Artikel von „Levi Iorga“ 26

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  • Ich hatte beinahe nicht mehr daran geglaubt jemals wieder in den aktiven Dienst versetzt zu werden. Na klar, die Stadt Götterfels war als eingetragenes Krisengebiet sicherlich nicht als Urlaubsdomizil zu bezeichnen, aber wirklich viel zu tun gab es hier nicht. Nicht ohne Fuchs und Katze an meiner Seite. Und wo die steckten wusste sehr wahrscheinlich nur Hase. Wenn überhaupt. Aus irgend einem Grund unterstellte ich einem der beiden einen heimlichen Ausstieg und ich war mir beinahe sicher, eigentlich schämte ich mich für diesen Gedanken, dass ich irgend wann ihr Gesicht auf einem unserer Fahndungsplakate wieder finden würde. Oh ja, wir hatten auch welche!

    Missmutig brütete ich über dem Haufen Kleider, der mir so vertraut war wie das eigene blaue Seidenkostüm in meinem Schrank. Der Drecksack hatte mich noch immer nicht dazu aufgefordert mit ihm ein Theater oder eine Festivität zu besuchen. Nein, er verbrachte seinen Jahrestag lieber mit seinem alten, stinkenden Erzeuger in irgend… [Weiterlesen]
  • Winzig klein war er in einer Welt der stumpfen Riesen, die nicht sahen, die nicht hörten, die nur stampften noch und nöcher über blutbefleckte Erde. Blut der jenen, die sie hatten doch zu schützen, so wie einst die Göttermutter es in Auftrag ihnen gab. In einer Welt so voll an Unrat, voll an Schrott, der unaufhörlich sich hoch türmte bis hin zum Firmament, in dessen Arm sich Sonn und Mond nicht wusste noch zu retten.

    Winzig klein war er in einer Welt der stumpfen Riesen, die so blass und die so träge nicht mehr wussten weit nach vorne oder lieber doch zurück. Die sich aalten in den Weisen, die von schlauen Geistern einst erdacht. Die sich suhlten in Geschichten, die von ihrer Ahnen Hand einst in müßigem Bekennen auf staubiges Papier gebracht. Pergament, das war geduldigt und es schwieg wenn doch eigentlich Protest gesprochen werden musste, denn es war nur Träger und nicht Richter. Denn es war nur Bote nicht Tyrann, der mit harter, harscher, ungebändigt forscher Hand hieb und[Weiterlesen]
  • Jede Liebesgeschichte ist eine Tragödie. Wenn man lange genug wartet.
    Wir wollen die Welt nur besser machen.
    Besser? Für wen besser?
    Besser bedeutet nie besser für alle. Es bedeutet immer schlechter für manche.
    Es bedeutet immer schlechter für manche...
    Ist dir übel?
    Hast du es gewusst?

    Norra Farnkraut hielt die Hand ihres Mannes. Seine Haut war kalt und klamm und aus einem ihr unerklärlichen Grund verglich sie sie unbewusst mit einem toten Fisch, den die Strömung bis an die Ufer des Silberstromes getrieben hatte, der sich als schillerndes Band durch das Königintal zog. Sein Gesicht war fahl und eingefallen. Die Augen waren geschlossen.

    Es war jetzt zwei Tage her. Genauer waren es einundfünfzig Stunden und eine Hand voll Minuten, die seitdem verstrichen waren. Es würden weitere folgen. Weitere Augenblicke der Unsicherheit und der Furcht, die vergehen würden, bis Dranan Farnkraut seine Lider wieder hob. Wenn es überhaupt jemals dazu kam und Grenth ihn nicht still und heimlich,… [Weiterlesen]
  • „Hase, sie kann unmöglich reisen. Das geht nicht.“ „Dann mach es möglich.“ „Ich bin Feldscherin, kein beschissener Magier!“ „Das ist mir gleich. Strick sie zusammen, verknote sie oder halt von mir aus auch deinen Finger drauf, aber wenn sie nicht reisen kann, dann wird sie hier verrecken. Wir haben etwa einen halben Tag noch, eher weniger. Bis dahin müssen wir von hier verschwunden sein. Wenn sie nicht reisen kann, dann bleibt sie hier.“ „Scheiße. Das kann doch jetzt nicht dein Ernst sein, oder ? HASE!“ „Hör zu, Cloud“, bis eben waren sie beide einfach nur laut gewesen, aber jetzt veränderte sich seine Stimme und es geschah auf eine Weise, die dem dürren Weib mit dem blonden Haar und den wässrigen Augen nicht gefiel. „Ich habe die Verantwortung für diese Leute und ich werde nicht das Leben vieler gefährden, nur um zu versuchen dieses eine zu retten. Wenn sie nicht laufen kann und auch nicht in der Lage ist auf einem Karren zu fahren, dann ist sie ein Ballast, den wir uns nicht[Weiterlesen]
  • Ich bin das nicht gewesen.
    War ich nicht.
    Ehrlich nicht.
    Das ist ein Irrtum.
    Das letzte Mal schon.
    Ich bin kein solcher Mensch.
    Kontrolle.
    Selbstbeherrschung.
    Ressourcennutzung.
    Ich weiß doch wie das geht.
    Es war nicht einmal ein Unfall.
    Ich war es einfach nicht.
    Jedwede Logik fehlt.
    Beweist mir das erst einmal.
    Ich bin unschuldig.

    Niemand ist unschuldig.
    Nicht einmal Vater.

    Sorcia buk Apfelstrudel mit Zimt. Es war die Zeit dafür. Man konnte nicht das ganze Jahr über Apfelstrudel mit Zimt, Rosinen und süßer Sahne backen. Wenn jemand im Hochsommer damit um die Ecke bog, dann jagte man ihn für gewöhnlich mit dem Rohrstock wieder vom Hof herunter, hieß ihn irre und vom Wahnsinn befallen und sorgte dafür, dass es niemanden mehr gab, für den es sich noch lohnte Strudel zu backen. Zumindest in geordneten Kreisen verfuhr man auf diese Weise.

    Der Herbst aber war die Zeit der Ernte. Birnen, Äpfel, pralle Pflaumen und diese merkwürdigen, apfelähnlichen Dinger, die es in Gelb und Grün gab… [Weiterlesen]
  • "Wieso müssen wir uns hier treffen, Vitja?" Pavel schenkte seinem alten Freund ein sorgenvolles Lächeln. Er hatte die Finger auf dem eigenen Steiß ineinander gelegt und betrachtete den Jüngeren voller ehrlicher Aufmerksamkeit aus dem Augenwinkel heraus. Der Mann hatte bereits so eine Ahnung. Er gab sich allerdings bescheiden genug sie nicht laut auszusprechen.
    "Ich möchte, dass ihr Ligia zu euch nehmt. Nur für eine Weile. Bringt sie aus der Stadt heraus und beschäftigt sie." Das Geräusch, das rohe Fingerkuppen verursachten, die durch grobe Bartstoppel strichen, war charakteristisch.
    "Hmhm...Ich kann es ihr anbieten. Aber entscheiden kann ich das nicht." Es war keine Neuigkeit. Pavel wog mit dem kahlen Kopf, den er zum Schutz vor der herbstlichen Witterung in eine sattgrüne Wollmütze gepackt hatte. Der weiße Bommel, der das Bild krönte, wippte darauf im Takt.
    "Tu das und lasse dich nicht von ihr abwimmeln. Nimm sie im Notfall einfach mit. Sie hat hier nichts zu suchen." Das Leder des… [Weiterlesen]
  • Genie und Wahnsinn waren, so sagte man doch, zwei Dinge, die nahe beieinader lagen. Oftmals verschwammen die Grenzen und gab man nicht Acht, dann passierte es sehr schnell, dass man einen Schritt zu weit tat und von der Klippe stürzte, deren Grund unsichtbar und endlos fern lag. Ich für meinen Teil, da war ich mir sehr sicher, gehörter weder zu dem einen, noch zu dem anderen. Ich war kein Genie. Das würde einem so ziemlich jeder bestätigen, der mich kannte. Aber wie viele waren das am Ende schon? Wahnsinnig war ich nun auch nicht. Gut, es gab in diesem speziellen Fall natürlich ein paar Stimmen, die jetzt das Gegenteil behaupten würden, doch bedeuteten sie mir nichts. Gesichtslose Narren, die es nicht besser wussten. In meiner Welt spielten sie keine Rolle. Sie hatten einfach keinen Platz, denn in meiner Welt regierte ich ganz alleine.

    Ich beobachtete Hase an seinem Schreibtisch. Sah ihm dabei zu wie er Papiere durch ging, Unterschriften setzte, Listen vervollständigte oder in… [Weiterlesen]