Kapitel 1: Kontrolle

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  • Kapitel 1: Kontrolle


    Kontrolle, wer sie hat, hat die Macht zu handeln
    Die erste Lektion die jeder Magier lernen sollte, ist, dass alles Konsequenzen hat. Ein unvorsichtiger Zauber, ein stürmisches Voranpreschen, jeder Fehler kann das Verderben für den Magier selbst und seine Umgebung bedeuten.
    Magie und Gefühle hängen zusammen. Zweifellos beeinflusst das Eine das Andere. Aber ein Magier muss seine Gefühle beherrschen. Die Magie darf nicht zu einem verlängerten Arm von Wut und Angst werden.
    Daher ist es umso wichtiger, sich selbst immer wieder dieselbe Frage zu stellen. Kontrolliere ich die Magie, oder kontrollieren meine Gefühle und Instinkte sie.
    In manchen Situationen wie in Kämpfen auf Leben und Tod sind es die Instinkte, die uns das Leben retten. In anderen Situationen sind sie die tödliche Gefahr, die es in Schach zu halten gilt. Ein Magier muss in erster Linie immer sicher sein, dass er seine Magie unter Kontrolle halten kann und dafür ist es von Nöten, sich selbst unter Kontrolle zu haben.
    Von einem magischen Gefühlsausbruch profitiert niemand.
    Der Anfänger muss also zu Allererst verstehen, dass die eigenen Gefühle die Magie beeinflussen können, aber nicht zwangsweise müssen.
    Magie erfordert eine Menge verschiedener Fähigkeiten von den Studenten, nicht nur Engagement und Konzentration, sondern vor allem Selbstbeherrschung. Besonders am Anfang, wenn man seine Kräfte zu entdecken beginnt, muss man sich immer wieder in den Kopf rufen, dass man selbst es ist, der die Kontrolle ausübt, nicht die Magie. Zu den vielen verschiedenen Fähigkeiten, die ein Magier mitbringen muss gehört also auch Disziplin und ein genaues Reflektieren der eigenen Fähigkeiten.



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    "Kapiert. Es gibt nichts Wichtigeres, auch nicht das Leben anderen, denn wenn du die Kontrolle verlierst verliest du sie auch."

    "Kapiert."
    Wenn Sibian etwas sagte, dann diskutierte man nicht. Man hatte zumeist sowieso eher schlechte Chancen in Diskussionen gegen den Archivar anzukommen. Wenn man es versuchte.... endete es zumeist damit, dass man sich noch dümmer vorkam, als am Anfang der Diskussion.

    Ihr Blick wanderte hinüber zu dem stehenden Wasser, dann wieder zu dem einen Auge des Professors, das nicht von einem Monokel verdeckt war. Sie konnte seinen Blick auf sich liegen spüren und sie wusste, dass er all das nicht umsonst gesagt hatte. Es hatte seine Richtigkeit. Ein Kontrollverlust konnte den Menschen die einem selbst am nächsten standen schaden. Ein Kontrollverlust konnte für alle Parteien tödlich sein.

    "Was ist Magie für dich? Und was Kontrolle?"
    Seine Frage machte ihr Angst. Nicht das Thema selbst, sondern die Art und Weise, wie er die Frage stellte, als würde alles davon abhängen. Als würde er irgendeine intelligente, wissenschaftliche Antwort von ihr erwarten, mit der sie aber nicht dienen konnte. Sie wusste nicht, was Magie in der Theorie war, aber sie traute sich auch nicht zu schweigen. Schweigen war bei Sibians Fragen selten eine Option. Denn in den meisten Fällen bewies es nur fehlendes Interesse, oder das man sich nicht mit dem Thema auseinander setzen wollte.
    Was aber sollte man auf diese Fragen - besonders auf die Erste antworten? Was für eine Antwort würde ihn zufrieden stellen, verhindern, dass er sich bereits jetzt von ihr abwandte und sie mit dem Problem der fehlenden Kontrolle allein ließ?

    "Alles."
    Hatte sie überhaupt vorher über die Antwort nachgedacht? Oder war es einfach aus ihr herausgeplatzt, diese kurze Antwort, die in ihrer Schlichtheit schwerlich unehrlich sein konnte.
    "Magie ist alles für mich. Mein Halt, mein Anker mein Leben. Ohne sie... ohne sie würde ich fallen, ohne sie... ohne diesen Anker wäre ich verloren."

    Aber da war noch jene zweite Frage, jene Frage, die ihr viel mehr Sorgen bereiten sollte, es aber gar nicht tat.
    "Ein... ein obligatorisches Werkzeug?"

    "Und wie wirkst du Kontrolle? Was bedeutet es keine Kontrolle zu haben?"
    Fragen über Fragen. Fragen auf die sie keine Antwort wusste, aber um eine solche kam sie nicht herum.
    "Keine Kontrolle zu haben bedeutet... eine Gefahr zu sein. Für mich selbst, für Andere. Wenn.... ich keine Kontrolle habe, dann... sollte ich... nicht unter Menschen gehen."
    Unsicher senkte sie den Blick. Was erwartete er von ihr? Sie hatte doch begriffen wo das Problem lag, genauso wie sie wusste, dass Kontrolle wichtig wäre - wichtig war.

    "Ich... weiß es nicht."

    "Keine Kontrolle haben, heißt du kannst sie dir nehmen," Meinte er dann. "Kontrolle ist etwas das man nur auf zwei Arten erlangen kann. Man hat bereits Kontrolle und nimmt sich mehr davon, oder man bekommt sie, zum Beispiel durch Vertrauen. Kontrolle über sich selbst zu haben, heißt nicht gegen sich selbst zu kämpfen."

    "Tue ich das denn? Gegen mich selbst kämpfen?"
    Hätte sie nur den Mund gehalten. Es ist nicht am Schüler, den Lehrer zu unterbrechen, um vorwitzige Fragen einzuwerfen. Der Lehrer entscheidet, wann Fragen zu erfolgen haben.
    "Entschuldigung. Ich... wollte dir nicht ins Wort fallen."

    "Quatsch, du sollst immer fragen, sonst wirst du nicht schlauer. Wer Angst hat Fragen zu stellen, hat nur Angst die Antworten zu hören. Und sag du es mir... ob du gegen dich selbst kämpfst."


    "Ich weiß es nicht."
    Wenn er es wirklich für in Ordnung hielt, dass sie jede Frage stellte, sobald sie ihr in den Sinn kam, dann würde dieser Unterricht sich ganz gewaltig von dem vornehmlich sehr streng reglementierten Unterricht unterscheiden, den sie gewohnt war. Einen Moment dachte Marena nach. Wäre das denn schlecht? Vielleicht war das ja auch eine Form von Kontrolle, zu wissen, wann man weniger streng sein musste und wann man umso mehr auf Disziplin zu achten hatte.


    "Ich... weiß nicht, ob ich gegen mich selbst kämpfe... im Augenblick will ich nur meine Aufgabe gut erfüllen.... "
    "Und was ist deine Aufgabe? Marena, ich bringe dir nichts bei, wenn du es nicht von dir aus willst. Wenn deine Aufgabe nur ist, das zu tun was Andere wollen, können wir hier abbrechen. Wenn deine Aufgabe nur ist, Andere zufrieden zu machen, geh heim und lern stricken, oder was weiß ich, trag ein Kind aus. Wenn es das ist, was DU von DIR aus willst. Ich verschwende hier nicht meine Zeit, nur weil jemand denkt ja ich muss halt. Also, was ist deine Aufgabe?"

    Nein.
    Am liebsten hätte sie ihn angeschrien, ihm das Wort entgegen geschleudert, nur um ihm zu verdeutlichen wie wichtig ihr der Unterricht war. Sie wollte nicht nach Hause. Sie wollte ganz weit weg von den Hügeln sein. Weit weg von jedem Zuhause, dass sie gekannt hatte.
    Marena schluckte schwer.

    "Meine... meine Aufgabe ist es, das hier richtig hin zu bekommen. Ich... ich will keine Angst mehr vor der Magie haben! Ich... will das unbedingt lernen, Sibian! Mehr als ich irgendetwas Anderes je lernen wollte!"
    Sie hasste es, wie ihre Stimme automatisch eine halbe Oktave höher gerutscht und ihr die Gesichtszüge entglitten waren. Wieder einmal, ein weiteres Mal war sie zu offensichtlich, zu ehrlich. Sie hatte sich nicht die Zeit genommen, ihre Gefühle zu zügeln, ihre Emotionen im Griff zu behalten, sondern hatte einfach eingeworfen, was ihr durch den Kopf ging.
    So viel zu Kontrolle.

    "Gut," nickte er, "welche Anwendungen deiner Magie kennst du?"
    "Heilung... und... den Rest," murmelte sie.
    "Ich... bin gut im Heilen.... ich kann ein bisschen was um Schläge abzufedern... Das war's."
    Sie spürte das Blut in ihre Wangen schießen. Für zweiundzwanzig Lebensjahre war das zu wenig. In ihren Augen zumindest.

    "Ich fragte nicht was du kannst, ich fragte was du kennst."
    "Magie um zu zerstören, Magie um zu heilen, Magie um zu schützen."
    Sie zuckt mit den Achseln. "Mir wurde wenig im Bezug auf die Gesamtheit der Magie beigebracht und viel... auf einzelnen Teilgebieten. Mehr weiß ich nicht..."

    "Mit welchem Element kannst du keine Welle erzeugen?"
    Was für eine komische Frage.
    "Feuer?"
    Dieses Mal kam die Antwort schnell, aber sie war sich in dem Moment, als sie es ausgesprochen hatte schon nicht mehr sicher.
    "Du kannst es mit allen Elementen. Das Element bestimmt nicht was du machst. Dein Element hat nicht die Kontrolle, sondern du. Ja?"

    Eine Fangfrage. Sibian mochte Fangfragen. Ein Detail, dass sie sich besser merken sollte für die Zukunft.
    "Wie mache ich eine Feuerwelle?"
    Er hatte darauf hingewiesen, dass er ihre Fragen hören wollte.
    Also würde sie fragen.



    Spoiler anzeigen
    Wieder muss gesagt werden: Das hier ist ein Gemeinschaftsprojekt, danke an Sibiaaaaan! <3
    "Irgendwo in diesem Haus gibt es immer Kuchen."
    "Das nächste Mal fliehen wir nach dem Essen!"
    "Zu schade. Ich mochte diesen Stein."

    ~ Marena Éconde


Kommentare 2

  • Travon -

    Interessantes Gespräch. Manchmal ist nicht direkt klar, wer was äußert, aber der Leser darf ja durchaus mal selber denken.

    • Vivea -

      Danke für den Kommentar! *Macht sich Notizen* das lässt dich dann ja in Zukunft noch verbessern^^