Artikel von „Agroman“ 144

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  • "Har!" Dean Dolyakschlächter johlte vor Zufriedenheit. "Davon sprech' ich!"
    Blutiger Sprühnebel hing in der Luft, wo gerade noch ein Ketzer gestanden hatte. Zwei Dutzend Pfund gegossenes Eisen pflügten mitten durch die Bretterbarrikaden, hinter die der Mann hatte flüchten wollen. Holzsplitter barsten in die Luft. Am Rande der fleckigen, gewölbten Linse gab es eine verschwommene Bewegung. Ein Schwenk nach rechts offenbarte eine weitere dunkelhäutige Gestalt im Fenster einer flachen Behausung aus grob behauenem Sandstein, ungelenk mit einer Muskete hantierend. Der Ketzer taumelte vor Schreck wieder in Deckung, als die linke Außenwand seines Unterschlupfes einstürzte, eine Lawine poröser Sandsteintrümmer ergießend. Überall ringsum gingen die Einschläge nieder, wahllos und breitflächig, den Feind gnadenlos festnagelnd. Fischerhütten. Schwache Verstecke für schwache Männer.
    "So lob' ich mir das!", lachte Dean. Er musste schreien, um die betäubende Lautstärke der Kanonen zu übertönen.
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  • ~ Maguuma-Dschungel, Sommer 1316 ~


    Gewitter im nördlichen Maguuma waren oft so heftig, dass der Erdboden vor lauter Niederschlag förmlich überschwemmt wurde. Sie wurden seltener, je näher man an den Rand der Einöden kam, und je länger sie auseinander lagen, desto reißender und sintflutartiger waren sie obendrein.
    Die wenigen Blechgefäße, zum Auffangen von Trinkwasser nach draußen gestellt, quollen längst über vor strömendem Regen. Randvolle Wasseroberflächen steppten einen zornigen Tropfentanz. Yvara stand unter dem Rand des Felsüberhanges, ließ sich vom nassen Sprühnebel erfrischen und sah der Welt höchst erfreut beim Untergehen zu. Sie hatten die Ausläufer der trockenen Höhen am vorigen Nachmittag erreicht, und der üppige Dschungel wich auswärts zusehends mehr einer kargen, rötlichen Sandsteinlandschaft.
    Diese Aussicht erinnerte Yvara an ihre Jugend und den gelegentlichen Naturkundeunterricht beim falschen Priester Bocksbeutler in Saidras Hafen. Damals hatten sie und die anderen
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  • ~ Maguuma-Dschungel, Sommer 1316 ~


    Der Urwald flirrte vor drückender Hitze, und Yvaras Mannschaft war ein Trauerspiel.
    "Eure Namen sind bedeutungslos-", sagte sie ihnen, "Denn ihr seid keine wahren Ordensbrüder."
    Erneut nahm sie Maß mit den Augen, und ihre engen Lederstiefel knirschten mit jedem Schritt entlang der kläglichen Aufstellung. Vier Mann nutzlose Versager, etliche Leugen moskitoverseuchtes Waldland, und sie selbst mittendrin. Yvara hätte nicht sagen können was demütigender war - das ihr zugestandene Aufgebot an Waffenarmen, oder die Tatsache, dass unter diesen Umständen Resultate von ihr erwartet wurden. Noch immer rang sie mit ihrem Zorn, aber es half alles Nichts. Kleriker Zevros hatte sich sehr unmissverständlich ausgedrückt, und sie wagte es nicht zu trödeln.
    "Ich sag' euch eure Namen. Ihr seid Holzkopf und Schinkenwurst.. Pickelfresse.." Sie dachte kurz nach, die Gesichter studierend. "...und Kleiderständer. Merkt euch eure Namen. Vielleicht habt ihr Glück, und ich
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  • Die Luft war so dick und so heiß, dass er an manchen Tagen kaum noch atmen konnte. Seine Kräfte neigten sich dem Ende zu, und die meiste Zeit über dämmerte er in fiebrigem Halbschlaf vor sich hin. Mehrere Brüder und Schwestern waren bereits am Schwefel gestorben. Andere waren schlichtweg der Hitze erlegen. Der Vulkan hatte ihre Leben beendet, aber den Tod hatte ihnen der Glaube gebracht. Obadiah hatte zugesehen, wie man ihre leblosen Körper in der Lava versenkte. Die Mietklingen versenkten alles in der Lava. Essensreste, Metallschrott, gelegentlich angreifende Monster. Den Inhalt der Latrinen. Selbst die übrigen Blutsteinsplitter. Sie waren pragmatische Leute. Er wollte sie dafür hassen, tief drinnen, aber auch dazu fehlte ihm die Kraft. Ein pfeifender Husten drang aus seiner Kehle, gefolgt von brennender Trockenheit. Es schmerzte, wenn er husten musste. Obadiahs Hals war so ausgedörrt und spröde wie dieses gottlose Land, in dem sein Pfad enden würde. Der Pfad eines falschen[Weiterlesen]
  • ~ Götterfels, vier Tage zuvor ~


    "Nun, es geht um die notarielle Beglaubigung der Vertragsschließung zwischen den Herren Aedan Berlînghan Baron von Wengenholm und Mortimer Winkelberg anlässlich des Verkaufs des Stadthauses mit der Anschrift Herrenhaushügel, Salma-Gasse Ecke Ambossweg 24."
    Doktor Gibbon sprach mit der ruhigen Sachlichkeit eines Mannes, der seinen Beruf leben und lieben gelernt hatte. Der Notar war ein korpulenter Mittfünfziger mit gepflegtem Schnäuzer und einer Lesebrille auf der Nase. Er trug eine Weste aus sündhaft teurem Brokat, doch damit war er in bester Gesellschaft. Gibbons Büro in Rurikstadt zeichnete sich aus durch geschmackvolle Überschaubarkeit und eine omnipräsente Vorliebe für geschnitzte Holzskulpturen.
    "Der Baron von Wengenholm-", fuhr der Notar fort, "-bestätigt durch seine Unterschrift, den Betrag von zweihundertunddreißig Goldstücken an Herrn Mortimer Winkelberg zu zahlen und damit das Eigentumsrecht an Haus und Grundstück zu übernehmen, sowie
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