Viehmarkt VI

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  • Viehmarkt IV

    Das Frühstück war im Hause Vanhoven die wichtigste Mahlzeit des Tages. Die Tafel war stets reich gedeckt, man besann sich auf den eigenen Wohlstand und ehrte Melandru im Gebet - eine langweilige Pflichtveranstaltung für Olivia. Aber Don bestand drauf und er hatte das Sagen.

    Er und Celeste ergingen sich auch heute wieder in wissenschaftlichen Kauderwelsch und Olivia wartete auf die Post. Sie wollte den neusten Klatsch der hohen Gesellschaft lesen. Der Bote brachte ihr aber nicht nur die neue Schirm&Stock sondern auch einen Brief.

    Während man sie also kollektiv ignorierte, dankte sie dem Boten, öffnete das Kuvert und las die Zeilen. Ein kleines Lächeln zierte ihre Lippen. Der Brief war von Gregoij Cornwall. Sie freute sich über seine Briefe. Sie hatte angefangen ihm zu schreiben nachdem sie Don das Herz ihres Vaters in den Brustkorb gesetzt hatte und nicht wusste, ob er es schaffen würde. Seine Zeilen hatten ihr absurderweise durch diese schwere Zeit geholfen.

    Sicher, Gregoij faselte ziemlich viel vom Ruhm Krytas und dem Aufstieg ins Licht, aber er hatte Prinzipien und Intellekt. Außerdem hatte er sich bereit erklärt, ihr einen Tanz zu schenken. Natürlich war sie weit davon entfernt sich in einen Mann zu verlieben, aber sie fing an ihn schätzen zu lernen.

    Don hatte aufgehört mit Celeste zu fachsimplen. Olivia spürte seinen Blick auf sich ruhen.

    "Was erheitert dich so?" fragte Don.

    "Baron Cornwall. Er hat Esprit." Olivia lächelte ihren Bruder an und faltete den Brief. Etwas in seinem Blick ließ sie aufseufzen und ihm das gefaltete Papier entgegen strecken. "Möchtest du es lesen? Verzeih, ich vergaß, dass du ebenso mit ihm verlobt bist wie ich."

    "Du bist nicht mit ihm verlobt," stellte Don richtig und schlug das Angebot aus, auch wenn seine Pupillen kurz auf den Brief rutschten ehe sie wieder in Olivia's Augen fanden.

    "Aber bald. Wenn es nach dir ginge wäre ich doch schon längst weit fort auf seinem Anwesen."

    "Nein - Die Dinge haben sich geändert," sagte Don. "Du trägst jetzt den Dorn in dir. Das macht dich unberechenbar und gefährlich. Ich weiß dich lieber sicher bei mir, wo ich dich beschützen kann. Schreib Baron Cornwall, dass du ihn nicht heiraten wirst. Freu dich nur nicht zu offensichtlich."

    Olivia stieß einen Laut des Unglaubens aus. Dann erhob sie sich vom Tisch und sah ihn an als habe er ihr eine Rüge verpasst.

    "DAS schreibst du ihm schön selbst. Ich werde Baron Cornwall nicht derart beleidigen. Das hat er nicht verdient. Er ist ein guter Mann."

    Don war sprachlos. Er war es auch noch als die Tür hinter ihr zufiel. Ratlos blickte er zu Celeste.

    Celeste hatte geschwiegen, beobachtet und so getan als würde sie sich nicht allzu sehr für Olivia's Belange interessieren. Das tat sie oft in Don's Gegenwart um ihn nicht zu reizen. Sie verhielt sich respektvoll und sprach nicht gegen seine Entscheidungen. Aber sie hatte sich angewöhnt Olivia den Beistand angedeihen zu lassen, den Don ihr nicht geben konnte.

    Doch in diesem Moment hielt die ehemalige Morgayne es für richtig mit Don zu sprechen und ihn zu erweichen. So hörte er sie sachte beginnen:

    "Weißt du, ich glaube wir sollten ihr die Entscheidung selbst überlassen. Also, ob sie diesen Cornwall heiratet, oder nicht."

    Sein missbilligendes Schnauben war Antwort genug.

    Celeste schnalzte nachdenklich mit der Zunge und schaute zur Tür, durch die Olivia so eben verschwunden war. "... Aber ich bin bei dir, dass sie besser hier auf Eichenbruch bleibt. Ich will sie nicht verlieren." Ihr Blick war weich und auch ein wenig verletzlich. Sie sorgte sich um Olivia.

    Don sah es.

    "Ich appelliere an dein Wohlwollen, denn dieser Dorn ist auch für sie ein schweres Laster. Nicht nur für uns." Celeste schenkte ihm ein aufrichtiges Lächeln und fasste nach seiner Hand.

    "Geh zu ihr," sagte Don. Seine Entscheidung stand nicht zur Debatte. Aber Celeste hatte ihn überzeugen können, dass Olivia eine Freundin brauchte, jetzt mehr denn je.

    Nachdem sie gegangen war verblieb er nachdenklich zurück. Ihre gemeinsamen Tage mit Olivia waren gezählt. Es war nur eine Frage der Zeit bis er wieder töten musste.
    Lebe, liebe, lache und ruf auch mal die Oma an!

    <3

    We're all bad in someone's story.

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