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  3. Wüstenrudel

Ohne Rudel..

  • Sunshine
  • September 26, 2025 at 9:26 PM
  • 277 times read
  • 2 Comments

...fühlt sich Diyar wie nur ein halber Mensch, oder Wolf. Die Rose hat sich verpisst, die anderen drei haben ihr eigenes Leben begonnen. Genau dafür hatte er sie alle gerettet und nach Kryta gebracht. Um dem Leben in der Wüste zu entkommen - den nächtlichen Überfällen durch Erweckte, dem Hungerleiden, das drohende Verdursten, dem scheiß Sand in jeder Körperritze. Wobei er genau jenen vermisst. Den Sand unter seinen Füßen, die trockene Luft auf der Haut, die Hitze der Sonne, die einem das Hirn wegbrennen konnte, wenn sie hoch am Himmelszelt stand.
Götterfels ist nass, kalt und stinkt, egal in welche Gasse man einbiegt. Überall sind Türen und Fenster, hohe Mauern und verschlungene Pfade. Kein offenes Land, keine Weitsicht in die Ferne möglich. Eingesperrt wie in einem verdammten Käfig.
Aber die Jungs hungern nicht mehr. Sie haben ein Zuhause, ein Bett, vielleicht sogar Weiber. Es war nicht so leicht sie zu sozialisieren, aber nach viel Blut und Schweiß haben sie ihr Leben endlich beschreiten können.

Jetzt steht Diyar außerhalb der Mauern auf einem Hügel im Tal und starrt die hohen Türme der Stadt an als wären sie ein Fluch. Was ist er noch, wenn er kein Rudel hat? Seine Aufgabe ist erfüllt, er hat sein Versprechen gehalten - sie sind gerettet und in Sicherheit.
Langsam hebt er den rechten Daumen erneut auf die Platzwunde seiner Stirn und streicht darüber. Der Großteil ist getrocknet, sodass er nur wenig rote Farbe auf den gebräunten Daumen bekommt und jenen mit dem Zeigefinger zusammen reibt, sich das Ganze wie aus weiter Ferne betrachtend, weil die Seele nicht richtig anwesend ist.
Es ist lange her, dass er Blut lassen musste, wie er nebensächlich feststellt und sich die Kippe aus dem Mundwinkel zupft, die schon seit einer halben Ewigkeit darauf wartet mit Feuer in Brand gesetzt zu werden.

Das Ding wird lieblos zur Seite geworfen, soll sich irgendein Penner daran erfreue und überrascht bei jedem Zug feststellen, wie wohlig ihm im Kopf wird.
Das dunkle Grün der Augen liegt auf der weggeworfenen Fluppe, die sich mit ihrem hellgrauen Papier stark von dem grünen Gras abhebt und ihn zu verspotten scheint. Den Kiefer gespannt, atmet der Mann tief durch und schiebt die Hände zurück in die Hosentaschen.
Früher, vor vielen Jahren, wollte er keine Leute um sich und trotzdem wurde er Teil einer kleinen Gruppe, einer Familie. Zugegeben etwas unfreiwillig aber man lernt miteinander zu leben, sich zu lieben. Brüder und Schwestern, die den gleichen Naturgewalt ausgeliefert waren wie er selbst - geboren zwischen Krieg und Hungersnot.
Und jetzt? Wieso fühlt er sich so leer? Unbrauchbar. Er hat niemanden mehr den er beschützen oder anleiten muss - etwas, was ihn zum Großteil als Person ausgemacht hat.

Diyar wendet sich ab, geht, mit den Händen in den Hosentaschen, tiefer in die Dunkelheit des Waldes im Tal. Er schließt die Augen, lässt sich von den Schatten umgarnen, sich umhüllen und gleitet hindurch als liege es ihm im Blut sich damit zu verbinden. Ein paar Meter weiter lüftet sich sein dunkler Schleier, die sanft glühenden Augen wieder öffnend. Noch ein magischer Sprung durch die Dunkelheit und die Magie, die ihm in diesem Augenblick die nötige Ruhe schenkt, um die Gedanken zu sortieren.

Ein Leitwolf ohne Rudel ist kein Wolf - nur ein Schatten, eine ferne Erinnerung.

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Comments 2

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September 28, 2025 at 8:35 AM

Es tut so weh, wenn sie alle Flügel bekommen!

Schön geschrieben. Ich kann ihn so fühlen. Wird Zeit, dass auch er ankommt.

Sunshine
September 28, 2025 at 10:44 AM
Author

Naw, lieb von dir! Danke :red_heart:

Ja, er tut sich da recht schwer aber das ist in Ordnung so!

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