Artikel mit dem Tag „Adel“

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  • Kurzgeschichten des Freizeit-Autors Jack Samuel Lynn
    Der Schurke - Auf der Flucht

    Ich weiß nicht, wie lange ich weg gewesen bin. Es gab keine Sonnenaufgänge oder -Untergänge. In meiner Zelle gab es kein Tageslicht. Nie. Es können Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre gewesen sein, die ich dort verbrachte. Meine Finger waren bleich, im starken Kontrast zu den schwarzen, halbzerfledderten, fingerlosen Lederhandschuhen an meinen Händen. Meine Fingernägel zerkratzt, teilweise eingerissen, die Nägel an den Daumen fehlten komplett. Tief saß der Schmerz, als ich gedankenverloren über die leere Fläche strich, wo einst diese Fingernägel gewesen sind.

    Ich war wieder in Kryta angekommen. In Götterfels. Der letzten echten verbleibenden Bastion der Menschen. Ich war wieder in meiner Stadt. Zuhause. Seit gefühlt einer Stunde stand ich schon an der Straßenecke gegenüber dem Haus, welches ich einst mein Eigen nannte. Nun, es gehörte nie wirklich mir, aber die Frau, die darin wohnte. Sie
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  • Die ersten Schritte aus dem Raum waren noch die gediegene, ruhige Flucht, keine Hast nach außen hin, welche sich mit dem Schließen der Tür durch die Dienerin hinter ihr änderte. Hastiger wurden sie, rascher klapperten die Absätze über den Boden, wurden nur gedämpft von den weichen Läufern darauf, wenn sie jene erreichten. Mehr noch war der Schiefstand in raschen Schritten zu bemerken und der Rock, nicht bodenlang empfing dennoch die Hände hier und da, wenn sie kein Geländer halten mussten für das Überschreiten der Stufen. Alsbald war sie an ihrem Gemach angekommen, schlug die Tür hinter sich zu und lehnte den Rücken ans Holz. Schwere Atemzüge durch die ungewohnte Hatz durchs Haus, bittere Tränen, welche die spärlich künstliche Farbe unter den Augen verlaufen ließen. Wie sie diese Frau hasste, sie hasste sie aus tiefstem Herzen und mochte ihr die Augen ausstechen, mit denen sie ihn ansah, die Zunge abschneiden, mit der sie ihn immer als den ihren betitelte und die so[Weiterlesen]
  • Draußen vor der weiten Fensterfront fällt feiner Regen auf die Stadt mit ihren roten Dächern und gekalkten Gebäudefassaden und hier drinnen wärmt uns der entfachte Kamin und die wärmende Decke um meinen Leib bis hoch über die Schultern. Im Grunde schaut nur mein Kopf heraus, ich glaube sogar ein wenig geschlafen zu haben, aber das Bild vor dem Fenster hat sich kaum verändert. Vielleicht gehen dort unten andere Menschen raschen Schrittes die Wege entlang um dem Regen zu entkommen, vielleicht saß in einer der Kutschen jemand, den ich kannte und übersehen habe. Ich weiß es nicht, ich weiß aber ich fühle mich gerade in meinem Deckenkokon beinahe unheimlich wohl. Dabei war mir in den letzten Tagen furchtbar warm, selbst wenn es draußen kühl gewesen ist und der Sturm an Bannern und Wetterfahnen zerrte. Der Leibarzt versicherte mir, diese Wärme käme von dir, von dir in mir und von dem was du mir schenkst, in mir auslöst.

    Wir verändern uns, du wächst und wirst mir alsbald den Bauch wölben
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  • Noch hat kein Hahn gekräht, die Sonne ist noch nicht am Horizont angekommen um diesen zu überwinden und ich liege lächelnd im Bett. Meine Hände schützen meinen Leib als könne ihm hier in diesen Federn ein Leid geschehen und doch weiß ich, dem ist nicht so. Neben mir geht gleichmäßiger, ruhiger Atem. Ich drehe mich auf meine Seite, ein Bein ausgestreckt, eines angezogen und besehe die schlafende Miene eines Mannes, der die Schluchten tiefsten Unglücks und die Höhen tiefsten Glücks mit gleichbleibendem Lächeln hervorbringen kann. Aber jetzt ruht er da, friedlich und entspannt, wie nur der Schlaf mit Gewissheit um das eigene Sein einem aufgeben kann. Und ich? Ich bin wach und lächle, meine Finger strecken sich nach einer seiner Locken, ganz zart und im weichen Hauch lege ich sie zurecht, weil sie sich auf seine Stirn verloren hat und das Glück in diesen Sekunden ist grenzenlos.

    Noch hat die Uhr im Haus nicht geschlagen um den Morgen anzukündigen, noch sind die Schritte der Bediensteten
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  • Das Holz des Bodens poliert und glänzend als wäre kein Schritt je darüber geführt worden, ein Meisterwerk der Handwerkskunst der Haushalt führenden Damen des Anwesens. Die Gardinen sonst geschlossen, heute weit zurückgezogen und der Flügel geöffnet, gestimmt und mit von Meisterhand angeschlagenen Tasten. Die Melodie bringt einprägsames Empfinden in den Raum und lädt die Leiber ein sich in dieser zu rühren, zu tanzen und Feen gleich die weiten Röcke schwingen zu lassen. Die Hand umfangen sanft und liebend, der Rücken gestützt und bewahrt vor Schaden durch seine Finger. Blicke die verlieren, die vergessen lassen, wer und was um einen ist. Im Raum vermag keine schöner zu sein als die Baroness es ist, im Raum vermag keiner stattlicher zu sein als er es ist. So sollte es sein, so war es in jedem Traum und er führt sie Tanz um Tanz, während lächelnde Mundwinkel die ein oder andere Träne der Freude fangen. Dieser Tag, diese Stunde ist perfekt, einmalig und einzigartig,… [Weiterlesen]
  • Zehn Finger ruhen an der kühlen Glasscheibe, der eigene Atem wirft kleine Nebel an eben jene und die grünen, Farn in ihrer Farbe gleichenden Augen verfolgen zwei spielende Kinder zwischen den Stallungen des Anwesens. Die Wangen der Spionin sind rot vor Aufregung, die Füße auf die Zehenspitzen gestellt unruhig, wackelig und die Zähne graben sich in weiche Kissen eigener Lippen. Wie gern wäre sie dort unten, spricht die Miene des Mädchens, wie gern würde sie auch mit dem Stock den Metallreifen jagen und wie gern so lachen, wie die zwei Leben dort unten. Es wird schwerer sie zu beobachten und so drückt sich auch die kleine Nase an die Scheibe, versucht weiter um die Ecke zu schauen, als das Glas ihr überhaupt erlauben möchte und scheitert daran, weil eben jene, die so unbeschwert sein können, aus ihrem Blickfeld verschwinden. Ein Seufzen, noch weiter versuchen sie doch noch einmal zu sehen und so vergessen wachsam zu bleiben, zieht der erste Schlag auf ihren Rücken unter dem… [Weiterlesen]
  • Jahr 1323 AE , 89. Tag des Zephyrs
    Hatte wenig Zeit zum schreiben. Der Herr gibt keine Anweisungen mehr, dafür die ältere der Beiden Besucher. Sie kommandiert uns rum. Sie tut so, als wäre sie die Herrin des Hauses. Der Herr selbst hüllt sich in Schweigen, scheint also damit einverstanden zu sein. Heute hat sie bei Tisch davon geschwärmt, wie gerne sie sich mit Alchemie die Zeit vertreiben würde. Der Herr ließ sogleich Messer und Gabel fallen um ein entsprechendes Schreiben aufzusetzen. Inventar und Arbeitsmaterial sind geordert. Fühlte sich irgendwie so an, als wollte sie uns zeigen welche Macht sie über ihn hat. Abwarten.

    Jahr 1323 AE , 4. Tag des Phönix
    Die Kleine hat schreckliche Albträume, schreit und weint Nächte hindurch. Traurig das ganze. Ihre Schwester scheint sich nicht zu scheren, darum versuche ich ihr zu helfen. Sie lässt mich nicht in ihr Zimmer, also setze ich mich vor ihre Türe und rede ihr gut zu. Mehr oder minder erfolgreich. Was für Bilder spuken dem Mädchen[Weiterlesen]
  • Jahr 1323 AE , 7. Tag des Zephyrs
    Dem Herrn ist kalt, darum schüren wir stehts das Feuer. Aufgrund des sprunghaften Wetters verlässt kaum jemand das Anwesen, nur die Lieferanten treten ständig aus und ein, bringen so die eisige Luft von draussen mit sich. Dem Herrn geht es nicht gut. Seit Tagen hockt er in seinem Sessel vor dem Kamin und liest. Natürlich findet er zur Abendstunde seinen Weg in das Bett, doch Tagsüber findet man ihn nur dort vor. Ich glaube er ist einsam, fühlt sich ungebraucht und leer. Er war ein Witzbold, ein ungewöhnlich offenherziger Vertreter des Adels. Doch dann starb die Frau und nun versinkt er lieber in den Welten seiner Bücher.

    Jahr 1323 AE , 16. Tag des Zephyrs
    Der Herr ist gegangen. Eine Reise zu seinem eigenen Ich sagte er. Niemand durfte ihn begleiten, wenn gleich ich glaube, das einige Wachen ihm heimlich gefolgt sind. Hoffentlich werden die nicht erwischt. Sollte er mitbekommen, dass sie ihm nachstellen wird er sicher böse. Auch wenn ich nicht[Weiterlesen]
  • Von Ähren und Klingen

    Das Aufwachsen in Ebonfalke

    Mit einem Seufzen ließ sie sich auf den massiven Stuhl hinter dem ebenso massiven Schreibtisch sinken, beides im alten, ascalonischen Stile aus dunkelbraunem Holz gefertigt. Dem blonden Mädchen, welches ihr mit einem Lächeln auf den Lippen eine Tasse mit Tee auf die Holzplatte stellte, nickte sie knapp zu, woraufhin sie sich zurückzog, und ließ sich dann in den Stuhl zurücksinken. Aus bernsteinfarbenen Augen betrachtete sie den Dampf, der aus der Tasse hinauf stieg und sich langsam in der Luft verflüchtigte. Es war seltener geworden, dass sie einmal eine ruhige Minute für sich hatte, aber umso wertvoller waren ihr diese Momente geworden, in denen sie auch die Rüstung ablegen konnte, welche sie sonst immer trug. Ein stets mit sich getragener Käfig, auch wenn sie die Rüstung über alles liebte. Nicht selten kam es ihr so vor, als wäre sie schon darin geboren worden.
    Aber wo sie wirklich geboren war, war viel mehr als nur eine Rüstung.… [Weiterlesen]
  • Flackernder Kerzenschein untermalt mit dem gierigen Zischen der atmenden Flammen, die das notwendige Licht spendeten für den Mann mit dem güldenen Haar und den berechnenden, grauen Iriden. Wie ein König saß er da auf dem großen, schweren Stuhl, gefertigt aus feinstem Mahagoni, verziert mit Schnitzereien so fein, dass sie mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen waren. Die schwarzen Stiefel weit auseinander gesetzt, den linken Ellbogen auf die breite Holzlehne abgestellt und das markante Kinn auf die Innenfläche der mit Ringen bestückten Pranke gestützt, während die Rechte in einem Anflug von aufkeimender, wütender Ungeduld einen schnellen Takt auf dem Holz spielte. Ungemein melodisch, gar von seltener Schönheit, wäre die unausgesprochene Drohung nicht zwischen den Notensträngen, die alles versprach, nur keine heilsbringende Flucht.

    „Ihr enttäuscht mich, Bartholomeus. Ihr enttäuscht mich sehr. Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt, als ich sagte, dass ich kein ‚Nein‘… [Weiterlesen]
  • Schummriges Dämmerlicht haucht grotesken Schatten Leben ein, bringt sie zum Tanzen und Herumtollen, raubt ihnen Gliedmaßen und wandelt sie zu gefährlich anmutenden Monstren, die die zwei Männer, welche an einem kleinen Tisch sitzen, umgarnen wie ein loyaler Hund seinen Herrn. Einen Blick für dieses gruselige Spiel hat jedoch keiner von beiden, erfordert das Schachbrett mit seinen Figuren, welches in der Mitte des alten Holztisches thront, ihre gesamte Aufmerksamkeit. Zug um Zug setzen sie ihre Figuren schweigend, bringen Springern wie Rittern Bauernopfer dar, ziehen Grenzen mit ihren beweglichen Festungen und bedrohen des Kontrahenten König mit der bezaubernden wie kriegerischen Dame. Sie schenken sich nichts, versuchen stets alles zu nehmen und nur das Mindeste zu geben in diesem Spiel der Könige, dass nur dem Gewinner Ruhm gewährt. Dem Verlierer jedoch wird Schmach und Schande zuteil.

    „Sie ist wissbegierig, nimmt alles und will noch mehr. Aber Lehrstunden wie Gunst wollen… [Weiterlesen]
  • Adel verpflichtet. Ein Satz derer sich viele bedienten, wenn es darum ging dem Adel etwas abzupressen, ihn in die Pflicht zu nehmen, um die eigenen Bedürfnisse erfüllt zu sehen ohne selbst in die Bredouille zu kommen dankbar zu sein. Denn warum sollte man dankbar sein, wenn der Gegenüber lediglich der Verpflichtung seines angeborenen Standes nachging? Immerhin erhielt er bereits Privilegien dafür, nicht wahr? Kretins, allesamt. Die Verpflichtungen des blauen Blutes waren mannigfaltig und reich gesät, oftmals nicht als solche zu erkennen. Weshalb sonst also fuhr seine gemietete Kutsche, denn seine eigene hätte den Sinn des Festes verraten, an jenem Vorstadtsanwesen vor, welches die Einladung in der Frakinnentasche beschrieb.

    Noch in der Kutsche wanderte die dunkelblaue Maske mit den güldenen Verzierungen an ihren angestammten Platz. Nicht das man ihn auf wundersame Weise jetzt nicht mehr erkennen würde, waren doch seine Aufmachung und, allem voran, die stechend-grauen Augen sowie… [Weiterlesen]