Der Fremde im Regen

Der Fremde im Regen


Es war ein dunkler Abend in der Bibliothek. Die wenigen Kerzen warfen ihre flackernden Schatten an die Wand. Sie wirkten wie Finger die nach der etwas Unsichtbaren greifen und doch schien es sich ihnen immer wieder zu entziehen. Draußen weigerten sich die Wolken auch nur einen Strahl des Mondlichtes durch zu lassen. Stattdessen schien es als würden sie den Wind unterstützen als dieser mit seinen Händen an den Fensterläden rüttelte. Über ein Buch gebeugt, vertieft in dessen Inhalt, mit den Fingern über das alte Pergament und die eingetrocknete Tinte fahrend, saß der Mann. Würde man ihn so sehen würde man ihn sicher für einen Greis halten, dünn, bleich und zerzaustes Haar. Die Kleidung zwar aus feinen Stoffen, aber sicher schon ein paar Jahrzehnte alt was die Mode anging.


Immer wieder murmelte er vor sich hin, schlug in dem Buch vor und zurück, überflog Zeichnungen und murmelte dann wieder. Ab und an wurde das Gemurmel und Geräusch raschelndes Papieres von dem Kratzen einer Feder über Papier unterbrochen als der Mann sich Notizen zu machen schien. Es war für ihn wohl keine ungewöhnliche Situation und doch war er angespannt, ja schon fast verkrampft. Mit der Rechten fuhr er sich durch das Haar und strich zwei Strähnen zurück die seinen Blick gestört zu haben scheinen. Er schüttelte knapp den Kopf und blätterte hastig zurück auf eine reich illustrierte Seite. Nur um dann wieder vorwärts zu blättern. Es schien so als würde das Buch ihn seine Geheimnisse bereitwillig mitteilen, ihn näherkommen lassen. Kalter lief es seinem Rücken herunter, ein Schweißtropfen fiel von der Stirn und wurde schnell von dem teuren Papier aufgesaugt.


Ein Donnerschlag hallte durch die Dunkelheit. Der Mann schreckte hoch, Panik starrte mit seiner Grimasse aus seinem Gesicht. Ein kräftiger Windhauch riss einen Fensterladen auf und wirbelte Papier und Pergament vom Tisch. Fluchend machte sich der Mann daran sie einzusammeln und schloss das Fenster. Als er kurz hinaussah, sah er im Regen eine einsame Gestalt durch den Garten des Anwesens wandern, gekleidet in einem langen Mantel, den Kragen hoch und mit einem altmodischen Hut. Es wirkte als würde die Person sich wenig aus dem Regen machen. Sie wirkte als würde sie einfach wie an einem Sommertag die Wege entlang flanieren. Vollkommen hypnotisiert folgte der Mann mit den Augen dem Fremden, die Papiere entglitten langsam der Hand und segelten langsam wie Herbstlaub auf den gefliesten Boden der Bibliothek. Noch ein Donnerschlag folgte doch dieser hier war anders, lauter und doch schwang etwas in ihm mit, ein anderes Geräusch, etwas das nicht von dieser Welt schien. Wenn man es hätte beschreiben sollen, es wäre nicht dem größten Dichter der Welt möglich gewesen. Selbst das Flackern der Kerzen ließ nach als würden sich die Finger versuchen nun dem Unsichtbaren zu entziehen. Der Jäger zum Gejagten werden. Der Fremde blieb stehen, er wendete sich zum Fenster und schaute zum Mann, schaute ihn direkt an und, dass was der Mann erblickte war das Schlimmste was er je erblickte…


Comments 4

  • Konstruktive Kritik also, soso! Na dann wollen wir mal...


    Erst einmal bin ich immer wieder beeindruckt, was für tolle Autoren sich teilweise in der RP-Com verstecken. Ich finde du hast einen sehr schön bildlichen und auch lyrischen Schreibstil, was man vielleicht gar nicht weiß, weil im Open RP meist kein Platz dafür bleibt. Ich bin jedenfalls sehr positiv überrascht. Die Szene fühlt sich greifbar an, der Spannungsbogen ist gut geführt und der Cliffhanger am Ende ist...gemein. XD

    Wenn es darum geht, was man noch verbessern könnte, würde ich zuerst mal anraten, das ganze noch mal ein paar Stunden liegen zu lassen, noch mal drüberzuschauen oder ggf. jemand anderen drüberlesen zu lassen um ein paar Flüchtigkeitsfehler auszubügeln.

    Ich finde es auch bemerkenswert, dass du nicht dem unter Rollenspielern recht verbreiteten Syndrom unterliegst, jeden Satz mit Adjektiven zu spicken bis zum Gehtnichtmehr. Das passiert vielen, auch mir oft, hast du aber sehr professionell umschifft.
    Eventuell könnte man mit einem zweiten Drüberlesen hier und da Wortwiederholungen ausbessern, eventuell Worte die zu schnell aufeinanderfolgen durch Synonyme ersetzen. Besonders auch bei dem Wort "Mann" das in diesem Fall den Namen des Szenenprotagonisten ersetzt. Viele Autoren neigen dazu, den Namen ihrer Charaktere zu oft zu schreiben, was meist gar nicht nötig ist. Besonders in diesem Fall käme man mit einem ganz schlichten "er" wunderbar aus, denn wir haben die meiste Zeit über nur eine einzige anwesende Person die Fokus der Perspektive ist.


    Wenn mehr Charaktere dazukommen, kann es auch hilfreich sein, sich verschiedene Benennungsarten und Unterscheidungsmerkmale auszudenken. Zum Beispiel "der Rotschopf", "die Sommersprossige", "die Schreiberin", "der Elonier".

    Abgesehen davon aber ein sehr schönes Stück. Vielleicht täte dem ganzen eine etwas größere Schriftart (Arial ist glaube ich Standard fürs Forum) ganz gut, das ist fürs Auge einfach angenehmer. Ich freue mich jedenfalls auf mehr aus deiner Feder!

    • Vielen danke für die lange, ausführliche Kritik! Ich werde in der nächsten Geschichte versuchen diese einzubringen!

  • Sehr atmosphärisch! Ich mag's!