Artikel aus der Kategorie „Charaktergeschichten“ 912

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  • Viehmarkt IV

    Das Frühstück war im Hause Vanhoven die wichtigste Mahlzeit des Tages. Die Tafel war stets reich gedeckt, man besann sich auf den eigenen Wohlstand und ehrte Melandru im Gebet - eine langweilige Pflichtveranstaltung für Olivia. Aber Don bestand drauf und er hatte das Sagen.

    Er und Celeste ergingen sich auch heute wieder in wissenschaftlichen Kauderwelsch und Olivia wartete auf die Post. Sie wollte den neusten Klatsch der hohen Gesellschaft lesen. Der Bote brachte ihr aber nicht nur die neue Schirm&Stock sondern auch einen Brief.

    Während man sie also kollektiv ignorierte, dankte sie dem Boten, öffnete das Kuvert und las die Zeilen. Ein kleines Lächeln zierte ihre Lippen. Der Brief war von Gregoij Cornwall. Sie freute sich über seine Briefe. Sie hatte angefangen ihm zu schreiben nachdem sie Don das Herz ihres Vaters in den Brustkorb gesetzt hatte und nicht wusste, ob er es schaffen würde. Seine Zeilen hatten ihr absurderweise durch diese schwere Zeit geholfen.

    Sicher,
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  • Celeste blühte und war eines von Dons schönsten Blumen geworden. Die Schwangerschaft stand ihr gut zu Gesicht. Das bemerkte nicht nur ein Don Vanhoven.

    ...

    Olivia lag bäuchlings auf Celestes Bett und betrachtete den Rücken der angeheirateten Vanhoven eingängig.

    "Ist er jetzt wirklich Tod?"

    "Ja, Olivia. Ich sollte darüber traurig sein, aber ich freue mich wie ein Schelm. Bin ich bösartig oder grausam? Ich meine, selbst Hazel findet mich grausam." Ihr Lachen folgte freudlos und die Finger umschlossen das Stick-Kit in ihren Händen, wodurch der Stoff sich etwas raffte. Man konnte eine Biene und Waben erahnen auf der weißen Baumwolle. Vermutlich würde es ein Lätzchen werden.

    Ein Rascheln verriet der dunkelhaarigen das sich Olivia erhoben hatte und sich näherte.
    Ihre Finger strichen alsbald schon sanft die Seite an der Hüfte hinunter und dann leicht nach vorn wo sich nur ganz minimal ein Bauchansatz bildete.

    Celeste schauderte unter der Berührung und Olivia konnte an der freien
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  • Neue Exponate für das Naturkundemuseum

    Rückblick

    Winter:

    Eichenbruch war eine überwucherte Festung in Gendarran; nah der Wälder, die von Zentauren beherrscht wurden. Die alternde Brieftaube hatte wahrlich einen beschwerlichen Flug hinter sich, als sie schließlich auf dem steinernen Balkon des Barons landete. Der Mann trug ein grünes Ornat und das lange blonde Haar fiel wie Feenseide über seinen Rücken. Er hätte androgyn gewirkt, wären seine Augenbrauen nicht dunkel und markant und über dem linken eine feine Narbe aus vergangener Zeit. Er gab dem erschöpften Tier zunächst Wasser und getrockneten Mais. Erst nachdem es sich etwas gestärkt hatte nahm er der Ministeriumstaube ihre Botschaft ab und studierte sie mit Sorgfalt. Dem Tier stand es frei ihm in die Schreibkammer zu folgen. Don hinderte es nicht; auf Eichenbruch lebten Architektur und Natur in Symbiose, die Innenräume von Pflanzwuchs erobert. Don setzte sich an seinen Sekretär, tauchte den Federkiel in grüne
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  • Licht und Schatten


    Don Vanhoven blickte über seine Gärten. Er fühlte sich erstarkt und übermächtig. In den letzten Monaten war viel passiert, der kränkliche Junge von einst herrschte nun über Eichenbruch. In seinem Brustkorb schlug das starke gesunde Herz seines Vaters und er erwartete einen Erben. Er hatte sich nie zuvor so sehr im Einklang mit seiner Bestimmung gefühlt. Er war das Leben und das Licht. Er war die Heilung.

    "Du bist ein miserabler Ehemann," hörte er seine Schwester hinter sich sprechen. Sie war lautlos hinein gekommen und er mühte sich nicht einmal sie anzusehen, sein Blick lag auf seinem Reich.

    "Ich bin ein guter Herrscher."

    "Du behandelst sie wie eine Gefangene."

    "Ihr darf nichts geschehen."

    "Was soll ihr denn geschehen? Eichenbruch ist eine Festung. Milan ist tot."

    "Ist er das?" Don klang nicht überzeugt.

    "Du hast ihn eigenhändig vergiftet," erinnerte Oliva ihn.

    "Und seit dem nichts von ihm gehört."

    "Das ist doch gut."

    "Es ist kein Beweis." Don drehte
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  • „Hab ich etwas schlechtes gemacht?“ will Matt von ihr wissen. Gemeinsam stehen sie in der kleinen Scheune mitten auf dem Feld. Für einen Teil ihres Lohnes darf sie in dieser leben. "Nein. Nein. Nicht. Entschuldigung. Das habt Ihr nicht. Ihr habt mich nur gerade an jemanden erinnert." gesteht sie.


    Noch am gleichen Tag, in der Abenddämmerung klopft es wieder an der Tür zur unscheinbaren Scheune. Mahra erinnerte sich, dass Matt sich um das Loch im Dach kümmern wollte. "Ich komme schon!" ruft sie unnötigerweise, die Hand längst an der Türklinke. Beschwingt öffnet sie die Tür und blickt auf die Brust eines großen Mannes. "Hey... Mahra." Die Stimme schickt sie direkt in die Vergangenheit. Damiens Blick ist unbefangen, er lächelt nicht, wirkt aber auch nicht eisig. Sie hatte die Erinnerung wieder zum Leben erweckt. Ihre Begrüßung bleibt ihr im Halse stecken und erst nach einigen Augenblicken will sie seinen Namen aussprechen:

    „Damien, was machst du hier?“


    Sie hatten sich so viel zu
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  • Verluste



    „Scheiße...“ Fiora faucht das Wort nahezu aus zusammen gepressten Zähnen heraus. Den Brief zerknüllt sie beinahe erneut in der sich schließenden Faust. Für einen Moment schließt sie ebenfalls ihre Augen und atmet tief die salzige Luft des Meeres ein. Stößt diese kurz darauf wieder scharf heraus. „Ich mochte die Arbeit dort...“



    Die Sonne steht bereits tief über dem glatten Horizont. Mit den letzten, kräftigen Strahlen taucht die Sonne den Himmel in ein tiefes Orange. Lediglich vereinzelt halten sich dickere Wolken am Himmel. Möwen kreischen in der Nähe, heben über das Wasser hinweg ab und setzen sich einige hundert Meter am Strand entlang auf ein altes Ruderboot. Der Wind weht beständig, doch vollkommen ruhig. Eine sanfte Meeresbrise, welche das Salz und den Geruch des nahen Meeres mit sich trägt.

    Fiora atmet die Luft tief ein, während sie auf einem alten Stamm sitzt, welcher schon vor einer Ewigkeit hier am Strand platziert wurde. Sie hatte die Stiefel abgestreift und
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  • Der Wald gefiel ihr nicht, befand Gavra am zweiten Tag ihrer Reise. Auch wegen Bluthetzer. Die Hyäne verhielt sich unruhig, schnüffelte viel und schlief wenig. Die brüchige Straße durch den Dschungel lag still vor ihnen, geradezu ausgestorben. Das mochte an den Überfällen liegen – doch Gavra selbst war überzeugt, dass es an den trägen, stinkenden Schwaden lag, die aus dem Sumpf aufstiegen. Nur die schlimmsten Skalbrutgruben konnten mit dem Duft konkurrieren. An diesem Ort vermisste Gavra die harten ascalonischen Winter.

    Die vereinzelten patrouillierenden Löwengardisten wirkten angespannt, obwohl sie von keinen weiteren Angriffen gehört hatten. Abgesehen von Trollen. Stinkenden, fressenden Dschungeltrollen.

    Gavra wusste nicht, was sie suchte. Das war nicht ungewöhnlich, aber es machte ihre Arbeit nicht einfacher. In dem provisorischen Außenposten voller Moskitos, Schlamm und fauligem Holz hatte ihr niemand weiterhelfen können. Es gab keine Anwohner. Niemand… [Weiterlesen]