Mutation?



Mutation?


Celeste war gerade durch die Tür hinaus und Olivia räumte auf. Die Untersuchungen waren nun wöchentlich. Die Nekromantin hielt die Glückseligkeit der anderen beiden kaum noch aus; das Händchen halten, die warmherzigen Blicke, das Bauchstreicheln. Dieses Kind einte eine Liebe zu der Olivia nicht dazu gehörte, obwohl sie es doch so schmerzlich wollte.


"Du bist ja noch da," bemerkte sie beiläufig ohne ihren Bruder anzusehen, die Hände am Untersuchungsbesteck.


Don antwortete nicht, er stand nur da und sah sie an.


"Du willst wissen ob es zwei Köpfe hat, nicht wahr?" sprach sie zu ihm. Dann kehrte sie sich um, das Kinn leicht erhoben. Sie war nicht stolz drauf, aber es bereitete ihr Freude, dass er so von ihr abhängig war, von ihrer Expertise.


Don sagte nichts dazu, aber sein Blick reichte ihr. Sie hatte ihn richtig eingeschätzt.


Olivia lächelte dünn, flanierte auf ihn zu und strich die Länge seines Armes ab. "Die gute Nachricht,... " hauchte sie im Flüsterton: "... es ist nur ein Herzschlag, Don. Keine Zwillinge, die sich gegenseitig zerstören... nicht so wie wir." Die letzten Worte wollte sie ihm gereckt auf den Hals tupfen, aber er neigte sich aus ihrer Nähe heraus und sprach ihren Namen wie eine Mahnung. Sie grinste sacht auf und strich über seine Brust.


"Was würdest du tun, Bruder? Was würdest du tun, wenn der Erbe Eichenbruchs eine Mutation wäre? Würde er leben oder würde er sterben? Was für eine Art Herrscher bist du?" Sie hob ihren Blick zu Don, sah tief in seine Augen.


"Olivia..." Seine Stimme war sanft und souverän, er nahm es ihr nicht übel, sie war seinetwegen so grausam. Aber er brauchte Antworten. "Spiel nicht mit mir, sag es mir einfach: Ist es ein gesundes Kind?"


"Es ist schwer zu sagen in diesem Stadium," sagte sie. Es klang ehrlich. Es klang auch so als sei ihr die Freude daran vergangen ihn zu triezen. Ihre Hand fiel mit einem letzten zärtlichen Streich von seinem Brustkorb ab und sie ging zurück an ihren Tisch. Dort sah sie über die Schulter zu ihm.


"Ich würde es dir sagen, wenn ich es wüsste," versicherte sie.


Er nickte sacht, bedankte sich und ging.


Olivia verblieb. Sie hatte ihn angelogen. Sie wusste alles. Aber sie kämpfte jetzt wieder an ihrer eigenen Front.

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