Artikel von „Diadrah“ 39

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  • Als der Abend sich neigte um schon zur Nacht zu werden, verließ ich meine Arbeitsstelle am Ministerium. Ich musste noch einmal zurückgehen, weil mir auf halbem Weg einfiel, dass ich ein Geschenk des Tages doch wahrhaftig dort vergessen hatte und dabei schlich ich doch gedanklich immer wieder darum. Wie seltsam, nicht? Man denkt den ganzen Tag über etwas nach, beobachtete es, streicht mit den Fingern darüber und dann kommt die freie Stunde und es bleibt genau dort, wo man es abgestellt hatte. Maura war bereits fort, hatte sorgsam die Türe verschlossen und die Lichter gelöscht, sodass ich mich im Halbdunkel erst vortastete und dann einen kleinen Zauber schillern ließ als Wegbereiter. Sicherlich ich hätte eine der Kerzen entzünden können, aber das wäre der Aufwand zu viel gewesen um nur ein Stück aus meinem Büro mit mir zu nehmen.

    Das Kästchen ist gar nicht so schwer, es liegt einfach in der Hand ist nicht groß um mich beim Abschließen der Türe zu behindern. Dennoch ist die Aufgabe… [Weiterlesen]
  • Einleitung:

    Ich wurde nach meiner Predigt gefragt von jemandem, der nicht anwesend sein konnte und da dachte ich mir, ich könnte sie ja einfach mal hier rein schmeißen. Ich bin nicht unbedingt die große Predigtschreiberin, man möge mir verzeihen. :D


    Ich möchte heute über Sichtweisen sprechen und hierfür ein kleines Sinnbild verwenden, welches da lautet:

    Wenn man in einem Haus wohnt, in dem die Scheiben schmutzig sind, und hinaus sieht, dann meint man, die Welt draußen ist so schmutzig, dabei ist sie es gar nicht. Und wenn man von draußen in das Haus sieht, dann denkt man, es ist Innen ganz schmutzig, aber das stimmt auch nicht. Es sind immer nur die Fenster, die schmutzig sind.

    Nun könnte man sagen, damit ein jeder das klare Bild vor Augen hat, reicht ein Lappen, Seife und ein Eimer Wasser.

    Wie aber reinigen wir unser Herzfenster?

    Diese Frage habe ich zuletzt im Götterunterricht in einem Waisenhaus im Tal gestellt und die kindliche Antwort darauf war: -Mit Tränen.
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  • Im Salon und nur hörbar, weil das Haus still und leise da lag, schlägt die große Standuhr zur zweiten Nachtstunde und Roslyn rührt sich ein wenig auf dem gepolsterten Stuhl. Die Beine überschlagen, in eine Decke gehüllt, welche unter den Armen eingekniffen wurde streicht sie die nächste Seite des Buchs auf. Unweit im Bett schlief der Quengelknabe in Form eines erwachsenen Mannes. Auf seinem Nachtkasten ein Krug mit Wasser, eine Kanne mit Tee unter einer wattierten Stoffhaube, Glas und Tasse, sowie ein braunes Fläschchen mit bitterer Medizin, die immer mit Zuckerwürfeln gesüßt verabreicht wurde, welche in einem Töpfchen auch verweilen dürfen.
    Es ist ruhig im Raum, auch wenn Benedict, Graf von Liliental sicherlich durch Krankheit schon den ein oder anderen Baum seinem Ende zufügte, weil die Nase verstopft ist und das Fieber ihn schnarchen ließ. Jetzt gerade aber schlief er ruhig, sie konnte sich auf ihr Buch konzentrieren und war durch die Aufgabe fern der Müdigkeit, auch wenn ihr… [Weiterlesen]
  • Ob lebendig oder tot, die Besichtigung einer Wunde gestaltet sich immer gleich für Josephine. Erstes Ansehen der Verletzung und Aufnahme dessen, dann die Reinigung samt dem Entfernen von ungewollten Absonderungen. Die zweite Besicht nach Rückständen, Veränderungen der Wundränder, des Wundgebietes um über diese die Lösungsfindung voran zu treiben. Meist hat die Priesterin unter Grenth Zeit für derartig, denn es hängt kein Leben mehr davon ab, da es bereits vergangen ist. Doch diese Reise brachte der im Wesen etwas starren Persönlichkeit immer wieder Sorgen bei, denen sie sich zumeist in der Heimat entzog.
    So auch an diesem Morgen in einem Land fern des gewohnten, in einem Zustand, der besser, aber auch deutlich schlechter sein könnte und im Kreis von Bewohnern Tyrias, die ihr oftmals eher suspekt als vertraut waren. Nach dem Aufbruch zu frühen Stunde fanden sie den Weg zum Lager der Vorangegangenen rasch und während alle sich um Essen, Gedankenaustausch und anderem widmeten, sah sie
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  • Gedämpft vom Regen und dem Donnergrollen in hohen, bedrohlich dunklen Wolkenbergen klapperten ihre Absätze über die Wege und Straßen durch das östliche Marktviertel. Immer wieder einen Namen rufend und letztlich verborgen hinter dem Fädenvorhang fallenden Wassers konnte sie ihn ausmachen. Ihre Schritte wurden rascher, sie stolperte einmal und verhinderte gerade noch mit Körperspannung den Sturz auf die Knie. „Erwin.“ neben dem Jungen, der sich eingekauert unter einem Vordach hatte, fiel sie auf die Knie und legte ihm den mitgebrachten viel zu großen Umhang über die Schultern „Ich habe dich überall gesucht. Komm, komm gehen wir Heim.“ sie wusste, es war nicht sein Heim. Sie wusste er wollte nicht dauerhaft dort sein, kam aber doch immer wieder in die Apotheke und immer wenn er wieder ging, zerriss es der jungen Frau ein wenig das Herz. Jetzt aber war er sofort bereit mit ihr zu gehen, so liefen sie so rasch es das Unwetter zuließ zurück zum Heim von Kay.

    Dort angekommen bekam Erwin
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  • Ich sitze am Spiegel und sehe mich an, mein verweintes, leicht aufgequollenes Ich. Verloren streicht meine Bürste über mein blondes, nein, rotes Haar, denn mit jedem Strich fällt der Zauber gewollt von mir ab und das Blond fließt fleckenlos aus meiner Erscheinung ins Nichts. Mein Blick sinkt auf die letzten blonden Spitzen, fällt von diesen an meine noch getragene Kleidung, die mich einengt und abschnürt, obwohl sie doch auf mein Maß geschneidert worden ist. Irgendwann vor Jahren habe ich angefangen auf meine gewollte Haarfarbe, die Farben meiner Kleidung anzupassen. Nur die Arbeit ist die Ausnahme, weil wir beide uns einigten. Bin ich also rothaarige, trage ich dunkles Rot, Braun, Schwarz; habe ich blaues Haar war es Weiß und Blau in allen Tönen und bin ich blond trage ich ein helles Rosa, ein frisches Gelb, ein schillerndes Gold so falsch wie meine Haarfarbe es ist und doch zierend.

    - Unpassend, taktlos -

    Ein tiefer Atemzug will mir nicht gelingen, die Bürste abgelegt bekommt ein
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  • Noch ein Blick zur Tür, die offen stand und einen Mann mit vom Haarwasser getränktem Haar und Schnauzer auf den Treppenstufen sitzend zeigte. Kay sah nur seinen Rücken und wo dieser sonst in all den Jahren einlud sich an ihn zu kuscheln, einfach die Arme um ihn zu legen und über seine Schulter die Wange zu küssen, blieb ihr heute ein Kopfschütteln und im hinteren Bereich der Apotheke stieg sie die Stufen in den Wohnbereich hinauf.
    Die Öllampen entzünden, damit ein wenig Licht durch die Vorhänge auf die Straße kam, bis die Fensterläden geschlossen wurden und den eigenen weiteren Weg zum Schlafzimmer begehend. Dort auf dem Hocker vor Schrank und Spiegel angekommen sah sie sich einfach nur eine kleine Weile an. Und wie dem Stufenbesetzer einiges durch den Kopf ging, wanderten auch hier oben die Gedanken unstet hinter der Stirn entlang. Sie war die Streiterei müde und heute war sie auch noch zu allem Überfluss angetrunken, hatte dadurch das ein oder andere Wort verloren, was
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  • Man kann in Tyria sein und doch auch nicht, wie das gehen soll? In dem man träumt. In Träumen muss man nicht in der bekannten Welt sein. In Träumen verlieren sich die Gedanken und man kann sein, was das Unterbewusste einen sein lässt. Mal ist man die Geliebte in Armen voller Zukunft, lächelnd und genießend, dann wieder ist man die Heldin einer Geschichte und eines Lebens, verbringt Taten an denen man gemessen werden wird. Sie, sie war gerade die einfache Tochter, ihre Rührungen bringen sie an die Tür im Rurikviertel, lassen die Finger den Schlüssel ziehen und diese öffnen. Schritte, rasch und trippelnd die Treppen herab klingen in ihren Ohren und kaum sind die Arme geöffnet wird man schon umarmt. Eine dieser Umarmungen wo auch eine Fingerspitze der Berührung reicht, weil man sie alle beim besten Willen nicht umfassen kann. Da ist die Mutter, die ihr den Schopf küsst mit Tränen in den Augen; der Vater mit der Hand an ihrer Schulter und Stolz im Blick, die Schwester… [Weiterlesen]