Artikel aus der Kategorie „Charaktergeschichten (alt)“ 1.461

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  • Langsam und in Erinnerungen versunken verlies die Rabin wieder die große Halle, um von der obersten steinernen Treppenstufe den Blick über das verschneite und zum Teil vereiste Nordheim schweifen zu lassen. Von dort konnte man nahezu über das gesamte Dorf blicken. Es war eine Festhalle, die gleichzeitig einem Wachturm gleich kam um alles im Auge behalten zu können. Aber niemand war in diesem Dorf auf Streit aus. Fraja wob ihre Gedanken erneut in Erinnerungen, dachte an den letzten Streit der zwischen um einem anderen Jungen des Dorfes entfachte. Sie stritten darum, welcher ihrer Pfeile eines Holztiers am nächsten war. Björn, so war der Name des Jungen, war sich ziemlich sicher, dass er den Holzeber am ehesten getötet habe, galt er als Sohn eines talentierten Jägers doch als Favorit. Fraja hingegeben war sich ziemlich sicher, dass ihr Pfeil es war, der das Tier zur Strecke gebracht hätte. Jung und Wild wie beide waren, gerieten sie einander und teilten gegenseitig Schläge… [Weiterlesen]


  • Nur einmal im Jahr ist das Anwesen so belebt wie in diesen drei Wochen. Die Zeit der Vorbereitung, die Tage der Geselligkeit und Stunden der gemeinsamen Winterabende. Schon immer nahm meine Familie dieses Fest als Anlass, die gesamte Verwandtschaft und enge Freunde einzuladen. Selbst mein griesgrämiger Großvater Merlin, der Schandfleck im Stammbaum der Familie, ist zu diesen Festtagen willkommen.
    Ich bin noch immer unschlüssig darüber, ob ich an diesem regen Treiben, den vielen Menschen und den Veränderungen der häuslichen Einrichtung Gefallen finde. Zum Einen stört mich dieser Lärm, zum anderen bin ich nicht in der Lage, mich einfach in der Vorfreude und Feierlichkeit treiben zu lassen, so wie meine jüngeren Geschwister. Aber es gefällt mir, wie der Einzelne - ich um genau zu sein - in der allgemeinen Aufregung untergeht. Kaum einer richtet sein Blick auf mich, diesen Jungen, der sich so sehr bemüht nicht gesehen, nicht gehört zu werden.

    Kein Wunder also, dass sie mich nicht… [Weiterlesen]
  • So fest zog er mir an den Haaren, dass meine Augen aus ihren Höhlen hervorquellten. Jedoch wurde ich davon erlöst, als ich mit einer unglaublichen Wucht die langen, kalten, steinernden Treppen zum Keller runtergeschubst wurde, und mein Kopf gefühlt auf jeder einzelnen Stufe so hart aufschlug, dass mein Schädel hätte zertrümmern müssen.
    Markerschütternd laut knallte die eiserne, schwere Tür zu, als ich unten aufkam, und sperrte somit das restliche, spärliche Licht aus. In dieser kompletten Dunkelheit, zerrte ich mich auf allen Vieren über den eiskalten, rauen Boden in eine Ecke, nur um dort mein Bewusstsein zu verlieren. Stunden, vielleicht einen Tag? Dort unten konnte ein Tag eine halbe Stunde sein, und eine halbe Stunde ein Tag. Als ich meine Augen wieder öffnete, wieder zu mir zurückkehrte, und mein Körper unter schrecklichen Schmerzen stand, befand ich mich noch immer im Keller, der so eisig war, dass sich eine schon schmerzhafte Gänsehaut am ganzen Körper gebildet hatte.… [Weiterlesen]
  • "HierTiteleinfügendenichnochnichthabeweilichdashiergeradegeschriebenhabeweilmirlangweiligwar"





    Mit einem lautem Knall stieß eine Windböe dieses nicht enden wollenden Gewitters die Bürotür hinter mir zu -das morsche Holz und die mitgenommenen Angeln ächzten nicht gerade vertrauenserweckend-, kaum hatte ich mich nach draußen begeben.
    Die nächtliche Herbskälte schlug mir unbarmherzig entgegen, ein kurzer Griff an den Kragenmantel und das Leder sollte wenigstens den Wind von meinem Nacken fernhalten.
    Wieder einmal hatte mich der Fall tief bis in die Nacht hinein beschäftigt und so durfte ich meinen Heimweg durch die Dunkelheit antreten...nicht das mir diese unangenehm wäre, ganz im Gegenteil.

    Sobald die Dunkelheit Löwenstein verschluckt, reißt sie den ganzen Dreck dieser Stadt mit sich.
    Raub. Gewalt. Mord. Sünde. Verlorene Liebe.
    Gestern habe ich von einem Kollegen gehört das eine Gruppe Piraten einen kleinen Pimpf aufknüpfte und an ihrem Schiff zur Schau stellt weil er bei ihnen… [Weiterlesen]
  • Er ging schweren Schrittes aus dem Raum und begann die steinernen Kellerstufen hinaufzusteigen. Er schritt leise voran, wie man es in der Nacht unwillkürlich tat. Es war nicht Nacht, die Sonne stand noch immer am Firmament und wärmte die Welt mit ihrem hellen Schein. Devins Welt erreichte die Wärme heute nicht. Wie lange er unten war, konnte er nicht mit Gewissheit sagen. Die anderen Männer ließ er zurück, selbst Erlaucht hatte man den Rücken gekehrt. Sein Blick folgte der Beschaffenheit des Bodens, jede Emotion in dem jungen Männergesicht abwesend, glich er einem fahlen Abbild seiner selbst. Die rechte Wange zeigte ein rosiges Mal, welches von einer beherzten Ohrfeige stammte. In seine eigene Gedankenwelt versunken, wanderte er durch das Anwesen der Varathor. Er blieb unbehelligt, denn man sah ihm an, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Seit einigen Tagen konnte Devin nichts mehr verbergen. Seine Seele wurde verwundet und nichts wollte sie heilen lassen. Immer mehr… [Weiterlesen]
  • Ein fernes Donnergrollen, untermalt von klackernden Hufeisen auf der gepflasterten Straße holte den Schlafenden aus seinem unruhigen Traum. Die rechte Hand glitt vom Bauch hinab, stricht über das feine Laken aus gebleichter Baumwolle und fand doch nur Leere. Es stellte für ihn keinen ungewöhnlichen Umstand dar, so verwunderte es den Verstand nicht, was das Unterbewusstsein nicht wahrhaben wollte. Nur langsam, noch immer schlaftrunken richtete sich Devin auf, schob die Beine über den Rand des Bettes und stellte die nackten Füße auf. Als er sich erhob, den Raum bis hin zum Fenster durchschritt, rutschte der nächtlich getragene Stoff des weißen Hemdes von selbst zu recht. Nur das Mondlicht erhellte den Raum, wurde von heller Haut und noch hellerer Kleidung reflektiert. Wieder erklang das Donnergrollen, dieses Mal wesentlich lauter. Die blassblauen Augen des Butlers erfassten bereits die Droschke, welche über die von Laternen beschienene Gasse polterte und erst vor dem Anwesen… [Weiterlesen]
  • Der junge Mann lag im opiumschweren Dämmerzustand, ein Bein angewinkelt, als sei er ‚Der Gehängte’ unter den Wahrsagerkarten und lediglich mit einer sommerlichen Decke verhüllt auf dem luxuriösen Bett eines Zimmer im Haupthaus der Varathor’s. Im Grunde gehörte er in das Dienstbotenhaus, welches hinter dem Anwesen lag, doch über Devin wurde anders entschieden. Er durfte hier sein. Man hatte ihm etwas eingeflößt, in den Zustand zwischen Traum und Realität verfrachtet. Die schlanken Glieder fühlten sich butterweich an, wollten nicht von ihm beherrscht werden. So hielt man ihn außer Stande sich zu wehren. Als die Matratze von einem Knie des hohen Herrn belastet wurde und man ihm einen groben Griff an die Kehle legte, erschrak er, allerdings durchlief kein Zucken die betäubte Gestalt. „Verratet mich nicht!“, verlangte sein Peiniger, bevor dieser sich erhob und das Zimmer durchschritt. Es war ein eindringlicher, mahnender Befehl, dem er sich nicht entziehen konnte.… [Weiterlesen]
  • Devin stand am offenen Fenster seines Zimmers, auf seiner Faust saß ein Vogel. Das Tier trug ein schwarz-grause Federkleid und blickte ihn aus hellblauen, intelligenten Augen an. Eine Dohle. Zart stricht nur ein einziger Finger über den kleinen Kopf seines Schützlings. Der Vogel kam freiwillig und holte sich die Zuneigung seines Herrn ab. Der Butler musste sich nicht fragen, was es sein konnte, das ihn zu einer solchen Position erhob. Es schlich sich der merkwürdigste Gedanken ein, den er jemals erdacht hatte. Die Antwort, welche er auf sein Leben implizieren konnte. Freiheit. Der Vogel kannte seinen Herrn. Diesem stets treu ergeben, kehrte er immer wieder aus freien Stücken auf die Faust des Mannes zurück, der ihn mit viel Liebe aufgezogen hatte. Bedingungslos gestaltete sich diese Bande, denn weder Devin, noch der kleine Gefährte stellten Ansprüche, die unerfüllbar waren. Es folgte eine schwungvolle Bewegung aus dem Handgelenk, daher entfaltete die Dohle ihre Flügel und… [Weiterlesen]
  • Das laute, zittrige Wimmern der jungen Frau erfüllte den schummrig beleuchteten Raum, und trieb Mael eine mitleidig-besorgte Miene auf die, sonst so harten und strengen, Züge.
    Sanft ergriff er die Hand seiner Frau.
    "Ruhig, Maria, du hast es bald geschafft. Schön weiter atmen!"
    Verkrampft schlossen die zittrigen Finger Marias sich um die Hand ihres Gatten, umklammerten sie fest, als würde dieser kleine Berührungspunkt sie einzig und allein bei Verstand halten.
    "Du machst das gut, Maria, nur noch ein klein bisschen! Atmen!" - Diese Stimme gehörte Nelah, der Nachbarin und langjährigen Freundin der Familie Duron.
    Da das Geld für eine Hebamme oder gar einen Arzt nicht ausreichte, hatte sie sich sofort bereit erklärt zu helfen als es hieß, dass die ersten Wehen einsetzen, und trotz ihrer Unerfahrenheit, schließlich war sie eine einfache Schneiderin, keine ausgebildete Schwester, tat sie ihr Bestes um dem Paar bei der Entbindung ihres zweiten Kindes zu helfen. "Immer weiter atmen!".
    "Bei den… [Weiterlesen]
  • "Kristian.", klagte die Gräfin von Fennmont indem sie nur den Vornamen ihres Sohnes in Bitterkeit tauchte und beendete ihre offensichtliche Entrüstung mit einem wehleidigen Seufzer. "Mir liegt dein Wohlergehen wirklich sehr am Herzen, mein Sohn. Bitte versteh das.", appellierte sie nochmals an seine Vernunft, doch der junge Grafensohn begegnete ihren Worten mit ausdrucksloser Miene, noch immer auf der Bettkante ihres frisch bezogenen Himmelbettes sitzend.
    Es klopfte. Doch erst bei der zweiten akustischen Ankündigung erhob die Gräfin ihr Stimmchen, dass man es auch bis durch das Holz der dunklen massiven Zimmertür vernehmen konnte. "Herein."
    Die Zofe des Hauses trat ein, knickste und wartete auf die Anweisungen der Hausherrin. "Wieso hat das so lange gedauert? Der Ball fängt bereits in drei Stunden an." schimpfte die Gräfin und nahm nun schleunigst vor ihrem Frisiertisch Platz. Die Hände bettete sie auf ihrem Schoß, doch der Blick durch den Spiegel durchlöcherte noch immer ihren
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