Familienpost

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    Alexander Beaufort war nicht der beste, aber sehr wohl ein zuverlässiger Korrespondent, weshalb ihn im Laufe einer Woche nicht gerade wenige Briefe erreichten. Ein paar von Kollegen, ein paar von alten Freunden und Wegbegleitern und natürlich auch solche, die von seiner Familie stammten. Seine Schwestern berichteten ihm über ihre Gatten, die Kinder oder eine erneute Schwangerschaft, seine Brüder über Arbeit und Schule. Seine Eltern schrieben seltener, umso überraschter war Alexander, in der heutigen Post einen Brief seiner Mutter zu entdecken. Eigentlich hatte die Baronin es aufgegeben, ihren Kindern zu schreiben, denn, so sagte sie, die beruhigend allgemein gehaltenen Antworten auf Muttersorgen konnte sie sich auch selbst geben. So hätte man an Papier und Tinte gespart.
    Es musste sich also um etwas Wichtiges handeln, weshalb Alexander den Brief nicht gänzlich ohne Sorge öffnete. War Andrews Frau vor der Zeit niedergekommen? War Adam nun doch sein Blutdruck zum Verhängnis geworden?
    Der Arzt überflog die Zeilen und musste sich setzen. Schließlich seufzte er schwer. Die Götter wussten, wie es seiner Mutter gelungen war, die Information über die Anreise der Caldwells zu erhalten, bevor diese überhaupt ihre Koffer hatten auspacken können, aber sie hatte keine Zeit verloren und ihm in einer Subtilität, die ihresgleichen suchte, unter Anwendung höherer Heiratsmathematik erklärt, dass sich gleich vier heiratsfähige Caldwells in einer Stadt mit zwei heiratsfähigen Beauforts befanden und die Gelegenheit zu günstig wäre, um sie verstreichen zu lassen. Wenn er schon selbst ihre Hoffnung auf Enkelkinder so begraben müsste, dann könne er wenigstens seine Schwester vorteilhaft präsentieren. Ein Beaufort in einer Grafenfamilie. Man stelle sich das vor.
    Nochmals seuftzte der junge Mann, bevor er tat, was alle pflichtbewussten Söhne heiratsstiftender Mütter tun würden. Er schob den Brief ganz unten in den Stapel zurück und vergaß, dass er ihn erhalten hatte.

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