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  • Übervorsichtig und langsamer als jeder Greis hangelt er sich die hohen schmalen Treppenstufen hinab. Er zwingt sich, nicht nach unten zu sehen und seinen starren Blick auf die Schritte vor seinen Füßen zu heften. Die Stufen sind unterschiedlich hoch, teils aus Stein geschlagen, teils nur aus dem Erdreich geformt und von morschen, abgetretenen Holzbrettern in Form gehalten. Die Grasbüschel auf den Stufen sind weiß überzogen, denn der morgendliche Tau ist zu dieser kalten Jahreszeit gefroren und die Sonne steht noch zu tief am Horizont um den Boden zu wärmen. Er befürchtet, dass auch das Holz von einer Eisschicht überzogen sein könnte. War es eine schlechte Idee, auch diesen Morgen hier her zu kommen? An manchen Tagen meidet er die endlose, schmale Treppe und nimmt den großen Umweg über den Hafen. Auch der Weg in die Mitte der Siedlung ist grausam, denn manche Gassen bestehen nur aus Holzstegen die über den anderen Häusern schweben, aber von der Hauptstraße aus führt ein… [Weiterlesen]
  • Der Schnee knirscht geräuschvoll unter ihren Füßen. Unwillkürlich kamen dem Norn Erinnerungen an früher. Die erste Jagd mit seinem Vater. Havar wusste noch wie verzweifelt er war, dass jedes Tier ihn immer hören konnte. Es frustrierte ihn sich nicht anschleichen zu können auf einem Untergrund der immer etwas zu erzählen hatte. In Gedanken sah er das Gesicht seines Vaters vor sich. Warm die Farbe der Augen und doch lag so viel Strenge im Blick des einztigen Rudelführers. Es hatte lange gebraucht bis Havar verstand das - -sich anschleichen im Schnee- gleichbedeutend war mit - die Geräusche für sich zu nutzen-. Werde eins mit den Geräuschen der Natur und du bist unsichtbar für jedes Ohr. Neben dieser Lektion hatte Tindur seinem Zweitgeborenen noch weiteres Wissen in all den Jahren mitgegeben. Nach so vielen Wintern ohne den Legendenschreiner war jetzt die Zeit gekommen in der Havar begriff seinem Vater ähnlicher zu sein, als er das je werden wollte. Besonders seinem… [Weiterlesen]



  • Die Ballade von Rosmarin und Thymian - Kapitel 2: Pfade



    Seit Thymian den Hain verließ, verging keine Nacht, in der Rosmarin zu den Sternen sah. Seine Worte hallen immer noch in ihrer Erinnerung:Vielleicht sind es ferne Länder. Weit, weit weg. Genau dort sitzen genau jetzt ebenso zwei und schauen zum Himmel.
    Die Nächte brachten Kälte, Trauer und Sehnsucht. Rosmarin fühlte die Schwere, pausenlos dachte sie an ihren geliebten Bruder. Doch sie musste stark sein, denn sie wusste, dass er ebenso an sie denkt.
    Thymian war schon weit gewandert, das fühlte sie.
    Die Ausbildung zur Hainhüterin war eine Herausforderung für Rosmarin. Kämpfen, Taktiken überdenken, Wissen anwenden und gleichzeitig magische Fähigkeiten trainieren. Es gab Rückschläge genau wie Fortschritte. Trotz ihrer zierlichen Gestalt zeigte sie ein hohes Maß an Geschick und Klugheit, beste Vorraussetzungen für die Hainhüter.
    Thymian erreichte nach vielen Wochen Götterfels, die Hauptstadt der Menschen. Groß, Mächtig und aus… [Weiterlesen]
  • „Bleib sofort stehen!“

    Ihre Stimme hallte zwischen den Bergen wider und er folgte dem Befehl der Norn. Seine Schritte verlangsamten sich, bis er zum Stehen kam und seinen Stab in den Neuschnee steckte. Er konnte ihre Schritte hören. Sie knackten. Wohl ging sie rasch. Als sie vor ihm stand, trafen sich ihre Blicke. Er sah den Schmerz in ihren Augen. Diesen wundervollen gütigen grünen Augen.
    „Wie kannst du uns nur verlassen, Bär?“ Ihr Mund stand nach der Frage leicht geöffnet und langsam hob sich ihre Hand, legte sich an seine Wange. Die Fingerkuppen trafen auf die Verbände, die sich noch halbseitig über sein Gesicht zogen. Dort wo vor wenigen Tagen noch ein gesundes rechtes Auge gewesen war. Er schwieg. Seine Hand legte sich auf die Ihre. Lange standen sie so beieinander. Lange dauerte es, bis er endlich das Schweigen brach und in leisem, tiefem Bass antwortete.
    „Du weißt, dass ich gehen muss. Und du weißt, wie schwer es mir fällt. Doch die große Bärin hat mir diesen Weg
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