Rückkehr

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  • Diese Kurzgeschichte gehört zu dem Vorgänger: Nacht der Flammen
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    Die Wüste holt sich zurück, was ihr gehört.
    Die schwarzen Mauerreste und der große Innenhof der ehemaligen Raptorzucht waren halb von Sanddünen verschluckt und wenn man nicht wüsste, wo welches Gebäude war, würde man wahrscheinlich interessenlos an diesem trostlosen,verlassenen Fleck in der Wüste vorbeiziehen.
    Doch Kasha hielt ganz ohne Befehl einige Meter entfernt auf der Düne an, hinter der sich die Reste des Hofes befanden. Naveen lies die Zügel los und den Blick schweifen. Es war später Nachmittag und somit noch recht warm. Die Hitze flimmerte über den Mauerresten vor ihm.
    „Sind wir da?“ ertönte dann eine ruhige Stimme hinter dem jungen Elonier und er spürte, wie Fahir sich im Sattel etwas zur Seite neigte, als könnte dieser dadurch besser sehen. Doch Fahir war blind.
    Seine Frage stellte der ältere Mann aus Istan wohl nur, um die Stille zu durchbrechen, denn die leichte Angespanntheit von Naveen und dem Raptor unter ihm nahm er nur zu deutlich wahr.
    Diese Feinfühligkeit war wohl mit ein Grund, warum Fahir noch immer bei Naveen war. Der Jüngere hatte sich nie unter Menschen wohlgefühlt, denn diese hatte er meist als noch bissiger und hinterlistiger als jeden Raptor kennenlernen müssen. Doch als Amnoon von Gebrandmarkten angegriffen wurde und Fahir sprichwörtlich blind am Hafen herumirrte, zog Naveen den Älteren auf seinen Raptor und rettete ihm somit das Leben. Naveen und Fahir mussten erneut flüchten.
    Fahir kam mit einem Schiff aus Istan nach Amnoon. Allein. Und Naveen war erst ein paar Wochen nach seiner eigenen Flucht nach dem Angriff auf sein Zuhause in Amnoon gelandet.
    Der Blinde war freundlich zu Naveen und was viel wichtiger war: Er war freundlich zu Kasha. Die Raptordame fand den Fremden mit den weißen Augen und langen Dreadlocks zunächst seltsam. Wahrscheinlich, weil er sie so viel anfasste und abtastete und den Kopf komisch hielt. Und sich im Sattel halten konnte er am Anfang auch überhaupt nicht. Doch Fahir überzeugte Kasha und Naveen durch seine Ruhe, Mitgefühl und Selbstvertrauen.
    „Ja, wir sind da. Vom Wohngebäude sieht man nur noch verkohlte Ruinen. Die Raptorstallungen sind so gut wie weg.“ Beschrieb Naveen kurz die Umgebung. Seine Stimme klang belegt. Schließlich stupste er Kasha mit den Fersen leicht an und das gestreifte Dreihorn stapfe die leichte Senke hinab bis in die Mitte der Ruinen. Dort gab ihr Naveen den Befehl zum Ablegen und er und Fahir konnten absteigen. Der Raptor blähte die Nüstern und erhob sich direkt wieder. Fast ehrfürchtig setzte sie ihre Schritte langsam und vorsichtig, als sie an dem Ort umherging,wo sie geboren und ausgebildet worden war.
    Es herrschte Stille. Die Hitze flackerte weiter über den verkohlten Mauerresten und Sanddünen und die feinen Sandkörner glitzerten friedlich in der Nachmittagssonne. Doch in Naveens Gedanken war es kurzzeitig erneut die Nacht vor etwa einem Jahr. Als Geschmiedete die Gebäude in Flammen aufgehen ließen und die Bewohner des Hofes töteten. Von den Menschenleichen war nichts mehr übrig. Die Aasfresser der Wüste haben schon vor langer Zeit die Reste vertilgt,die die Angreifer übrig ließen. Während der langen Reise hier her zurück hatte er sich oft gefragt, warum er überhaupt nochmal zu diesem Ort wollte. Er wusste, dass es hier nichts mehr für ihn gab… wenn es das außer den Raptoren überhaupt je gegeben hatte.
    Vielleicht musste er sich vergewissern, dass er hier nichts zurückgelassen hatte. Sein Blick aus braunen Augen heftete sich auf die Mauerreste der Offenställe. Und dann sah er ihn.
    Den Sandhügel, aus dem der Schädel eines Raptors und die Reste des skelettierten Körpers zu sehen waren. Die Überreste des einst schwarzen, großen Raptors lagen verkrümmt im Sand. Das knöcherne Maul noch wild aufgerissen, die Augenhöhlen leer.
    Naveen schritt auf ihn zu und als er neben dem großen Schädel ankam, gaben die Knie des jungen Eloniers nach. Sehr langsam legte er die linke Hand auf Hrundirs Schädel, der hier und da, ebenso wie der Rest des Körpers, noch mit schwarzer, schuppiger, löchriger Haut überzogen war.
    Naveen erinnerte sich später nicht daran, jemals so von Trauer erfüllt gewesenzu sein. Der schwarze Raptor war sein Held. Hätte Hrundir die Geschmiedeten damals nicht aufgehalten, hätten er, Kasha und deren Schwester nicht fliehen können.
    Naveen trauerte nicht um die verstorbenen Zieheltern. Nicht um seinen Stiefbruder oder die Mitarbeiter der ehemaligen Raptorzucht. Er trauerte um einen Raptor, der für ihn in jener Nacht noch mehr Mut bewiesen hatte, als er selbst.
    Fahir tastete sich mit langsamen Schritten an seine Seite und hockte sich neben ihn. Naveen war sein Gefühlsausbruch vor dem Älteren nicht peinlich. Denn er wusste, dass Fahir gerade der einzige Mensch war, der ihn verstand.
    Schließlich schlich auch Kasha von der anderen Seite zu den Überresten ihres Artgenossen und sie schnupperte etwas aufgeregt mit gesenktem Kopf umher. Man kann wohl schlecht behaupten, dass das große Reptil traurig war, doch ihre grünen Augen schlossen sich halb, während sie kurz inne hielt, den Schädel hinabgeneigt. Langgezogen atmete sie aus. Wie ein schwerer Seufzer.

Kommentare 8

  • Lain -

    Hach, ich erinnere mich... so traurig~ :( Wie immer schön geschrieben!

  • Ovy -

    Da wird einem vor Augen geführt wie schnell die Zeit vergeht, ein Jahr PoF, kommt mir gar nicht so lange vor.

  • Luc / Zavo -

    Auch Raptis haben Gefühle :(
    schöne, aber wirklich berührende Geschichte.

  • Mahorka -

    Aww man.
    Sehr traurig, sehr berührend und wirkungsstark, ohne Überladung.
    Sehr schön Tashi, die Geschichte gefällt mir sehr, Danke <3

    • Tashi -

      Dein simples "Danke" hat mich wirklich sehr sehr gefreut. Freut mich sehr, wenn meine kleinen Geschichten gefallen :)

  • Arlassia -

    :( Ich editiere mal...weil der Smiley allein ist vielleicht missverständlich. Ich mag die Geschichte. Sie rührt mich nur zu Tränen.