Spiel der Könige

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    Spiel der Könige

    Farlif musste keinen knorrigen Finger rühren, als die Körper der Untoten in ihren Kühlkisten zum Frachtschiff getragen wurden. Der orrianische Strand war gesäumt mit kleinen Booten, die das mächtige Schiff mit dem Ziel Löwenstein beluden. Früher hätte er selbst mit angepackt, aber bald würde er im Status eines Magisters sein, wieso nicht schon mal an die Macht der Delegation gewöhnen?
    Sein gelb fluoreszierender Blick folgte dem liegenden Körper des über zwei Meter hohen Kriegers. Er mochte ihn besonders, er war sicher ein Soldat mit hohem Rang gewesen, ein Held. Zu schade, dass man ihm die Schulterpanzer abmontiert hatte, aber das war der Preis gewesen, ihn überhaupt für die Sammlung zu bekommen. Ansonsten war der Kadaver sehr gut erhalten, ein Musterbeispiel dafür, wie Drachenmagie die Lebenden verformen konnte. Hoffentlich interessierte man sich im Hain auch so sehr für seine Ausstellung wie er selbst.
    „Farlif! Komm' mal ganz schnell her!!“, rief eine Stimme vom Lager. Obwohl die Stimme keinen Platz mehr in seiner Hierarchie hatte, folgte er dem Ruf reflexartig und er war nach einem kurzen Sprint bei ihr. Beinahe wäre er mit seiner Abteirobe an dem mit Glocken und Dosen gespickten Seil hängen geblieben, welches ihr Gebiet markierte und vor unvorsichtigen Orrianern warnte.
    Jaroyesh saß im Sand vor einem Schachbrett, das zugleich eine zusammenklappbare Figurenkiste war. Die Ex-Soldatin hatte alle Figuren nach bestem Wissen aufgestellt.
    „Guck! Farlif, kannst du das spielen, das Schach? Ich nehm' die Schwarzen, du die Dunkelgrünen. Du musst es mir beibringen.“
    „Nein...nicht wirklich. Ich habe es noch nicht ausprobiert und bin nicht mit den Regeln vertraut. Aber ich glaube die kleinen Figuren gehören in die erste Reihe, nicht nach hinten.“
    Sie stutzete. „Ich dachte die großen Schachfiguren beschützen die Kleinen??“
    „So weit ich weiss, ist es andersherum.“
    „Das sind doch Zivilisten?“
    „Es ist ein Menschenspiel.“
    „Was soll das wieder heißen?“
    „Dass es nicht immer fair oder logisch ist.“
    „Als ob ihr fair oder logisch wärt...“ Sie begann, die Figuren auszutauschen. Die Bauern an die Front, die Großen nach hinten. „Also alle Helden hinters Volk.“ Die Figuren wirkten schwer und von guter Qualität.
    Farlifs Neugier war geweckt, er kniete sich hin, um die Figuren genau zu mustern. „Roy, ich glaube die sind eine Menge wert. Die schmutzigen Weißen sind glaube ich aus Walbein, die Schwarzen aus Ebenholz. Sie sind einzeln geschnitzt worden, ohne Drehbank wie bei herkömmlichen Figuren. Die Sockel scheinen mir aus einer Orichalkumlegierung gefertigt!“
    „Wale haben keine Beine.“
    Farlif nahm den grünweißen Springer in seine graugrünen Finger. „Was das wohl für ein Tier ist?“
    „Sag' jetzt nicht, du hast noch nie ein Pferd gesehen...“ Sie nahm sich einen schwarzen Turm und einen Bauern. „Darf man die auch stapeln? Auf den Turm drauf?“
    „Das weiss ich nicht, ich glaube aber nein.“
    Der Bauer wurde auf die Zinnen gestellt.
    „Doch, geht, guck!“
    „Ich glaube nicht, dass das die Regeln sind, dann wäre die Aussparung-“
    „Als ob man sich im Krieg an Regeln hält. Grade die Orrianer. Vielleicht muss man einen Wesir auf den Turm stellen und alles explodiert und das Schachfeld fällt ins Wasser und die Figuren werden alle untot.“
    Einen Moment stellte Farlif sich das bildlich vor.
    „Weisst du Roy, einem Museum der Abtei wäre mit deinen Schätzen ein großer Dienst erwiesen.“
    „Ihr bezahlt aber schlecht, oder eher gar nichts.“
    „Ehre und Anerkennung ist dir nichts mehr wert? Karma?“
    „Davon kann ich mir nichts kaufen. Von Karma werd' ich nicht satt und ich hab' ziemlich Hunger langsam. Ich hab' schon so viele Ärsche gerettet, ich weiss gar nicht wohin mit dem ganzen Karma.“
    „Nun, vielleicht kannst du uns mal etwas aus deinem Bestand leihen, zumindest...“
    „Warum überhaupt im Hain? Wieso nicht hier?“
    „Wieso nicht? Ganz Orr ist doch ein Freiluftmuseum. Der Sinn von Museen-“
    „Wenn ihr mal in Orr eins macht wär' ich vielleicht dabei. Ich erlaub's dir dann als Bürgermeisterin wenn du mal in meine ringkreisige Stadthalle kommst.“
    Farlif lachte, das tat er selten.
    „Ja ja, lacht ihr nur. Du hast es doch auch zu was gebracht. Du warst 'ne picklige Novizen-Gurke als ich dich kennen gelernt hab, jetzt bist du nen...Zucchinimagister.“
    „Wie hat Tzup immer gesagt? Ein bisschen rassistische Polemik...“
    „...hat noch keinem geschadet, ja ja.“ Sie nickte gen des Norn und der Sylvari, die eine geschlossene Glaskiste mit mehrere Untotenschädeln darin zum Frachter brachten. „Ist doch schön wenn man Leuten bei der Arbeit zusehen kann und man selbst die Anerkennung bekommt, ich freu' mich für dich.“ Sie tippte sanft gegen den dunkelgrünen König in der zweiten Reihe.
    „Wie bei einem Uhrwerk, ja...“ Er blickte seinen Ausstellungsstücken nach.
    „Ihr lasst die Haut und alles dran? Vergammelt doch?“
    „Die Schädel und Körper werden im Hain mit Harzen konserviert.“
    Roy nickte, musterte den Sylvari wie ein Ausstellungsstück, der Blick stechend wie so oft.
    „Starr nicht so, bitte. Das ist unheimlich.“
    Sie wandte dem Blick ab, auf das Schachfeld. „Ob das Harz in euren Adern euch auch konserviert? Ob ihr eines Tages die weisen Alten von der Zukunft sein werdet?“, sprach sie nachdenklich.
    Farlif erhob sich, zuckte mit den Schultern, machte Anstalten zu seinen Leuten zurückzukehren. „Warten wir es ab.“
    „Mh. Hast du noch Briefpapier und 'nen Umschlag?“
    „Natürlich...aber die Post geht ohnehin mit dem Frachter hier raus. Da kannst du den Brief gleich selbst austragen.“
    „Na egal, gib' einfach.“
    Er legte den ungeschriebenen Brief im Niemandsland des Schachfeldes ab.
    „Hier. Aber ich kann dir diesmal nicht beim Schreiben helfen.“
    „Ja ja, passt schon. Dann pass' mal auf, dass deine Orrianer dir nicht davonlaufen.“
    Er nickte. „Und fang' du lieber mal an zu packen.“
    Noch ein sehnsüchtiger Blick auf ihren etwas zu groß geratenen orrianischen Schulterpanzer, dann wandte er sich wieder seinem Projekt zu.

Kommentare 11

  • Nia! -

    Für Karma kann man sich sehr wohl was zu essen kaufen! Basilikum. Und Ingwer! Genau!
    Matt Damon in seiner Gastrolle ist sehr überzeugend. *nick*

  • Aegi -

    Ich mag Roys Gedanken zum Schachspiel sehr. Irgendwie süß. ♡

    • Ovy -

      ♡ielleicht entwickelt sie ja ein Spiel das eher ihrem Gerechtigkeitsbild entspricht.

    • Ovy -

      Karma kann man eigentlich auch trinken, ja. :0

  • Luc / Zavo -

    Roy und Zavo müssen auch Schach spielen.Wobei sie wohl auch eher diskutieren werden :)

    • Ovy -

      Oder den Rundschild als Schachbrett verwenden. :0

    • Luc / Zavo -

      das ist auch eine gute Idee. Machen sie auf der nächsten Orr-Reise!

  • Alisar -

    Aaaaawwww Gaaawwwd <3

    Ja, Lynn bringt Roy Schach bei. In der Badewanne voll orrianischem Wein!

    • Aegi -

      Ich glaube nicht nur Lynn würde das Roy gerne in einer Wanne voll Wein beibringen. :P

    • Alisar -

      Ich bin mir noch nicht sicher, ob Roy mit orrianischem Wein nicht das pekige, halb geronnene Blut Untoter meint...

    • Ovy -

      Also eine Badewanne wird man mit dem Wein nicht füllen können, aber immerhin ist es wohl wirklich Wein!