Artikel aus der Kategorie „Charaktergeschichten (alt)“ 1.465

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    Festtage mit der Familie waren immer lustig.
    Im Hause Theinfeldzelebrierte man mit Leib und Seele einen Wohlstand, dem man nicht angehörte. Man putzte sich heraus und zeigte, wie gut es einem ging. Dann lud man alle guten und schlechten Freunde ein um ihnen genau das unter die Nase zu reiben. Clara konnte sich nicht erinnern, wann ihre Eltern sie das letzte Mal so stolz präsentiert hatten. Haben sie das je? In ihrer Heimat hatte sie einen guten Ruf. Sie war eine bescheidene Berühmtheit und ihre Kunst sehr beliebt. Clara schüttelte Hände, lächelte und signierte Kupferstiche, die ihre Eltern im Kontor verhökerten. Ihre Mutter lachte stets und herzte sie wie ein lang vermisstes Stofftier. Clara konnte nicht sagen, dass sie ein schlechtes Verhältnis zu ihr hatte. Das stimmte nicht. Ihre Mutter war immer streng aber liebevoll gewesen, aber auch sie hatte ihre Tochter irgendwann resigniert aufgegeben als klar wurde, dass Clara ihnen keine adlige -oder irgendeine- Partie an Land… [Weiterlesen]
  • Wann hatte der Wanderer das letzte mal seine Augen geschlossen?
    Er weiß es nicht mehr. Manchmal fallen ihm die Augen zu, wenn die körperliche Erschöpfung endlich seine innere Unruhe und Rastlosigkeit besiegt. Aber wann hatte er das letzte Mal bewusst seine Augenlider sinken lassen und sich aus freien Stücken der Finsternis gestellt?
    Er weiß es nicht mehr. In seiner Jugend, gewiss, aber wie weit liegt das schon zurück? Die Wahrnehmung von Zeit ist ihm sowieso längst entglitten.

    Nun sitzt er hier, auf der uralten Holzbank meilenweit entfernt von menschlichem Leben, und erfährt das, was er schon fast wieder vergessen hat.

    Dabei erinnert er sich unweigerlich an ein lang vergangenes Gespräch mit seinem Großvater Merlin. Sie hatten sich über Sinneswahrnehmungen unterhalten. Er hatte ihm erklärt, dass das Sehen der wichtigste Sinn des Menschen sei. Das Auge sei unser schärfstes Sinnesorgan, darauf verließen wir uns am meisten. Damals hatte er seinem Großvater widersprochen. Ihm sei… [Weiterlesen]
  • Die Schreie der verletzten Soldaten hallte durch das Morgengrauen und die Himmelsblauen Augen des Mannes schauten sich einmal im Lager um, obwohl diese Worte schon zu viel für das Provisorium war was sie hier eingerichtet hatten. Die Palisaden waren zugespitzte Holzstämme die so Lückenhaft aufgestellt waren das der Wind hindurch blies. Einige umgewälzte Karren, große Kisten und eine Ehemalige Brücken dienten hier noch als Ausguck. Das was einige als Lager bezeichneten war für die meisten hier eigentlich nur ein Drecksloch was selbst für Obdachlose zu wenig war. Die paar offenen Zelte die es hier gab waren für die Verwundeten die sogar noch einige Liegen hatten auf denen sie es sich gemütlich machen durften. Fast schon ein Luxus hier draußen.

    Die meisten Soldaten schliefen auf, oder in Fellen die sie zuvor von Tieren erjagt hatten. Einige Spinner hatten sogar einige Bären erlegt und gerbten gerade ihre Fälle um sie später nutzen zu können. Er schaute sich die Szenerie ganz genau… [Weiterlesen]
  • Langsam und in Erinnerungen versunken verlies die Rabin wieder die große Halle, um von der obersten steinernen Treppenstufe den Blick über das verschneite und zum Teil vereiste Nordheim schweifen zu lassen. Von dort konnte man nahezu über das gesamte Dorf blicken. Es war eine Festhalle, die gleichzeitig einem Wachturm gleich kam um alles im Auge behalten zu können. Aber niemand war in diesem Dorf auf Streit aus. Fraja wob ihre Gedanken erneut in Erinnerungen, dachte an den letzten Streit der zwischen um einem anderen Jungen des Dorfes entfachte. Sie stritten darum, welcher ihrer Pfeile eines Holztiers am nächsten war. Björn, so war der Name des Jungen, war sich ziemlich sicher, dass er den Holzeber am ehesten getötet habe, galt er als Sohn eines talentierten Jägers doch als Favorit. Fraja hingegeben war sich ziemlich sicher, dass ihr Pfeil es war, der das Tier zur Strecke gebracht hätte. Jung und Wild wie beide waren, gerieten sie einander und teilten gegenseitig Schläge… [Weiterlesen]


  • Nur einmal im Jahr ist das Anwesen so belebt wie in diesen drei Wochen. Die Zeit der Vorbereitung, die Tage der Geselligkeit und die gemeinsamen Stunden des Weihnachtsabends. Schon immer nahm meine Familie dieses Fest als Anlass, unsere gesamte Verwandtschaft und enge Freunde einzuladen. Selbst mein griesgrämiger Großvater Merlin, der Schandfleck im Stammbaum der Familie, ist für die Dauer dieser Festtage willkommen.
    Ich bin noch immer unschlüssig darüber, ob ich an diesem regen Treiben, den vielen Menschen und den Veränderungen der häuslichen Einrichtung Gefallen finde. Zum Einen stört mich dieser Lärm und das Ungewohnte, zum Anderen bin ich nicht in der Lage, mich einfach in der Vorfreude und Feierlichkeit treiben zu lassen, so wie meine jüngeren Geschwister. Aber es gefällt mir, wie der Einzelne - ich um genau zu sein - in der allgemeinen Aufregung untergeht. Kaum einer richtet sein Blick auf mich, diesen Jungen, der sich so sehr bemüht nicht gesehen, nicht gehört zu werden.

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  • So fest zog er mir an den Haaren, dass meine Augen aus ihren Höhlen hervorquellten. Jedoch wurde ich davon erlöst, als ich mit einer unglaublichen Wucht die langen, kalten, steinernden Treppen zum Keller runtergeschubst wurde, und mein Kopf gefühlt auf jeder einzelnen Stufe so hart aufschlug, dass mein Schädel hätte zertrümmern müssen.
    Markerschütternd laut knallte die eiserne, schwere Tür zu, als ich unten aufkam, und sperrte somit das restliche, spärliche Licht aus. In dieser kompletten Dunkelheit, zerrte ich mich auf allen Vieren über den eiskalten, rauen Boden in eine Ecke, nur um dort mein Bewusstsein zu verlieren. Stunden, vielleicht einen Tag? Dort unten konnte ein Tag eine halbe Stunde sein, und eine halbe Stunde ein Tag. Als ich meine Augen wieder öffnete, wieder zu mir zurückkehrte, und mein Körper unter schrecklichen Schmerzen stand, befand ich mich noch immer im Keller, der so eisig war, dass sich eine schon schmerzhafte Gänsehaut am ganzen Körper gebildet hatte.… [Weiterlesen]
  • "HierTiteleinfügendenichnochnichthabeweilichdashiergeradegeschriebenhabeweilmirlangweiligwar"





    Mit einem lautem Knall stieß eine Windböe dieses nicht enden wollenden Gewitters die Bürotür hinter mir zu -das morsche Holz und die mitgenommenen Angeln ächzten nicht gerade vertrauenserweckend-, kaum hatte ich mich nach draußen begeben.
    Die nächtliche Herbskälte schlug mir unbarmherzig entgegen, ein kurzer Griff an den Kragenmantel und das Leder sollte wenigstens den Wind von meinem Nacken fernhalten.
    Wieder einmal hatte mich der Fall tief bis in die Nacht hinein beschäftigt und so durfte ich meinen Heimweg durch die Dunkelheit antreten...nicht das mir diese unangenehm wäre, ganz im Gegenteil.

    Sobald die Dunkelheit Löwenstein verschluckt, reißt sie den ganzen Dreck dieser Stadt mit sich.
    Raub. Gewalt. Mord. Sünde. Verlorene Liebe.
    Gestern habe ich von einem Kollegen gehört das eine Gruppe Piraten einen kleinen Pimpf aufknüpfte und an ihrem Schiff zur Schau stellt weil er bei ihnen… [Weiterlesen]
  • Er ging schweren Schrittes aus dem Raum und begann die steinernen Kellerstufen hinaufzusteigen. Er schritt leise voran, wie man es in der Nacht unwillkürlich tat. Es war nicht Nacht, die Sonne stand noch immer am Firmament und wärmte die Welt mit ihrem hellen Schein. Devins Welt erreichte die Wärme heute nicht. Wie lange er unten war, konnte er nicht mit Gewissheit sagen. Die anderen Männer ließ er zurück, selbst Erlaucht hatte man den Rücken gekehrt. Sein Blick folgte der Beschaffenheit des Bodens, jede Emotion in dem jungen Männergesicht abwesend, glich er einem fahlen Abbild seiner selbst. Die rechte Wange zeigte ein rosiges Mal, welches von einer beherzten Ohrfeige stammte. In seine eigene Gedankenwelt versunken, wanderte er durch das Anwesen der Varathor. Er blieb unbehelligt, denn man sah ihm an, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Seit einigen Tagen konnte Devin nichts mehr verbergen. Seine Seele wurde verwundet und nichts wollte sie heilen lassen. Immer mehr… [Weiterlesen]
  • Ein fernes Donnergrollen, untermalt von klackernden Hufeisen auf der gepflasterten Straße holte den Schlafenden aus seinem unruhigen Traum. Die rechte Hand glitt vom Bauch hinab, stricht über das feine Laken aus gebleichter Baumwolle und fand doch nur Leere. Es stellte für ihn keinen ungewöhnlichen Umstand dar, so verwunderte es den Verstand nicht, was das Unterbewusstsein nicht wahrhaben wollte. Nur langsam, noch immer schlaftrunken richtete sich Devin auf, schob die Beine über den Rand des Bettes und stellte die nackten Füße auf. Als er sich erhob, den Raum bis hin zum Fenster durchschritt, rutschte der nächtlich getragene Stoff des weißen Hemdes von selbst zu recht. Nur das Mondlicht erhellte den Raum, wurde von heller Haut und noch hellerer Kleidung reflektiert. Wieder erklang das Donnergrollen, dieses Mal wesentlich lauter. Die blassblauen Augen des Butlers erfassten bereits die Droschke, welche über die von Laternen beschienene Gasse polterte und erst vor dem Anwesen… [Weiterlesen]