind rauschte in kurzen Böen durch die Bäume und Sträucher, irgendwo schrie eine Eule und hinter sich konnte er bekannte Schritte im Schnee hören. Das Pfeifen der Nase verriet ihm, dass einer seiner Brüder sich näherte. An seiner Seite blieb er stehen. Pfriiiii – Pfriiii. Der Jäger schaute nicht auf, grüßte nur mit… [Weiterlesen]
  • 2 - Dolyakruh

    „Sei nich‘ so albern.“ Iida schnaufte und sah dem Kolkraben dabei zu, wie er vor ihr auf dem erdigen Boden hin und her hüpfte. Er klackerte mit dem Schnabel, wie immer wenn er gerade nur Schalk im Kopf hatte.
    Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Jaja, Erinner‘ mich daran dir Käfer zu sammeln. Faule Schwarzfeder.“ Eine Pause entstand, in welcher die Jungnorn den Verband um ihren blutenden Oberarm wickelte. Der Rabe flatterte kurz auf und sprang dann wieder hin und her. „… danke, Rök.“
    Er klackerte.
    Sie verdrehte die Augen, knotete den Verband umständlich fest.
    „Raaaak!“, tönte der Rabe.
    „Jetz‘ übertreib mal nich‘! Immerhin hab ich die auch ganz schön verdroschen!“ Trotzig schob Iida die Unterlippe vor, sah zum Tier. Rökkvi legte den Kopf in den Nacken und das Klickern, das er erzeugte, klang schier wie schadenfrohes Lachen.
    „Du hättest ihnen auch früher auf den Kopf scheißen können.“ Die Jungnorn murrte und stopfte den Rest des Verbandszeuges zurück in den
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  • Ruhig lag die Straße vor ihr, im sonst so geschwätzigen Städtchen. Langsam hob sie eine Hand, drehte die Fläche nach oben und fing eine der Flocken von denen sich bereits vereinzelt welche auf ihr nieder gelassen hatten. Tief war der Atemzug, den die noch junge Norn tat. Die Nase wurde in die Höhe gereckt. Es war kälter hier, als bei ihrem letzten Besuch. Er war schon lange, lange her gewesen.
    Damals.
    Iida grinste zahnlückig.
    Damals, da war sie oft mit Inaee zur Kaninchenjagd gegangen. Sie hatte den Dolyakulf und seine Elena besucht, war ausgebüxt. Mit dem Legendensänger war gefeilscht worden und der Bäckerin hatte sie ganz brav das Dachbeet nicht völlig platt getrampelt. Lücke hatte den Zahn gefunden – Iidas Zahn und mit Nastrai war sie in den Ecken der Hütte rumgekrabbelt, um nach Spinnen zu suchen. Die ersten Schritte zur großen Legende war sie gegangen. Sie knutschte zum aller ersten Mal mit Varg. Mit ihrem Varg. Ihrer besten Freundin war sie über den Weg gelaufen. Und
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  • Sie schob sich durch das Unterholz, während sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlor. Majestätisch stolzierte das schwarzgefiederte Tier durch den Wald. Bei jedem großen Schritt wippte der Kopf am langen Hals ein wenig. Die Federn glänzten. Sie wurden geschüttelt damit die wenigen Schneeflocken, die durch die Baumkronen drangen, zu Boden fielen.
    Langsam und zielsicher setzte sie einen Fuß vor den Anderen, bewegte sich grazil zwischen den Bäumen und Sträuchern hindurch. Sie berührten ihren Körper nicht einmal ansatzweise, was ihr dabei aber nicht seltsam vorkam. Kurz nur wanderte ihr Blick an ihr selbst hinab, um den Fuß neben einem Ast in den Schnee zu setzen und nicht darauf. Sie stockte.
    Wann hatte sie ihre Stiefel ausgezogen?
    Blinzelnd hob sie den Blick wieder an, um das Ziel ihrer Jagd nicht doch noch aus den Augen zu verlieren. Dabei griffelte sie nach der Rabenfigurine, die sie schon so lange auf der Jagd begleitete. Abermals ein Stocken.
    Wann hatte sie vergessen ihren Gürtel[Weiterlesen]
  • Sie standen im Kreis und die hellen Stimmen schnatterten aufgeregt durcheinander. Zwischen ihren Beinen lag ein Sammelsurium an Stöcken: Lange, kurze, dicke Äste und dünne Ästchen. Welche, an denen noch ein paar Blätter hingen und welche, von denen schon ein Teil der Rinde abgepopelt war.
    Ein Junge mit schwarzen struppigen Haaren und Dreck im Gesicht verschränkte die Arme. „Die darf mitspiel‘n!“ Ein Anderer, der raspelkurzes blondes Haar hatte, schüttelte vehement den Kopf. „Ne!“, herrschte er den Dunkelhaarigen an. „Die is‘ zu klein! Un‘ zu langsam. Un‘ außerdem haben wir nich so viele Schwerter!“ Er deutete auf den Haufen von Stöcken.
    „Sóla kann meins hab‘n!“, erwiederte Jonne rasch und der Blonde der auf den Namen Jannis hörte schnaubte. Er schaute zwischen den Beiden Geschwistern hin und her, schüttelte wieder den Kopf. „DIE IS‘ ZU LANGSAM!“, schrie er und stampfte mit dem Fuß auf. Er schrie trotzig, wie er es immer machte wenn etwas nicht nach seinem Willen lief. Die anderen… [Weiterlesen]
  • „Käpt‘n…? Sie is‘ wieder da.“ Die Tür schob sich nach einem vorsichtigen Klopfen langsam auf und der Kopf einer hellgrauen Asura schob sich hindurch. Große, strahlend weiße Irden suchten nach der Gestalt des Kapitäns. Dieser stand über den Tisch gebeugt und brütete über einer Ansammlung an Karten, Schriftrollen und Logbüchern. Er strich sich über den dunklen Bart, dessen Schwarz hier und da bereits von grauen Haaren unterbrochen wurde. „Wir können se‘ auch wieder vom Pier spülen!“ Man hörte das hämische Grinsen deutlich in der piepsigen Stimme. Der breite, von Furchen und Narben übersähte Norn sah nun doch auf. Oder eher hinab. Er brummte tief. „Hartnäckig‘s Ding…,“ Einige Augenblicke vergingen, in denen die Asura die Hoffnung wägte, abermals ein lästiges Blag von den Docks spülen zu dürfen. Oder mindestens den Anblick zu genießen. Der Kapitän aber griff nach seinem Hut und schob sich mit schweren Schritten durch den Raum. Als er an der Asura vorbei durch die Türe schritt,[Weiterlesen]



  • „Wer soll mich besingen, in den Todesschlaf mich schleudern, wenn ich den Pfad des Todes geh‘ und der Weg ist kalt, so kalt.
    Ich habe die Lieder gesucht, ich habe die Lieder gesungen, als der tiefste Brunnen mir die Tropfen gab, von Todesvaters Versprechen.
    Ich weiß alles, Rabe, wo du deine Augen versteckst.“


    Schweigend war sie den Weg zurück gegangen. Vertieft in eigene Gedanken, aus denen sie doch immer wieder gerissen wurde. Riesenbezwingerin. Es klang hervorragend.
    Die Schlacht war gewonnen, der Preis jedoch hoch gewesen. Viele Brüder und Schwestern waren gefallen und in die Nebel gegangen. Und der Stein, den sie nur durch Zufall gefunden hatte, er wog gefühlt unendlich schwer unter den Lagen des Wolltuches.
    Der Plan war gänzlich aufgegangen und es war ein einziger Triumph, dass die Horde an Drachenbrut so ahnungslos und naiv den Pfad entlang gewandert war. Tork hatte nicht zu wenig versprochen und ein paar Mal musste sie darüber grinsen, was sein Können aus der Brücke… [Weiterlesen]