Abrechnung

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  • ooc: Einfach mal so, für @GruselZwusel <3

    Drei Flaschen Wein standen auf dem Tisch der rustikal eingerichteten Küche, in der über Tag die Mahlzeiten für die Arbeiter der Fleischerei bereitet wurden. Drei Flaschen Wein, von denen er gerade eine, am Flaschenhals gepackt, neu justierte. Ein kleines Bisschen drehte er sie nach links, sodass nicht nur ihre Böden eine perfekte Linie bildeten, sondern auch ihre Etiketten im gleichen Winkel nach vorne zeigten. Drei Flaschen Wein, die er auf dem Markt erstanden hatte, während die Raben über ihm am Himmel gekreist waren.
    Von dem trockenen Roten hatte er gleich zwei gekauft. Sie bekam nur einen. Den Weißen mochte er nicht, denn er war nicht nach seinem Geschmack. Der Rosé überraschte. Am Ende hatte er davon eine ganze Kiste mitgenommen. Nun aber standen nur drei Flaschen vor ihm, die in ihrer Art und ihrer Beschaffenheit kaum bis gar nicht voneinander zu unterscheiden waren. Einzig durch die Beschriftung des jeweiligen Etiketts verrieten sie sich. Drei Flaschen, die er nun nacheinander in den mit dunkel violettem Stoff ausgepolsterten Weidenkorb legte. Sie gefielen ihm nicht, wie sie lagen, also positionierte er sie um. Er tat es mehrere Male, bevor er zufrieden war.

    Neun Tüten gefüllt mit Nüssen legte er zu dem Wein in den Korb. Gesalzen, gebacken, naturbelassen. Mandeln, Wal-und Haselnüsse, Cashewkerne, Para-und Pekannüsse, Pistazien, Macadamia-und Erdnüsse. Neun Tüten befüllt mit jeweils dreihundertdreiunddreißig Gramm Inhalt. Er hatte ihn selbst abgewogen. Es war wichtig, für ihn jedenfalls, denn an ihr würde es, so wie er glaubte, sowieso vorbei gehen. Sie war noch nicht bereit auf solche Feinheiten zu achten und der Gedanke alleine schon machte ihn lächelnd. Es fiel ihm wesentlich leichter sie um die Flaschen herum zu drapieren, die ihm selber solche Schwierigkeiten bereitet hatten.

    In eine kleine Schachtel, gebastelt aus bunter Pappe, legte er siebenundzwanzig duftende, mit weißer Glasur geschmückte Pjarniki. Siebenundzwanzig. Den achtundzwanzigsten verzehrte er selber. Schmunzelnd, denn er hatte weit besser geschmeckt, als anfänglich erwartet.

    Eine Flasche Bier fand ihren Platz zwischen den Leckereien. Ein helles Weizen. Es war ihm beinahe peinlich gewesen danach zu verlangen. Ich will aber ein helles Weizen haben und kein Dunkles! Banause. Er lachte. Eine Flasche Bier, ein Witz, der ihm gefiel.

    Zwei mal drei Packungen Zigaretten. Für jeden Lungenflügel eine, mal drei genommen, weil es Gesetzt war an diesem Abend. Zehn Kippen pro Packung, sechzig in der Summe. Es war ihre Marke, die er kannte und lange schon selber rauchte, wenn er alleine war. Sie musste das nicht wissen und er auch nicht. Es war wie es war und er hatte seine Freude daran.

    Den gebratenen Speck legte er für zwei hinein. Kross gebraten und in kleine, handliche Stücke zerteilt. Sie konnte ihn abends knabbern, wenn sie in seinem Hemd auf dem Sofa lag und sich an der neusten Art der Volksverdummung ergötzte. Drei Schweine hatten dafür ihr Leben gelassen. Aber er hatte genug. Den Rest fraßen nun die Krähen auf den Feldern. Entgegen jeder Regel musste es geschehen, einfach weil ihm danach war. Die Köpfe waren verschwunden.
    Neun Rauch-, Brat-und Mettwürste lagen, in Wachspapier geschlagen, dabei. Er steckte sie wahllos zwischen die Gaben, achtete nicht mehr auf Ordnung, sondern formte ein natürliches Chaos. Mit dem Fuß schob er den Welpen fort, der seinen Teil einzufordern gedachte und doch nichts bekam. Ironie, dass sein Bruder von dem Leid des anderen profitieren würde. Er war sich sicher.

    Nur mit großem Widerwillen stopfte er die Packung mit den gesalzenen Kartoffelscheiben hinter den Wein. Er litt an Herzschmerz, seit sie sich in seinem Haus befand. Die Weigerung sie ihr zuzuschreiben, obwohl sie in ihrem Magen landen würden, verfälschte das Werk. Es machte ihm nichts aus. Er würde es ihm in die Schuhe schieben, tat es schon und war zufrieden.

    Am Morgen des nächsten Tages stand der Präsentkorb vor einer Türe im Maskenwinkel. Daneben lag ein Sack mit Vogelfutter. Dreitausendeinhundertvierundsiebzig Gramm.

Kommentare 7

  • Ovy -

    Klingt nach dem perfekten Frühstück.

    Ist mit Volksverdummung Holofernsehen gemeint? Aus den Nebeln gestreamt?

  • Llarrian -

    "Den Weißen mochte er nicht, denn er war nicht nach seinem Geschmack. Der Rosé überraschte. Am Ende hatte er davon eine ganze Kiste mitgenommen." Kommt mir irgendwie bekannt vor, hatten wir das nicht erst neulich?

    Außerdem: So einen Korb will ich auch! Genau SO einen!

  • GruselZwusel -

    [img]https://www.speakgif.com/wp-content/uploads/2015/09/omg-katy-perry-animated-gif.gif[/img]

    Was für eine Überraschung für einen so anstrengenden Tag! ich freue mich riesig über diesen kleinen Einblick und musste so lachen zwischendrin, weil er sie so gut kennt und ich ihn so gut im Kopf habe dabei. <3

    Die Tags sind wirklich der Knaller und überhaupt...! Danke <3 <3 <3

  • Travon -

    Tehe.
    Und die Tags. Schön. :thumbup: