Prolog: Erwachen

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  • Prolog: Erwachen


    Magie zu lernen kann man nicht gleichsetzen mit dem Lernen anderer Disziplinen. Ein Buch ist nicht genug, um die Vielfalt zu verstehen und ganze Büchereien könnten gefüllt werden, nur um einen winzigen Aspekt der Magie in einem Teil zu beleuchten. Magie umgibt uns und gehört zu uns. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, sie für sich selbst nutzbar zu machen und im Grunde genommen muss wohl jeder selbst entscheiden, welche Richtung und welche Art der Nutzung ihm zusagt.


    Sie wachte auf.

    Ein schönes Aufwachen war es nicht. Das Brennen hatte sich über ihren ganzen Oberkörper ausgeweitet. Erst nach einem Moment realisierte sie, das eben jenes "Brennen" nicht von irgendeiner Hitzequelle kam, sondern das es eisige Kälte war, die sich über ihren Brustkorb ausgebreitet hatte.

    War sie noch auf dem Berg?

    Ihre Lippen öffneten sich, sogen gierig Luft ein, so gierig, dass sie fast hätte husten müssen.

    Warme Luft. So warm, das es keinesfalls der Rand der Zittergipfel sein konnte. Warme, ein wenig stickige Luft, ein leichter Luftzug, der durch das Zimmer fuhr.

    Der Raum war nicht groß. Im Gegensatz zu ihrem Oberkörper fühlte alles andere sich weich und warm an, die Federdecke über ihr, das Kissen in ihrem Nacken.... für einen kleinen Moment fühlte sie sich geborgen, zurückgeworfen in die Zeit in Kessex, als das Leben noch aus Teegesellschaften und langen Unterrichtstagen bestanden hatte.

    Atemzüge in ihrer unmittelbaren Nähe. Leicht, stetig.
    Ihre Augen öffneten sich.

    Ein fremder Raum, gutbürgerlich. Und ein Mann auf ihrer Bettkante. Helles Haar, hellbraun bis weiß. die Gesichtszüge verschwammen vor ihren Augen, aber sie hätte schwören können, dass die Person auf ihrer Bettkante ihr vertraut war. Eine schwarze Roben. Niemand den sie kannte trug schwarze Roben. Warum auch? Wer trug im Sommer schwarz? Wer trug Roben?

    Roben trugen Erzmagier. Roben trugen Würdenträger. Aber einen Würdenträger kannte sie nicht und einen Erzmagier mit Einfluss.. auch nicht. Daraus folgte, entweder kannte sie die Person, und irgendetwas entscheidendes hatte sich geändert, oder sie kannte die Person nicht. Was die Frage aufwerfen würde, warum zum Grenth...

    "Wach, na endlich hast du eine Ahnung wie lange..." kam eine zwar sehr ruhige, aber auch kühle und entnervte Stimme. "Mal im Ernst....funktioniert oder warst du einfach nur zu dumm..."

    Grenth reichte nicht. Hierfür brauchte sie die Stärke aller lebenden Götter.
    Marena blinzelte. Der Mann sprach zu laut. Und um ihn herum schien alles zu flimmern. In ihrem Kopf hatte sich ein Schleier breit gemacht. Sie war versucht sich einfach von dem eigenartig vertrauten Gesicht abzuwenden und so zu tun, als hätte sie von den mäßig freundlichen Worten überhaupt nichts mitbekommen.

    Sie war in Fels... wie war sie hierher gekommen? Und wie war er hierher gekommen? Was tat ein halb bekannt, halb fremd aussehender, definitiv nicht gut gelaunter Mann auf ihrer Bettkante? Eine schlaue Antwort musste her.

    "Kalt..." Erwiderte sie schlussendlich stumpf und versuchte gen der ungefähr fünfzehn mal zehn Zentimeter großen Fläche zu nicken, die sich anfühlte, als würde ein Eisklotz aus den Zittergipfeln darauf liegen, zu deuten. Ihr Finger bewegte sich. Die Hand hob sich an, ungefähr drei Zentimeter, dann war ihr die Beantwortung der Frage die Mühe nicht mehr wert.

    "Damit du es nicht anfasst... Lehre sein... ernsthaft? Hast du 'ne Ahnung, was für Mühen ich ... Das war ein langer Hin- und Rückweg. Und gute... Also, an dem kalt wird sich nichts ändern. Wie fühlst du dich sonst? Du scheinst immerhin sprechen zu können und ..."
    Er erhob sich, und sah sie dann genau an, während man um das Bett marschierte.
    "Tu dir einen Gefallen und lass die Decke unten."

    Unten? Unten, oben? Sie verstand nicht ganz, was er meinte, und noch weniger verstand sie worauf er im Augenblick hinaus wollte. "Toll." Erwiderte sie, dieses Mal leiser und nicht weniger einsilbig. Wer war er, in ihrem Zimmer aufzutauchen und ihr als allererstes einen Vortrag zu halten, ohne sich auch nur die Mühe zu machen, ihr zu sagen, wer er eigentlich war und was er hier zu suchen hatte. Aber anstatt die wichtigsten Fragen zu stellen.... begann sie mit der Einfachsten. "Vaegir?"

    "Nein."
    War die simple Antwort
    "Der Kerl, der deinetwegen einem sehr weiten Weg auf sich nehmen musste. Um das da gerade zu biegen." Deutete er auf die Eisfläche. "Gern geschehen übrigens. Brauchst' mir nicht um den Hals' fallen, das schaffst du gerade eh' nicht." Er besah sich ihr Gesicht. "Also,erinnerst du dich an irgendwas? Wenn ja an was?"

    "Luft...magie." Erwiderte sie gepresst und fragte sich gleich darauf, warum sie ihm dieses Detail anvertraute, anstatt stumm zu bleiben. Sie war am Leben, also ging es ihr körperlich gut. Sie war allein mit einem fremden Mann, der verwirrende Dinge sagte, also ging es ihr psychisch nicht so gut. Ende.

    "... Berg."

    "Gut....Das ist ein Anfang. Kein Guter, aber ein Anfang. Hast du irgendwelche Fragen ehe ich weiter mache?"

    Ein Ächzen von ihrer Seite. Was wollte dieser Kerl von ihr. Mit was weiter machen? Ob er der Grund für die unangenehme Kälte war?
    "Wer bis' du? Kalt... weg!"
    Falls... wenn! Wenn er die Grund für die Kälte war,dann könnte er das vielleicht auch beenden.

    "Ich bin immer noch Der, Der dir das da verpasst hat, damit du ein Morgen hast. War nicht meine Entscheidung."

    Was war nicht seine Entscheidung? Wessen Entscheidung war es dann? Ihre ganz sicher nicht. Sie hatte sich nicht dafür entschieden, dass sich ihr Herz und alles darum herum anfühlte, als wäre es vereist worden! Ihre Gedanken drifteten ab. Ob er ihr Herz vereist hatte? Wie in diesen Märchen...

    "Du wirst eine Menge Ruhe brauchen, und Bettruhe. Das Eis sorgt dafür dass du die Stelle nicht bewegst, also versuch es gar nicht erst."

    Eis. Manchmal war das Naheliegenste eben doch die richtige Antwort. Jetzt zum Beispiel.
    "Mein 'erz vereist?"
    Die Frage konnte sie sich nicht verkneifen. Was, wenn er ihr Herz eingefroren hatte? Was wenn sie nie wieder etwas fühlen konnte?
    Allerdings wurde der "was wäre wenn" Gedanke erst einmal vertagt. Denn immerhin fühlte sie noch etwas. Zwar wie durch einen Schleier - nur ganz sanft im Hintergrund, als würde irgendetwas tatsächlich verhindern, dass sie auf ihre Gefühlswelt zugriff nehmen konnte - aber die Gefühle waren da. Umso länger sie in sich hineinhorchte, umso stärker spürte sie das leichte Klopfen von Angst im Hintergrund, vorsichtig wie ein beginnender Kopfschmerz, aber zweifellos vorhanden.

    "Keine Bange, es wird alles wieder verheilen und dann wird sich das Eis entfernen. Ich habe schon darauf geachtet, dass ich keine Fehler mache."

    Das Eis würde verschwinden. Es würde verschwinden und dann.... Wieder drifteten ihre Gedanken ab und sie schlief ein.

    "Was für ein Drama. Wehe das bleibt am Ende an mir haften."
    Er erhob sich wenig begeistert und ging.





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    Ein kleines Gemeinschaftsprojekt von Schattenmann (Sibian Wolkenweg) und mir. <3 Vielen Dank, Sibi. Ich hatte unheimlich viel Spaß beim Ausschreiben des Magieunterrichts!
    "Irgendwo in diesem Haus gibt es immer Kuchen."
    "Das nächste Mal fliehen wir nach dem Essen!"
    "Zu schade. Ich mochte diesen Stein."

    ~ Marena Éconde


Kommentare 2

  • Vivea -

    Hehehe. Vielleicht wird dieses Mysterium irgendwann aufgeklärt XD
    Als Person die weiß was passiert ist, habe ich gar nicht daran gedacht, dass das gar nicht allen Klar ist! Vielen Dank für den lieben Kommentar^^

  • Mahr -

    Okay.... spannend! :D Ich frage mich jetzt natürlich, was da passiert ist und was dieses Eis bewirken soll. Und warum sie immer nur teile seiner Sätze versteht. Es wirkt so, als sei sie gerade fast gestorben oder so. Im Bezug auf den Text im Spoiler kommt mir die Frage, ob vielleicht eine Stunde des Magieunterrichts schiefgelaufen ist? Der erste Absatz gefällt mir besonders.