Ailith' letztes Lied

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen


  • Ailith' letztes Lied
    Spoiler anzeigen
    Spoiler: Vergewaltigung, Tod


    Spoiler anzeigen

    Zwei Jahre waren vergangen. Don und Ailith begingen ihr fünftes Ehejahr; Olivia hatte es geschafft, unvermählt zu bleiben. Ihre Schönheit war unvergleichlich, aber ebenso auch ihr Geschick, Bewerber verbal zu entmannen. Natürlich zürnte Glenn ihr diesen Schneid, denn auch von ihr erwartete er Ehrgeiz bei der Fortführung seiner Blutlinie, aber im Gegensatz zu Don war sie sein Augenstern. Er liebte sie mehr als er ihre Mutter geliebt hatte, freilich ohne Perversion, aber Olivia bekam noch Gnade von ihm, wo diese für andere Menschen längst erschöpft gewesen wäre. Hätte Glenn Vanhoven die Ränkespiele verstanden, die seit fünf Jahren in seinem Haus herrschten, von ihm ungesehen, er hätte wohlmöglich anders gehandelt in jener Nacht als er Ailith's privates Schlafgemach betrat. Er war alt; jenseits der sechzig allemal, doch das schlohweiße Haar und die elfenhafte Schönheit seiner Ahnen waren immer noch zu erkennen. Es war diese Schönheit, in die sich Rhonda einmal verliebt hatte, die sie sogar eine Weile blind gemacht hatte für Glenn's Grausamkeit. Ailith aber war immun gegen männliche Attraktivität, und sie wusste, ihr Schlafzimmer war der letzte Ort, an dem Glenn Vanhoven sein sollte.

    "Herr?," fragte Ailith, kaum ein Stimmchen im Leib. Er war immer noch der Hausvorstand, sie wollte ihm Respekt erweisen und verließ sogar ihr Bett um artig zu knicksen.

    Glenn schritt durch das Damenzimmer, vorbei an den Perücken und Kleidern, die Ailith' Zofe bereits für den nächsten Tag vorbereitet hatte. Die Schleppe seines Morgenmantels kroch ihm nach.

    "Beglückt er Euch regelmäßig, mein Sohn?" fragte Glenn und blieb an ihrem Frisiertisch stehen, drehte an dem Zahnrädchen der Ballerina ihres Schmuckkästchens.

    "Ja!" antwortete Ailith kühn. "Ja, ich bin äußerst beglückt, Herr." Ihre Wangen brannten vor Scham aber noch hoffte sie, durch brave Antworten davon zu kommen. Das Schmuckkästchen spielte eine Melodie, zu der sie einmal mit Olivia getanzt hatte, es war ein schöner Spätsommertag gewesen. Das Lied jetzt zu hören fühlte sich gänzlich falsch an.

    "Dann muss es an seinem Samen liegen. Er ist minderwertig," sagte Glenn.

    Ailith gefror das Herz in der Brust. Glenn würde doch nicht? Sie wollte sich gar nicht ausmalen, was ein grausamer Mann wie Glenn bereit wäre zu tun, um doch noch einen Erben zu erhalten. Das war widerlich. Er war zu alt, oder? Sie wusste es nicht mit Sicherheit und trat einen Schritt zurück auf das Bett zu. Innerlich wollte sie schreien, aber das versprach wenig Hoffnung, Glenn hatte Macht über ganz Eichenbruch. Später aber schrie sie doch, und eigentlich hörte sie nie wieder damit auf.
    ____

    Es war Don, der sie später fand, sie kauerte vor seinem Giftschrank und weinte bitterlich.

    "Ailith?" Er kniete sich zu ihr, versuchte sie zu beruhigen, doch dann sah er die vielen Flaschen, die um sie herum verstreut lagen, manchen fehlten ihre Korken. Kurz erfasste er die Etiketten, sah dann erschrocken in ihr Gesicht und rahmte es in seinen Händen.

    "Ailith, was hast du genommen?"

    "Alles," hauchte sie.

    Er konnte nichts mehr für sie tun.

    Lebe, liebe, lache und ruf auch mal die Oma an!

    <3

    Keep calm and wash your hands.

Kommentare 15

  • Minna -

    Kannst du bitte wieder längere Geschichten schreiben?
    Dadurch das ich nun eine nach der anderen lese, war ich gerade noch in der farbenfrohen Welt von Olivia und Ailith - grinste fröhlich vor mich her und dann SOWAS! Uff.

  • Margos -

    Mir fehlen immer die Worte bei deinen aktuelle Geschichten ,einfach weil ich solche Geschichten dir nicht zu getraut hätten und iwie mein Bild von dir "zerstört" haben xD

    Ich habe in meinem Leben noch nichts gelesen, das so einen Hass und Abscheu gegenüber einen Charakter auflodern lassen hat. Und ich hab schon Kriminalberichte gelesen und Tätergutachten in aller Art.

    Spricht sehr für deinen Schreibstil.

    • Motte -

      Dankeschön! Aber jetzt bin ich natürlich neugierig: Was hattest du für ein Bild von mir? xD <3

  • Thalaniel -

    Ich hoffe, du schreibst, wie Glenn irgendwann das Zeitliche verflucht. Für das Segnen ist der zu grausam.
    Aber sensationell beschrieben. *Hut lupf*

    • Motte -

      Dankeschön! Ja, Glenn wird sterben, keine Sorge! Die Geschichte ist schon ziemlich solide in meinem Kopf aber vorher will ich noch ein paar andere schreiben. XD <3

  • Erythna -

    Ich wünsche mir einerseits das nie gelesen zu haben. Andererseits bewundere ich echt deine Schreibkunst hier. Was ein Ekel!

  • Amnesyas -

    Du hast es geschafft. Ich bin sprachlos... Wie du mit so wenigen Worten eine derartige Grausamkeit umschreiben kannst, ist bewundernswert.

  • Mahr -

    Schon allein widerlich, wie er mit der Frau seines Sohnes über sein Sexleben reden will! Bäh.
    Was für ein Ekelpaket!

  • Harlem -

    Oh nein! Und Olivia? Oh maaan. :(