Artikel von „Luc / Zavo“ 64

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Ihre Worte klangen dumpf in seinen Ohren. Denk einfach an etwas anderes. Hör ihr nicht zu. Ihre Worte sind Gift. Immer und immer wieder sprach er zu sich selbst diese Worte, doch allein das Wippen des Netzes, in welchem er nun schon gut eine halbe Stunde hing machte ihn müde. Ebonfalke war kein Ort gewesen, welchen er gerne besucht hätte. Dennoch war er hier schon einige Male gewesen. Auch damals, während seiner Ausbildung und sogar mal mit seinem Bruder.
    "Zavo? Zavo hörst du mir überhaupt zu? Ich rede mit dir!" Sie schnippte ihm gegen die Nase.
    "Mach das nochmal und ich beiße dir die Finger ab", knurrte der Hüter ihr entgegen. Auf ihren fein gewachsenen Gesichtszügen bildete sich ein zartes, wunderschönes Lächeln. Das schwindende Licht funkelte in ihren bernsteinfarbenen Augen, als würde sich darin die Wärme speichern. Dennoch war alles nur schein.
    "Versprochen mein Goldstück?"
    "Nenn´mich nicht so. Langweilt es dich nicht mir nachzusteigen? Hast du nicht irgendeine arme Seele zu
    [Weiterlesen]
  • Wie dumm er gewesen war nicht daran zu denken, dass sie hier auftauchen könnte. Hatte er überhaupt noch einen Gedanken an sie verschwendet, seitdem sie sich das letzte Mal begegnet waren? Wie konnte er nur nicht an sie denken?! Sie hatte ihren letzten Besuch wochenlang vorbereitet! All die Mühen sollen umsonst gewesen sein? Sie hatte sich ihr Blattwerk neu nachwachsen lassen, nur damit sie ihm in ihrer ganzen Schönheit entgegen treten konnte. Wegen ihm hatte sie zwei Aufträge verschieben müssen und ihr Herr war darüber nicht glücklich gewesen. Immerhin waren sie sich einig darin, dass der Hüter es wert war. Eretheyn war schon vollkommen gewesen, als er den Traum durchbrach und die Erkenntnis darüber erlangte das leben Schmerz bedeutet. Glyzavo hatte ihr den schönen Bruder genommen, dessen Gesicht dem Hüter in jeder Faser glich. Also musste er dessen Platz einnehmen. Die Vorfreude an diesen Moment, wenn der Hüter endlich ihr gehören würde, ließ ihr Herz hüpfen. Sie wollte ihm… [Weiterlesen]
  • Kleine Kiesel knirschten unter seinen Schritten, als er sich fort vom Friedhof bewegte.
    Ganz egal um welches Volk es sich handelte - jedes hatte einen Ort wo es seine Toten zur letzten Ruhe bettete. Er war gekommen um einem Freund, jedenfalls nannten sie sich gegenseitig so, beizustehen. Glyzavo selbst kannte den Verstorbenen nicht. Er hatte vielleicht einmal von ihm gehört, während einem seiner Besuche in Götterfels und doch war dies für ihn ohne jegliche Bedeutung gewesen. Somit musste er sich den Namen des Mannes, welcher nun nur noch als Buchstaben in Stein gemeißelt vorhanden war, gar nicht merken. Und doch war er hier. Es war ihm gleich der einzige Vertreter seines Volkes zu sein. Glyzavo wusste nicht um die Verbindungen des Mannes, nichts von seinem Reichtum, oder Dingen welche er in seinen Lebzeiten getan hatte. Taten, Worte oder Gesten des Toten brachten ihn auch nicht nach Ebonfalke. Es war der blonde Iorga, dessen Gesicht kein Lächeln trug. Bis zu diesem Zeitpunkt… [Weiterlesen]
  • Sie stand am Herd und drückte mit aller Kraft den Stampfer hinab in die Kartoffeln. Rosalie hatte sich Kartoffelbrei zum Backfisch gewünscht und natürlich sollte der Wunsch des kleinen Schrecken erhört werden. Lucius gähnte leise, fast lautlos als er die letzte Treppenstufe hinab in die Wohnküche nahm. An den Wänden hingen neben den zu trocknenden Kräutern viele bunten Bilder des Kindes. Arlassia hob alles auf, was ihr kleines Licht mit stolzgeschwellter Brust überreichte.
    Es war sehr gemütlich hier. Warme Farben, täglich der Geruch von frisch zubereitetem Essen und das Kinderlachen, welches inzwischen in jede Diele gezogen war gaben dem kleinen Haus auf der Hochstraße seinen bürgerlichen Charme. Und doch würden sie dieses Häuschen bald hinter sich lassen. Arlassia hatte es für sich und ihre Tochter angemietet, doch dann hatte sich der Löwensteiner in ihr Leben geschlichen. Er lächelt breit als er den Zeigefinger an die Lippen hob und Rosalie, welche mit auf Groggys Decke… [Weiterlesen]
  • Hoch im Kreise, immer weiter.
    Flügelschlag gar schnell und heiter.
    In der Gruppe, doch auch allein,
    fliegen lässt uns frei jetzt sein.
    Noch ein Schlag, hoch hinaus,
    breite deine Schwingen aus.
    Links und rechts, dem Leittier nach.
    Schwindel um mich, doch ich ertrags.
    Wind er peitscht uns ins Gesicht,
    ich trag dich und du trägst mich.
    Wild umher, Gefiedertraube,
    ja so fliegt sie - die weiße Taube. [Weiterlesen]
  • Damals:
    Eretheyn drehte das kleine Stück Holz in den Fingern und besah sich die Maserung genau. Er wog das Musikinstrument so skeptisch in der Hand, wie er sonst nur seine Waffen prüfte. Schließlich nickte er und legte die Flöte an die Lippen.
    Zavo seufzte hörbar aus. Es war wirklich nicht leicht seinem Bruder Geschenke zu machen. Erst recht nicht wenn die Verbindung zwischen Ihnen so stark war wie jetzt. Eretheyns Flötenspiel klang über die Pflanzenhüten Zinderhangs hinweg und sogar der Hauptmann öffnete die Fasertore, um die Melodie ins Innere seiner Kapsel zu lassen. Es könnte ewig so bleiben wie jetzt. So ruhig, so idyllisch, so sicher. Der Gedanke sich zurück ins Gras zu legen und den Klängen zu lauschen ging ebenso schnell wie er gekommen war. Unweit der Grenze zum Höflingsgebiet stand sie. Wunderschön im wenigen Licht der Sonnenstrahlen, welche ihren Blattkleid einen märchenhaften Glanz verliehen. An ihrer Seite kniete, nein krümmte sich förmlich ihr jetziges… [Weiterlesen]
  • Heute:
    Gut drei einhalb Wochen war es nun her das sie die Sicherheit des Lagers verlassen hatten. Das Rauschen des Meeres, welches die Nähe zur Küste verriet war nun schon tagelang verklungen und das einzige Geräusch, was mit Wasser zu tun hatte, war das beständige Tropfen auf kahlem Stein.
    Der kleine Spähertrupp, welcher einst seine Wurzeln in Zinderhang hatte, einem Ort voll grün und Leben, war längst zu einem Teil Orrs geworden. Nur Eucarulus gelbe Borkenfarbe machte ihn zum Sonnenfleck der Gruppe, was zum einen Nachteil, aber auch Vorteil war. Immerhin vergaß Zavo so nicht wo her er kam. Shamendere stand auf der kleinen Lichtung, umringt von den sich scharf in den Himmel bohrenden Felswänden und zeichnete seine Ritualkreise in den Sand. Die geschnitzten Runen auf des Freundes dunkler Rinde glimmten als fremdartiges Licht auf totem Land. Zavo merkte das die eigene Lumineszens zunahm und zog den Kopf tiefer in die Schultern hinab. Er wollte auf keinen Fall Schuld sein, wenn die… [Weiterlesen]
  • Der kleine Holzblock wirkte selbst in ihren Fingern grobschlächtig.
    In bunten Lettern war der Name des Kindes aufgedruckt, wobei die letzten freien Felder mit einem gelben Stern und einem roten Herz bedruckt worden waren.
    Ein typisches, einfaches Kinderspielzeug, welches an jeder Ecke in Götterfels zu finden war. Doch Rosalie mochte ihren Bausatz.
    Sie verbrachte Stunden damit Türme zu bauen, sie umzuschmeißen und erneut Dinge zu erschaffen, welche in ihrem Kopf Sinn ergaben.
    Doch jetzt hielt nicht Rosalie den Klotz in der Hand. Bevala dreht den Block erneut in den Finger, während ihr Blick auf ihm ruhte.
    "Wenn ich den mitnehme, flennt das Ding dann die ganze Nacht und lässt dich nicht schlafen?"
    Belustigung lag auf der Stimme der Frau, welche am heutigen Morgen im Kontor aufgetaucht war.
    "Nein. Sie hat noch andere."
    "Dann brauch´ich ihn nicht."
    Der Klotz flog in die Ecke, was den großen dunklen Hund dazu veranlasste kurz den Kopf zu heben.
    Ausschnaubend erhob sich das Tier, drehte… [Weiterlesen]
  • Er war knorriger geworden.
    Das dies überhaupt möglich war, hätte er selbst nicht für möglich gehalten.
    Aber der Tod um ihn herum hatte daran wohl Anteil. Wobei es wohl eher der Untod war.
    Der Boden war über und über mit den Resten des Lebens bedeckt.
    Es war schon längst nicht mehr festzustellen aus welchen Dekaden die ganzen Knochen stammten.
    Immerhin war sicher das die, an denen noch Fleisch hing, ein geringeres Zeitalter vorzuweisen hatten.
    An den süßlichen Geruch des verfaulten Fleisches hatte sich die Truppe längst gewöhnt.
    Es gab wohl keinen von den Mitreisenden der immer noch mit Übelkeit zu kämpfen hatte.
    Orr stumpfte ab. Orr machte hart. Orr machte knorrig.
    Jegliches Blattwerk auf seinem Kopf war verschwunden, hatte sich dem in einander schlingendem Holzwerk Platz gemacht.
    Es passte einfach besser. In Orr blühte wenig, bis fast nichts. Aber darum waren sie ja hier.
    Um eine Aufgabe weiter zu führen, die für ihr Volk so große Bedeutung hatte.
    Zinderhang war so weit ins… [Weiterlesen]