Artikel von „Tashi“ 22

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  • Wie die Kutsche über die abgeschiedenen Wege holperte, musste Nikolai an Tom denken.
    Er fragte sich, wie seine Gedankenwelt urplötzlich gerade zu diesem Mann springen konnte. Erinnerten ihn die Bäume draußen irgendwie an Maguuma? Roch es nach Banditenlager oder summte irgendwo eine nervige Mücke?
    Keines davon.
    Vielleicht war es dieser kalkulierende, nachdenkende Blick seines Gegenübers und Nikolai Riethveld fragte sich, was der Inquisitor gerade wieder ausheckte. Die beiden Männer waren still, schauten mal hier hin, mal dort hin. Nikolai sprach ohnehin nur, wenn er gefragt wurde. Das war die erste Lektion, die er Tom zu verdanken hatte.
    Diesem Allerweltsbandit, der wie so viele andere ein Laufbursche für Cornwall gewesen war. Es hätte auch Gerrit gewesen sein können. Oder vielleicht Schosch, der irgendwann während der Rückreise nach Götterfels am Fieber krepiert war.
    Aber nein, Tom hatte das Glück… oder Unglück gehabt, in das Gespräch mit Nikolai und Cornwall zu platzen, um
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  • Behandelt inhaltlich das gleiche Konzept wie: Im Mamorpalast
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    Im Gegensatz zu seinem eigenen kalten, geordneten Mamorpalast, war der Verstand von Fjodor ein Kunstwerk.
    Zusammengesetzt aus Schiffskörbern, Planken, Masten und Tauen, mag es für die meisten Betrachter das reinste Chaos sein. Doch für Yaska war gerade diese Komplexität, das Geheimnisvolle und die gleichzeitige Kraft, die es ausstrahlte so anziehend. Das Gebäude blieb äußerlich nie lange gleich. Mal verschwand ein Lukenfenster, mal wölbte sich ein Schiffskörper anders, als noch vor ein paar Wochen. Eine verworrene Skulptur aus düsteren Nischen, verwitterten Decks und maritimer Kunstfertigkeit. Die 3 hinein geschlagenen großen Säbel aber, die das Haus durchstießen wie ein erlegtes, wildes Tier, würden wohl nie verschwinden, egal wie sehr es noch atmete.
    Yaskas Verstand näherte sich dem Haus und dem Wald, den es umgab. Aktuell bestand der Wald aus großen
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  • Durch die Buntglasfenster schimmerte das Tageslicht von irgendeiner Erinnerung. Wenn Yaska so daran dachte, war es in der Schiffskabine eigentlich immer taghell und es herrschte nie das nächtliche Zwielicht, welches die sich bewegenden Wellen draußen erahnen lies.
    Das Bett war überhäuft mit Kissen, als wären sie Fjodors Sammelleidenschaft. Die Seekarten lagen unbewegt auf dem Tisch. Das Holz des Bodens und der Wände war unversehrt, alt, charmant. Es würde nie splittern oder nass werden. Nicht, wenn Yaska es an diesem Ort so wollte.
    Er hätte sich aufs Bett setzen können, oder auf die Couch unter der bunten Fensterfront am Heck der Kyd. Aber seine Präsenz stand nur mitten in der Schiffskabine, als wäre er das Zentrum dieses Raumes. Wie eine heilige Mitte eines Tempels.
    Ewig konnte er nicht bleiben, doch nie war er froher um das Wissen gewesen, immer wiederkehren zu können.
    Der Rabe verlies die Kapitänskabine, bewegte sich durch den dunklen Flur zurück an Deck der unversehrten Brigg
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  • Der Rabe und der falsche König



    Es war einmal ein weißer Rabe. Ein überaus stolzes Tier mit blauen Augen wie der Himmel, welches sich nicht nur durch sein Gefieder von seinen Brüdern und Schwestern unterschied, sondern auch durch seine Flugkünste.
    Der Rabe war ein guter Flieger. Er traute sich in große Höhen und seine Flügel waren kräftig.
    Doch der Rabe wollte noch schneller werden. Noch weiter fliegen können und größer und stärker sein, als alle anderen Raben.
    Es geschah an einem kalten Wintertag, als etwas zu dem Raben kam. Es war ein König. Ein starker und uralter König, der sich dem Blick des Rabens entzog und ihn nur spüren lies, dass er da war. Seine weise und einnehmende Stimme erklang in Rabes Herz und sprach zu ihm.
    „Ich kann dir geben, was du begehrst, Rabe. Wonach du schon dein Leben lang strebst. Ich wünsche mir dafür nur sehnlichst, dass du mein Freund bist.“, sprach der König.
    Der weiße Rabe öffnete den Schnabel und lachte in den kalten Wind.
    „Ich bin niemandes
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  • Es war ruhig in den Fahrarunterkünften. Gelegentlich schnarchte ein Junges in seinen Fellen aus oder es raschelte, wenn einer der zukünftigen Legionssoldaten sich herumwälzte.
    Sharima genoss diese nächtliche Stille am Meisten und sie hatte das Glück, dass ihre Pritsche so in dem großen Schlafzelt stand, dass das Mondlicht durch die offenen Dachstreben die halbe Nacht direkt darauf fiel.
    Das schwarzbraune Charrjunge lag auf dem Bauch, vor ihr mal wieder ein Pergament, sowie Tinte aus den Schreibstuben, die sie hatte mitgehen lassen. Sie musste nur aufpassen, dass nichts davon auf ihre Pfoten geriet, sonst würde sie die Flecken am nächsten Morgen dem Primus erklären müssen.
    Doch Sharima passte jedes Mal gut auf. Die Schreibfeder tunkte sie immer nur ganz wenig in das dunkelblaue Nass und zog den Kiel dann kratzend über das Pergament. Sharima mochte das Schreiben. Das Zeichnen. Daher war sie den anderen Jungen dahingehend etwas mehr voraus. Aber bei Asche zählt nicht nur das Schreiben.
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  • Seine rechte Gesichtshälfte war taub, als er aufwachte. Taub vor Kälte.
    Der kindliche Körper ließ sich nur sehr langsam bewegen. Die steifen Muskeln reagierten träge und verspätet, als Misha die Hände unter sich durch den Schnee zog um sich aufzustützen. Es war kalt. Der grelle Schnee unter ihm, der durch das fleckige Sonnenlicht, welches seinen Weg durch die Baumwipfel fand, angestrahlt wurde, tat ihm in den Augen weh, sodass er sie nochmal zukniff und sich dabei langsam auf den Unterschenkeln sitzend aufrichtete.
    Seine linke Schläfe pochte. Und die dunklen Flecken im Schnee verrieten ihn, dass er verwundet sein musste. Doch er spürte außer dem Trommeln in der linken Schläfe keinen Schmerz. Nicht mal Angst oder Panik verspürte das Nornkind, wie es mitten in einem verschneiten, einsamen Wald irgendwo in den Zittergipfeln saß.
    Misha stand auf und seine klaren blauen Augen erfassten die Umgebung. Seine verschrammten Arme griffen zu seinen Schultern und zogen den alt wirkenden Umhang
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  • Diese Kurzgeschichte gehört zu dem Vorgänger: Nacht der Flammen
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    Die Wüste holt sich zurück, was ihr gehört.
    Die schwarzen Mauerreste und der große Innenhof der ehemaligen Raptorzucht waren halb von Sanddünen verschluckt und wenn man nicht wüsste, wo welches Gebäude war, würde man wahrscheinlich interessenlos an diesem trostlosen,verlassenen Fleck in der Wüste vorbeiziehen.
    Doch Kasha hielt ganz ohne Befehl einige Meter entfernt auf der Düne an, hinter der sich die Reste des Hofes befanden. Naveen lies die Zügel los und den Blick schweifen. Es war später Nachmittag und somit noch recht warm. Die Hitze flimmerte über den Mauerresten vor ihm.
    „Sind wir da?“ ertönte dann eine ruhige Stimme hinter dem jungen Elonier und er spürte, wie Fahir sich im Sattel etwas zur Seite neigte, als könnte dieser dadurch besser sehen. Doch Fahir war blind.
    Seine Frage stellte der ältere Mann aus Istan wohl
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  • Ein spitzer, schmerzvoller Schrei lies ihn hochschrecken.
    Es war warm in seinem Zimmer. Ungewöhnlich warm.
    Zitternd stand Naveen ruckartig auf, der Atem keuchend, die Hände sofort schweißnass. Erneut erklang ein Schrei, dann ein heftiges Rumpeln, das die Wände seines kleinen Zimmers erzittern lies.
    So schnell wie in dieser Nacht hatte er sich wahrscheinlich noch nie seine Hose und ein einfaches Leinenhemd übergeworfen, während er zur Tür rannte. Als er sie öffnete, schlug ihm eine Hitzewelle entgegen. Dicker Rauch vernebelte seine Sicht und kroch sofort in seine Lunge, was einen Hustenreiz auslöste. Unterhalb der Treppe sah er das unverkennbare Farbenspiel von einem nahen Feuer an der Wand. Hätte nicht eine erneute Erschütterung ihn aus seinen Gedanken gerissen, wäre der junge Elonier wohl starr vor Angst noch viel länger hustend so in seinem Türrahmen stehen geblieben.
    Er sagte kein Wort. Schrie nicht. Rief niemanden. Und doch durchzuckte nur ein panischer Gedanke seinen[Weiterlesen]
  • Die Pranke zitterte.
    Die Hyäne lachte.
    Die Stimme flüsterte.

    Legionärin Lautschuss schnaubte und kniff für ein paar Sekunden die Augen zu. Vertrieb das Lachen und das Flüstern.
    -…schwach, bist du. Elendig. Höre, wie sie über dich lachen-
    Sie unterzeichnete das Pergament, wischte einen salzigen Fleck mit einer langsamen, müden Bewegung der rechten Pfote weg und kniff erneut die goldbraunen Augen zu. Die Charr hielt für ein paar Sekunden die Luft an, ohne es zu bemerken.

    Die Hyäne lachte.

    Sorgfältig öffnete das Weibchen ihr ledernes, altes Notizbuch und legte das frische Pergament ganz hinten zwischen Rückendeckel und letzter Seite. Schnell klappte sie die vorderen Seiten voller Skizzen, Entwürfen und Gedankeneinträgen darauf und schloss das Buch schließlich, indem sie ihre ganze rechte Pfote auf den vorderen Buchdeckel drückte. Als würde sie es so versiegeln, lehnte die Charr sich etwas vor, um mehr Druck auf ihre Pfote und den rissigen Einband zu geben.

    Die Hyäne lachte.
    Der[Weiterlesen]
  • ((Was man noch so in uralten Unterlagen findet. Ist zur damaligen Zeit entstanden, zu der ich ein paar Geschichten über meine Norn Axuma verfasst hatte.))


    Leis‘ kommst du auf deinen Schwingen
    Weiß wie Schnee und Frost
    Nachts o‘ Nachts hört man dich singen
    spendest uns‘rer Seelen Trost





    Dein scharfer Blick sei mir gegeben
    Mein Schatten bei der Jagd, der sollst du sein

    Begleite mich, bis ins nächste Leben
    Bis in die Nebel wo wir finden unser Glück allein





    Deiner Lehren Wahrheit
    Werden wir vergessen nie
    Eule, fliege in Freiheit
    Bringe Schutz und Harmonie




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