Katharsis

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  • Katharsis

    Das Volumen ihrer Stimme füllte den ganzen Saal und Gervais' Herz. Er kam zu jeder Vorstellung, in der sie die Hauptrolle spielte, zweimal die Woche, und dennoch war sein Applaus verhalten. Für die anonyme Masse war es ein Stück, sauber aufpoliert von Regisseuren und Dirigenten, für ihn aber war es etwas anderes. Emilie Charbonneau, heute von jedem bestaunt und bewundert, gesegnet mit der Stimme eines Engels, war seine verpasste Chance. Es jährte sich der Tag, an dem er nicht bereit gewesen war, sie zu heiraten; heute vor zehn Jahren hatte er sich gegen sie und für die mannigfaltigen Vergnügungen des Lebens entschieden. Emilie verließ die Bühne und das Ballett-Ensemble vermochte es kaum ihre Lücke auszufüllen - wie in seinem Leben. Natürlich hatte es später einen klügeren Mann als ihn gegeben, einen Mäzen, der ihren Wert erkannt und ihr einen Ring angesteckt hatte. Gervais war sich sicher, dass ihre Liebe stets ihm gehörte, aber manchmal reichte Liebe allein nicht aus um zusammen zu halten, was zerbrochen war. Als er das Theater verließ raffte er den Mantel enger um seine Schultern und begrüßte den Winter, der in weißen Flocken auf dem Vorplatz tanzte. Die Menschen bestiegen ihre Kutschen und kehrten geläutert durch das Theatererlebnis in ihre Häuser zurück, Gervais aber ging in einen Herrenclub.

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