Wiederkehr

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  • Wiederkehr

    Schritte kamen die Straße herab. Hier und da verharrten sie, verweilten einen Moment lang, bevor sie von neuem weiterwanderten. Vor einem verlassenen Haus hielten sie erneut inne. Der Mann zu dem sie gehörten blickte eine Weile auf die Fenster im Erdgeschoss. Die schweren Übervorhänge waren zugezogen. So mochte es schon eine Weile gewesen sein, nichts deutete daraufhin, dass es in der letzten Zeit anders gewesen war. Kein Rauch stieg auf. Kein Licht drang von innen heraus.
    Im Vorgarten zeigte sich das gleiche Bild. Welkes Laub und Fetzen von Papier, dass hier und da in den Büschen und Sträuchern hing, vermittelte den selben Eindruck. Hier war schon eine ganze Weile niemand mehr ein oder aus gegangen.

    Die Gestalt wog einen Schlüssel in der Hand, und während die Finger darüber glitten als berührten sie einen Handschmeichler, setzte sich die Gestalt erneut in Bewegung. Ganz langsam durchquerten sie den Vorgarten, blieb auf dem Weg zur Tür. Als sie sie erreichte führte sie den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn einmal, dann noch ein weiteres Mal. Es gab jedes Mal ein leises Klicken von sich als sich der Riegel ein Stückchen weiter zurückzog. Mit einem Einatmen wurde die Tür ins Innere geöffnet.

    Drinnen wartete muffige Stille auf den Mann, der die Tür zur Straße nach dem durchschreiten nun langsam schloss. Leise. Ganz anders als es ihm zuletzt im Gedächtnis hing. Wie oft hatten die Ereignisse die Menschen die durch sie Schritten dazu geführt sie lauter zufallen zu lassen? Er hatte es nie gezählt. Der Teppich unter seinen Füßen dämpfte jeden Schritt als er die nächste Tür durchschritt und den Windfang verließ. Gleichsam waren auch die Gedanken und Gefühle die er im Moment verspürte gedämpft.
    Er blickte sich um, die Möbel waren unter weißen Tüchern abgedeckt worden, und kein Geräusch erklang. Waren draußen noch die dann und wann heran wehenden Fetzen ferner Gespräch und das Flüstern vom Wind zu hören, die allgemeine Lautkulisse der Straße, schien die Zeit hier drinnen und mit ihr alle Töne im Innern erstarrt zu sein. Etwas fiel ihm sofort auf. Die Zeit war abgelaufen. Ein Geräusch dass er schon immer, selbst in jüngsten Jahren mit der Halle verbunden hatte fehlte. Tick, tock. Tick, tock.

    Behutsam begab sich er sich weiter in die Halle hinein und sah nach oben, zum großen Oberlicht, durch welches nun das Licht hereinfiel, das ihn hierhin geführt hatte. Langsam strich seine Hand dabei über den Quader aus weißem Stoff, zu welchem die Kommode geworden war. Beinahe hätte er die Hand an die Beschläge der obersten Lade geführt, sie geöffnet und hineingeblickt. Eine Gänsehaut die durch seinen Körper und über seinen Rücken rann hinderte ihn jedoch daran. Einen Atemzug lang harrte er aus, bevor er erneut weiterging ins Eck der Halle.

    In einer fließenden Bewegung griffen die Hände nach dem Leinen und zogen es herab. Dann wurde die Tür geöffnet. Ein kleines Schlüsselchen wurde zur Hand genommen und in ein passendes Loch gesteckt. Achtmal drehten die Finger ihn um die eigene Achse, dann nahm er ihn wieder heraus und legte ihn an seinen Platz zurück. Eine Hand legte sich an das Gewicht, die andere an die Kette und so zog er es nach oben. Mit einem einatmen und einer bangen Bewegung hob sich der ausgestreckte Zeigefinger der Linken und stieß an das Pendel. Die Stille wurde durchbrochen. Ein gleichmäßiges Geräusch hob an und füllte Halle und Haus. Tick, tock. Tick, tock.

    Wieder erwachte die Standuhr zu neuem Leben. Eine Taschenuhr wurde aus dem Jackett gezogen und geöffnet. Noch immer war ein bekanntes Bild darinnen. Der Blick senkte sich darauf, dann griffen die Finger der anderen Hand nach dem Zeiger am Ziffernblatt und führten ihn zur rechten Stunde. Erst jetzt zog er auch das Gewicht für den Glockenschlag wieder nach oben und schloss die Tür.

    Er lauschte dem Geräusch der Uhr. Es durchdrang ihn völlig, formte Erinnerungen wie Bilder die zwar allmählich verblasst, aber nie vergessen waren. Langsam wand er sich nach rechts herum und ging Schritt für Schritt weiter. Die Finger legten sich auf eine Klinke und es dauerte einen Augenblick bevor er sie drückte und die Tür öffnete.
    Diesiges Licht filterte durch die schweren Vorhänge von draußen herein. Ein Geruch von Staub lag in der Luft der an alte Teppiche und Bücher erinnerte, doch als sich seine Augen schlossen, nahm er etwas anderes wahr. Tief sog er den staubigen Muff in seine Lungen. Im Kopf vermischte sich Erinnerung und Gegenwart zu einer Melange aus Gerüchen als er zum Mittelpunkt des Raumes ging und den schweren Körper berührte der dort unter dem Stoff ruhte.

    Für eine Weile war er verschwunden, hatte das alles verlassen um ein anderes Leben zu führen, ein einfacheres. Das Leben eines Fischers. Lediglich bestimmt vom Rhythmus der Meeres und dem Auswerfen und Einholen der Netze. Die Welle die nun über ihn hereinbrandete war eine ganz andere. Bilder spülten durch seinen Geist, zeigten ihm die Dinge die dieser Raum gesehen hatte und wie er ihn verlassen hatte. Beinah rissen sie ihn aus dem hier und jetzt. Er erwehrte sich der Flut.

    Langsam zog sich seine Hand zurück. Es würde Tage dauern hier alles zu richten. Vielleicht gar Wochen. Doch es war Zeit. Alle Zeit der Welt, um das Haus und alles was damit zu tun hatte mit neuem Leben zu füllen. Es würde anders werden dieses Mal. In Löwenstein hatte Greg die Dinge mehrfach durchdacht und in `Fels würde Graham sie nun in die Tat umsetzen. Mit vier Schritten war er beim Fenster und zog den schweren Vorhang auf. Licht fiel ein und zerriss die Finsternis.

Kommentare 9

  • Ovy -

    Es passiert gar nicht so viel aber eigentlich schon. Wie das alte Haus wie so eine depressive Zeitkapsel wirkt gefällt mir. Allgemein gefallen mir so alte verlassene Häuser und auch wie du es beschreibst mit den 'Echos' die da drin rumgeistern...

    Konstruktive Kritik: Weniger das Wort 'Geräusch/e' in Absatz drei verwenden, ich meine es gibt ja auch Töne, Laute, Echos etc...

    • Malvala -

      Das ist ein guter Hinweis, den werde ich beherzigen und noch mal umbauen. Ansonsten gefiel mir die Idee der Vergangenheit die in den Dingen steckt auch sehr.

  • Mahorka -

    Juhu er ist wieder da! <3 auch wenn ich ihn nie kennenlernen werde D:

    • Malvala -

      Say never no! Aber bisher hat er sich wirklich davor gedrückt! *nod*

  • Motte -

    Ich find' zwar nichts heraus aber ER IST WIEDER DA!!! <3

    Edit: Auch das getapte Logo ist die pure Liebe!

    • Malvala -

      Ja, er ist zurück und der Bruch muss ja erst noch heilen! :D

    • Motte -

      "Herr Turpin, es ist mir eine ausgesprochene Freude Euch wieder zu sehen." *Merkel-Raute*

  • Mia -

    asdkölajskldlökasdjaslkdjasökldjaölkjs´weüpqwoeüp+qwoe! *spammt*

    Ich.
    Ja.
    Nein.
    JA!
    Ich liebe ihn.
    Zwei meiner Charaktere lieben/liebten/findsheraus ihn!

    <3

    • Malvala -

      *versucht die Buchstaben Suppe zu ordnen*

      Er liebt/liebte/findsheraus zwei deiner Charaktere!

      *blush*