Zwangsurlaub

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  • Zwangsurlaub

    Lautes, kraftvolles Rauschen durchdrang den Löwensteiner Hafen, erzeugt von der beständigen Brandung, die gegen die Kaimauern drängte. Durchbrochen wurde die eintönige Geräuschkulisse nur von den laut gerufenen Anweisungen der Arbeiter, die Ladung von den großen Segelschiffen löschten oder neue Waren verluden, die wer weiß wohin verschifft werden sollten. Dazwischen mogelte sich der eine oder andere Fischer, der seinen Fang transportfertig machte oder seine Nussschale zum Auslaufen vorbereitete. Geschäftsmänner, die ihre Verträge schlossen. Und Reisende, die dem ganzen Treiben aus sicherer Entfernung zusahen.

    Und über alledem thronte ein alter, griesgrämiger Charr mit mattschwarzem Fell, die Pranken auf einer Begrenzungsmauer aufgestützt und missmutig hinunter blickend. Grom erinnerte sich – erinnerte sich still an die alten Zeiten als Hafenarbeiter. An die Zeiten vor den Wachsamen. An die Zeiten nach der Zitadelle. Fast glaubte er, er wäre zu Hause. Doch er war es nicht. Er war es nie, wollte es nie. Sein Zuhause war das Schlachtfeld. Der Krieg. Der Kampf. Dabei spielte es keine Rolle, ob er Goldlegionäre, Drachendiener oder Diebe, die Ladung stehlen wollten, vermöbelte. Er wollte kämpfen, wenn es sein musste um Leben und Tod. Und jetzt stand er hier, an der Mauer und stierte hinab in den Hafen und sinnierte darüber, was alles falsch gelaufen war. Und welche Rolle sein pelziger Hintern dabei spielte.

    Er erinnerte sich an damals, als sein alter Legionär ihn und seinen Trupp verraten hatte, weil er mit den Flammlern kooperierte. An die Flucht bei Nacht und Nebel nach Löwenstein, zu der ihm sein alter Ausbilder geraten hatte, noch während er im Lazarett lag. An das neue Leben als Hafenarbeiter, die Freundschaften von damals. An das lockere, bunte Treiben in der Hafenstadt, die ein Schmelztiegel der Kulturen und Völker war und immer noch ist. An den Moment, als sich die ganze Sache aufklärte und man ihm anbot, zurückzukehren – und er es forsch ablehnte. An die Neuigkeit, das Kralkatorrik erwacht war und Chaos und Zerstörung über seine alte Heimat brachte. An den Tag, als er schließlich bei den neu gegründeten Wachsamen aufschlug und seine Karriere als Krieger fortsetzte… und dann an den letzten Einsatz mit der Siebten.

    „Ach verflammt..“ entkam es ihm knurrig dabei, während das Leder seiner zivilen Rüstung knirschte, als er die Pranken gefährlich ballte. Wäre es anders gelaufen, hätte er den letzten Schritt der Mission angeführt? Oder wenn er der ganzen Truppe zuvor schon ordentlich in den Hintern getreten wäre? Hätten sie Zapp wirklich schnappen und vors Kriegsgericht zerren können? Er wusste es nicht, er hatte keine Antworten auf seine eigenen Fragen. Was er dafür umso besser wusste war, wie das Ganze ausging. Die hastige Flucht, als der arkane Hauptreaktor des riesigen Kriegsluftschiffes überlud, die magische Explosion, die ihr eigenes, von den Korsaren abgerungenes Luftschiff ordentlich durchrüttelte während sie so schnell wie möglich davon wegkamen. Die Tatsache, das derjenige, der für das alles verantwortlich war ungeschoren davongekommen war. Und die Tage des Rückfluges danach, die davon geprägt waren jeden einzelnen Schritt der Operation haarklein aufzuschreiben – nur um am Ende doch vor die Tür gesetzt zu werden, während das Oberkommando seine eigenen Untersuchungen anstellen wollte.

    Denn nichts anderes war die Beurlaubung in seinen Augen. Ein Rauswurf auf Zeit. „Spitzklaue hat‘s verkackt...“ brummelte er dabei, äffte vielleicht den einen oder anderen Mit-Kriegsmeister nach, der vorher schon an seinen Fähigkeiten gezweifelt hatte und nun die Bestätigung sah. Auch wenn die Zeit in Südlicht – geprägt von Wasserpfeife und Blutwhiskey am Strand – eine, nach dem ganzen Theater vielleicht sogar willkommene, Abwechslung war - so langsam reichte es ihm. Er wollte wieder mitmischen, gerade jetzt wo er gehört hatte, dass der Pakt abermals einen Alt-Drachen angehen wollte. Ausgerechnet den, der dafür gesorgt hatte, das es die Wachsamen überhaupt gab.
    Aber er stand hier, am Hafen von Löwenstein. Fragte sich dann, was der Rest der Truppe machte. Von Yuniko und Aadil wusste er es – die Kurze hatte sich auch bei ihm abgemeldet, nachdem sie heimlich, still und leise ihren Plapper-Schützen mit elonischen Wurzeln geheiratet hatte und beide nun die traute Zweisamkeit in einer langen, ausgedehnten Hochzeitsreise genießen wollten. Sei es drum. Der Rest würde wohl an der Feste warten. Still hielt er schließlich inne, dachte nach. „Hrm.. vielleicht..“ Er sprach es nicht aus. Möglich, dass es an der Zeit war, formal und offiziell um einen Rücktritt zu bitten. Den Kriegsmeister an den Nagel zu hängen und wieder einer einfacheren Tätigkeit nachzugehen. Söldner vielleicht. Oder Hafenarbeiter… immerhin war er schon hier, da konnte man sich auch gleich mal nach einem neuen Job umhören.

    Grom verlor sich für ein paar lange Momente in diesen Gedanken. Doch jäh wurde der alte Charr dann aus eben jenen gerissen, als er hinter sich eine altbekannte Stimme hörte. „Ehre und Wachsamkeit, Kriegsmeister. Ihr seht zu 70% genug ausgeruht und 30% gelangweilt genug aus. Wir müssen reden.“ Langsam setzte sich der massige Körper in Bewegung, drehte sich herum – und da stand Nokomis hinter ihm. Ihres Zeichens Leutnant der siebten Kompanie und derzeitige Interims-Anführerin. „Wenns denn sein muss, Leutnant.. nach euch.“ brummelte er als Antwort, ehe er ihr hinterher trottete. Aber ein leichtes, sachtes Heben der Lefzen konnte er sich dann doch nicht verkneifen. Obwohl er nicht einmal wusste, was es nun schon wieder gab…

    - Fortsetzung folgt

Kommentare 12

  • Ovy -

    Ach der war auch Hafenarbeiter?? Cool Story Bro! Ich mag das echt wie so....ziemlich/relativ alte RP-Charaktere Müdigkeitserscheinungen zeigen. Bzw. älter werden!

    Ja und der Plot war Ein schönes intensives Chaos, wenn ich vielleicht auch das Nachspiel verpasst habe beziehungsweise es dann relativ abrupt vorbei war für mich.

    Ich kenn da auf jeden Fall noch einen anderen schwarzpelzigen Charr der nach der Sache von seinen Vorgesetzen nicht mit Orden überschüttet wurde...;)

  • Minna -

    Hab ich überhaupt schon mal Geschichten von dir gelesen? Oo
    Du hast einen erstaunlich erwachsenen Schreibstil - oder es ist die Schriftart! :P

    • daspete -

      Hab mal ne andere Schriftart ausprobiert :P aber ja, gibt noch mehr Geschichten - hauptsächlich auf den letzten Wachsamen-Plot bezogen, und auch von Alexa (die sind aber schon älter)

  • Mahorka -

    "Den Kriegsmeister an den Nagel zu hängen und wieder einer einfacheren Tätigkeit nachzugehen. Söldner vielleicht"...
    Die Iorga ist dagegen! Dann söldnert ihr immernoch nicht Verlobter wieder rum weil er den Kater nicht alleine lassen kann und sie verdient weniger! A B G E L E H N T!

    • daspete -

      :c Okay...

    • Mahorka -

      Brav ò.ó

    • Border -

      *sucht nach seiner Söldnerrüstung aus alten Tagen* ich bin auf deiner Seite, battle brotha! Gib dich nicht dem Matriarchat hin, wir machen das!

    • Mahorka -

      *hat die längst versetzt und verschränkt die Arme vor der Brust*

    • Border -

      .. wo ist mein Anzug? Frau, ich brauche meinen Anzug! Es geht hier um das höhere Wohl!