
Der Hofmagier - Das 4. Gesetz
An diesem Abend hatte Lavande seinen Gauklerkarren auf einem Festplatz aufgeschlagen, wo man die Ernte feierte. Der Hochadel der nahen Reiche war versammelt, aber auch viele Bürgerinnen und Bürger und natürlich Händler, die ihre Waren feil boten.
Der Karren war geschmückt mit schillernden Tüchern und kunstvollen Malereien, beleuchtet von einer Kette Lampions. Lavandes Wunderwagen stand dort in lila farbender Zauberschrift, die einem geplatzten grünen Flakon entsprang. Allerlei magischer Nippes war mit Tauen und Netzen an dem Karren festgezurrt und viele Spiegelrahmen waren außen angebracht, vor denen die Kinder ihre Fratzen schnitten. Die Spiegel verformten ihre Abbilder, machten sie klein, dick, groß, dünn. Es war ein großer Spaß, der dafür sorgte, dass immer ein Pulk Kinder am Karren stand.
Lavande sprach sie an und lud sie auf eine märchenhafte Vorstellung ein, dann wob er ihnen Sagen und Legenden aus den nahen Wäldern. Viele dieser Geschichten kannten sie, waren sie doch im Volksglauben der Region verhaftet und so eiferten die Kinder darum erzählen zu dürfen, was als nächstes passierte und Lavande begnügte sich damit zu ihren Worten die Bilder entstehen zu lassen. Die Kinder lachten und klatschten und die Eltern warfen ein paar Münzen.
Während Lavande seine Zuschauer unterhielt beobachtete ihn ein Mann aus der Ferne. Der Graf von Sturmhammer fand Gefallen an der leichten Kunst. Er war ein Mann des Militärs, der wenig solcher Freuden in seinem Leben kannte. Doch die Waldmärchen hatte er immer geliebt, als kleiner Junge schon. Er entschloss, sich nach der Aufführung bei dem Zauberkünstler zu bedanken, hatte er doch warme Kindheitserinnerungen hervor geholt. Doch gerade als der Zeitpunkt dafür gekommen war, da wurde der Gaukler bereits von einem anderen Mann angesprochen, dem Grafen von Verlaine, der dafür bekannt war, ein Kunst Mäzen zu sein.
Der Graf von Sturmhammer beobachtete das Gespräch und während er das tat, dachte er darüber nach, was für eine schöne Sache es wäre, selbst ein Kunst Mäzen zu sein und diesen Gaukler anzustellen, auf dass er den Hof mit seiner Kunst erfreuen mochte. Sobald der Graf von Verlaine hinfort getreten war, hielt er strammen Schrittes auf Lavande zu. "Halt, Gaukler!"
Lavande kehrte sich zu ihm um und verneigte sich.
"Ich sah Euch mit dem Grafen von Verlaine sprechen... Was hat er Euch angeboten?"
"Nicht genug," entgegnete Lavande souverän. Dabei hatte von Verlaine ihm keinerlei Angebot gemacht, sondern ihn nur freundlich darauf hingewiesen, dass er auf diesem Platz nicht spielen durfte.
"Dann kommt an meinen Hof. Ich möchte, dass Ihr meine Gäste mit Eurer Kunst erfreut. Ihr sollt bekommen, was immer Ihr benötigt."
"Das ist sehr großzügig von Euch, Hoheit. Es wäre mir eine Ehre."
Er hatte schließlich nicht zufällig genau heute auf diesem Platz die Waldmärchen gespielt.
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