Artikel 2.282

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  • Nebel lag noch über dem kleinen Fluß, welcher rund um die Siedlung seine Bahnen zog.
    Groggy rannte vor Lucius hin und her, schob die Nase schnüffelnd durch das feuchte Gras und machte schließlich einen weiteren Hopser in eine Böschung hinein. Diesmal war wohl ein Grashüpfer Ziel seiner Aufmerksamkeit. Doch der Südlichtjäger fand in dem Tier einfach keinen würdigen Gegner und so schoss er aus der Böschung hinaus auf seinen Herren zu. An Luc hinauf hopsend bellte der Hund einige Male, was denn Löwensteiner auflachen ließ. "Du hast doch ´ne Macke. Rosalie schläft noch. Sie spielt mit dir wenn wir zurück sind und jetzt geh endlich pinkeln und hör auf hier auf so rumzuspinnen." Groggy blinzelte Lucius entgegen, wedelte mit der Rute und - fand den nächsten Grashüpfer den es zu jagen galt. Erneut lachte Lucius auf und schüttelte den Kopf. Die Leine locker um den Nacken geschwungen hängte er die Handgelenke in den Schlaufen ein und schlenderte so weiter, am Siedlungsrand entlang.

    Die kleine… [Weiterlesen]
  • Der Rabe und der falsche König



    Es war einmal ein weißer Rabe. Ein überaus stolzes Tier mit blauen Augen wie der Himmel, welches sich nicht nur durch sein Gefieder von seinen Brüdern und Schwestern unterschied, sondern auch durch seine Flugkünste.
    Der Rabe war ein guter Flieger. Er traute sich in große Höhen und seine Flügel waren kräftig.
    Doch der Rabe wollte noch schneller werden. Noch weiter fliegen können und größer und stärker sein, als alle anderen Raben.
    Es geschah an einem kalten Wintertag, als etwas zu dem Raben kam. Es war ein König. Ein starker und uralter König, der sich dem Blick des Rabens entzog und ihn nur spüren lies, dass er da war. Seine weise und einnehmende Stimme erklang in Rabes Herz und sprach zu ihm.
    „Ich kann dir geben, was du begehrst, Rabe. Wonach du schon dein Leben lang strebst. Ich wünsche mir dafür nur sehnlichst, dass du mein Freund bist.“, sprach der König.
    Der weiße Rabe öffnete den Schnabel und lachte in den kalten Wind.
    „Ich bin niemandes
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  • Arlassia betrat das neue Heim in Löwenstein zusammen mit Rosalie. Sie hatte das Kind gerade bei Diarmai abgeholt. Rosalie plapperte unaufhörlich begeistert von ihrem Besuch bei der Tante. Mittlerweile hörte Arla das gefühlt 376. Mal davon, dass Levin auch da war und es Kekse gab.
    Ihre Beine schmerzten, die Füße passten kaum noch in die Sandalen und die Hitze machte der Schwangeren sehr zu schaffen. Sie war erschöpft und doch gab es so viel zu tun. Eine Pause war einfach schlicht nicht möglich, auch wenn Diarmai ihr versicherte...

    "Da seid ihr ja." die dunkle und wohlklingende Stimme ihres Ehemannes jagte ihr einen wohligen Schauer über den Rücken. "Luc. Du bist schon da." Ihr Gesicht erhellte sich sofort, doch der müde Ausdruck verschwand nicht vollständig. "Der Löwe hob seine quietschende Tochter auf den Arm und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Die nussbraunen Augen wurden groß und als die kleinen Füße wieder Boden unter sich spürten, flitzten sie los. Hinauf in das eigene… [Weiterlesen]
  • Ein Mann steht still und sieht.

    Er ist ganz und gar gefangen von dem Anblick, der sich ihm bietet. Ihm ist, als stünde er vor einem Fenster zu einer anderen Welt - Denn was er vor sich erblickt, erscheint ihm völlig surreal.
    Zwanzig Jahre sind vergangen. Zwei Jahrzehnte, seit er seinem Gegenüber das letzte Mal in die Augen gesehen hat. Er hat sich verändert, ist älter geworden. Nicht nur das, der Mann realisiert auch, dass er dieses Gesicht vergessen hat. Wüsste er nicht wer der Andere ist, der ihm dort gegenüber steht, hätte er ihn nicht einmal wiedererkannt.
    Der Mann braucht Zeit. Eine ganze Weile in der er nichts anderes tut als zu stehen und zu starren. Er weiß genau, wen er dort im Spiegel sieht, aber er kann es nicht fassen.
    So steht er vor einem Waschbecken und schweigt. Er hebt die Hand und winkt ihm zu, dem Menschen auf der anderen Seite. Ihre Synchronität hilft ihm zu realisieren, dass er ganz plötzlich, von einem Tag auf den Anderen, sich selbst sehen kann.
    Es ist ein… [Weiterlesen]
  • Rena saß auf dem kleinen Hocker vor ihrem Schminktisch und kämmte sich die silbernen Haare. Die hüftlangen Strähnen hatte sie gestern, beim Litha-Fest das erst Mal seit langem wieder offen getragen in der Öffentlichkeit. Statt sie sich wie sonst üblich zu einer hochgesteckten Frisur zu flechten hatte sie den üppigen Blütenkranz genommen, mit dem weißen Band und ihn aufgesetzt. Im Spiegel hatte sie sich selbst angelächelt, glücklich darüber das Fest nun mit Rowenna, Celia, Opal und Lara feiern zu können. Ihre Finger hatten das zarte, blütenweiße Kleid glattgestrichen, das ihr bis zu den Knien reichte und mit dünnen Trägern auf ihren Schultern gehalten wurde. Es war ein sommerlich-leichtes Kleid, eines in dem sie sich viel freier und leichter fühlte als in denen die sie sonst zu tragen pflegte. Versonnen hatte sie sich noch einen Moment in Spiegel betrachtet und wieder jung gefühlt. Rowennas Aufregung war schlicht ansteckend gewesen, ihre Heiterkeit und Lebensfreude… [Weiterlesen]

  • Ein Messgerät...
    ...kleine Gesten und Gräten.

    Eine kleine Kurzgeschichte



    Tyria, Götterfels - Genauer noch: Ein unbedeutender Teil im westlichen Marktviertel.


    Ein Ort, wo man nicht lebte sondern vegetierte und den eigenen Verfall mitansehen konnte.
    Ein Viertel, so schief, krumm und kränkelnd, dass - wenn gegrüßt wurde -, der Abschied ein hüstelndes Gute Besserung war. Wo Atmen gleichsam Röcheln war.
    Eine Gosse, in der Quacksalber in zerfallenen Anbauhütten angesehene Ärzte waren, und rudimentäre Kenntnisse über Omas Allheilmittel gegen alles als Akademikerwissen gegolten hat. Brüchige Hausfassaden und Strassenwege, deren schlammspuckenden Steinrinnen dickflüssige, braune Bracke förderten, und in verwinkelten Schmutzgassen, durch brütende Sommerhitze beleidigende Gerüche, dreckige Dämpfe und Bazillengewürm aufquoll.
    Wenn man sich jetzt noch einen Lausbuben vorstelle, der barfuß über Kloaken sprang, schwertführend mit Ästen in Fekalien stocherte, der
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