Artikel von „Pink Unicorn of Doom“ 9

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  • Der Hof des Alten lag auf einer schmalen Anhöhe im westlichen Königinnental. Linker Hand eingerahmt von ein paar verdrehten Bäumen, rechter Hand von einem windschiefen Ziegenstall, und vor sich, einem abgewetzten Läufer gleich, ein paar Felder, die dazu einluden die Szenerie zu betreten, drängte sich schon von Ferne der Eindruck auf, ein Maler hätte sich es sich genau so ausgedacht, nur um dann bei der Umsetzung zu schlampen und bloß mit schnellem Pinsel ein paar farbige Kleckse zu setzen. Als wollte er ja nicht ablenken vom Fokus des Gemäldes, von der alles überragenden Kulisse im Rücken des Hofes, der sich dort in der Ferne steil in die Höhe ziehenden, wie zu einem Berg, nein einem Gebirge auftürmenden Stadt.
    „Götterfels. Kannst du Dir einen schöneren Anblick vorstellen?“ Der Alte seufzte behaglich und Luca fiel auf, dass seine Stimme nichts oder wenn doch, dann nur sehr wenig von dem Timbre eingebüßt hatte, das ihn früher, weit vor ihrer Geburt so bekannt gemacht hatte.… [Weiterlesen]
  • „Wenn du das tust, kannst du mich gleich vergiften! Lillian, nicht! Ich schwöre dir, so wahr ich deine Mutter bin, das ist mein Tod!“ - „Mutter, jetzt lass mich los! Du machst dich so lächerlich. Jetzt hör auf, du tust dir noch weh!“ - „Niemals, eher sterbe ich! Hörst du, ich wähle den Tod! Ich selbst entscheide wie ich sterbe!“ - „Mama, das ist keine deiner Opern!“
    Da lagen sie nun auf dem staubigen Boden von Mutters Turmzimmer und rangen mit einander, wie zwei halbstarke Gören die sich um den Liebesbrief des schönsten Jungen der Klasse stritten, den sie beide für sich beanspruchten. Es wäre lächerlich gewesen, wenn es nicht gleichzeitig auch irgendwie so zum heulen war. Da lag sie, Lillian, die sich auf Bitten der versammelten Dienerschaft auf den langen und verwinkelten Weg nach oben gemacht hatte, um Tacheles mit ihrer Mutter zu reden, rücklings auf dem Boden und erwehrte sich nun den „Angriffen“ selbiger. Sie hatte gewusst, dass ihre Mutter für Ärger sorgen würde.… [Weiterlesen]
  • „Sechzehn? Ist das wirklich wahr? Sechzehn? Die Anderen da gar nicht mitgerechnet? Wie gibt’s das? Wie? Wie könnt ihr da so ruhig bleiben! Wie? Ich verstehe es nicht!“ Sie hatten sich unlängst in den nicht weniger verrauchten, dafür noch schummrigeren Nebenraum zurückgezogen, hielt es doch Eider, Rupert Balders jungen Partner kaum, dass Morena ihren Bericht zusammen gefasst hatte und die Akten verteilt, nicht mehr auf seinem Stuhl.
    Schon nach der zweiten Akte war Eider aufgesprungen, hatte sich die Knie am Tisch gestoßen und beim Versuch das Gleichgewicht zu wahren fast noch Dr. Morgentaus Bier abgeräumt. Hätte dieser es nicht schon vorsorglich ergriffen und außer Reichweite von Eiders ruderndem Arm gebracht, es hätte sich über den ganzen Tisch ergossen. Nicht, dass es den Doktor gestört hätte, da war sie sich sicher, hatte der es bei seiner kleinen Rettung doch das erste Mal überhaupt am heutigen Abend angefasst, obwohl es doch sein eigenes war. Hätte Morena es nicht… [Weiterlesen]
  • „Bin ich zu spät?“ Eider wusste, dass er es war, aber auch, dass er einen guten Grund hatte.
    „Eider, mein Junge! Und wie du zu spät bist, was hast du getrieben, wo hast du wieder gesteckt. Wie heißt sie diesmal? Komm, komm setz dich. Hier.“ Da saßen noch andere am Tisch, die er im Halbdunkel nicht erkennen konnte, aber der Mann der ihm so fragend antwortete, und sich als einziger von seinem Platz erhob um ihm vom nächstgelegenen Tisch einen Stuhl heran zu ziehen, war Rupert Balder, sein Freund, Partner und Mentor, ein Feldwebel der Seraphen a.D., der früher einmal einen gefürchteten Ruf genossen hatte. Das war lange her und aus dem Kasten von einem Mann hatten die Jahre und ein kaputtes Bein einen rechten Fettsack gemacht, doch nur Narren und solche die ihn nicht kannten, würden ihn je unterschätzen, wie Eider recht früh hatte lernen müssen. Denn wer einmal in die kleinen, von Falten bekränzten Augen blicken musste, die da unter buschigen Brauen tief in ihren Höhlen… [Weiterlesen]
  • Der fahle Mond hing wie eine einsame Funzel über dem Östlichen Marktviertel und tauchte das Dächermeer, die windschiefen Mauern und verwinkelten Hinterhöfe in ein bleiches, blaues Licht. Vom inneren Ring blickend, wo kaum ein Ton aus der Unterstadt hinauf wehte, hatte es ihn an die gefrorenen Wellen einer stürmischen See erinnert, von langem Unbill aufgepeitscht und dann in Hoffnungslosigkeit erstarrt und auch jetzt, da er sich längst in das Gewirr aus aus Elend und Verdruss, aus wenigen breiten Straßen und unzähligen, schmalen Gässchen, hinein geworfen hatte, hallte dieses Bild einer paralysierten Kakophonie in seinem Kopf nach.
    „Götterfels, du Schöne, holdes Herz aus Stein, lass mich; mich verzagen im Anblick deiner starren Einsamkeit...“, wiederholte er in seinem Kopf die Worte des Dichters Fenwin von Unbesang aus dessen großem Epos über die letzte Stadt der Menschen, und auch nach so vielen Jahren wurde ihm schwer ums Herz bei dem Gedanken an die Stadt in der er fast… [Weiterlesen]
  • „Du bist ein Gott, Nikolaj Iorga!“
    Diese Worte und genau diese gehen ihm durch den Kopf als er sich auf die Knie kämpft, Dreck in den Haaren und im Gesicht, Schneematsch im Mund. Sein Herz pumpt so stark, dass es in den Schläfen pocht und sein Atem rasselt derart schwer, dass ihm trotz Adrenalin einen Moment lang schwindelt. 'Durchatmen. Atme durch. Dann steh auf. Ist noch nicht vorbei', sagt eine Stimme in seinem Kopf, die nichts anderes ist als der rationale Teil von ihm, der gegen das Gefühl aufsteigender, überwältigender Euphorie ankämpft. Aber es ist vorbei. Kolja weiß, dass er ihn erwischt hat. Tödlich. Er hat gewonnen.
    Röchelnder Atem in seinem Rücken lässt ihn zusammenzucken und holt ihn jäh in die Wirklichkeit zurück, aber der anfängliche Schrecken sich vielleicht getäuscht zu haben, legt sich schnell, als er den Körper da liegen sieht. Der Jotun atmet noch, aber seine Bewegungen sind bloß ein ungelenkes Zucken, begleitet von Gurgeln und Blut das den Schnee rot färbt.
    Koljas… [Weiterlesen]