Thinking About Her

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  • Es gibt diesen Typ Frau, der einem Kerl die garstigsten Dinge antun kann. Du könntest sie dafür mit ganzem Herzen hassen, aber ein Blick von ihr reicht und du verfällst ihr von Neuem.“

    Er mochte den Sommer in Löwenstein nicht. Nicht, dass er nicht genügend Arbeit hätte, er mochte einfach die Hitze nicht. Die Stunden des ewigen Wartens im kleinen, stickigem Büro. Die Stunden des Nichts-tuns. Nero Murphy hasste diese Stunden am meisten. Dann kam er ins grübeln, dachte über die unterschiedlichsten Dinge nach, manchmal Belangloses, aber letztens Endes landeten seine Gedanken bei Ihr. Immer bei Ihr. So als wäre Sie ein verdammter Fluch. Er hatte die eine oder andere Frau in seinem Leben gehabt, aber niemand hatte so einen Eindruck hinterlassen wie Sie. Dafür hasste er Sie. Hasste Sie dafür, dass Sie sich einfach diesen Platz gönnte. Es war aber genau Ihre Art. Wenn Sie etwas wollte, nahm Sie es sich einfach. So war Sie halt. So hatte die Straße Sie geformt. Er konnte Ihr letzten Endes nicht böse sein. Man tut nur das, was man gelernt hat. Vermutlich würde Sie sich geehrt fühlen, wenn er es Ihr je sagen würde.

    Es käme auch einer Kränkung gleich, schlummerte eine andere Frau in seinen Gedanken als Sie. Sie war immer die Schönste, die Begehrenswerteste. Alles andere verblasste in Ihrem Glanz. Dafür hasste er Sie. Er hatte sich von Götterfels ferngehalten. In Löwenstein war er sicher. Das war sein Revier. Sein Königreich. Hier hatte Sie keine Macht. Zumindest redete er sich das ein. Vielleicht war die Wahrheit einfach, dass er vor dieser Konfrontation Angst hatte. Vielleicht war der Preis ständig an Sie zu denken besser, als Ihr wieder gegenüber zustehen. Diesen türkisen Augen, die so unschuldig blicken konnten...obwohl darin schon lange keine Unschuld mehr war. Dafür hasste er Sie. Er würde vermutlich den Ring an Ihrem Finger sehen und verfluchen, dass Sie nicht seine war. Dafür würde er Sie hassen. Reich war Sie geworden...mächtig. Warum da an einen kleinen Detektiven denken? Dafür würde er Sie auch hassen und er tat es. Aber seine größte Angst war vermutlich, dass sein Hass in der Luft verdampfen würde, wenn er Sie sah. Und das Spielchen von vorne begann. Er gefangen in Ihrem Spinnennetz. Nur einer von vielen. Nur eine Ablenkung von vielen. Nur ein Spielzeug von vielen. Etwas, was man wegwarf, wenn es keinen Spaß mehr machte. Mit einem zornigen Schrei donnerte er das Whiskeyglas gegen die nächstbeste Wand. Splitternd zerbrach es in tausend Teile. So war es immer. Schleichende Gedanken an Sie, gefolgt von Gefühlen der Sehnsucht, die sich in Hass umwandelten und jäh in einem explosiven Zornesausbruch seinerseits endeten. Verdammtes Mädchen. Verdammte Stadt. Verdammt...einfach alles. Er schaute auf das Schachbrett, das er auf seinem Tisch aufgestellt hatte. Scheiße...er hatte sich selber ins Aus manövriert. Ein Schachduell gegen sich selbst und er schaffte es sich selbst zu besiegen. Eine Leistung, die nur er vollbringen konnte. Er seufzte, dann stand er vom Stuhl auf und ging zum Spiegel rüber. Ihm blickte ein alter Mann entgegen. Obwohl er nicht mal so alt war. Gerade mal Anfang Dreißig. Ein Mann in seiner Blüte. Die Jahre auf den Straßen hatten aber ihren Tribut gefordert. Hatten ihn geschunden, verbraucht. Er fragte sich, ob all diese Jahre es wert waren. Warum er das alles tat? Warum nicht einfach sich zu Ruhe setzen, ein schönes Mädchen heiraten, nein, nicht so eine wie Sie, einfach ein nettes, schönes Mädchen und eine Familie gründen? Sich einfach von diesem Scheiß abwenden und alles vergessen. Er wusste es besser. Er brauchte das einfach. Es war seine Droge, sein Lebenselixier. Er brauchte am meisten...Sie. Er nahm den Trenchcoat vom Kleiderständer und zog ihn sich über, nahm noch die doppelläufige Pistole mit, die auf einer Kommode lag, und steckte sie in sein Schulterholster.

    „Ich gehe eine alte Freundin besuchen. Vielleicht komme ich deswegen etwas später als sonst.“, sagte er in den Raum hinein. Natürlich antwortete ihm niemand. Warum auch? Stille war das Einzige, was er zurück bekam. Er öffnete die Tür und ging aus dem Büro, ehe er sie hinter sich abriegelte. Er tat etwas Dummes, indem er Sie aufsuchen ging. Das tat er öfter. Dumme Sachen machen. Aber so war er einmal.
    „Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, außer vielleicht die eines Tigers im Dschungel.“

Kommentare 12

  • Ovy -

    Über ihm schwebt immer so eine kleine Regenwolke mit einem Jazz-Engelchen drauf, oder?

    • Vatar -

      Vermutlich. Und das LA-Noir-Maintheme spielt ständig im Hintergrund. (Roy ist dabei als Sidekick)

  • Mia -

    Wie ich schon ingame bemerkte - eine schöne Geschichte. Eine der ersten die ich seit langer Zeit mal wieder gelesen habe und eine die mir wieder Lust macht den Rest von allen anderen zu lesen. Denn vielleicht sind noch mehr solcher schöner Schmankerl mit dabei.

    • Vatar -

      Auch ich bedanke mich nochmals hier bei dir, werte Madame! Wenn sich die Gelegenheit bietet, gibt es mehr Geschichten von mir ob jetzt Nero oder einem anderem Char von mir.

  • Alisar -

    Und ich sag immernoch, er zieht los um sie abzuknallen.

    Vatar, ich danke dir sehr für diese Geschichte. Deine Liebe für meine Kleine bewegt mich immer wieder, auch wenn Nero mir ooc ehrlich gesagt ziemlich leid tut. Er sollte das tun, weißt du? Mit einem hübschen Mädel durchbrennen und einfach irgendwas andres tun. irgendwo. Weit weg. Sollte er wirklich.

    • Vatar -

      Ah, weißt du, Lynn. Mir tut ooc Nero auch leid, aber der mag halt seine Lynn auf "besondere" Art und Weise!

    • Alisar -

      Ja, eigentlich ist er ein wahnsinniger, besessener Psycho!

    • Vatar -

      Nein D:

  • Travon -

    Das Mädchen mit den schwarzen Haaren und den türkisen Augen - Lynn Iorga?
    Schöner Text, sehr stimmig. Tatsächlich etwas Noir, aber die gute Art, die einen nicht allein runter-, sondern mitzieht. Die Emotionen sind sehr greifbar, man steigt als Leser mit ein ins Gedankenkarussell und erwischt sich dabei, die Geschichte weiterzuspinnen und sich neue Fragen zu stellen; andere Fragen als der Charakter.
    Hat mir gut gefallen.

    • Vatar -

      Sie, Monsieur sollten ein Detektiv sein. Aber vielleicht ist es auch Blanche...die Nero nicht kennt. Und wo er erstmal an Ghabby "Da Bear" Reaves vorbei müsste. ABER SIE HAT AUCH SCHWARZE HAARE, think about that! (Und Ghab wird in einem brisanten Monologduell of the ages besiegt!)

      Ok, Spaß beiseite. Danke für die netten Worte und den Lob, Travon. Mir hat die Story schon länger in den Fingern gejuckt und sah es gute Motivation warum Nero wieder (und ich) back in Action ist. Mit der gewissen Dame verbindet ihn doch die eine oder andere Geschichte, die noch nicht vollendet wurde. Und weil er sie hasst, weil sie doof ist. *nick*

    • Travon -

      Blanche (der Charakter, nicht die Spielerin) hätte nach den ersten Zeilen die Augen verdreht und Nero als einen weiteren unfähigen Jammerlappen abgestempelt, der irgendeiner Frau hinterher weint, die er nicht von sich überzeugen konnte; höchst zufrieden mit dem Umstand als solchem, denn Frauen regieren die Welt und alle Männer sind nichts als überflüssige, wandelnde -zensiert-. Außer sie sind reich, dann ließe sich überflüssig durch nutzbringend ersetzen.

      Ich hoffe, es jucken noch mehr Kapitel in deinen Fingern.

    • Vatar -

      Damn. Klingt nach der Typ Frau, die Nero als weitere Ankedote dienen würde, warum Frauen für immer ein Mysterium für ihn bleiben werden. Und was sie als "Jammerlappen" abstempeln würde, zähle ich als Man with Feelings. Oder um Papa Marlowe, den Ur-Gestein des Noirs zu zitieren: "Wenn ich nicht so abgebrüht wäre, wäre ich nicht mehr am Leben. Wenn ich nicht manchmal zartfühlend wäre, verdiente ich's nicht, am Leben zu sein."

      Und ja, wenn mich die Muse packt, kommen noch mehr jammerlappennismus von Nero, wenn er auf Lyn..ich meine Das Mädchen, dass nicht genannt werden darf wieder über Weg gelaufen ist. Oder einer anderen Femme Fatale, die ihm das liebe Leben schwer macht.