selbst die Ware

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  • Der kleine Holzblock wirkte selbst in ihren Fingern grobschlächtig.
    In bunten Lettern war der Name des Kindes aufgedruckt, wobei die letzten freien Felder mit einem gelben Stern und einem roten Herz bedruckt worden waren.
    Ein typisches, einfaches Kinderspielzeug, welches an jeder Ecke in Götterfels zu finden war. Doch Rosalie mochte ihren Bausatz.
    Sie verbrachte Stunden damit Türme zu bauen, sie umzuschmeißen und erneut Dinge zu erschaffen, welche in ihrem Kopf Sinn ergaben.
    Doch jetzt hielt nicht Rosalie den Klotz in der Hand. Bevala dreht den Block erneut in den Finger, während ihr Blick auf ihm ruhte.
    "Wenn ich den mitnehme, flennt das Ding dann die ganze Nacht und lässt dich nicht schlafen?"
    Belustigung lag auf der Stimme der Frau, welche am heutigen Morgen im Kontor aufgetaucht war.
    "Nein. Sie hat noch andere."
    "Dann brauch´ich ihn nicht."
    Der Klotz flog in die Ecke, was den großen dunklen Hund dazu veranlasste kurz den Kopf zu heben.
    Ausschnaubend erhob sich das Tier, drehte sich einmal auf der Stelle und legte sich erneut nieder.
    "Du warst nicht da. Wochen. Wo warst du? Und wo ist der hübsche Fuchs?"
    Die Belustigung im Klang seines weiblichen Ebenbildes war verschwunden und mischte sich mit Ärger und dem Hauch des genervt seins.
    "In Elona."
    Die Antwort über den Verbleib Lupins blieb er ihr schuldig.
    "Bruderherz, was bist du denn so mürrisch? Wir haben uns eeeeeewig nicht gesehen, dann bekomm ich nicht mal eine Umarmung,
    sondern nur einen schrägen Blick und jetzt siehst du mich auch an, als hätte ich das Ding bereits gefressen. Und wie in Elona?"

    Sie gurrte in seine Richtung und schenkte ihm einen Augenaufschlag, auf den selbst Jennah neidisch gewesen wäre. Ihre Stimmung war heute so
    unbeständig wie das Meer selbst. Passend.
    "Das Ding heißt Rosalie und ist ein Mädchen."

    "Aye, ein Mädchen was nicht deine Tochter ist und dennoch stiehlt sie deine Zeit. Und sie ist laut.
    Warum müssen die immer so laut sein. Keiner versteht was sie sagen und dennoch halten sie nie ihre Klappe."

    Bevala schauderte es kurz, als der Löwensteiner den kleinen Bilderrahmen umdrehte und seiner Schwester eine Zeichnung des Mädchens entgegen schob.
    "Ekelhaft." Noch genervter schnaufend drückte sich die Frau in die Lehne des Sessels zurück und rollte dabei übertrieben mit den Augen.
    "Kommst du jetzt? Er hat ausdrücklich nach dir gefragt. Ich bekomm den Auftrag hier sonst nicht.
    Irgendwie hat Löwenstein ein Problem offiziell mit Piraten Geschäfte zu treiben. Oder der Typ. Ich weiß nicht. Kommst du?"
    Es war nicht das erste Mal, dass seine Schwester ihn um Hilfe bat. Doch meist ging es um irgendwelche Reisebegleitungen durch bewachtes Gebiet,
    oder auch mal die Übernahme von ihren Transporten um Zollhäfen zu umgehen. Doch diesmal war es anders. Die sonst so sichere Frau wirkte angespannt.
    "Was ist diesmal die Ware?"
    Der eben noch auf ihm liegende Blick huschte hinab auf die Tischplatte und kurz zog sich die Unterlippe hinter die Schneidezähne zurück, bevor die
    Frau mit einem Lächeln auf den Lippen ein kleines "du" hauchte.
    Der Löwe schloss kurz die Augen, als er sich mit den Fingern über den Nasenrücken rieb.
    "Ich geh mich umziehen..."
    "Was willst du jetzt bitte anziehen?"
    "Kettenhemd? Mithrilverstärktes Lederwams? Irgendwas stichfestes?"
    Der Löwensteiner blickte kurz über die Schulter, als er die Stufen ins Kontorinnere hinauf nahm.
    Bevala saß noch immer im Sessel und rieb sich die Finger.
    "Das wird ein Spaß!"




    ~Neid sieht nur das Blumenbeet, nie den ersten Spatenstich und die folgende Arbeit~


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