Ein Hauch von Mitgefühl

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  • Kleine Kiesel knirschten unter seinen Schritten, als er sich fort vom Friedhof bewegte.
    Ganz egal um welches Volk es sich handelte - jedes hatte einen Ort wo es seine Toten zur letzten Ruhe bettete. Er war gekommen um einem Freund, jedenfalls nannten sie sich gegenseitig so, beizustehen. Glyzavo selbst kannte den Verstorbenen nicht. Er hatte vielleicht einmal von ihm gehört, während einem seiner Besuche in Götterfels und doch war dies für ihn ohne jegliche Bedeutung gewesen. Somit musste er sich den Namen des Mannes, welcher nun nur noch als Buchstaben in Stein gemeißelt vorhanden war, gar nicht merken. Und doch war er hier. Es war ihm gleich der einzige Vertreter seines Volkes zu sein. Glyzavo wusste nicht um die Verbindungen des Mannes, nichts von seinem Reichtum, oder Dingen welche er in seinen Lebzeiten getan hatte. Taten, Worte oder Gesten des Toten brachten ihn auch nicht nach Ebonfalke. Es war der blonde Iorga, dessen Gesicht kein Lächeln trug. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte Zavo abgestritten persönliche Merkmale des Menschen zu kennen. Und doch war das sonnige Gemüt und das stete Lächeln auf den iorgaschen Zügen Bestandteil des Mannes, ebenso wie sein Bart. Die Freundschaft, welche über Jahre hinweg entstanden war wuchs langsam. Zu Beginn war sie der Austrocknung nah, doch was Mensch und Sylvari auszeichnete, manch einer mag es Sturrheit nennen, fand sich auch in der Freundschaft wieder. Es war keine dieser Verbindungen, die aus ständigen Umarmungen, reizenden Gesten oder sonstigen Verzückungen bestand. Sie gründete auf Kampf und dem gegenseitigen Respekt des Anderen gegenüber. Beide waren bereit bis an ihre Grenzen zu gehen und manchmal vielleicht sogar einen Schritt darüber hinaus. Somit war dies tatsächlich die liebste Art von Freundschaft, welche der Hüter zu pflegen gedachte. Darum war er gekommen. Aus Respekt. Heute mussten für einander keine Worte gesprochen werden. Blicke und ein Nicken reichte Beiden aus damit der jeweils andere wusste das die Botschaft angekommen war. Als der Sarg der Erde übergeben wurde entfernte sich der Hüter von den Trauernden. Glyzavo atmete tief ein und bog um die Ecke eines großen Backsteingemäuers. Wie zähes Karamell zog sich der Geschmack von bitterem Harz über seine Zunge und ließ ihn würgen. Der Hüter spuckte aus und ließ den Blick der nachtschwarzen Augen nach oben gleiten.
    Mit galant überkreuzten Beinen, die eigenen Blätter als Kleidung eng um den Körper geschlungen hockte sie auf den Dachschindeln. Ihr Blattwerk verschluckte das späte Licht des Tages, als sei es ihrer nicht würdig. Nur hier und da blitzten helle Rindenstellen unter dem tiefschwarzen Blattgewand hervor. Auf ihren Lippen lag ein zartes Lächeln. "Warte Goldstück, ich komme runter", trällerte sie fröhlich und schob sich in einer fließenden Bewegung das Dach hinab. Gleich einem Blatt im Wind segelte sie zu Boden und landete fast geräuschlos in seiner Nähe. Alles um sie herum schien den Atem an zu halten. Als sie auf ihn zukam schien es als würden sich die Kiesel unter ihren Füßen gegenseitig festhalten, um unter ihren Schritten nicht unangenehm aufzufallen. Der Pflanzenbogen auf dem Rücken des Hüters glimmte auf. Bedrohlich, soweit das als Pflanze eben möglich ist, raschelte dieser mit den Blättern. "Ksch", zischte Zavo und griff nach hinten, um das Gewächs vorsorglich von seiner Halterung zu lösen.
    "Ist das nicht ein wundervoller Tag um zu trauern?" Ihre Stimme war samtig wie vergifteter Honig.
    "Was willst du hier?" Zavo spuckte ihr vor die Füße. Einmal um sie auf Abstand zu halten und andererseits um den Geschmack aus dem Mund zu bekommen, welchen ihre Anwesenheit ausgelöst hatte.
    "Als du deinen kleinen Ort der Zurückgezogenheit in der Brisban verlassen hast, wurden mir deine Schritte gemeldet. Ich dachte einfach mal, ich schaue wohin es meinen Lieblingshüter so..." Noch während sie sprach zog Glyzavo den Stab gänzlich aus seiner Halterung und führte ihn in einem schwungvollen Bogen um sich herum. Ihre Schritte stopten. Auch das Lächeln war gänzlich von ihren Lippen verschwunden.
    "So unfreundlich heute? Kein Umarmung und lieben Worte für mich?" Ihr zarter Körper neigte sich leicht gen Seite, als sie um den Hüter herum gen Friedhof spähte.
    "Urgh. Ehrlich? Deswegen bist du hier? Weil einer deiner Lieblingsmenschen abgekratzt ist? Ich glaube mir wird schlecht." Sie schnalzte mit der Zunge, als sie sich gespielt übertrieben schüttelte um ihrem Ekel Ausdruck zu verleihen.
    "Ich kenne den Toten nicht", antworte Zavo und behielt seinen Kampfstab abwehrend vor sich. Er bereute bereits, dass er auf seinen Bogen verzichtet hatte und somit nun völlig auf Nahkampf eingestellt war. Doch während er ihr abwehrend gegenüber stand zeigte sie keinerlei Drohgebärde.
    "Hmm. Du bist also nicht zum Trauen hier? Ach wie fein! Schmecke ich da etwa ein Hauch von Mitgefühl auf meiner Zunge?" Sie gluckste auf und schmatze mehrmals, als würde ihr Lieblingsbonbon langsam in ihrem Mund vergehen.
    "Weckt das etwa alte Erinnerungen bei dir? Oh, mein armes Goldstück. Komm her und lass dich von mir trösten." Ihre Arme ausbreitend tauchten ihre letzten Worte in puren Sanftklang, als wolle sie ihn in einen tiefen Schlaf lullen. Hätte er nicht gewusst was sie war, wer sie war und was ihn in ihren Armen erwarten würde, hätte er sogleich den Stab fallen lassen und sich in ihrer Umarmung verloren.
    "Jetzt sei kein Spross und komm schon her. Ich schenke dir Trost, Wärme und Geborgenheit. Dein Bruder hat es auch immer sehr genossen."
    Der Stab leuchtete auf als der Hüter Schwung holte. Mit dem Stabkopf selbst wollte er ihr ihre frechen Worte aus dem Gesicht dreschen. Doch zum Schlag selbst kam es gar nicht mehr. Kaum das die Bewegung des Hüters in seinen Körper kam nahm die Schwester einige Schritte zurück. Erneut legte sich ein Lächlen auf ihre Lippen, doch diesmal war es ein herausforderndes.
    "Komm und spiel mit mir Zavo", gurrte sie und rannte los.

    Der Hüter setzte nach...

    ~Neid sieht nur das Blumenbeet, nie den ersten Spatenstich und die folgende Arbeit~


Kommentare 12

  • Lianne -

    Ich finde es total interessant, die Empathie der Sylvari als eine Art Geschmack ausgedrückt zu lesen.
    Überhaupt.. sehr toll geschrieben!

    • Luc / Zavo -

      <3 Dankeschön.
      Ich mag diese Art irgendwie und bespiel starke negative Gefühle bei Sylvari schon Jahre so.... und irgendwie war das bis jetzt immer okay :)

  • Arlassia -

    Was für eine Bitch. Herrlich.

  • Motte -

    UUH! Ich finde die Höflingsdame ausgesprochen garstig ! Sehr cool.

  • Cao -

    Sehr stimmungsvoll, lebendig und schön geschrieben, hat mir gefallen und bin gespannt wie's weitergeht, wenn's denn weitergeht.

    Hachja...die Damen vom Hofe!

    • Luc / Zavo -

      Dankeschön :)
      Ich weiß tatsächlich noch nicht ob ich davon die Fortführung ins Forum setze. Mal sehen^^
      Aber ich freu mich sehr das es gefallen hat.

  • Ovy -

    Höflingssylvaridamen gehören zum nervigsten, lästigsten und cringigsten in ganz Tyria und das hast du gut eingefangen... xD