Neue Exponate für das Naturkundemuseum


Neue Exponate für das Naturkundemuseum


Rückblick


Winter:


Eichenbruch war eine überwucherte Festung in Gendarran; nah der Wälder, die von Zentauren beherrscht wurden. Die alternde Brieftaube hatte wahrlich einen beschwerlichen Flug hinter sich, als sie schließlich auf dem steinernen Balkon des Barons landete. Der Mann trug ein grünes Ornat und das lange blonde Haar fiel wie Feenseide über seinen Rücken. Er hätte androgyn gewirkt, wären seine Augenbrauen nicht dunkel und markant und über dem linken eine feine Narbe aus vergangener Zeit. Er gab dem erschöpften Tier zunächst Wasser und getrockneten Mais. Erst nachdem es sich etwas gestärkt hatte nahm er der Ministeriumstaube ihre Botschaft ab und studierte sie mit Sorgfalt. Dem Tier stand es frei ihm in die Schreibkammer zu folgen. Don hinderte es nicht; auf Eichenbruch lebten Architektur und Natur in Symbiose, die Innenräume von Pflanzwuchs erobert. Don setzte sich an seinen Sekretär, tauchte den Federkiel in grüne Tinte und schrieb. Er schrieb ihm gerne, diesem Alucard Belmont, denn er arbeitete für das krytanische Ministerium, im Ressort für Kultur und Bildung, und verhieß dem Naturkundemuseum Shaemoor sagenhafte Leihgaben. Beim nächsten Brief war es schon keine gebrechliche Taube mehr, die ihm Nachricht von Belmont brachte, sondern ein Paradiesvogel mit weißgoldenen Gefieder. Don lächelte sogar als das stolze Tier seinen Mais ausschlug und eilte sich seiner Antwort. Es gab wenig, das ihn so sehr mit Begeisterung erfüllte, wie die Aussicht auf ein spektakuläres Exponat. Nun war Begeisterung eine Emotion, die Don schwerlich ausdrücken konnte, seine Briefe waren nüchtern. Aber er fieberte dem Tag entgegen wie ein Kind dem Schnee.


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Frühjahr:


"Was ist das?" fragte Olivia mit gnadenloser Ignoranz.


"Moos." Offensichtlich. Aber Don behandelte es nicht wie Moos. Zumindest nicht so, wie ein normaler Mann Moos behandeln würde. Ganz sorgfältig pflegte er es in die Sammlung ein.


"Don. Ich bin die Präparationstechnische Assistentin, lass mich da-"


"Finger weg!" heischte er sie an.


Olivia hob die Hände mit gewisser Dramatik und stellte sich artig ins Abseits.


"Gut. Schön. Dein Moos. Aber ich will es wissen. Was hat es damit auf sich?"


"Es ist eine neue Moosart, die jedoch evolutionär in eine Sackgasse steuert, spezialisiert auf Mordrem-Überreste baut sie das morsche Holz allmählich ab. Die Art ist bisher ausschließlich in Umgebung von Ley-Linien aufzufinden und konnte sich vermutlich daher ungewöhnlich schnell entwickeln und auf Mordremoths Magie spezialisieren."


"Aha... und hat das Ministerium uns auch noch etwas anderes gespendet?" fragte sie hoffnungsvoll.


Don nickte nur lasch in einen Nebenraum.


Zögerlich ging sie hinüber. In Momenten wie diesen war ihr nur allzu bewusst, wie anders ihr Bruder war. Ihr Bruder, in dessen Händen nicht nur der Erfolg des Museums lag sondern auch das Schicksal ihres Hauses.


"Wow!" machte sie dann aber als sie die anderen Leihgaben erblickte. "Don! Das ist ja GROßARTIG!"


"Ich weiß."

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