
Triggerwarnung
Leichnam
Geschichte
Marie Beth, Francis und Sarah saßen im Schneidersitz unter einem Baum um zu tratschen und zu sticken. Die Mädchen allesamt im Alter von 12, malten sich die Welt aus, wie sie sein könnte hinter den Mauern der Schule, in die ihre Eltern sie steckten um Erziehung und Tugend zu erfahren. Für Marie Beth und Francis waren die Lebenswege festgelegt worden, sie kannten schon die Namen und Anwesen ihrer zukünftigen Männer; gar den Tag ihrer Vermählung, der zumindest im Fall von Francis zu ihrem vierten Lebensjahr besiegelt worden war. Sarah hingegen, war weder versprochen, noch wusste sie, was mit ihrem Leben anzufangen nach der Schule für sittsame Damen. Verloren sah sie auf ihren Stickrahmen mit der roten Blüte, welche gerade durch ihre Hand entstanden war. Sie malte sich aus, Abenteurerin zu werden, wollte in die Welt bereisen und...
...“Miss Lloyd!“, bricht eine erboste Stimme durch den Obduktionsraum. Daphne schreckt herauf, blinzelt, sieht von einem Gesicht zum Anderen, um sich zuletzt am faltigen, graubeschopften und -bebarteten Gesicht ihres Professors zu finden. Man muss sich eingestehen sie sieht aus wie eine Kuh, wenn es blitzt, so war ihr der Donner seiner Worte ihr in die Glieder gefahren. „Was ist das?“, der Zeigestock senkt sich auf die kalte, blaue und blasse Haut des Toten. Die gekrümmte Nadel noch in den Fingern, senkt die Adlige ihren Blick über ihren Brillenrand herab und blinzelt, während sehr leise von ihren Lippen kommt: „Eine Rose, oder Mohn?“ Die Lippen aufeinander gepresst, den Verstorbenen zwischen sich und dem Lehrkörper muss sie sich eingestehen, dass Lesen eines Romans im Unterricht, vielleicht keine Glanzleistung ist. Vor allem, wenn man so sehr abtaucht, dass sie -wie die Heldin im Buch- gerade stickte und nicht nähte; keinen Rahmen in der Hand hielt, sondern einen Toten vor sich hatte, den sie sorgsam gedachte hat zu verschließen. Etwas grotesk wirkt die Blüte neben dem halb umrundet aufgeschnittenen Bauchnabel. „IST DAS EIN WITZ?“ Daphne zog den Kopf etwas weiter zwischen die Schultern, verändert ihren Stand und so rutscht das Buch, zuvor eingeklemmt zwischen Tisch und Beinen, herab und landete mit einem dumpfen Schlag auf den kalten Fliesen.
„Ups..“
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