Kapitel 2: Kontrolle - Anwendung

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  • Kapitel 2: Kontrolle - Anwendung


    Man beginnt in kleinen Schritten. Ein Magier kann nicht von sich erwarten,sofort Felsbrocken durch die Gegend zu schleudern, mit Feuerbällen präzise diekleinsten Zielscheiben auf hundert Meter Entfernung zu treffen, oder einenMenschen ohne jede Schwierigkeit innerhalb von Sekunden von tödlichenVerletzungen zu heilen. Magische Fähigkeiten brauchen Zeit um zu wachsen undmüssen genauso trainiert werden, wie ein Muskel. Zwar hinkt der Vergleichzwischen Magie und Körperkraft durchaus, beides erfordert allerdings dieDisziplin des Lernenden.
    Für den Anfänger ist also wichtig, dass er sich Zeit für ordentlicheVorbereitung nimmt.


    Ein gutes Element um zu beginnen ist Wasser oder Erde. Beide Elemente eignensich vor allem deshalb gut für den Beginn, da sie - zumindest wenn man miteiner kleinen Menge beginnt - das niedrigste Verletzungspotential haben.
    Ein Glas Wasser oder ein kleiner Haufen Sand reichen für den Anfangvollkommen aus. Allerdings ist davon abzuraten, sich in der eigenen Wohnung dempraktischen Teil der Studien zu widmen. So kein Zimmer, das für das praktischeStudium geeignet ist zur Verfügung steht, bietet sich ein Ort in der freienNatur an. Dabei sollte allerdings darauf geachtet werden, das beim Beginn desTrainings am Element Wasser genug Abstand von etwaigen Wasserquellen wieWasserleitungen, Dämmen oder Seen gehalten wird.

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    Es war noch recht früh am Morgen, als die Baroness über die vom Morgentaunassen Wiesen Königintals lief und noch aus der Ferne einen ersten Blick aufden neben einem Felsen am Fluss stehenden Professor werfen konnte.

    Erst als sie näher kam, konnte sie die Kerzen neben dem weißhaarigenAugenklappenträger - Moment eine Augenklappe? War Sibian unter die Piratengegangen?
    Nein... wenn sie genauer hinsah, trug er eine Rüstung, die ursprünglich mal vonden Wachsamen gewesen zu sein schien.

    Und neben Piraten-Sibian? Stand ganz Klischeehaft eine Truhe.

    In schnellem Schritt trat man auf Sibi-ARRRR-n zu und begrüßte ihn erst einmalmit einem freundlich-enthusiastischen
    "Guten Morgen."

    "Segen Marena. Ich nehme an du hast alles bereit wie abgemacht?"
    Neben Sibian Seeweg steckte sein üblicher Stab im Boden, der ihren Blick schoneinige Male eingefangen hatte. Doch bevor die Baronesse sich zu einer Antwortdurchringen konnte, wurde sie erst einmal ihren riesigen Rucksack los undschnallte sich auch den eigenen Stab vom Rücken. Ein Nicken von ihrer Seitefolgte.

    "Fokus, Stab, Zepter, zwei Gardaroben, zwei Amulette, die auf michabgestimmt wurden..." Fasst sie erst einmal zusammen. "Und etwas zutrinken und zu essen."

    "Gut, bis auf einen Stab kannst du den Rest da zur Seite legen und mirschoneinmal eine Frage beantworten."
    Er deutete auf die Truhe und sie folgte der Weisung sofort.

    "Was bedeutet es für dich, Elementaristin zu sein? Und antworte ehrlich!Von Herzen und ohne groß nachzudenken!"

    "Ich... Weiß nicht, was es bedeuten sollte und sehr viele Gedanken habeich mir nie darum gemacht. Nicht um die eigentliche Essenz der Sache. Aber...Immer wenn ich Elementarmagier gesehen habe... dachte ich, dass ich auch sosein möchte."

    Eine Haarsträhne wird zurück gestrichen, dann spricht sie sehr eilig weiter.Wieder ist da die Angst, ihn mit ihrer Antwort zu enttäuschen, wieder muss sieerst selbst den Gedanken fassen und sich überwinden, diesen auch auszusprechen.

    "Ich habe neulich in einer Situation in der ich wirklich Angst hatte,instinktiv auf... Magie zugegriffen, nicht auf die Selbe Art und Weise wiesonst. Es war... nur ein Gedanke, und schon... na ja. Habe ich Magie genutzt.Ich war so verängstigt und habe es in diesem Moment nicht realisiert, dabei...habe ich zum ersten Mal einfach... Magie genutzt. Ich wollte in diesem Momentgar nicht zaubern, im Nachhinein kann ich aber sagen, dass die Magie... sichnatürlich angefühlt hat."

    Erneut stockte Marena und war sich nicht sicher, ob sie weitersprechen sollte.Vermutlich hielt er sie mittlerweile wirklich für gänzlich bescheuert. Von derersten Begegnung bis jetzt, auf irgendeine Weise hatte sie es immer verbockt.

    Aber... Die Magie selbst... Fühlte sich schlicht an, frei. Ich weiß nicht, obdas eine wirkliche Antwort auf die Frage ist... Aber ich bin mir nicht sicher,ob ich im Moment eine Bessere bieten kann. Es ist das einzige Mal in all denJahren, dass... ich einfach so Magie genutzt habe, ohne vorher... darübernachgedacht zu haben, Sibian."

    "Elementarmagie....bedeutet vor allem Eines, und das ist etwas, das du dirgefälligst SEHR gut einprägst, sonst bringst du dich und Andere inGefahr.....Elementarmagie...bedeutet Kontrolle. Komplette freie Kontrolle überdie Welt um dich und auch die Magie selbst. Es bedeutet etwas genau so zuformen, wie du es willst. Deine Fantasie ist die Grenze....alsBeispiel....können Steine wie Wasser sein?"

    Sie lässt sich alle Zeit, das zu verarbeiten, seine Worte auseinander zu nehmenund wieder zusammen zu setzen. Dann neigt sie den Kopf, als Zeichen verstandenzu haben. Das weiche Gesicht drückt im Moment kaum Emotionen aus, die Baronessewirkte konzentriert, wie sie in Richtung des Bodens blickte und die Augeneinige kleine Steine fanden, bevor ein erneutes Nicken folgte.
    "Gestein kann schmelzen, nicht wahr? Dann ist es doch wie Wasser... Nureben sehr viel heißer."

    "Es muss nicht mal schmelzen dafür."

    Sibian legte die Hand auf den Boden.
    Der Boden begann zu vibrieren. Es hielt einen längeren Moment an, dann fiel ihrBlick auf die dünne, erst gerade eben erschienene Sandschicht unter ihrenFüßen.
    WIe hatte er...
    "Auch so kann Stein fließen....Versuch es mal. Es wird sich ungewohntanfühlen, aber am Ende kann es sich genauso wie Aquamantie anfühlen." Erselbst erhob sich indess wieder.

    Was genau sollte sie gleich versuchen? Kurzerhand - die Baronesse kümmerte sichgerade nur wenig darum, ob man sie für eigenartig hielt - kniete sie sich auf denBoden und nahm eine kleine Menge Sand in die Hand.

    "Wie..." Begann sie eine Frage, brach dann allerdings ab und nicktenur - schon wieder. Die Antwort hat sie sich wohl selbst gegeben. Der Sand rannzwischen ihren Fingern hindurch. Es war mühevoll, ihn mit der anderen Handwieder aufzufangen. Also... nahm sie stattdessen neuen Sand.

    "Kontrolle, Marena....der Schlüssel der Magie. Kontrolliere den Sand. Lassihn tun was du willst, mit Händen....mit Magie...Was immer du wünscht. Ich willnicht, dass du stumpf meine Anweisungen umsetzt, sondern selbst entscheidest.Ich zwinge dich nicht auf eine bestimmte Art und Weise Magie zu wirken. Du hastden Weg zum Ziel selbst in der Hand, denn würde ich dir alles vorgeben, hättestnicht du die Kontrolle, sondern ich. Ein guter Magier muss eigenständig denkenkönnen und sich der Verantwortung, die er trägt jederzeit bewusst sein. Magieist keine nette Beschäftigung für nebenbei, Marena. Kein hübscher kleinerZeitvertreib, wie ihr Adligen so gerne denkt. Man lernt das Zaubern nichtnebenbei und um wirklich gut zu werden muss man sehr viel Mühe und Kraftinvestieren. Magie kann gefährlich sein, vor allem, wenn man sich selbst nichtim Griff hat. Das ist es, was du als erstes lernen musst. Dich selbst zubeherrschen und deine Magie unter Kontrolle zu halten und genau das lehre ichdich. Also nutze deine Magie für deine Zwecke."

    So oft wie er das Wort Kontrolle verwendete, könnte man sicher ein Trinkspieldaraus machen. Aber das war einmal eine gänzlich andere Vorgehensweise. Wiedermusste sie die Parallele zu ihrem früheren Unterricht ziehen. Wie ungewohnt esdoch war, nicht nur stumpf Anweisungen umzusetzen.

    Einige Sekunden lang tat die Baronesse wieder einfach gar nichts, dann strecktesie die erste Sand-Hand eine Spur von sich, richte den Blick auf den kleinenSandberg darin, und nahm den Zeigefinger der zweiten Hand dazu, der einenlangsamen Kreis einen guten Zentimeter über der Handfläche beschrieb. Undwieder geschah gar nichts.

    Sie wiederholte die Bewegung, dieses Mal weniger zaghaft. Verbissener.

    Es brauchte noch einen weiteren Versuch, dann endlich setzten sich einigeSandkörner in Bewegung, beschrieben einen Kreis auf ihrer Handinnenfläche undblieben einen Zentimeter von ihrer ursprünglichen Position entfernt liegen.Kreis war auch eher eine optimistische Beschreibung von dem dreivierteltenOval.
    "Ich passe auf sie auf. Ich muss ja nicht bügeln."
    "Das nächste Mal fliehen wir nach dem Essen!"
    "Zu schade. Ich mochte diesen Stein."
    "Kein Krieg zu gewinnen mit euch! Keiner!"
    "Gefühle sind wie Charrpanzer."
    ~ Marena Tares


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