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Süßes Parfüm

  • Saso
  • October 6, 2025 at 10:12 AM
  • 189 times read
  • 4 Comments

Der Abend war auf angenehme Weise verlogen.

Jefrem wusste das bereits, als er Estrid Carver die Tür öffnete und sie ihm dieses geübte, kindlich anmutende Lächeln schenkte. Es war das Lächeln einer Frau, die wusste, dass man ihr selten etwas abschlug. Sie kokettierte.

Gewiss, sie war eine reizvolle Erscheinung - auf ascalonische Art zerbrechlich, mit dieser kühlen, hellen Haut, die Alabasterfarbend schimmerte im Kerzenlicht, und Augen, die ihn an geschliffene Smaragde erinnerten. Ihr Duft war zu süß und schwer, ihr Kleid zu leicht, und ihr Lachen zu oft gesetzt.

Das Essen war höflich abgehalten worden - geschäftsmäßig und doch hing zwischen jedem ihrer Worte etwas anderes.

Sie sprachen über Lieferungen, über Zinsen und Absprachen, und dennoch lag in Estrids Stimme ein Unterton, den kein Vertrag der Welt zu binden vermochte.

"Man muss wissen, wie viel ein Versprechen wert ist...", hatte sie gesagt, während sie ihm den Wein nachschenkte.

"Manchmal," erwiderte Jefrem, "bezahlt man mehr, als man beabsichtigte."

Er hatte es als Warnung gemeint.

Sie als Einladung verstanden.

Als der letzte Gang abgeräumt war, stand er auf und trat an den Schreibtisch, um die Papiere zu ordnen, die tatsächlich noch zu unterzeichnen waren. "Wenn Ihr so freundlich wärt.", sagte er, und deutete auf den Stuhl gegenüber. Er wollte Estrid loswerden.

Estrid folgte ihm, das Kleid streifte beim Gehen kaum hörbar über den Boden. Sie setzte sich gehorsam seinem Willen, aber nicht lange. Während er sich über die Dokumente beugte, hörte er, wie sich Stoff bewegte. Als er aufsah, saß sie auf der Kante seines Schreibtisches, ihm zugewandt, eine Hand dicht neben seiner Feder, auf dem polierten Holz abgestützt.

Sie sah ihn an... nicht mit einem Bitten, sondern mit einer Gewissheit, die ihn fast belustigte. Er spürte ihren Blick auf sich, wie ein langsamer Druck auf der Haut. Unter anderen Umständen hätte es sicher gewirkt.

"Ihr habt ein schönes Arbeitszimmer, Freiherr Zlokrov.", sagte sie leise und säuselnd.

"Es erfüllt seinen Zweck."

"Ich kann mir vorstellen, dass es… vielseitig nutzbar ist."

Ein winziges Lächeln zuckte über seine Lippen, ehe er den Füllfederhalter beiseitelegte. Er richtete sich auf, ihr nun ganz ihr zugewandt, und betrachtete sie lange.

"Ihr seid sehr kühn, Fräulein Carver."

"Nur, wenn ich überzeugt bin, dass es sich lohnt.", ihre Finger angelten seine Krawatte und zog daran.

Er trat einen Schritt näher, ihrem Gestus folgsam, dass Estrid seinen Atem auf ihrer Haut an der Wange spüren konnte. Für einen Moment glaubte sie wohl, sie hätte gewonnen und, dass der Akt des Schweigens zwischen ihnen bereits Zustimmung war. Doch Jefrems Blick wurde kalt.

"Wisst Ihr," begann er ruhig, "auf eben diesem Schreibtisch hat jüngst eine Dame gesessen, deren Name mir teuer ist."

Er legte die Hände auf das Holz, dicht neben ihre. Seine Stimme senkte sich zu einem gefährlichen Ton.

"Ich habe sie hier geküsst. Hier, wo Ihr Euch gerade breitgemacht habt. Und glaubt mir, Fräulein Carver, Ihr seid in keiner Hinsicht geeignet, ihr auch nur den Schatten gleichzukommen."

Die Röte stieg ihr in die Wangen. Sie wollte etwas erwidern, aber er sprach weiter, leise und präzise:

"Die Frau, die bald meine Ehefrau werden soll. Und ich würde nicht im Traum daran denken, diesen Schreibtisch mit einer anderen Frau zu beflecken, die ihre Tugend so freigiebig streut wie Komplimente beim Wein."

Er zog das Pergament heran, als wolle er ein Spiel beenden, dessen Regeln nur er wirklich verstand.

"Das also war Euer Versuch zu verhandeln?" murmelte er, während er die Feder tunkte. "Wie… durchsichtig und wenig geistreich." Dann schob er ihr das Dokument hin. "Setzt Eure Unterschrift, Fräulein Carver. Danach müsst Ihr Euch um nichts mehr bemühen."

Sie unterschrieb - stumm, aber mit zitternder Hand.

Als sie die Feder ablegte, griff er in die Schublade. Das Klirren der Münzen war leise, aber unerträglich deutlich.

Er legte sie vor sie. "Damit wir uns richtig verstehen. Ich bezahle gewöhnlich für Verträge... Aber ich bin altmodisch genug, einem Irrtum einen Preis zu geben."

Sie starrte ihn mit entsetzen an, denn er degradierte Estrid Carver gerade zu einer käuflichen Versuchung.

Er lächelte kaum merklich. "Behaltet sie. Für Eure Mühe, Fräulein Carver. Und für die Lektion."

Er wandte sich wieder den Papieren zu. "Die Tür findet Ihr allein."

Als sie gegangen war, blieb der Duft ihres Parfums zurück - süß, schwer, unbedeutend.

Jefrem öffnete das Fenster.

...

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Comments 4

Amnesyas
October 6, 2025 at 6:58 PM

Eiskalt. Ich liebe es!

Saso
October 6, 2025 at 8:06 PM
Author

Hihi!

Nebelparder
October 6, 2025 at 11:39 AM

Ich wünschte, sie wäre dabei gewesen. :smiling_face_with_horns:
Aber sie wäre stolz auch stolz auf ihn gewesen.

Wunderbar geschrieben. Wunderbar grausam. Ihr Mann. :red_heart:

Saso
October 6, 2025 at 11:45 AM
Author

❤️

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